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Regallautsprecher

Test: Koaxial-Kompaktlautsprecher Fyne Audio F500S – Von wegen Schotten sind geizig!

Bernd WeberBy Bernd Weber4. Januar 2026

Mit den Kompaktlautsprechern Fyne Audio F500S aus Schottland steht dieses Mal eine besondere Spezies Lautsprecher auf unserem HiFi-Blog zum Test an. Bei diesen kleinen wie auch zierlichen Lautsprechern handelt es sich um Koaxiallautsprecher, eine Bauart, auf die man nun mal nicht alle Tage trifft. Dies ermöglicht die Entwicklung recht kleiner Lautsprecher, doch darum geht es dabei nicht, sondern um die Erzeugung einer Punktschallquelle. Ebenso klein wie der Lautsprecher ist auch der aufgerufene Preis, für knapp unter 1.000 Euro das Paar sind sie erhältlich, was heutzutage ja schon fast ein Sonderangebot zu nennen ist.


Fyne Audio F500S – Technik

Der Mittel-Hoch-Ton Koaxial-Chassis der Fyne AudioSo, jetzt habe ich oben in der Einleitung über Punktschallquellen gefaselt, dann sollte ich dazu wohl auch etwas schreiben. Also: Eine Urform von Punktstrahlern ist beispielsweise das Grammophon, doch über dessen Klangqualität muss ich hier wohl nicht viel schreiben… Alle Frequenzen von einem einzigen Treiber wiedergeben zu lassen, ist so trivial halt nicht. Doch ich muss gestehen, gelegentlich hatte ich auch schon exzellente Lautsprecher mit Breitbandtreibern vor mir stehen.

Um sich die Geschichte mit dem guten Klang bei einem besseren Frequenzgang bei einer Punktschallquelle etwas zu „vereinfachen“, kamen unter anderem die Entwickler von Tannoy in den vergangenen 40ern auf den Gedanken von Dual-Concentric-Treibern. Bei dieser Bauart sitzt der Hochtöner im Zentrum des Tiefmitteltöners, also dort, wo ansonsten eine Staubschutzkappe oder ein Phase-Plug beheimatet sind, dessen Membran wird praktischerweise ähnlich einem Waveguide zur Schallverstärkung gleich mit benutzt. Der Vorteil eines so konstruierten Lautsprechers ist der, dass alle abgestrahlten Frequenzen das Ohr zeitgleich erreichen, zu Laufzeitproblemen soll es so nicht kommen. Zudem sind Punktstrahler dafür bekannt, dass sie eine gute dreidimensionale Abbildung mitbringen. Ganz trivial ist so eine Entwicklung wohl nicht, werden doch die Antriebe zweier Chassis dabei ineinander verschachtelt. Ins Auge springt einem die geriffelte Gummisicke namens FYNEFLUTE™, zu ihrer Stabilisierung ist diese geriffelt und damit in der Lage, die Membran stabiler als bei einer klassischen einfachen Sicke zu führen.

Kompaktlautsprecher Fyne Audio-F500S: Geriffelte Sicke FYNEFLUTE™ am IsoFlare™ Koaxialchassis.

Getauft hat der Fyne Audio Entwickler Dr. Paul Mills – der ehemals bei Tannoy tätig war – diese Technik für die von ihm konstruierten Koaxialtreiber als IsoFlare™. Und auch für den nach unten abstrahlenden Bassreflex, etwas zusätzlicher Schub tut einem so kleinen Lautsprecher gut, hat er mit BassTrax™ eine vielversprechende Bezeichnung gefunden. Um klangschädigende Schwingungen zu vermeiden und eine bessere Schallverteilung zur Verminderung von Raummoden zu erzielen, spielt der Reflex nicht nach unten auf eine ebene Bodenplatte des Lautsprechers hin, sondern wird durch einen Kegel in Trompetenform in alle Richtungen gleichmäßig seitlich umgelenkt.

Auch ein Koaxiallautsprecher kommt nicht ohne eine Frequenzweiche aus, bei der Fyne Audio F500S werden verlustarme und laminiert gewickelte Induktoren zum Einsatz, diese haben eine bessere Energieeffizienz und sollen Wirbelstromverluste minimieren, diese werden um hochwertige Polypropylen-Folienkondensatoren ergänzt. Zwar werden diese Frequenzweichen per Computersoftware berechnet, doch schlussendlich bestimmt die Endabstimmung per Gehör das Ergebnis.

Fyne Audio F500S: Bassreflex mit BassTrax™ Downfire.

Verbaut und sehr sauber eingepasst sind das IsoFlare™ Koaxialchassis sowie der BassTrax™ bei der F500S in einem mit 20,4*31,7*32,5 cm sehr zierlichen Gehäuse aus MDF. Dieses gibt es in Hochglanz Schwarz und sogar in echtem Walnuss-Furnier, das kantenscharf und sauber verarbeitet ist, rückseitig findet sich dann noch ein stabiles Bi-Wiring-Terminal. Wer meint, es ginge nicht kleiner als mit der F500S, für den hat Fyne Audio tatsächlich noch die F5S für 700 Euro im Programm. In die andere Richtung geht es dann mit den Standlautsprechern F501S für 2.000 Euro sowie die F502S für 2.800 Euro. Und auch die Fans des Heimkinos kommen mit dem Centerlautsprecher F500S LCR auf ihre Kosten. Lediglich beim Subwoofer müssen diese dann auf eine andere Fyne Audio Lautsprecherlinie ausweichen.

Fyne Audio F500S – Technische Daten
  • Bauart: 2-Wege-Koaxial-Kompaktlautsprecher mit BassTrax™ Tractrix (Downfire)
  • Treiber: 1* 150 mm IsoFlare™ Punktschallquelle mit Mischfaser Tiefmitteltonmembran und 25 mm Druckkammerhochtöner mit Magnesiummembran
  • Trennfrequenz: 1,7 kHz
  • Frequenzgang: 45 Hz – 34 kHz (-6 dB)
  • Empf. Verstärkerleistung: 30 – 100 Watt
  • Wirkungsgrad: 89 dB bei 2,83 V / 1 m
  • Nennimpedanz: 8 Ohm
  • Maße: 20,4*31,7*32,5 cm (b*t*h)
  • Gewicht: 8,3 kg je Lautsprecher
  • Farben: Hochglanz Schwarz, Walnuss Furnier

Fyne Audio F500S – Klang

Wie immer zu Beginn eines Hörtests stellt sich die Frage: Welches Liederl hätten Sie denn gern? Nehme ich einen gut abgehangenen Standardsong, den ich in- und auswendig kenne und kann somit gut vergleichen, langweile damit jedoch den Leser. Oder suche ich mal ein neues Lied raus, auf die Gefahr hin, dass meine Klangbeschreibung nicht hundertprozentig passt? Sicherheitshalber greife ich daher erstmal auf Katie Melua und „Nine Million Bicycles“ zurück. Nun denn, diese Nummer erweist sich als ein guter Griff. Glasklar steht die Stimme der Sängerin vor mir, und: Obwohl die junge Dame einem je nach Lautsprecher schon mal etwas unangenehm im Ohr kitzeln kann, macht sie das mit den Fyne Audio F500S nicht, ihre Feinauflösung erscheint mir gut und nicht überkandidelt, das Gras wachsen hören würde ich wohl nicht mit ihnen, ein guter Start, wie ich finde. Auch die Flöte wird passend zur Stimme von Katie sehr rein und feingliedrig wiedergegeben, ähnlich den Streichern des begleitenden Orchesters.

Eine ebenso faszinierend klare und durchsichtige Stimme hat Aglaja Camphausen in ihrer Darbietung von „If I were a Carpenter“, einem flotten Jazz zusammen mit dem Kontrabassisten Thomas Falke. Einem Zweipersonenstück ohne sonstige Begleitung, aufgenommen, man fasst es kaum, in der Küche einer Altbauwohnung. Von einer derartigen trockenen Akustik wie dort, glaube ich, muss wohl jedes Aufnahmestudio träumen. Wie rasant und sportlich sehnig definiert der Kontrabass gespielt wird, Respekt. Bei diesem Lied positioniere ich die Fyne Audio F500S dann nach, anfangs nur leicht eingewinkelt, drehe ich die Kompaktlautsprecher immer weiter so weit nach Innen, bis deren Koaxialtreiber und ich uns direkt in die Augen schauen. Diese Maßnahme befördert die räumliche Darstellung in ihrer Qualität noch weiter als bisher, und ist nun, obwohl ich nur zwei Interpreten vor mir habe, absolut lückenlos.

Bisher treibe ich die Kompaktlautsprecher mit dem Rega Brio MK7, welche den Fyne Audio F500S einen eher knackigen Sound mit auf den Weg geben, an, doch aktuell steht auch noch der preislich passende Röhren-Hybrid-Vollverstärker Vincent SV-500MK bei mir im HiFi-Rack. Natürlich muss auch dieser ran an den Speck, also an die kleinen Koaxiallautsprecher. Das soeben gehörte Duo darf nochmal loslegen, ich bin gespannt. Nun denn, Aglaja Camphausen singt nun nicht mehr ganz so klar wie in der Kombi mit dem Rega, doch dafür wird der Mittenbereich in etwas wärmere und weichere Gefilde abgestimmt. Ebenso gilt dies für den Kontrabass, der nun in allen drei Dimensionen etwas gewachsen ein wenig fülliger wirkt, doch er bleibt nach wie vor definiert.

Bi-Wiring-Terminal am Koaxiallautsprecher Fyne Audio F500S.

Apropos drei: Der preislich nicht wirklich passende Roksan Caspian 4G will auch noch zu seinem Recht kommen. Dieser wirkt an den Fyne Audio F500S wie eine Edelmischung aus den beiden vorherigen Verstärkern, elegant und distinguiert wie ein englischer Lord, der dennoch weiß, wo der Hammer hängt. Preislich so hoch ins Regal muss man jedoch nicht wirklich greifen, die Koaxialsprecher verstehen sich wie beschrieben sehr gut mit Amps in preislich angenehmeren Gefilden. Auf jeden Fall: Die kleinen Boxen zeigen die klanglichen Unterschiede der vorgeschalteten Amps definitiv auf, das ist doch was. Und je länger ich sie laufen lasse, umso leichter gelingt ihnen dies. In der Zeit, in der ich die Koaxiallautsprecher bei mir habe, werden sie jeden Tag ein wenig geschmeidiger und schlüssiger in sich, so ein bis zwei Wochen sollte man ihnen schon gönnen, dann laufen sie zu ihrer Bestform auf. Einmal angeschlossen bleibt der große Amp dran, mit ihm höre ich dann auch weiter.

So wie mit Jan Garbareks „Where The River Meets“. Da bin ich schon etwas verblüfft, wie tief die Kompaktlautsprecher herunterreichen bei den Trommelschlägen. Ob ich mal? Ja! Ich will! Und drehe den Lautstärkeregler am Amp ordentlich auf. Noch weiter? Ja! Also das, was da so aus diesen kleinen Dingern rauskommt, das ist definitiv nachbarschaftsschädigend. Den Basstrax, den haben die Jungs von Fyne Audio in der Tat gut konstruiert, auch bei hohen Lautstärken und Wandnähe bleibt der Bass für so kleine Dinger erstaunlich stabil und definiert, geizig sind die Schottinnen da nicht. Das nenne ich mal ein Fundament, gefühlt reicht es ein ganzes Stück tiefer als es technisch eigentlich möglich ist. Ach ja, nicht zu vergessen: In diesem Lied geht es sehr weitläufig und sphärisch zu, und das macht nicht nur leise Spaß, ab Zimmerlautstärke tischen die Fyne Audio F500S dann richtig auf.

Es ist etwas später geworden beim Hören, entsprechend dem Tageslicht in der Adventszeit gehe ich über zum Album You Want It Darker von Leonard Cohen und seinem besinnlichen „Seemed The Better Way“. Mit dem elegischen Summen eines Männerchors beginnt das Lied, oha, das ist schon etwas schwermütig, und die melancholisch gestrichene Violine hebt die Stimmung auch nicht unbedingt an… Und dennoch schön anzuhören, wie sich ein Klangteppich vor mir ausbreitet. Der großartige Leonard Cohen kommt dazu, mit seinem rauen Sprechgesang steht er vor dem Chor, mehr rezitiert er als das er singt. Betrüblich und besinnlich, wie man es wohl nur im Alter mit seiner Lebenserfahrung sein kann. Dies beeindruckt mich so sehr, dass ich das Lied wohl ein Dutzend Mal höre. Und auch deshalb, weil die Fyne Audio F500S mir dies alles so losgelöst und geschmeidig zu Ohren geben. Die kleinen Koaxiallautsprecher spielen ihr Konzept voll aus, sie machen sich unsichtbar und verschwinden aus meinem Blickfeld.


Fyne Audio F500S – Fazit

Für knappe 1.000 Euro bekommt man einen für diese Preisklasse sehr aufwendig konstruierten Kompaktlautsprecher im erstklassig sitzenden Outfit. Klar und sauber abgestimmt sind die Punktstrahler, nervige Erbsenzähler sind sie glücklicherweise nicht. In Richtung trocken-ehrlich und ohne Schmalz abgestimmt, spielen sie im Mitteltonbereich neutral-natürlich und gewinnen im Laufe der Zeit weiter an Geschmeidigkeit. Im Bass agieren die kleinen Lautsprecher für diese Größe mehr als überzeugend und dabei definiert. Fantastisch bruchlos wie auch großzügig ist der Koaxiallautsprecher mit seiner dreidimensionalen Bühne. Gerne zeigen die dynamischen Koaxiallautsprecher Fyne Audio F500S auch die Unterschiede und Qualitäten der vorgeschalteten Verstärker auf, bei Zimmerlautstärke und mehr geben sie dann richtig Gas. Kleine Kiste, großer Klang, geizig sind diese Schotten nun wirklich nicht.


Im Test

Kompaktlausprecher
Fyne Audio F500S
2-Wege Koaxiallautsprecher mit Bassreflex
Maße: 20,4*31,7*32,5 cm (b*t*h)
Gewicht: 8,3 kg / Stück
Oberfläche: Hochglanz Schwarz, Walnuss Funier
Paarpreis: 949,- Euro


Vertrieb

TAD-Audiovertrieb GmbH
Hallwanger Straße 14
83209 Prien am Chiemsee

Tel.:  +49 8052 – 9 57 32 73
Mail: hifi@tad-audiovertrieb.de
Web: www.tad-audiovertrieb.de


Mitspieler im Test

Quellen digital – Netzwerkspieler Atoll ST 300 Signature, CD-Spieler Atoll CD200 Evolution, Musikserver Innuos ZEN MK.III
Quellen analog – Plattenspieler Rega Planar 6 mit MC-Tonabnehmer TAD Excalibur Black, Plattenspieler Sonoro Platinum mit Ortofon 2M Red, Phono MM- & MC Verstärker Trigon Vanguard III
Verstärker – Vollverstärker mit Phono-Eingang und D/A-Wandler Roksan Caspian 4G, Vollverstärker Rega Brio MK7, Vollverstärker Vincent SV500MK
Lautsprecher –
Standlautsprecher LUA Con Espressione, Subwoofer REL R 505, Standlautsprecher Indiana Line Diva 5, Standlautsprecher quadral SIGNUM 70

Kopfhörer – Offener Kopfhörer Focal Clear, Kopfhörerverstärker Divaldi AMP-02 mit Phono MM- & MC Stufe
Zubehör – Lautsprecherkabel: Supra XL Annorum, in-akustik LS-804 AIR DIY, in-akustik Referenz LS-204 XL Micro AIR. Kleinsignal-Kabel: Cinchkabel in-akustik NF-1204 Air, XLR- und Cinchkabel Fadel Art Pro Link. Stromkabel Supra LoRad 2.5, Netzleiste PS Audio Dectet, Powergrip YG-1 Netzfilter, HiFi-Switch NuPrime Omnia SW-8, LAN-Kabel Supra Cat8 & Wireworld Starlight


Test: Fyne Audio F701 Koaxial-Kompaktlautsprecher – Klare Laute

Test: Fyne Audio F501 SP – schlanker Koaxial-Standlautsprecher mit Dynamik

Koaxial-Lautsprecher & Breitband-Lautsprecher
Bernd Weber
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Aufgewachsen in der Blütezeit des HiFi mit Telefunken Allegretto TS 2020 nebst einem Dual 1228 mit Reibradantrieb und Wechsler. Damals habe ich die Technik des Duals bestaunt. Heute denke ich mit Grauen daran, wie die Schallplatten aufeinandergefallen sind...

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