Makroaudio gehört zu den kleinen, feinen HiFi-Schmieden mit durchdachten, geradlinigen Produkten, die der Leidenschaft ihres Vordenkers Eugen Gurskij Gestalt verleihen. Der deutsche Hersteller spielt nicht auf der großen Bühne, sondern bedient mit kleiner Stückzahl handgefertigter Produkte zu äußerst attraktivem Preis eine Fangemeinde abseits der Showrooms großer HiFi-Tempel. Die Tests der HiFi-IFAs, unter anderem der überragend klingenden Stereo-Endstufe PROxium POWER sowie der kleinen Monoblöcke LittleBIG Power im Stil der SAC Igel, empfehlen die Makroaudio Geräte für Fans klassischen HiFis. Seine Produktpalette rundet Eugen Gurskij nun konsequent mit dem passenden Vorverstärker Makroaudio PROxium PRE ab, der in der Preisklasse um 2.000 Euro antritt. Besonderheit: Der Besitzer hat die Wahl zwischen Röhren- und reinem Transistor-Betrieb. Das schauen und hören wir HiFi-IFAs uns jetzt für euch an.

Makroaudio PROxium PRE – Annäherung
Der Makroaudio PROxium PRE liegt beim Auspacken mit 9 kg ordentlich in der Hand, Eugen Gurskij meint es mit der Vorstufe also ernst. Der PROxium PRE sieht dem Kopfhörerverstärker STEINBERG V2, den ich ebenfalls zum Test in meinem Hörzimmer hatte, zum Verwechseln ähnlich, da sie sich offensichtlich das gleiche Gehäuse teilen. Aus konstruktionsmethodischer Sicht eine äußerst effektive sowie optisch gelungene Lösung. Obwohl die Frontplatte nur der Firmenname ziert, nicht aber die Modellbezeichnung, erkennt das trainierte Auge dennoch bald, dass in dem Langloch in der linken Gehäusehälfte keine Kopfhörerbuchsen mehr ihren Platz gefunden haben, sondern zwei hochwertige Taster, welche vor und zurück durch die Quellen schalten. Durch längeres Drücken wird hier auch auf den TAPE-Monitor geschaltet.
Mit der Langlochbelegung sind wir auch schon bei der berechtigten Frage, zumindest für Menschen, die den Test des STEINBERG V2 (aktuell um rund 1.700 Euro) und seine Vorverstärker-Funktion kennen, warum es nun noch einen PROxium PRE (um 2.000 Euro) als reinen Vorverstärker gibt. Der Entwickler Eugen Gurskij erklärte mir das so: „Der Steinberg V2 ist in erster Linie ein Kopfhörerverstärker. Dieser wurde so optimiert, dass er auch niederohmige Lasten (8 Ohm) antreiben kann. Der Verstärker musste jedoch abgebremst werden. Die Bandbreite der Vorstufe PROxium PRE liegt nun bei über 1,5 MHz, beim Steinberg V2 zum Vergleich bei 600kHz. Die PROxium PRE ist als eine rein analoge Vorstufe konzipiert: pur analog und voll symmetrisch. Zudem war da die Idee mit dem Röhrenklang.“

Doch zurück zum Gerät. Mit den Makroaudio Little BIG Power hatte der Ravensburger eine, wie ich finde, gelungene Gestaltung eingeführt, die nun den Charakter einer CI besitzt. Markant ist die 5 mm dicke, durchsichtige Plexiglasplatte, die zwischen der ebenso dicken Frontplatte und dem Gehäuse sitzt. Die Kombination vermittelt gleichermaßen Solidität wie Chic. Links sitzt der bekannte Kippschalter mit der integrierten roten LED, die vom Betriebszustand „EIN“ zeugt. Obwohl ein Kippschalter schaltet er „nur“ zwischen „ON“ und „STANDBY“, das auch bei längerer Pause automatisch aktiv wird. Die Schalterposition sagt also nichts über den Zustand des Gerätes aus, nur die LED. Das circa 70 * 23 mm (2,9″) große LCD-Display leuchtet im eingeschalteten Zustand blass blaugrau und ist in der Helligkeit einstellbar.

Hier kommt das griffige Dreh/Drückrad rechts ins Spiel, das normalerweise die Lautstärke regelt, die in großen, bestens lesbaren Ziffern den aktiven Wert zwischen 0 und 99 im Display angezeigt wird. Des Weiteren informiert die Anzeige über die gewählte Quelle, Gain, und an welchen Ausgang gespielt wird. Drückt man die Taste länger, wechselt man ins Setup. Die Bedienlogik ist mit etwas Erfahrung selbsterklärend. Drehen: Zeile auswählen > Click: bestätigt > Drehen: Wert auswählen > Click: bestätigt und zurück. That’s it. Hier lässt sich das Start-Up-Volume einstellen (was ich sehr praktisch finde), die Start-Source (eine bestimmte oder die letzte), die Display-Helligkeit (50-100 % oder OFF), Quellenname und Quellenpegel (-8 bis 0 oder BYPASS). Achtung! BYPASS umgeht die Lautstärke-Regelung. Hier muss die Lautstärkeregelung der Quelle greifen, die zum Beispiel ein Surround-Verstärker sein kann. Damit ist also eine Homecinema-Integration möglich. Die optionale Fernbedienung für 79 Euro ist die bekannte RC1, die in Aluminium ausgeführt ist. Damit können die im Betrieb wichtigsten Funktionen Lautstärke ( VOL +/- ), die Stummschaltung (MUTE), die Eingänge ( CH +/- ) sowie Standby (POWER) gesteuert werden.

Am Heck finden sich neben der Netzsteckerbuchse auch die Buchsen für fünf analoge Quellen, TAPE-Monitor und die Vorverstärker-Ausgänge. Des Weiteren gibt es noch einen 12 Volt Trigger-Ausgang. Ich entschließe mich bei den Zuspielern für preislich passende Komponenten von NuPrime: den Streamer STREAM 9 nebst Digital/Analog-Wandler DAC-9X), den ich mit einem Fastaudio Black Science MK III XLR-Kabel anschließe. Aus dem PROxium PRE geht es mit Sommercable Epilogue XLR-Kabel raus an die Makroaudio Brüder LittleBIG Power, die wiederum über Inakustik LS-1205 AIR auf die Chario Aviator NOBILE spielen. Weiter gehts… Nach Betätigen des Standby-Schalters klicken nach 40 Sekunden die Relais und geben den Vorverstärkerausgang frei, der die Verbindung zum Endverstärker darstellt. Sollte das System eine Unregelmäßigkeit feststellen, trennt das Relais sofort, ebenso beim Ausschalten. Damit schützt die Schutzschaltung die Endstufe und die Lautsprecher vor Ein- und Ausschaltstörungen. So, alles ist Verkabelt, weiter geht es mit etwas Technik.

Makroaudio PROxium PRE – Technik
Der Makroaudio PROxium PRE ist als analoger Stereo-Vorverstärker konzipiert und nicht nur zur Ansteuerung von Makroaudio Endstufen gedacht. Auf diese Feststellung legt Eugen Gurskij wert. Der PROxium PRE erweckt jede Art von Endstufen mit Leben, wirft dabei aber einen besonderen Blick auf Röhren-Amps. Die aufwendige Stromversorgung fußt auf einem vollvergossenen 80 Watt Ringkerntransformator.

Der PROxium PRE ist vom Eingang bis zum Ausgang vollsymmetrisch in Hybridtechnik aufgebaut. Das bedeutet, dass die Verstärkungsstufe vollständig mit diskreten Bauteilen bestückt ist. Nur an einem Punkt, wo die Röhrentechnik Vorteile bietet, setzt Makroaudio eine Doppeltriode E88CC oder eine ECC88 mit 120 Volt Versorgungsspannung pro Kanal ein, denen der Entwickler einen großen Beitrag zum Klang des Vorverstärkers beimisst. Halbleitertechnik in den Eingangsstufen sorgt für eine Maximierung der Rausch- und Störungsfreiheit im analogen Signal. In der Elektronik kommen beispielsweise als musikalische geltende Nichicon Kondensatoren aus „MUSE“ Serie zum Einsatz.

Einen Clou hat der findige Entwickler noch nachgelegt und unser Testgerät hat die Aktualität der Beschreibung auf seiner Internetseite überholt: Eugen Gurskij legt dem PROxium PRE Transistor-Module bei, die statt der Röhren auf deren Sockel gesteckt werden.
„Die grundlegende technische Idee war, mehr Röhrenklang in die Kette einzubringen ohne typische Schwächen der Röhre wie z.B. das Rauschen. Daher entschlossen wir uns, eine Hybridvorstufe zu entwickeln. Die Halbleitermodule waren zuerst gar nicht geplant.“ erläuterte mir Eugen Gurskij, „Die wurden erst später entwickelt und wegen einiger Kundenanfragen. Nicht jeder möchte Röhrenklang haben. Und einige wollen vom Verschleiß der Röhren komplett weggehen. So werden nun die Halbleitermodule immer mitgeliefert. Der Kunde kann selbst entscheiden, was er einsetzt.“
Makroaudio hat dieses Konzept nicht für den schnellen Wechsel konzipiert, da hierfür der Strom gekappt und der Deckel abgeschraubt werden muss. Eine Lösung per Schalter zum Wechsel zwischen Röhre und Transistor wurde bewusst nicht umgesetzt. „Das würde zusätzliche Signalwege, anderen größeren Platzbedarf bedeuten.“, erklärte mir Eugen Gurskij auf meine Nachfrage hin. „Technisch gesehen ist es möglich, aber weder das eine noch das andere ist dann „sauber“ umsetzbar. Für einen wöchentlichen Wechsel zwischen Halbleitermodule und Röhren ist das Konzept nicht gedacht. Man passt es einmal an die Kette an und erst wenn in der Kette etwas geändert wird, dann kann man wieder ändern und ausprobieren.“ Aus Sicht des Entwicklers spielt für die klangliche Wahl zwischen Röhre und Halbleitermodul auch die Abhörlautstärke eine große Rolle. Hier verhalten sich Halbleitermodule und Röhren unterschiedlich.
Das Halbleitermodul besteht aus einer Stufe, wie auch die Röhre, aber aus mehreren Transistoren. Der JFET Transistor am Eingang sorgt für eine hohe Eingangsimpedanz, wie bei der Röhre. Dieser JFET Transistor ist in Kaskadenschaltung mit einem Bipolartransistor geschaltet. Der Bipolartransistor sorgt für hohe Verstärkung, die selbst die Verstärkung der Röhre übertrifft. Dabei ist die Schaltung weniger linear im Vergleich zu der Röhre. Aus diesem Grund gibt es noch einen Transistor, der die Gesamtverstärkung reduziert und gleichzeitig die Schaltung linearer macht.
Die Lautstärkeregelung ist relaisgeschaltet und sorgt mit Festwiderständen für eine präzise und verlustfreie Pegelanpassung des Ausgangssignals. Der Dreh/Drück-Regler ist mit einem Schrittmotor als Drehgeber ausgeführt. Neben der Lautstärkeregelung übernimmt er die Navigation im Konfigurationsmenü, das in einem LCD-Display angezeigt wird. Die Eingangswahl ist über die beiden Tasten an der Front ebenfalls relaisgesteuert realisiert. Optional steht die Fernbedienung RC1 zur Verfügung. Praktisch ist die Standby-Funktion und, für Freunde des Systemgedankens, der 12 Volt Triggerausgang. Im Standby Zustand verbraucht das Gerät unter 0,3 Watt.

Als klassische Vorstufe lassen sich ausschließlich analoge Quellen über drei Cinch und zwei symmetrische XLR Eingänge anschließen. Zusätzlich steht eine TAPE-Monitor Funktion zur Verfügung mit fixem Ausgang und zugehörigem Eingang. Eine Heimkino-Bypass-Funktion ermöglicht das Einschleifen in ein Multikanal-Heimkino-System, das dann von den angeschlossenen Endstufen profitieren kann, zum Beispiel für gemeinsam genutzte Hauptlautsprecher.
Freunde des Buy Local dürfen sich freuen: Die Geräte von Makroaudio werden in Ravensburg, in Deutschland, handgefertigt.
Makroaudio PROxium PRE – Technische Daten
- Analoge Eingänge:
3* Cinch, 2* XLR - Analoge Ausgänge:
1* Pre-Out Cinch; 1* Pre-Out XLR)
1* Tape Ein- und Ausgänge - Frequenzgang: <1 Hz-1,5 MHz (-3 dB, 2 V output)
- Verstärkung: Cinch: 14 dB (5-fach) / XLR: 20 dB (10-fach)
- Klirrfaktor: <0,001% (1 kHz, 10 V), <0,0005% (1 kHz, 5 V)
- Max. Ausgangsspannung: 15 Veff.
- Röhren: 2* E88CC oder ECC88
- Lautstärkeregelung: analoge Relaissteuerung, 0,75dB/Schritt
- Eingangsimpedanz: 50 kOhm Cinch, 100 kOhm XLR
- Ausgangsimpedanz: 47 Ohm Cinch, 94 Ohm XLR
- 12 V Trigger-Ausgang: 3,5mm Klinke
- Leistungsaufnahme: 30 W
- Gehäuse
Abmessungen (B * H * T): 445 * 100 * 345 mm
Gewicht: 8kg

Makroaudio PROxium PRE – Klang
Nun geht es an den Start mit dem Ravensburger Trio, dem Makroaudio PROxium PRE sowie den LittleBIG Power Monos, und den Mailänder Kompaktlautsprechern Chario Aviator NOBILE, die ich neulich getestet hatte. Zu Beginn erwähnte ich, dass der Vorverstärker zwei Hardware-Konfigurationen hat: Mit Röhren und mit Transistor-Modulen, die auf die Röhren-Sockel eingewechselt werden können. Eugen Gurskij empfiehlt hier nicht den schnellen Wechsel, dazu muss ja auch stromlos der Deckel abgeschraubt werden, sondern eine Auswahl mit Bedacht. Ich entschließe mich zu folgender Vorgehensweise: Ich werde den PROxium PRE schwerpunktmäßig mit den Röhren hören und meinen Hördurchgang damit durchziehen, danach höre ich mit den Transistor-Modulen. Ich möchte keinen A/B-Vergleich mit aufwändigem, andauerndem Umstecken. Ich denke, so sollte es der Interessent auch machen. Abschließend stecke ich wieder auf Röhre um, höre erneut – und so bestückt geht das Gerät auch wieder in die Bodenseeregion zurück.
Ideen für den musikalischen Einstieg? Puh… Ich schaue durch meine Musiksammlung und Playlists und stoße auf Herbert Grönemeyer. Mit dem gebürtigen Göttinger (nicht Bochumer) verbindet mich die Ruhr-Universität Bochum, da haben wir beide – zeitversetzt – studiert. Im Gegensatz zu ihm war ich dort weniger als 26 Semester eingeschrieben, habe dafür aber mehr als 6 Semester – und mit Abschluss – aktiv studiert. Weiterer gravierender Unterschied: Im Gegensatz zu mir, kann Herbert Grönemeyer – mitunter sehr berührende – Musik machen 😉 In der Playlist des NuPrime Stream 9 stehen „Land unter“ und „Halt mich“ vom Album Live, an denen ich mich nicht satthören kann – auch ohne Grönemeyer Fan zu sein. Los geht’s. Der Liedermacher kündigt dem Publikum – und mir – seinen Titel mit dem lauten Ausruf „Land unter“ an. Damit hat er meine Aufmerksamkeit. Die HiFi-Kette bringt das sehr präsent rüber. Herbert ist bei mir im Hörzimmer angekommen. Auch das Publikum steigt direkt mit ein und lässt keinen Zweifel an der Livehaftigkeit der Aufnahme. Das alles wirkt nicht nur sehr plastisch, sondern auch sehr stimmig und ausgewogen.
Das textsichere Publikum singt wie ein Background-Chor mit, meistens leise beigemischt, wie ein flauschiger Teppich, wenn es drauf ankommt auch mal am Mischpult nach vorn gezogen. Der Song wird von einem langsamen, pumpenden Bass-Groove begleitet, der eine gewisse Schwere vermittelt, von dem Hoffnungsvollen und der Harmonie des Gesangs aber optimistisch überlagert. Das begleitende Akkordeon und das Intermezzo der klar gezeichneten Steel-Guitar setzen Akzente. Der Makroaudio PROxium PRE leistet dazu am Beginn der Verstärkungskette einen wesentlichen Beitrag.
Mit „Halt mich“ darf ich zu Beginn mit in der Musik baden, bis das Piano druckvoll das Ruder übernimmt und dann der Barde zu seinem Vortrag schreitet. Das in diesen Song eingebettete Saxophon-Solo bekommt seine Bühne, passt aber tonal wunderbar zum Rest der Aufnahme, da es nicht scharf oder überbordend wirkt. Schön sind die Geräusche des Publikums, die meistens leise sind, aber immer präsent, so dass der Eindruck des Konzerterlebnisses nie abreißt. Aus einem Guss halt.
Ich habe beim Hören das Gefühl, dass mich die Musik anspricht, mich erreicht. Herbert Grönemeyer thematisierte Verbundenheit sowie Unterstützung und darum geht es auch bei Eels „I want to protect you“ vom The Big White Soundtrack. Der Song beschreibt die verzweifelte Zuneigung von Paul zu seiner verhaltensauffälligen Frau Margaret (Robin Williams und Holly Hunter). Mit dem Filmwissen im Hinterkopf ein sehr bewegender Song. Das Makroaudio Trio macht daraus beim Abspielen keine Leistungsschau, so dass ich schnell in das Eintauchen kann, worum es Eels eigentlich geht – und das ist keine HiFi-Erbsenzählerei. Die Gitarre kommt crisp und nah, wie am Lagerfeuer, dazu die kurios verzerrte Stimme Eels‘, die aber nicht wie aus dem Joghurt Becher, sondern mit mehr Substanz klingt. Auf eine schöne Art fügt sich die Band mit fast heiterem Bass und Fundament schaffenden Bläsern ein. Lustig eingewoben ein Hintergrundchor im Dialog. Die leise Schelle erinnert an die winterliche Stimmung Alaskas – dem Ort des Geschehens. Die akkurate aber zugleich unaufgeregte Darbietung lässt mich schnell in den Film und seine besondere Stimmung eintauchen. Filmtipp aus 2005 für Freunde schwarzen Humors – und Woody Harrelson.
Ich bleibe noch in meiner Stimmung und bei Filmmusik. Der Film „Magnolia“ und die Musik von Aimee Mann sind ebenso bewegend. Herausragend für mich ist das berührende „Wise Up“, das wirkt, auch ohne den Kontext zum Film zu kennen. Das leicht verzerrte Piano zu Beginn überrascht, trotzdem hat es eine milde Klarheit mit schönem Nachhall, die es nicht zu einer Art Karikatur, sondern zum musikalischen Stilmittel werden lässt. Die Abbildung der leisen, bedächtigen und dennoch eindringlichen Stimme Aimee Manns, die klar und präsent in der Mitte vor mir steht, ist sagenhaft. „It’s not going to stopp, ‚til you wise up“ … Eingebettet in Streicher und einen leisen, aber nachdrücklichen E-Bass, die eine bruchlose Bühne für die Sängerin und das Piano schaffen.
Beim Stöbern bin ich auf Anoushka Shankar & Karsh Kale mit dem Album Breathing under water gestoßen. Eigentlich schade, dass ich es längere Zeit aus den Augen verloren habe. Anoushka ist die Tochter des bekannten Sitar-Spielers Ravi Shankar und in seine Fußstapfen getreten. Ihr Vater Ravi tritt auch als einer der Gast Musiker auf dem Album. Der Opener „Burn“ eröffnet mit fein gezupften, typischen Sitar Klängen und Streicher(ähnlichen) Sounds. Mit dem Einsetzen der satten Synthie-Sounds eröffnet sich im Hörzimmer in der Ebene der Lautsprecher eine breite und recht tiefe Bühne. Eine Mischung aus opulentem indisch angehauchtem Elektro und traditioneller Musik mit natürlichen Instrumenten. Die Stimme von Anoushka Shankar ist fein und gleichzeitig ausgewogen im Gesamtkontext.
Das folgende „Slither“ spielt mit Effekten, die das Geschehen auf der Stereo-Bühne beleben und die Weite des Raumes abstecken. Gleichzeitig zimmert Karsh Kale tiefe Soundeffekte zwischen die Lautsprecher, die ordentlich Druck haben, sich aber nicht vergaloppieren. Der Song vereint geschickt Feinheit und Power. Beeindruckend. Auch hier spürt man die gelassen ordnende Hand des Makroaudio Vorverstärkers. Um noch eine bekannte Stimme in den Gehörgang zu bekommen skippe ich zu „Easy“, bei dem Norah Jones zum Mikrofon greift und zu einer gelungenen Symbiose wird. Für Fans der amerikanischen Singer/Songwriterin, die den Titel noch nicht kennen, ein Anspieltipp.
Ein kurzer Abstecher in die reine Lehre des Elektro: Felix Labands „Miss Teardrop“ – auch lange nicht mehr gehört. Der Song pellt nochmal deutlich heraus, was sich schon bei Anoushka Shankar & Karsh Kale gezeigt hat: Ein beeindruckender Raum, der bei der besonderen Art der Aufnahme sogar noch etwas über die Lautsprecher hinaus zu spielen scheint. Das Kinder-Xylophon-artige Spiel klingt sehr realistisch und spielt ebenfalls mit den Stereo-Effekten: die einzelnen Anschläge sind auf der Bühne sauber sortiert. Und auch hier in der Mitte ein kräftiger, melodiöser Bass, der Spaß macht, es aber mit dem Raum gut meint. Die Effekte, die den Song begleiten, sind fein, aber nicht scharf. Auch hier komme ich, wie zuvor schon einmal, auf den Begriff „ausgewogen“.
Natürlich muss ich noch den Titel anspielen, der so heißt wie unsere Katze: „Minka / And the notes after“. Belohnt werde ich nicht nur mit dem Gedanken an unseren Stubentiger, sondern mit Sounds vom Allerfeinsten, die, zumindest in meinem Setup, das Thema Räumlichkeit, die diesmal meinen Raum zu fluten scheint, noch einmal auf beeindrucke Weise neu abstecken. Zu Beginn wieder dieses Xylophon. Diesmal exakt vor mir. Ich meine zu hören, wie die einzelnen Anschläge mit ihren kleinen Eigenheiten und Unregelmäßigkeiten passieren. Glasklar. Dazu gesellt sich eine Art Vogelgezwitscher, das nicht nur im Raum verortet wird, sondern sich mit einem Hall im Raum ausbreitet. Von dem Geplätscher und den feinen „Pings“ zwischendrin ganz zu Schweigen. Das ist ein echtes Sound Highlight, ein kleines Spektakel. Welche Komponente macht es nun? Schwierig zu sagen, weil es alle bringen müssen. Und dazu gehört auch der Makroaudio PROxium PRE.
Abschließend noch etwas Klassik: Antonin Dvoraks String Quintet, dargeboten von den Berliner Philharmonikern. Der PROxium PRE präsentiert das Musiker Ensemble als Einheit, in der sich die Musiker zwar positionieren, aber nicht wie Abziehbilder von fünf Solisten auf unterschiedlichen Stellen im Raum sitzen. Die Streichinstrumente umgibt eine Aura, die die Lücken schließt und das Quintett zu einer Einheit werden lässt. Ich persönlich finde Streicher-Darbietungen immer sehr bewegend, da die Instrumente eine breite Bandbreite an Emotionen transportieren können. Von traurig, flehend bis heiter und aggressiv ist alles dabei. Aus dieser Palette bedient sich Dvorak ebenfalls und die Makroaudios zaubern daraus eine feine Melange, der ich gerne zuhören mag. Da zwickt mich nichts im Ohr, hält mich aber dennoch mit Natürlichkeit und Spielfreude bei bester Laune.

Nun der Blick auf die Transistormodule. Der starke klangliche Charakter, der auf dem grundsoliden Aufbau des Makroaudio PROxium PRE basiert, bleibt auch nach dem Umstecken auf die Transistormodule erhalten. Daher habe ich wahrscheinlich den Eindruck, dass die beiden Konfigurationen klanglich eng beieinander liegen, aber trotzdem deutlich unterscheidbar sind. Hier möchte ich nicht von besser oder schlechter sprechen, sondern eher von einer Geschmacksfrage. In der reinen Lehre des HiFi mag man das vielleicht nicht so sehen, meiner Meinung nach sind Geschmäcker der Hörerschaft trotzdem verschieden.
Gegenüber der Röhrenbestückung habe ich die Transistoren im Sound als offener und mit etwas mehr Biss in den Höhen wahrgenommen. Gut zu bemerken war das beim Johlen und Pfeifen des Publikums bei Herbert Grönemeyers live Konzert sowie bei Aimee Manns s- und t-Lauten. Die Sitar von Anoushka Shankar wurde dadurch einen Tick crisper und transparenter, die sich dadurch noch leichter auf der Bühne abhob. Gleiches gilt für die Gitarre bei Eels „I want to protect you“. Auch der Stimmeffekt von Eels Gesang wurde dadurch verstärkt und rauer. Da das Xylophon bei Felix Laband in die gleiche klangliche Kerbe haut, scheint auch hier ein wenig mehr von den Details herauszuhören sein. Knackscharf sind dadurch auch die elektronischen Spielereien im Stereo-Raum.
Ich habe die Röhre als emotionaler und wärmer wahrgenommen, was mich mehr berührt hat. Die Transistorvariante wirkt im Bass etwas schlanker sowie konturierter und damit womöglich korrekter. Das merkt man nicht nur bei bewussten Basseffekten wie bei Herbert Grönemeyer oder Felix Laband, sondern auch, wenn es um Stimmungen geht wie bei Aimee Manns Gesang, die dadurch etwas distanzierter wirkt. All das spielt sich, das muss ich betonen, in kleinen Nuancen ab. Um den Eindruck zu untermauern stecke ich wieder auf die Röhren um und höre erneut. Mein aufsummierendes Bauchgefühl bestätigt mir meine einzelnen Wahrnehmungen. Tatsächlich habe ich meine persönliche Wahl getroffen. Wichtig aber ist, dass ich dabei kein Maßstab bin. Hier werden unterschiedliche Hörer anders entscheiden. Egal wie, der Makroaudio PROxium PRE wird Freude bereiten – was er mir danach auch noch eindrücklich an meiner SPL Performa s1200 Stereo-Endstufe bewiesen hat.

Makroaudio PROxium PRE – Fazit
Der Makroaudio PROxium PRE ist ein klassischer Vorverstärker mit fünf analogen Eingängen, der konsequent symmetrisch aufgebaut ist. Damit überlässt die Stereo-Vorstufe ihren Quellen die fachgerechte Aufbereitung zum analogen NF-Signal. Freunde symmetrischer Verkabelung dürfen sich freuen, da diese am Ein- und Ausgang möglich ist. Die Lautstärkeregelung übernimmt ein präzises Widerstandsnetzwerk. Besonderheit ist die Wahl zwischen dem Betrieb mit Röhren und rein als Transistor, die der Nutzer im inneren des Gehäuses mittels Steckmodul am Röhrensockel vornimmt.
Der PROxium PRE liefert einen grundehrlichen, angenehmen Sound, der nicht nur mit hauseigenen Endstufen, sondern auch hervorragend in Kombination mit anderen Herstellern funktioniert. Der grundsätzliche Aufbau der Vorstufe legt die klangliche Basis, die mit den Röhren für meinen Geschmack etwas mehr in Richtung Emotionalität und Überblick über die Musik tendiert, die reine Transistorschaltung wirft dafür einen etwas näheren Blick aufs Detail und kommt etwas offener daher. Mit rund 2.000 Euro ist der Makroaudio PROxium PRE ganz im Stil des Hauses fair bepreist, Made In Germany, und damit für geradlinige HiFi-Fans äußerst attraktiv.

Im Test
Klassischer Vorverstärker mit wahlweise hybridem Röhren- oder reinem Transistor-Betrieb
Makroaudio PROxium PRE
Preis: 1.990 Euro
Optionale Fernbedienung aus Aluminium
Makroaudio RC1
Preis: 79 Euro
Kontakt
Makroaudio
Eugen Gurskij Elektronik
Hegaustraße 4
88212 Ravensburg
Tel.: 0751 7680716
Mail: info@makroaudio.de
Web: www.makroaudio.de
Mitspieler im Test
Digitale Quellen – LUMIN U1 mini mit SBooster Netzteil, MERASON DAC 1 Mk II, MERASON DAC 2, Musikserver Innuos ZENith Mk3, NuPrime Stream 9, NuPrime CDT-9 mit LPS-212, NuPrime DAC-9X mit Vorstufe
Plattenspieler / Phonovorstufe – Rega P8 mit Excalibur Platinum, Vertere Techno Mat, SPL Phonos
Verstärker – SPL Phonitor x mit DAC768 Kopfhörerverstärker/DAC, SPL Director Mk2.2 Vorverstärker/DAC, SPL Performer s1200 Stereo-Endstufe, Makroaudio LittleBIG Power Mono-Endstufe, sonoro MAESTRO Quantum
Lautsprecher – Dutch&Dutch 8c, Diapason Adamantes V, Elipson Planet L Gold Edition, Velodyne DD-12+, Chario Aviator NOBILE
Kopfhörer – ULTRASONE Edition 15, DENON AH-D7100
Signalkabel – WSS Platin-Line KS-20 XLR, WSS Premium-Line KS-200 XLR, Boaacoustic Evolution BLACK.rca, Sommer Cable Epilogue XLR, FastAudio Black Science mk III XLR
Lautsprecherkabel – in-akustik LS-1205 AIR, in-akustik LS-404 micro AIR, Boaacoustic Mercury
Digitalkabel – Boaacoustic USB-Kabel Silver Digital Xeno, Supra Cables USB 2.0 Excalibur, Supra Cables DAC-XLR AES/EBU, Supra Cables Excalibur DAC-XLR AES/EBU, WSS Platin Line DIGI 2 RCA
Netzwerkkabel – Wireworld Starlight 8, Boaacoustic SIGNAL.lanCat.6A, Supra Cables CAT8+
Netzkabel – Netzkabel Supra Cables LoRad 2.5, bfly bPower, WSS-Kabel Platin Line N3 & N4
Zubehör – Netzleiste Supra Cables LoRad MD07 DC 16 EU SP MKIII, SBooster BOTW P&P Netzteil, NuPrime AC-4 Power Conditioner, NuPrime Omnia SW-8 HiFi Netzwerk-Switch, Innuos PHOENIX USB-Reclocker, MUTEC MC3+ USB, Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star, Puritan Audio GroundMaster CITY & RouteMaster
Makroaudio im Test bei HiFi-IFAs
Test: Kompakte Mono-Endstufen Makroaudio LittleBIG Power – Sexy Sound aus schwarzem Feinripp
Test: Makroaudio PROxium Power – High End Endverstärker mit Circlotron Schaltung
Test: Kopfhörerverstärker und Vorverstärker mit DAC – Makroaudio Steinberg V2 – Equal Play
Test: Kopfhörerverstärker mit DAC – makroAudio Steinberg um 1000 Euro


