
Wir HiFi-IFAs durften uns in den letzten Jahren häufiger mit verschiedenen Pretiosen der italienischen High-End Manufaktur Audio Analogue beschäftigen. Als da waren der AAdac, der Name verrät sein Tun, das AAdrive, ein passendes CD-Laufwerk, und die Endstufe AA100DM ebenfalls aus der pureAA Linie. Als Vollverstärker hatten wir den PUCCINI Anniversary im Haus und als Krönung die Vor-/Endstufen-Kombination ABsolute. Für das aktuelle Review wird zu unserer Freude das neue ambitionierte Vollverstärker-Flaggschiff MAESTRO 2.0 der Anniversary Linie zum Preis von rund 18.000 Euro bei uns im Hörzimmer vorstellig. Entlockte uns der PUCCINI Anniversary in seinem Test bereits ein „Mamma Mia!“, sind wir auf das edle Hörerlebnis gespannt, das uns nun erwartet.
Audio Analogue MAESTRO 2.0 – Annäherung

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, so sagt der Volksmund. Im Falle des MAESTRO 2.0 kann man das locker ummünzen, außer dass hier nicht der Olymp den frischgebackenen Besitzer des Vollverstärkers herausfordert, sondern die Entwickler von AirTech, die dem Vollverstärker ein Kampfgewicht von rund 48 kg mitgegeben haben. Damit steht er der ABsolute Endstufe praktisch in Nichts nach, deren Eindruck noch immer in mir nachhallt. Ist der Bolide nach allen Regeln der Kunst, beziehungsweise der Rückenschule, platziert – unnötig zu erwähnen, dass etwas Hilfe beim Aufstellen eine weise Idee ist – , sollte danach auch kein großer Bedarf mehr bestehen, das gute Stück durch den Haushalt zu tragen. Der Verstärker ist in ein schwarzes Tuch mit den Insignien des Herstellers eingeschlagen, was nicht nur schützt, sondern zudem auch noch einen edlen Eindruck macht. Äußerst anständig finde ich es in dieser Preisklasse, dass Audio Analogue ein hochwertiges Stromkabel Typ ALFA aus dem eigenen Hause AirTech beilegt, das direkt zum Musikhören einlädt und nicht nur zum Funktionstest nach dem Auspacken. Für Zubehör-Fans gibt es natürlich immer Luft nach oben, aber die Kombination macht out of the box ohne Bedenken Freude.

Das Auspacken ist, wie häufig im Leben, bereits ein Teil der Freude. Im Karton finde ich auch die Vollmetall Fernbedienung, welche die wichtigsten Funktionen wie Standby, Lautstärke, Mute, Quellenwahl sowie den Zugang zum Konfigurationsmenü (Setup) in logischer Anordnung der zylindrischen sowie gefasten, blanken Tasten steuert. Die eingefräste Längsnut sowie der ebenfalls fein gefräste Firmenschriftzug greifen Stilelemente des Gehäuses auf. Das Finish, silber oder schwarz, passt natürlich zum Gerätegehäuse.

Der MAESTRO 2.0 ist in seinen Funktionen sehr stringent und reduziert. Damit erinnert er technisch an die Verwandtschaft mit dem ABsolute Preamp. Beide reduzieren sich, und damit starten wir eigentlich auch gleich am Heck des Gerätes, auf fünf analoge Eingänge: Drei Cinch, zwei symmetrische XLR. Die Idee dahinter ist, ganz klassisch das Signal von Spezialisten aufbereiten zu lassen, wie zum Beispiel dem hauseigenen Digital/Analog-Wandler AAdac oder dem Phonvorverstärker AAphono. Der Blick auf die Anschlüsse verrät zudem gleich, dass Audio Analogue das Thema Symmetrie im Dual-Mono-Aufbau sehr ernst genommen hat. Als Abgriffe für die Lautsprecherkabel, es steht je ein Paar Plus/Minus je Stereo-Kanal zur Verfügung, dienen äußerst solide Lautsprecherklemmen, die an Flügelmuttern erinnern, mit Kernlochbohrungen für Bananenstecker. Neben der Kaltgerätebuchse befindet sich direkt der Kippschalter, der den Strom hart vom Netz trennt. An der Buchse ist übrigens praktischerweise markiert, an welchem der Pins sich der Entwickler die Stromphase wünscht.

Wie die Fernbedienung schon verraten hat, verfügt das Gerät über einen Standby-Modus, der moderate rund 0,5 Watt aus dem Netz und damit jährlich nur rund einen Euro fünfzig aus der Geldbörse zieht. Das lässt sich gegenüber Umwelt und Haushaltsetat bestens vertreten und macht damit den Griff hinter das Gerät nicht zwingend erforderlich – was übrigens mit einer Tiefe von 465 mm, einer Breite von 450 mm und einer Höhe von 200 mm recht stattliche Maße hat. Nun sind wir also an der Front angekommen, die mit der zentralen Bedienscheibe den MAESTRO 2.0 ebenfalls aus dem Standbyschlummer erwecken kann. Kurzes Drücken schaltet dann die Quellen durch. Das Drehen an der Scheibe ändert die Lautstärke, die übrigens eine feste Einstellung für den Start hat und beruhigend niedrig eingestellt war. Aber Achtung! Es gibt auch einen Direct-Mode mit vollem Festpegel 😉

Und wo wir grad auf der Front sind. Audio Analogue schafft es, der bewusst massiven Bauweise gleichzeitig eine italienische Eleganz zu verleihen. Dabei kombinieren sie einfach lesbare markentypische Merkmale mit Details, die die Baureihe ausmachen. Markentypisch ist auf der massiven Front die senkrechte Nut, die Symmetrie signalisiert, im Zentrum die große Scheibe und als Anzeigen die feinen, in einer Linie angeordneten, klar leuchtenden LEDs. Die größeren Baureihen zeichnet dann das Audio Analogue Firmensignet und das von AirTech aus, die auf die Oberseite, also den Rand der Frontplatte gefräst sind. Das Gehäuse entlüftet über Langlöcher rechts und links oben an der Deckplatte. Ein Hingucker sind die als Kühlelemente ausgeführten Seitenwangen, die keine klassischen Rippen aufweisen, außen also glatt sind, sondern im Wechsel große zylindrische oder langlochförmige Bohrungen quer durch den Block – im Sichtbereich oben großzügig gefast. Das ist fertigungstechnisch auch mal eine Ansage.


Audio Analogue MAESTRO 2.0 – Technik
Der integrierte Verstärker MAESTRO 2.0 ist das neueste Produkt der Anniversary-Serie, abgeleitet vom Maestro Anniversary. Wie beim Vorgänger arbeiten auch beim neuen MAESTRO 2.0 alle Stufen ohne globale Rückkopplung. Die Ausgangsleistung wurde auf 200 Watt bei 8 Ohm erhöht, was durch eine Skalierung aller Treiber- und Endstufen erzielt wurde. Im neuesten Modell kommen jetzt vier Transistorpaare pro Kanal zum Einsatz. Die grundlegende Konfiguration bleibt die der umgekehrten Kaskade, die mit einer einzigen Verstärkungsstufe gefolgt von dem Ausgangspuffer vergleichbar ist.

Der MAESTRO 2.0 ist ein Vollverstärker mit vollsymmetrischer Schaltung und – wie bereits erwähnt – ohne globale Rückkopplung, wie man es auch von anderen Verstärkern aus dem Hause Audio Analogue kennt. Zudem ist der Verstärker konsequent in dual-mono aufgebaut, was bereits bei den beiden 670 Watt-Ringkerntransformatoren beginnt. Direkt hinter der Netzkabelbuchse verhält sich das Gerät also wie zwei separate Verstärker. Innerhalb der Verstärkerzüge setzen die Italiener die Separation fort, da jede Stufe des Verstärkers auf einem eigenen Board, insgesamt sechs, Platz findet. Die Boards sind mit Leitern aus Kupfer 7N OCC, wie es auch bei der Herstellung der hochwertigen AirTech-Kabel verwendet wird, miteinander verbunden. Leistungseckdaten sind 200 Watt je Kanal bei 8 Ohm, 400 Watt bei Last 4 Ohm und 600 Watt bei anspruchsvollen 2 Ohm.
Die Lautstärkeregelung ist als relaisgesteuertes Widerstandsnetzwerk ausgeführt, was das Klackern beim Schalten verrät. Diese Schaltungsart besitzt dadurch eine Präzision, die der einer digitalen Steuerung vergleichbar ist. Trotzdem erfolgt die Signalverarbeitung vollständig analog, wobei hochpräzise Relais und Widerstände verbaut werden. Im Konfigurationsmodus können passend zur Last vier verschiedene Lautstärke-Skalen gewählt werden. Ebenfalls einstellbar sind im Setup die Dimmstufen der LEDs (aus, mittel, maximal) sowie die Balance. Die Aktivierung des Direct Mode schaltet den Vorstufenteil auf Durchzug und macht den MAESTRO 2.0 zur Endstufe mit vollem Pegel. Dies funktioniert dann in Kombination mit Eingang Numero „3“.
Audio Analogue setzt sorgsam selektierte Komponenten auf höchstem Niveau ein. Die Widerstände entsprechen militärischen Normen, die Kondensatoren sind Audiograde und die weiteren Komponenten haben Sicherheit durch eine bewusste Überdimensionierung, die speziell gewählt wurde, um maximale Leistung und Zuverlässigkeit zu gewährleisten.
Audio Analogue MAESTRO 2.0 – Technische Daten
- Anzahl der Kanäle: 2
- Analogeingänge (Stereo): 2* XLR (symmetrisch), 3* Cinch (asymmetrisch)
- Eingangsimpedanz: 47 kΩ
- Maximales Eingangssignal: 6Vrms
- Leistung bei Last 8Ω (Ein Kanal in Betrieb): 200W @ 1% THD + N
- Leistung bei Last 4Ω (Ein Kanal in Betrieb): 400W @ 1% THD + N
- Leistung bei Last 2Ω (Ein Kanal in Betrieb): 600W @ 1% THD + N
- Empfindlichkeit (Nennleistung bei 8Ω): 720mVRMS
- Frequenzgang (Dämpfung 0dB, Band bei -3dB): 90KHz
- Ausgangswiderstand (Nennleistung bei 2Ω bei 1kHz): 0.2Ω
- Geräuschpegel (Bandbreiten-Grenzen 0Hz-80kHz): ≈20µV
- Geräuschpegel (Gewichtet A): ≈10µV
- Signal-Rausch-Verhältnis (SRV) (Dämpfung 0dB/Nennleistung 8Ω/Gewichtet A): ≈100 dB
- Leistungsaufnahme im Standby Modus: 0,5W
- Maße: 205 * 450 * 465 mm ( H * B * T )
- Gewicht: 47,50 kg
- Ausführungen: silber und schwarz satiniert
- Zubehör: Fernbedienung, AirTech Netzkabel

Audio Analogue MAESTRO 2.0 – Klang
Während des Tests des Audio Analogue MAESTRO 2.0 Vollverstärkers ereigneten sich gleichzeitig zwei Dinge: ich hatte die schlanken Hybrid-Elektrostaten Silberstatic SMART 14 zum Test im Hörraum und ich war auf dem Konzert von Kruder & Dorfmeister in der Liederhalle, die zum 25-jährigen Jubiläum ihre K&D-Sessions aus 1998 live auf die Bühne brachten. So ergab sich mein Einstieg in die hier beschriebene Klangreise.
Neben der Konzertkarte bekam ich zum Geburtstag auch das als Limited 25th Anniversary Edition neu aufgelegte Original Album (Drei CDs trügerisch in einem LP-Cover verpackt) geschenkt, das seitdem in meinem Schrank schlummerte. Am Tag nach dem Konzert war ich dann wirklich heiß darauf, endlich die Studio-Version zu hören. Und weil ich auf den MAESTRO 2.0 ebenso neugierig war, hatte ich ihn einen Tag vor dem Konzert mit den bereits bereitstehenden Silberstatic SMART 14 verkuppelt. So fanden die digitalen Datenströme der Compact Discs ihren Weg vom NuPrime CDT-9 über den MUTEC MC3+USB sowie MERASON DAC-1 mk2 an den italienischen high end Vollverstärker. Ich gebe gerne zu, der Sound hat mich vom ersten Ton in den Bann gezogen – aber ich will nicht spoilern.

Der erste Titel der zweiten CD „David Holmes: Gone Ft. Sarah Cracknell (K&D Session TM)“ arbeitet mit frappieren feinen Soundeffekten, die im ganzen Raum verteilt vor mir wie zufällig „passieren“. Wie ein feines, wohldefiniertes Prasseln. Dann ertönt ein Sound, der an Meeresrauschen erinnert. Eine leichte Brandung, die vor mir anlandend. Die Elektrostaten ziehen die Soundebene etwas höher ein, wie man es von konventionellen Lautsprechern kennt. Das machen sich richtig gut, weil der Sound nicht nur natürlich, sondern auch realistisch verortet wirkt. Der italienische Amp, der mit seinen stattlichen Ausmaßen und seinem amtlichen Gewicht sehr robust daherkommt, beweist ein feinsinniges Gefühl für Details, so dass der Gegensatz mich fast überrascht. Fast 50 kg Metall und Elektronik erzeugen einen Klang leicht wie eine Feder. Auch die Schellen klingen fein und lang aus. Dass der MAESTRO 2.0 aber auch anders kann, zeigt sich bei den Bass-Effekten und Basedrum-Schlägen, die sich mit der leisen, getragenen Stimme einer Sängerin abwechseln. Hier zeigt der Vollverstärker gleichzeitig Autorität und eine ruhige Hand. Das voluminöse und gleichzeitig kontrollierte Klangbild beeindruckt mich.
„Sofa Surfers: Sofa Rockers (Richard Dorfmeister Remix)“ scheint mit einem aufnahmetechnischen Kniff gearbeitet zu haben, der zu Beginn den Sound sehr weit über das Stereodreieck hinaus zu tragen scheint. Fast schon unheimlich, wie ich von der Musik umgeben werde. Die Präzision des MAESTRO 2.0 begünstigen diese Effekte natürlich, da er das Signal wie vom Tontechniker gewollt, an die Lautsprecher trägt. Vor mir das Bild wie beim Titel zuvor: ein satter Groove, präzise gesetzte Soundeffekte, ein feines räumliches Spiel mit dem Stereoeffekt inklusive Nachhall. Hier mit einer lässigen Männerstimme durchmischt. „Mama Oliver: Eastwest (Stoned Together)“ wechselt wieder auf eine Frauenstimme: „You got a passion…“ Jepp, mein Raum ist voll mit feinstem Sound. Die K&D Sessions können zur Passion werden. Mit den österreichischen Musikern, den deutschen Lautsprechern und dem italienischen Verstärkerprotagonisten haben sich echt drei gefunden, die miteinander können. Echtes Lauschgift. Ach ne, dazu braucht’s ja noch die Fanta Vier 😉 Mir ist es jedenfalls nicht schwergefallen, die drei CDs in einem Zuge durchzuhören. Beispiele könnte ich allein von diesem Album viele bringen.
Ich bleibe bei dem Setup und bei der Compact Disc, allerdings weg von der elektronischen Musik, hin zur natürlichen Klangerzeugung. Das aktuelle Album des Tobias Hoffmann Orchestras hört auf den Titel Innuendo und kommt ebenfalls imposant daher. Hinter dem Bandleader, der wie Kruder&Dorfmeister ebenfalls in Österreich künstlerisch seine Zelte aufgeschlagen hat, steht auch eine Big Band mit rund 20 Musikern. Und das, was ich vorher elektronisch generiert erleben durfte, passiert nun wieder. Die aufgespannte Bühne gereicht einer Big Band zur Ehre, der Raum stimmt in allen Dimensionen. Wenn es mal heiß hergeht, zu den Protagonisten zählt auch das Saxophon des wahlösterreichischen Maestros, bekommt der Klang den nötigen Nachdruck, verfällt aber nicht in Schärfe. Das ist nicht mit Weichspülen zu verwechseln, sondern das ist Souveränität. Der MAESTRO 2.0 lässt das Orchester im Zusammenwirken wunderbar auf den Punkt spielen, bündelt Impulse, das es wahre eine Freude ist.
Bei „No way back“ gefällt mir der Punch der Bassdrum, gleichzeitig ertönen die Hihats aber fein und klar. Natürlich ist das auch eine Studioaufnahme, die aber durch die korrekte Abbildung ihrer Komplexität so plastisch und gegenwärtig wirkt, dass man meinen könnte, einem Live-Ereignis beizuwohnen. Großen Anteil hat eben die räumliche Abbildung, was bei 20 Musikern gar nicht so einfach ist, die eine gelungene Mischung aus Positionierung und Abgrenzung einzelner Instrumente darstellt, gleichzeitig aber einen in sich verwobenen, wie homogenen Klangkörper liefert. Ganz wie in echt, nicht überzeichnet. Die allürenfreie Natürlichkeit macht das Gehörte schon besonders.
So, nun ist es an der Zeit die Diapason Adamantes V wieder zu Wort kommen zu lassen. Und mit ihnen wechsel ich auch auf den Lumin U1 mini, der über den Phoenix USB Reclocker den MERASON DAC1 mk2 als Zuspieler bedient. Als Musik starte ich mit einem Kontrastprogramm: kleine Besetzung und Single Mic Recording beim Label Sound Liaison. Tim Langedijk & Paul Berner an Gitarre und Kontrabass auf ihrem Album From Now On. Bei „Re: Stacks“ startet die Gitarre federleicht, fein und gefühlvoll gespielt. Eine schöne Balance mit viel Nähe, ohne aber das Ohr zu sehr auf jede einzelne Saite zu legen. Eine Stärke der Single Mic Aufnahme.
Die Gitarre sitzt rechts, mit dem Erscheinen des Kontrabasses in der Mitte wird die Räumlichkeit deutlich, die dem Album innewohnt – das es sich auch erlaubt im Sinne der Authentizität die linke Flanke unbespielt zu lassen und das Geschehen nicht übernatürlich auszudehnen. Von Paul Berner hört man fein die lautmalerischen Geräusche, mit denen er leise, vokal die Melodie von Tim Langedijk mit einem „ts, ts, ts… ts, tsss“ nachzeichnet. Das ist einerseits sehr entspannt, wie auch bei dem Cover „Black Hole Sun“ (Original: Soundgarden), anderseits im feinen sehr dynamisch und akzentuiert. Der MAESTRO 2.0 versteht dies klar nachzuzeichnen: präzise und ebenso selbstverständlich hat er einen großen Anteil, nimmt sich dadurch aber trotzdem selbst aus der Gleichung heraus. Das folgende „Let’s spend the night together“ nehme ich – obwohl es eher „high noon“ im Hörzimmer ist – gleich mit. Ein Anspieltipp.
Vom gleichen Label empfängt mich ein natürlich reproduziertes Begrüßungsklatschen des Intros vom Album Run from the moon von Claire Parsons & Eran Har Even. Damit zeigt die Aufnahme deutlich, dass sie den Raum vor dem Hörer weit aufspannen und großzügig füllen kann. Hier schöpft die Aufnahme nicht nur den Raum zwischen Lautsprechern aus, sondern scheint mit schwebenden Sounds auch darüber hinaus zu wabern. Leise dargeboten, aber effektvoll inszeniert. Ein bisschen wie eine Wolke, in die hinein sich der bedächtige Gesang von Claire Parsons bettet, aufgefrischt von Gitarren, die ebenfalls sinnieren, und gleichzeitig doch perlig halb links ins Geschehen hineinspielen. Sehr schön. Gut gefällt mir auch „Paranoia Purple“, bei dem der Gesang mich ein wenig an Lisa Ekdahl erinnert. Auch hier liegt die große Kunst des Audio Analogue Boliden wohl darin, auch bei niedriger Drehzahl ordentlich Drehmoment abzugeben, um der Musik mit Leichtigkeit und Natürlichkeit zu dienen und nicht nur – wie man bei der Erscheinung meinen könnte, wenn es um brachiale Gewalt geht. Das Klatschen am Ende des Titels lässt mich über meine nächste Musik nachdenken.
Spontane Entscheidung: Ich wechsel auf den Plattenspieler. Der Rega Planar P8, der noch auf der faszinierenden EsseCi AEQUILIBRIUM Basis ruhen darf, muss ran und da der MAESTRO 2.0 eingangsseitig ein Purist ist, auch der SPL Phonos Phonovorverstärker, der auf die Cinch-Eingänge des Vollverstärkers spielt. Es spielen die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von John Williams. Gestartet wird, wie es sich gehört, wenn der Meister das Pult betritt, wieder mit plastischem und raumgreifenden Applaus – so nahe, dass man die vielen Hände zu sehen scheint. Das Orchester startet direkt fulminant durch mit der „Olympic Fanfare“ und zeigt, wo der Hammer einer großen Besetzung hängt. Die Bläser haben Attacke und strahlen Enthusiasmus aus, klar die Glocken und Triangel, fein die Marschtrommeln und das alles auf einem soliden Fundament von der Pauke und was sonst noch Bass erzeugt. Eine Mischung, die der Audio Analogue MAESTRO 2.0 souverän im Detail und in voller Größe transportiert. Hier darf er neben Drehmoment auch Leistung liefern. Und er liefert, wenn Maestro Williams zum Tutti aufruft. Die Darbietung steckt mich als Hörer richtig an und zeigt, wie Puzzleteile ineinandergreifen und ein schlüssiges Bild erzeugen können.
Eine andere Stimmung generiert „Excerpts“ vom Film „Unheimliche Begegnungen der Dritten Art“. Bedrohlich, fulminant, scheinbar wirr aber doch mit Prinzip. Der Titel wechselt in einen beschwingteren Teil, der einen die Mächtigkeit des Orchesters nicht vergessen lässt, aber weitaus hoffnungsvoller daherkommt. Zu keiner Sekunde lässt John Williams die Zügel nicht locker. Er macht für die große Leinwand große Musik. Das macht richtig Spaß, weil die Anlage trotz der relativ kleinen Zweiwege-Lautsprecher Diapason Adamantes V voll mitgeht und nicht aufsteckt. Dem Ganzen tut die Kontrolle gut, die der italienische Vollverstärker den Lautsprechern segensreich zuteilwerden lässt. Großes Kino, nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Hörzimmer ist die „Suite“ des Westerns „Far And Away“ („In einem fernen Land“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman). Eigentlich steckt hier alles drin, was auch an klassischer Musik Spaß macht. Ich gebe zu, hin und weg zu sein von „Far and away“. Und die Doppel-LP The Berlin Concert hält davon noch einiges mehr bereit. Filmmusik der Extraklasse, in diesem Fall von und mit zwei Maestros.
Audio Analogue MAESTRO 2.0 – Fazit
Der neue Audio Analogue MAESTRO 2.0 Vollverstärker um 18.000 Euro wird im Portfolio der italienischen high end Audio Schmiede in der Anniversary Linie geführt, liebäugelt in seinem Auftreten aber schon dezent mit der der Top-Linie ABsolute. Der HiFi-Fan bekommt zunächst ein mit fast 50 kg Kampfgewicht offensichtlich solides sowie bestens verarbeitetes HiFi-Gerät an die Hand, das gleichzeitig Eleganz made in Italy ausstrahlt. Ganz wie seine Markengeschwister finden sich die optischen Tugenden auch in seinem Klang wieder. Der Integrated Amplifier MAESTRO 2.0 hält die Leine zum Lautsprecher kurz und übernimmt so spürbar die Kontrolle bei der Klangreproduktion, bleibt dabei aber routiniert entspannt. Einerseits gibt er dem Sound Nachdruck und Dynamik mit, anderseits bietet er als Gegenpol viel Feinheit und Charme sowie eine wunderbar weite und aufgeräumte Bühne. Der Audio Analogue MAESTRO 2.0 ist ein Statement im Hörzimmer für Musikfreunde, die einen puristischen Vollverstärker schätzen, der sich so auf seine Kernkompetenz konzentriert und den Hörer dafür mit begeisternder Musikwiedergabe belohnt. Was soll ich sagen… Che bello!
Im Test
Kompromissloser Vollverstärker mit fünf Line-Eingängen, Balance, vier wählbaren Lautstärkekennlinien und Direct-Mode
Audio Analogue MAESTRO 2.0
Preis: 17.990 Euro
Größe: 200 * 450 * 465 mm ( H * B * T )
Gewicht: 47,5 kg
Gehäuseausführungen: Aluminium Natur und Schwarz satiniert
Hersteller
Audio Analogue | AF Group SRL
Via Cesare Battisti 126G
51015 Monsummano Terme
Tel.: +39 (0) 572 – 030964
Mail: info@afgroupsrl.com
Web: www.audioanalogue.com
Mitspieler im Test
Digitale Quellen – LUMIN U1 mini mit SBooster Netzteil, Merason DAC1 Mk II, Musikserver Innuos ZENith Mk3, NuPrime Stream 9, NuPrime CDT-9 mit LPS-212, NuPrime DAC-9X mit Vorstufe
Plattenspieler / Phonovorstufe – Rega P8 mit Excalibur Platinum, Vertere Techno Mat, SPL Phonos
Verstärker – SPL Phonitor x mit DAC768 Kopfhörerverstärker/DAC, SPL Director Mk2.2 Vorverstärker/DAC, SPL Performer s1200 Stereo-Endstufe, Makroaudio LittleBIG Power Mono-Endstufe,
Lautsprecher – Dutch&Dutch 8c, Diapason Adamantes V, Elipson Planet L Gold Edition, Velodyne DD-12+, Silberstatic SMART 14, Pylon Audio JADE 10
Kopfhörer – ULTRASONE Edition 15
Signalkabel – WSS Platin-Line KS-20 XLR, WSS Premium-Line KS-200 XLR, Boaacoustic Evolution BLACK.rca, Sommer Cable Epilogue XLR, FastAudio Black Science mk III XLR
Lautsprecherkabel – in-akustik LS-1205 AIR, in-akustik LS-404 micro AIR, Boaacoustic Mercury
Digitalkabel – Boaacoustic USB-Kabel Silver Digital Xeno, Supra Cables USB 2.0 Excalibur, Supra Cables DAC-XLR AES/EBU, Supra Cables Excalibur DAC-XLR AES/EBU, WSS Platin Line DIGI 2 RCA
Netzwerkkabel – Wireworld Starlight 8, Boaacoustic SIGNAL.lanCat.6A, Supra Cables CAT8+
Netzkabel – Netzkabel Supra Cables LoRad 2.5, bfly bPower, WSS-Kabel Platin Line N3 & N4
Zubehör – Netzleiste Supra Cables LoRad MD07 DC 16 EU SP MKIII, SBooster BOTW P&P Netzteil, NuPrime AC-4 Power Conditioner, NuPrime Omnia SW-8 HiFi Netzwerk-Switch, Innuos PHOENIX USB-Reclocker, MUTEC MC3+ USB, Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star, Puritan Audio GroundMaster CITY & RouteMaster
Fotos: F. Visarius

