
Pylon Audio ist für uns zu einer echten Hausnummer in der HiFi-Welt geworden und wir freuen uns, den Weg auch nach dem Vertriebswechsel von Frank (Koglin) zu Frank (Urban) mit AUDIUM/VISONIK aus Berlin weiter begleiten zu dürfen. Das Pylon Audio außergewöhnliche Lautsprecher mit Aha-Effekt bauen kann, haben sie mit der beeindruckend großen AMBER mk2 (Test) und der – für einen Regallautsprecher ebenfalls recht großen – JADE 20 im Retro Look bewiesen. Klassischen HiFi-Look gibt es mit der DIAMOND 28 mk2. Die Frage ist nun: what comes next? New kid on the block ist die JASPER-Serie, aber da gibt es noch was Spannendes, das an die Pylon Audio Tradition anschließt: Nach der größeren JADE 30 runden die polnischen Lautsprecherspezialisten ihre Retro-Serie mit der JADE 10 in der interessanten Preisklasse um 3.000 Euro pro Paar nach unten ab. Wir freuen uns, den stattlichen Kompaktlautsprecher in unserem Hörzimmer begrüßen zu dürfen.
Pylon Audio JADE 10 – Annäherung
Die Pylon Audio JADE 10 haben ein Gewicht von circa 20 kg pro Stück und kommen daher einzeln verpackt zu mir ins Haus. Mit den Maßen 300 * 520 * 350 mm in Breite, Höhe und Tiefe fallen sie noch in die Kategorie der Regallautsprecher, scheinen ihren Klassenkameraden dennoch leicht entwachsen zu sein. In Größe und Proportion erinnern sie an die früheren Tage des HiFi-Zeitalters, also eigentlich an eine Zeit, kurz bevor mein Interesse am Thema begann. Zu diesem Eindruck passt das mit Ölwachs (Hartwachs) behandelte Walnuss Echtholzfurnier der Testlautsprecher, was mir persönlich sehr gefällt, weil es den Charakter natürlichen Holzes bewahrt und auch haptisch angenehm wirkt. Alternativ ist ein Mattlack schwarz gebeiztes Furnier erhältlich.

Mit einem halben Meter Höhe haben die Speaker ungefähr halbe Standlautsprecherhöhe. Aus dem Karton kommen sie mit circa 30 mm hohen Füßen in Gestalt quer montierter Leisten. Vorn ein bisschen höher, so dass sich eine leichte Neigung nach hinten ergibt. Das macht Sinn, möchte der Besitzer die JADE Ten, wenn der Hörabstand und Sitzhöhe passen, direkt am Boden aufstellen – oder auf ein Lowboard, das dann aber auch stabil und kein zusätzlicher Resonanzkörper sein sollte. Die Leisten sind mit insgesamt vier Kunststoffgleitern als Kontaktpunkte zum Boden versehen. Natürlich bietet sich auch die Aufstellung auf einem geometrisch passenden Stand oder Sockel an. Die Fußleisten lassen sich bei Bedarf demontieren – womit die Lautsprecher auch bereit für die hauseigene Lösung wären.

Wie für die JADE 20 bietet Pylon Audio auch für die 10er einen passenden Fuß aus dünnem Rechteckstahlrohr mit Zwischenebene an. Frank Urban vom Vertrieb VISONIK hatte mir ein Paar Ständer mitgeschickt. Das Rohr ist passend zur Schallwand mattschwarz, die Böden Walnuss. Der Fuß verwendet die gleichen Anschraubpunkte wie die Fußleisten. Am einfachsten ist es, die Lautsprecher auf einer weichen Unterlage (Achtung: aufpassen das da nichts Kratziges drauf herumliegt!) auf den Kopf zu stellen, so ist die Schwerkraft dein Freund, und den Fuß so zu montieren. Die Gesamthöhe mit Fuß liegt mit rund 900 mm dann auf dem Niveau kleiner Standlautsprecher, weiterhin um zwei Grad nach hinten geneigt. Für die Montage habe ich circa 30 Minuten benötigt.

Die Schallwand wird von einer gewebten Stoffbespannung im passenden Retro-Look verhüllt. Der stabile Rahmen sitzt straff in vier Zapfen in den Ecken und kann beherzt, aber natürlich mit Vorsicht, entfernt werden, möchte der Hörer freie Sicht auf die Systeme haben. Mir gefällt, dass der umgebende Holzrahmen des Lautsprechergehäuses schmal wirkt, was der Stirnseite eine gewisse Eleganz verleiht. Angeschlossen ist der Lautsprecher schnell und ohne lange überlegen zu müssen.

Die JADE 10 besitzen ein Single-Wiring-Terminal mit einem Paar solider Schraubklemmen (Plus/Minus), die auch eine Mittenbohrung für Hohlbananenstecker besitzen. Ich will nicht spoilern, aber so viel sei gesagt: auch wenn mit dem in-akustik LS-1205 AIR das Kabel am Lautsprecher immer verbunden blieb, wechselte an der anderen Seite die Verstärker-Elektronik ein paar Mal. Die JADE Ten hat mich neugierig gemacht. Mehr dazu im Klang-Teil, jetzt kurz ein Blick auf die Technik.

Pylon Audio JADE 10 – Technik
Pylon Audio hat die JADE 10 mit einem Wirkungsgrad von 88 dB konzipiert, was den Betrieb auch an leistungsschwächeren Röhrenverstärkern ermöglicht. Die interne Frequenzweiche besteht aus linearen Bauteilen und Folienkondensatoren, die individuell auf die Treiber abgestimmt sind. Die Nennimpedanz liegt bei 8 Ohm, die Dauerbelastbarkeit bei 100 Watt und Impulsspitzen hält die JADE Ten bis 180 Watt aus.

Im Tief-/Mitteltonbereich verwendet die JADE 10 einen Konustreiber vom Typ Pylon Audio PSW 22.8 CS mit modifizierter Zellulosemembran mit einer hohen inneren Dämpfung in Verbindung mit einem resonanzarmen Aufhängungssystem. Unterstützt wird er von einem leistungsstarken Ringmagneten mit fortschrittlicher Feldsymmetrierung und Wirbelstromreduzierungsringen, was einen präzisen Spielpartner zur Spule darstellt. Im Hochtonbereich ist ein professionellen Kompressionstreiber vom Typ Pylon Audio PST 25PO.8 verbaut, der auch in den größeren Jade-Modellen zum Einsatz kommt. Er ist mit einem kurzen, speziell angefertigten Tractrix-Horn kombiniert. Der Hochtöner verwendet eine CCAW-Schwingspule (Copper-Clad Aluminum Wire). Der Trick liegt in der Verwendung von Aluminium, das mit Kupfer ummantelt ist und so leichter ist als reines Kupfer ohne an elektromagnetischer Performance einzubüßen. Eine doppelseitige Wicklung sorgt für bessere Kühlung und geringere Kompression, was eine höhere Schallleistung ermöglicht. Unterm Strich springt für den Hörer ein Frequenzgang von 38 Hz bis 20 kHz heraus.

Das Gehäuse ist aus dicken MDF-Platten mit einer internen Verstrebung hergestellt, was für die nötige Steifigkeit und Resonanzarmut sorgen soll. Zur Dämpfung des Gehäusehohlraumes setzen die polnischen Lautsprecherspezialisten natürliche Schafwolle ein mit dem Ziel stehende Wellen zu eliminieren und zu verhindern, dass unerwünschte Geräusche durch den Bassreflexkanal austreten. Das Bassreflexsystem ist nach vorne gerichtet und mündet an der unteren Kante des Gehäuses. Es soll die beste Wirkung in der Nähe der Raumgrenzen (zum Beispiel Wände) bringen, unabhängig davon, ob der Lautsprecher direkt auf dem Boden oder auf dem optionalen Ständer steht. Pylon Audio hat die JADE 10 für kleinere Räume von 12 – 32 qm konzipiert.
Pylon Audio Jade 10 – Technische Daten
- Impedanz: 8 Ohm
- Frequenzgang 38 Hz – 20 kHz
- Nennleistung: 100 W
- Maximalleistung: 180 W
- Wirkungsgrad: 88 dB
- Lautsprecher:
Tiefton: Pylon Audio PSW 22.8 CS
Hochton: Pylon Audio PST 25PO.8 - Maße ( B * H * T ): 300 * 520 * 350 mm
Höhe auf serienmäßigen Holzfüßen mit Gleitern: ca. 550 mm
Gesamthöhe auf optionalem Stand mit Füßen: ca. 895 mm - Gewicht: 20 kg / Stück
- Ausführungen:
Amerikanische Walnuss Echtholzfurnier, wachsölbeschichtet
Furnier Mattlack gebeizt, schwarz - Empfehlung Raumgröße: 12-32 m²
- Lautsprecherabdeckung: Stoff mit Zapfenhalterung
Optionaler Stand – Technische Daten
- Maße (B * H * T): 270 * 375 * 313 mm
- Gewicht: 4 kg
- Neigungswinkel: +2 Grad

Pylon Audio JADE 10 – Klang
Ich hatte noch von einem vorangegangenen Test den High End Vollverstärker Audio Analogue MAESTRO 2.0 bei mir im Hörzimmer. Geschickte Marketingexperten würden vielleicht texten: ein spannendes Gesamtpaket für rund 20.000 Euro. Dies verschleiert natürlich – ohne dabei zu lügen – die Asymmetrie im Preis, da der feine Italiener dabei mit rund 18.000 Euro zu Buche schlägt. Die Pylon Audio JADE 10 haben aber beim Einspielen gezeigt, dass sie – was ich sehr positiv finde – auf den Verstärker wohlwollend reagieren und daher konnte ich mir diese Kombi nicht verkneifen, auch wenn sie so wahrscheinlich nie über die Ladentheke gehen wird. Eigentlich schade für die JADE Ten, die sagenhaft von dem Edel-Amp profitiert.
Ich habe mir die Kruder + Dorfmeister CD der K+D Sessions 25 Anniversary herausgesucht, genauer gesagt CD 1. Das macht Spaß, wie der Elektro-Sound bei Titel 1 „Roni Size, Reprazent – Heroes (Kruder’s Long Loose Bossa)“ wabernd in den Hörraum spült, dort hinein erklingt etwas, was sich wie eine Bahnhofsdurchsage anhört: verhuscht, verzerrt, authentisch. Die Hihats scheinen über die Stereobreite hinauszuspielen, mich gar ein wenig in die Zange zunehmen. Der Sound ist voll, aber ausgewogen. Ich möchte fast sagen: selbstbewusst. Ein alternierender Oberbasston erklingt in der Mitte. Raumgreifend, präzise, wohldefiniert, dazu die Frauenstimme. So wünsche ich mir Kruder + Dorfmeister bei mir zu Hause.
Der folgende Titel „Alex Reece – Jazz Master (K&D Session TM)“ startet mit Klängen, die mich ein bisschen an Mars Attacks erinnern, um dann eine entrückt klingende weibliche Stimme in die Mitte zu zaubern. Die JADE 10 sortiert das Geschehen und platziert die Akteure ordentlich. Dabei habe ich das Gefühl, das es dem polnischen Lautsprecher wichtiger ist, eine musikalische Klammer zu setzen, als alles knackscharf abgrenzen zu wollen – was für meinen Geschmack der Musik sehr gut tut. Dann setzt ein Bass ein, der sich gewaschen hat. Und die JADE Ten kann Bass und hier spüre ich die Wirkung des Verstärkerboliden, der zwar ordentlich Saft für das Spektakel liefert, aber die Sache gleichzeitig auch unter Kontrolle behält, so dass lautsprecherseitig nichts wummert oder aus dem Ruder läuft. „Ta da, ta da da“ singt die Frau da ganz lässig, während es im Basskeller ordentlich zur Sache geht. Klasse.
Beim folgenden „Speechless“ wäre mein Bekannter, der mich zum unlängst zum K+D Konzert eingeladen hatte – und den ganzen Abend auf den Titel gewartet hat – wohl vor Freude an die Decke gesprungen. Ein unglaublich klarer, knackiger E-Bass, der ein Hauch von Twin-Peaks-Atmosphäre (Serien-Fans wissen, was ich meine) versprüht, legt los, dahinter legt sich eine Frauen Stimme, die dem Song fast mystischen Charakter verleiht. Dann kommt das Schlagzeug ins Spiel, um zu sagen: auf geht’s, und treibt ab dann durch den Titel. Der lässige Bass und das Saxophon zeigen sich davon unbeeindruckt. Trotzdem geht es munter weiter. Ich bleibe auch sprachlos. Die JADE 10 hat die Steilvorlage des Highenders Audio Analogue MAESTRO 2.0 volley genommen und sauber abgeliefert. Respekt.
Wie es der Zufall so wollte, hing mein Rega Planar P8 auf dem außergewöhnlichen EsseCi Design AEQUILIBRIUM Stand noch über den SPL Phonos Phonovorverstärker am MAESTRO 2.0. Ein bisschen passend zum Look der Lautsprecher wählte ich nicht aktuelle Musik, sondern die Greatest Hits Doppel-LP von The Police. Was ich gleich sagen darf: die Pylon Audio JADE 10 und Schallplattenmusik sind dicke Freunde, dicker als es die Polizei erlaubt (die 5 Euro sind schon in der Wortspielkasse). Die polnischen Lautsprecher geben dem Analogsound noch so einen kleinen Kick mit, der allen gefallen wird, die einfach ihre Mucke degustieren und das zu Ohren gebrachte nicht akademisch sezieren wollen. Das ist kein Aufhübschen, eher das gewisse Etwas. Das wird schon mit „Walking on the moon“ deutlich, das mit ordentlich Punch der Bass Drums von Stewart Copeland, knackigen Schlag der Stick auf den Snare-Rahmen und dem präsenten Bass vom Oberpolizisten Gordon Matthew Thomas Sumner daherkommt. Da rein plärrt mit frechen Licks auf seiner Gitarre Andy Summers. Das hat echt Substanz und Energie. The Police sind bei allen klugen Texten keine akustischen Weichspüler, sie drücken Dir ihr Zeug übers Ohr ins Hirn. Und das funktioniert hier wunderbar.
Weiter geht es mit einem meiner Lieblingstitel: „Don’t stand so close to me“ in der Originalversion aus 1980 vom Album Zenyatta Mondatta. 1986 erschien übrigens noch eine poppig aufgepeppte Variante, die dem Song (leider) das kantige auspoliert hat. Wieder finde ich den 80er-Sound ausgesprochen vital und knackig. Die Bandbesetzung ist ja übersichtlich. Drei Polizisten, drei Instrumente, eine Stimme. Sting. Und der erscheint präsent aber unaufdringlich in der Mitte, die Instrumente peitschen durch den Sound. Einen Freund ideenreichen Bassspiels – wie mich – erfreut es, die Arbeit Stings an dem ihm eigenen Instrument mühelos verfolgen zu können. Ich warte auf den Schluss, in dem Sting den Refrain in zweiter Stimme in einen Canon umbaut. Das hört man nicht häufig. Dem Song tut es gut, dass die JADE 10 in Kooperation mit dem MAESTRO 2.0 ordentlich Fleisch an den Knochen bringen und die Klageschrift des Textes zu einem Stück Popgeschichte werden lassen. Aber einer geht noch, nein muss noch. Plattenwechsel, Titel 2… „There’s a little black spot on the sun today…“… Richtig, „King of pain“, mein absoluter Police-Favorit, den ich sehr berührend finde, musikalisch, wie textlich. Alles zuvor klanglich Beschriebene finde ich hier wieder und das lässt diese Darbietung zu einer der emotionalsten (!) werden, die ich jemals von dem Titel erlebt habe. Hut ab.
Nun tritt ein anderer Maestro ans Podium: Der MAESTRO Quantum von sonoro. Den habe ich ausgewählt, weil er uns HiFi-IFAs zum einen im Test sehr gut gefiel und zum anderen preislich gut zu den JADE Ten passt. Sie formen eine schlanke, komplette und in sich stimmige Musikanlage um 5.000 Euro. Die Klangbeeinflussung per DSP, die der Quantum ermöglicht, lasse ich unangetastet.
Musikalisch greife ich wieder The Police mit einem Cover auf, das ich mindestens so verehre, wie das Original: Alanis Morissettes Interpretation von „King of pain“ von MTV unplugged. Ganz nah aufgenommen kommt die fein gezupfte Akustikgitarre ins Spiel, groß und leibhaftig erscheint die Amerikanerin vor mir, ganz so, als würde sie für mich singen. Gleichzeitig hüllt mich das kurze Klatschen des Publikums in die Live-Atmosphäre ein. Mich spricht wieder diese saubere, bruchlose Sortierung an, die mir ein Bild davon gibt, wie die Musiker auf der Bühne gestanden haben. Die Stimme von Alanis Morissette und der zweiten Stimme halblinks haben Charakter und dürfen live klingen. Bass und das Piano haben in den unteren Oktaven ordentlich Schub und die Drums machen Druck. Ich meine in der ersten Reihe am Bühnenrand zu sitzen, vornehme Zurückhaltung wäre hier fehl am Platze, wenn die selbst ernannte „Queen of pain“ loslegt.
Sagenhaft auch „Ironic“ vom Studioalbum Jagged little pill. Auch hier die Gitarre links und eine nachdenklich zaghafte Alanis Morissette, die ihren eigenen Song einzuleiten scheint, bevor sie in die Vollen geht und den Refrain, ja, fast raus brüllt. Ein schönes stimmliches Wechselspiel, das die JADE 10 nicht ins Harsche und die Musik mit ihren sägenden Gitarren nicht ins Plärrige kippen lassen. Danke dafür, so kann ich mich an dem pfiffigen Text erfreuen. Anders „Head over feet“, das mir – natürlich auch von einer ordentlich verzerrten Gitarre begleitet – ordentlich den Beat erstaunlich trocken ins Hörzimmer stampft. Und ich denke bei mir: passt scho!
Ich merke, dass ich mir ältere Aufnahmen raussuche, die mir musikalisch gefallen. Wie „Once in a lifetime“ von Talking Heads vom Live-Album Stop Making Sense. Warum? Ich denke, weil die JADE 10 mit den Aufnahmen respektvoll umgehen und sie wie frisch aus dem Plattenstudio klingen.
Voll, in sich stimmig und energiegeladen. Die Talking Heads legen los wie entfesselt, die markante Bassline ist kraftvoll, die Stimme von David Byrne trägt den Hauch des Irrsinns in sich, die seinen Gesang ausmacht, umgeben von Chor aus Frauenstimmen. Die JADE Ten breiten das Spektakel weit vor mir aus. Ich grübel kurz, ob ich das Klanggewusel schonmal besser aufgedröselt gehört habe. Wahrscheinlich ja. Aber brauche ich das, um kopfüber in den Post-Punk einzutauchen? Wahrscheinlich nein.
Eigentlich ein gutes Schlussstatement, aber einen habe ich noch. Auf den speziellen und wie sich herausstellen wird auch äußerst berechtigten Wunsch von Frank Urban folgt noch die Kombi mit einem Röhren-Vollverstärker. Frank sagte mir gleich, eine Röhre müsse ich unbedingt mit der JADE Ten ausprobieren, und kurz vor Annahmeschluss 😉 sandte er mir dazu noch den FEZZ Audio LUNA Evolution zu – als alternatives Antriebskonzept in passender Preisklasse um 2.600 Euro.

Nach etwas Einspiel- und Gewöhnungszeit, die ich dem neu zusammengestellten Duo gönnte, geht es nun in den finalen Hördurchgang. Weil ich zuvor recht viel Spaß an der Musik hatte, suche ich nicht lange nach speziellen, audiophilen Belegen, sondern greife zu dem, woran ich beim Einhören bereits Freude hatte.
Dazu gehört Regina Spektor mit ihrem Album Begin to hope. Bekannt sind unter anderem aus der Werbung die Ohrwürmer „On the radio“ und „Fidelity“. Eins meiner Lieblingslieder ist jedoch das bittersüße „Samson“, das auf die biblische Geschichte von „Samson und Delilah“ referenziert. Das polnische Duo aus Fezz und Pylon umarmt mich förmlich mit der Atmosphäre die dieser Song kreiert. Sehr klar die Anschläge des Pianos, nah und sauber freigestellt der charismatische Gesang von Regina Spektor. Auch wenn der Vortrag mitunter sehr intensiv wird, kippt der Sound nicht ins Scharfe. Im Text verschlüsselt, durch den musikalischen Vortrag aber klar erkenntlich, handelt das Lied von tiefer Liebe und schmerzlichem Verlust, den ich als Hörer fast körperlich nachempfinden kann. Eine Gänsehaut macht sich breit.
Schnell eine Abwechslung, mein zweitliebstes Lieblingslied des Albums: „That time“. Auch der hat Charakter und schafft Atmosphäre, aber hier geht auf eine leicht nassforsche Art die Post ab. Auch davor macht sich das Duo nicht Bange. Die Bassdrums setzten stampfend ein, herrlich schrammelt die Gitarre mit gewollt leicht hohlem Sound ihres Korpus, der Bass brummelt kernig dazu. Alles sauber gezeichnet, sauber konturiert. Und wieder die Stimme Regina Spektors, die sehr realistisch vor mir erscheint. Die Musik an sich ist ja eher leicht rotzig dargeboten, wenn ich das so sagen darf, dazu blendet sich auch irgendwann noch das leise Brummen oder die Rückkopplung eines Gitarrenverstärkers ein, aber die Summe dessen erzeugt das Momentum, mit dabei zu sein und es gelingt der Kombi sehr gut, das wiederzugeben. Das folgende „Edit“ beweist nochmal, dass das Duo auch unter härteren Beats nicht in die Knie geht. Impulsiv, dynamisch, auf den Punkt. Trotzdem glänzen links die Hihats metallisch und das Klavier behält seinen ihm eigenen Sound aus dem Klang der Saiten und dem Resonanzvolumen des Korpus.
Zum Abschluss lasse ich mein Hörzimmer noch mit Klängen von tok, tok tok füllen. Kopf der deutschen Acoustic-Soul Band waren die Sängerin Tokunbo Akinro und der Saxophonist und Schlagzeuger Morten Klein, die zusammen mit wechselnden Gastmusikern spielten. Ich wähle das Album about aus 2005. „The Breakdown“ leitet mit einem Auto ein, das ohne Motor von links nach rechts auf Steinchen ausrollt. Der Anlasser orgelt und winselt heiser beim erfolglosen Startversuch. Wow, das klingt schon sehr realistisch, jedes Detail ist hörbar. Aber nicht nur da. Die Musik ist auch komplex und mit Feinheiten gespickt. Zum einen natürlich die schmeichlerische Stimme von Tokunbo dazu das Saxophon Morten Kleins und die komplexen lautmalerischen Geräusche des Taktgebers, die wunderbar als „mundgemacht“ zu erkennen sind. Dem ganzen ist noch ein Synthie-Sound unterlegt, der alles verbindet.
Die JADE 10 präsentiert mir das in allen Einzelheiten, stellt aber trotzdem das musikalische Gesamterlebnis in den Vordergrund, was ich sehr angenehm finde. Mit dem Titelsong „about“ ändert sich die Geschwindigkeit und die Gangart – garniert mit Tempowechseln, was dem Album eine herrliche Spielfreude verleiht und was auch bei mir auf dem Hörsessel ankommt. „When I am grown“ macht dafür wieder unheimlich lässig und entspannt weiter. Eine schöne Bandbreite. Mit dem Eindruck, Musik zu hören, die Musiker mit Freude für ihr Publikum darbieten, höre ich ebenfalls mit Freude weiter – verbunden mit dem Gefühl, die Musik zu hören, wofür sie gemacht ist: sie genießen zu können.

Pylon Audio JADE 10 – Fazit
Die Pylon Audio JADE 10 sind für 3.250 Euro das Paar in einer attraktiven Preisklasse unterwegs, die es dem Hersteller ermöglicht, dem Kunden etwas zu bieten, gleichzeitig aber erschwinglich zu bleiben. Pylon Audio verwendet für die JADE Serie beispielsweise optisch ansprechendes sowie handschmeichlerisches Walnuss-Echtholzfurnier, alternativ auch Furnier mit schwarzem Mattlack. Mit dem Äußeren setzen die Polen voll auf Retro und treffen für mich damit voll ins Schwarze. Mit meinem Urteil über den Sound lehne ich mich mal aus dem Fenster. Während man in HiFi-Foren noch bis tief in die Nacht um das letzte μ der Musikwiedergabe streitet, lehnt sich der JADE 10 Besitzer längst entspannt im Hörsessel Platz zurück. Die Lautsprecher liefern souverän ein in sich schlüssiges Gesamtbild ab, das für jede Musikrichtung passt. Der Sound löst sich locker von den Lautsprechern, erzeugt dabei ein breite sowie ausgefüllte Bühne. Auf einem soliden Bassfundament baut sich dann ein schönes Klanggerüst auf. Das lädt zum ausschweifenden Musikhören – gern auch mit Röhrenverstärkern – ein, bei dem das „Was“, nicht das „Wie“ im Vordergrund steht. Einfach mal Musik hören – auf hohem Niveau.
Im Test
Regallautsprecher im Maxi-Format und Retro-Look
Pylon Audio JADE 10
Preis: 3.250 Euro
Maße ( B * H * T ): 300 * 520 * 350 mm
Höhe auf serienmäßigen Holzfüßen mit Gleitern: ca. 550 mm
Gesamthöhe auf optionalem Stand mit Füßen: ca. 895 mm
Gewicht: 20 kg / Stück
Ausführung: Amerikanische Walnuss Echtholzfurnier, wachsölbeschichtet
Optionaler, passender Stand für Pylon Audio JADE 10
Preis: 595 Euro
Vertrieb
AUDIUM / Visonik
Catostr. 7b
12109 Berlin
Tel.: +49 030 613 47 40
Mail: kontakt@visonik.de
Web: www.audium.com/
Mitspieler im Test
Digitale Quellen – LUMIN U1 mini mit SBooster Netzteil, Merason DAC1 Mk II, Musikserver Innuos ZENith Mk3, NuPrime Stream 9, NuPrime CDT-9 mit LPS-212, NuPrime DAC-9X mit Vorstufe
Plattenspieler / Phonovorstufe – Rega P8 mit Excalibur Platinum, Vertere Techno Mat, SPL Phonos
Verstärker – SPL Phonitor x mit DAC768 Kopfhörerverstärker/DAC, SPL Director Mk2.2 Vorverstärker/DAC, SPL Performer s1200 Stereo-Endstufe, Makroaudio LittleBIG Power Mono-Endstufe, Audio Analogue MAESTRO 2.0, sonoro MAESTRO Quantum
Lautsprecher – Dutch&Dutch 8c, Diapason Adamantes V, Elipson Planet L Gold Edition, Velodyne DD-12+
Kopfhörer – ULTRASONE Edition 15
Signalkabel – WSS Platin-Line KS-20 XLR, WSS Premium-Line KS-200 XLR, Boaacoustic Evolution BLACK.rca, Sommer Cable Epilogue XLR, FastAudio Black Science mk III XLR
Lautsprecherkabel – in-akustik LS-1205 AIR, in-akustik LS-404 micro AIR, Boaacoustic Mercury
Digitalkabel – Boaacoustic USB-Kabel Silver Digital Xeno, Supra Cables USB 2.0 Excalibur, Supra Cables DAC-XLR AES/EBU, Supra Cables Excalibur DAC-XLR AES/EBU, WSS Platin Line DIGI 2 RCA
Netzwerkkabel – Wireworld Starlight 8, Boaacoustic SIGNAL.lanCat.6A, Supra Cables CAT8+
Netzkabel – Netzkabel Supra Cables LoRad 2.5, bfly bPower, WSS-Kabel Platin Line N3 & N4
Zubehör – Netzleiste Supra Cables LoRad MD07 DC 16 EU SP MKIII, SBooster BOTW P&P Netzteil, NuPrime AC-4 Power Conditioner, NuPrime Omnia SW-8 HiFi Netzwerk-Switch, Innuos PHOENIX USB-Reclocker, MUTEC MC3+ USB, Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star, Puritan Audio GroundMaster CITY & RouteMaster
Fotos: F. Visarius
