Test: Kabelloser Aktiv-Lautsprecher AUDIUM Comp 5.2 AIR mit Streaming, Bluetooth & Airplay

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Die HiFi-IFAs sind ja regelmäßig mit Frank Urban und Klaus Siegesleitner, den Masterminds von VISONIK, im Gespräch. Es gibt immer viel zu bequatschen. Neben einem interessanten Vertriebsspektrum, zu dem Marken wie ATOLL und NuPrime gehören, entwickeln sie in Berlin mit AUDIUM ihre eigene Lautsprecher-Serie. Das spannende daran sind aus meiner Sicht zwei Dinge: Der konsequente Einsatz eines Breitbänders im schlanken Gehäuse in Kombination mit einem Tieftöner im Gehäuseboden sowie die durchgängige Deklination des Prinzips als passive, teilaktive, aktive und wireless Version. Letztere ist die jüngste Schöpfung unter dem griffigen Namen AIR. Bei den HiFi-IFAs im Test ist der kleinste Standlautsprecher der Serie AUDIUM Comp 5.2 AIR.      AUDIUM-Comp-5-2-AIR-Hoerraum-BeispielAufmerksame Leser unseres Blogs stellen fest, dass ich bereits die AUDIUM Comp 5.2 ACTIVE Mitte 2018 im Test hatte, als eins der ersten Lautsprecherpaare aus der zweiten Generation. Die kabellosen AIR nutzen die ACTIVE als technische Basis. Weil mir der Sound der Breitband-Lautsprecher sehr gut gefiel, war ich auf die funktionale Weiterentwicklung gespannt und scharf darauf, ein kabelloses Testgerät zu bekommen. Und an dieser Stelle zeigte sich, dass es womöglich nicht besonders klug ist, Dinge, die man unbedingt haben möchte, zu häufig anzusprechen.

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-EinzelnAus „Bitte schickt mir eine AIR, egal welche, nur keine 5.2, die hatte ich schon“ blieben im Laufe der Zeit im fernen Berlin wohl folgende elementare Stichworte im Gedächtnis: „Falk, AIR, 5.2“. Als UPS also zwei Sendungen mit je 19 kg ankündigte, konnte ich mir anhand der Paketgewichte in etwa vorstellen, was zu mir unterwegs war. Und zwei Tage später standen sie dann in meinem Flur: Zwei Kartons mit AUDIUM Comp 5.2 AIR 😉

Da ich einen Fang ungern ziehen lasse, ohne von ihm zu kosten, entschloss ich mich, die Lautsprecher nochmals auszuprobieren. Denn gefallen hatten sie mir ja, die Comp 5.2 ACTIVE. Und ein Wiedersehen mit guten Freunden macht auch mir Freude. Nach einem Telefonat mit Frank Urban war das Review besiegelt, auch wenn man sagen könnte: die klingen doch eh gleich. Jein. Denn Lautsprecher entwickeln sich im Detail weiter und ehrlich gesagt hat sich auch in meinem Hörraum einiges geändert. Zudem ist die AIR-Technologie neu für mich. So oder so. Und wie eine kompakte Comp 3.2 oder die große Comp 8.2 klingt, das kann ich euch auch später mal erzählen. So AUDIUM will – und wenn der UPS-Mann wieder zweimal klingelt….


Annäherung

Das schlanke Lautsprecher-Paar kommt in separaten Kartons. Und hier macht es wirklich Sinn von einem Paar zu sprechen, gibt es in dieser technischen Beziehung doch eine klare Rollenverteilung aus einem Master und ggf. mehreren Slaves. Jeder Karton wiegt für sich rund 19 kg, der darin enthaltene Lautsprecher um die 17 kg. Steht der Versandkarton erst einmal am Aufstellungsort, ist die Entnahme recht angenehm. Entweder im liegenden Karton mit zwei Personen, oder stehend. Dann lässt sich der Lautsprecher auch allein aus dem Karton herausziehen. Schnell das schützende Styropor entfernen, was auch am Sockel kein Problem ist, da der Lautsprecher gut zu heben ist. Doch Achtung! Unter den Sockel greifen! Oder nur vorsichtig am Rand zwischen Gehäuse und Sockel, denn dort ist der Tieftöner verortet, der in den definierten Spalt hinein spielt. Der schicke, weiße Hochglanz-Lack ist von einem Beutel geschützt.

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-Sockel-Bass

AUDIUM hat den Lautsprechern zudem noch recht spitze Spikes mit Kontermuttern beigelegt. Diese lassen sich leicht am liegenden Gehäuse montieren. Entweder wenn noch der Styropor-Schutz angelegt ist oder nach dem vollständigen Entpacken weich auf der Seite abgelegt. Wenn sich der Besitzer dann zum Aufrichten entschließt, sollte er vorher schonmal für eine kratzfeste Unterlage sorgen. Soll der Lautsprecher ohne Spikes entkoppelt stehen, gibt es im HiFi-Zubehör ja noch Alternativen, wie zum Beispiel Lautsprecherfüße mit passendem Gewinde. Ich habe mich für die Spitzen entschieden und den Lautsprecher auf Steinplatten frei im Raum aufgestellt.

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-Terminal-Netzteile

Dieses Paar Audium Comp 5.2 AIR war schon soweit eingerichtet und die Lautsprecher mit links und rechts gekennzeichnet. Also stellte ich sie auch direkt so auf und schraubte dabei die Antennen an. Die Lautsprecher-Position kann aber über das Menü am rückseitigen Terminal der Lautsprecher eingestellt werden. Die Rolle des Master und des Slave ist dabei technisch vorgegeben.

Der Strom für die Aktivisten kommt von einem ordentlichen Netzteil. Das Niedervoltkabel zum Lautsprecher ist dabei lang genug, so dass man das Netzteil auch irgendwo dezent verstecken kann. Es muss also nicht direkt beim Lautsprecher liegen. Wurde zudem im Haus, respektive der Wohnung, nicht mit Stromanschlüssen gegeizt, bleiben die Kabelstrecken überschaubar. Wenn beide Lautsprecher eingeschaltet werden, findet das Pairing zwischen den beiden innerhalb von 30 Sekunden statt. Dann kann es losgehen. Diesen Vorgang machen die beiden Lautsprecher automatisch untereinander aus. Zeit genug, um sich die AUDIUM APP V2 auf das iPhone zu laden. Hiermit lassen sich die Lautsprecher konfigurieren und steuern.

Natürlich macht es Sinn, den Lautsprecher direkt in sein Musiknetzwerk einzubinden. Dies geschieht mittels der APP und einer direkten WLAN-Verbindung zu den AIR unabhängig vom Heimnetz. So verbunden wählt der Installateur in der APP das Heimnetzwerk aus und gibt das Kennwort ein. Ist das geschehen, schaltet das WLAN-Modul um und die Kommunikation läuft ab sofort über das Heimnetzwerk. Das heißt, die Comp AIR taucht in der DLNA-Umgebung als Renderer (Player) für die Wiedergabe auf. So, wie auch ein Netzwerkspieler oder eine Streaming Bridge. Ebenfalls über das Netzwerk verfügbar ist Airplay. Dazu gibt es noch die Option der Bluetooth-Verbindung, die sich über die APP aktivieren lässt.

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-Terminal-schraegDamit ist die Comp 5.2 Air ein echter wireless Lautsprecher – sieht man mal von den jeweiligen externen Netzteilen ab, die mit einer Steckdose verbunden werden wollen. Freunde des Vinyls können übrigens Plattenspieler mittels Bluetooth aptX-Schnittelle kabellos mit den Comp 5.2 AIR verbinden. Geräte wie den Cambridge Audio ALVA TT, den Sonoro Platinum und den Blue Aura Blackline PG1 hatten die HiFi-IFAs in verschiedenen Preisklassen im Test. Dem konsequenten Wireless-Konzept zum Trotz bringt der Master-Lautsprecher dennoch eine RCA-Buchse für ein digitales Koaxial-Kabel und einen optischen Eingang mit. Diese lasse ich aber zum Auftakt links liegen und stürze mich auf meinen Musikserver, Bluetooth und Airplay.


Technik

AUDIUM bietet seine Lautsprecher in vier Ausbaustufen an: Passiv, Teilaktiv (Drive), Aktiv (Active) und Wireless (Air). Die Grundkonstruktion ist allen gemein. Ein Breitband-Chassis in Kombination mit einem Tieftöner, der als Subwoofer zum Gehäusesockel arbeitet. Die Entwickler versprechen sich vom 76mm (3″) Breitbänder in Bezug auf Impulsantwort und Phasenverhalten ideale Werte. Da keine Frequenzweiche im Signalweg ist, entstehen keine Phasenverschiebungen. Im Gegensatz zu einem koaxialen Chassis entstehen keine Reflexionsverzerrungen des Hochtöners, der auf eine modulierende Schallwand (bewegte Membran) spielt.

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-mit-und-ohne-Abdeckung

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-schraeg-vornDer ovale Tieftöner (230 x 150 mm) entlastet den Breitbänder im Bassbereich, was seinem Spiel in seinem Haupteinsatzbereich zu Gute kommt. Ein Schwirrkonus und ein aktiv mitschwingender Phaseplug unterstützen den Effekt. In den aktiven Versionen unterstützt eine Entzerrung mittels DSP (Digitaler Sound Prozessor). Jeder Treiber hat eine eigene Endstufe. Bei der Comp 5.2 arbeitet eine 100 Watt Digitalendstufe für den Bass, eine mit 30 Watt für den Breitbänder. In Summe also 130 Watt Systemleistung. Das Netzteil liefert 150 Watt. Das Endstufen-Modul arbeitet dabei mit Floating Power. Das heißt, jeder Kanal (Breitband / Tiefton) kann bei Bedarf je nach Last auf die volle Ausgangsleitung von 130 Watt zugreifen.

Alle aktiven AUDIUM Lautsprecher verwenden ein vom Hersteller selbst entwickeltes, hochintegriertes Modul, das eine Mikroprozessorsteuerung, DSP sowie die digitale Eingangs- und Endstufe zusammenfasst. Das Modul ist als 4-lagige Platine mit doppelseitiger SMD Bestückung ausgeführt und wird in Berlin gefertigt. Der Modulbaukasten umfasst je nach Modellvariante Platinen für die analoge Eingangsstufe inklusive DA Wandler (Active / Drive) oder das Streamingmodul bei der AIR. Da die AIR keine analogen Schnittstellen hat und komplett in der digitalen Prozesskette arbeitet, sollen Effekte wie Jitter, Quantisierungsfehler, Wandlungsfehler et cetera minimiert werden.

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-BackDie rückseitige Benutzerschnittstelle am Lautsprecher mit einem Dreh-/Drückrädchen verfügt über ein kleines grafisches Display. Dieses hilft bei der Einstellung von Lautsprecherparametern wie Raum, Bassboost, Position sowie dem durchstimmbaren Equalizer für eine einfache, individuelle Raumanpassung. Aber auch diverse andere Parameter wie Displayhelligkeit, Abschaltautomatik, Kanalzuordnung etc.

Auch die APP-Steuerung (verfügbar für iOS, Android sowie Windows, MacOs und Linux) sorgt für eine AUDIUM spezifische Programmierung der Anschluss- und Einstellparameter des DSP. Dieser arbeitet mit 96k und 48Bit Wortbreite, Berechnungen erfolgen mit 76Bit. Entwickelt und programmiert wird dieses Modul ebenfalls in Berlin. Ein Interlink-Board mit Transmitter sorgt für die Übertragung zwischen Master- und Slave-Lautsprecher(n). Letzterer kann zum Beispiel auch ein Subwoofer sein. Zur drahtlosen Übertragung verwendet AUDIUM ein proprietäres, unkomprimiertes Datenprotokoll mit garantierter Latenzzeit. Diese ist wichtig für einen korrekten Stereo-Eindruck.

Was die Fütterung der Lautsprecher angeht, sind natürlich die Schnittstellen interessant. Praktisch und zugleich zeitgemäß ist es wohl die Bluetooth AptX HD Verbindung. So kann jeder Besucher auf die Schnelle seine Songs zum Besten geben, ohne sich ins Netzwerk einwählen zu müssen. Damit bekommt der Umgang mit Highend-Lautsprechern den gleichen ungezwungenen Charme, wie sonst nur die handlichen Bluetooth-Spaßmacher für unterwegs.

Als Alternative bietet AUDIUM bei den AIR das Airplay an. Das erfreut Hörer, die in der Apple iOS-Welt zu Hause sind. Airplay nutzt das WLAN-Netzwerk, um einen Tunnel zwischen Quell- und Wiedergabegerät aufzubauen und darin seine Daten zu übertragen. Musik in CD-Qualität.

Apropos WLAN. Das WiFi-Board der Comp AIR Lautsprecher arbeitet mit einem Embedded Linux Core für AirPlay, DLNA, Bluetooth Apt-X, Spotify Connect, App-Kommunikation und so weiter. Es verwendet das 2.4GHz und 5GHz Frequenzband, wobei es HiRes bis 192k in Abhängigkeit der Netzwerk-Stabilität unterstützt. Die unterstützten Audio Protokolle sind AirPlay, UPnP/DLNA und OpenHome. Abgespielt werden die Formate: MP3, AAC, Vorbis, Opus, PCM, WMA, AC3, FLAC, ALAC, APE, WavPack sowie die Container MP4, MKV, OGG, WAV, AIFF, ASF. Spotify Connect ist integriert, TIDAL und QOBUZ sind über mconnect oder Bubble UPNP sowie Audirvana verfügbar.

Um Freunde der klassischen Geräteverbindung nicht zu enttäuschen, hält das AIR-Elektronik-Modul noch je einen optischen wie RCA SPDIF-Digitaleingang bereit. Diese Verarbeiten digitale Kost bis bis 192k/24Bit.

Technische Daten
AUDIUM 5.2 AIR Wireless Version
  • Breitbandtreiber: Ø 76 mm (3″)
  • Ovaler Basstreiber: Ø 150 x 230 mm (6″ x 9″) / Downfired Konfiguration
  • Rückseitiger Bassreflex
  • Leistung Aktivmodul Breitbänder: 30 W
  • Leistung Aktivmodul Tieftöner: 100
  • Digitaleingänge: SPDIF opt. Eingang (mini), SPDIF coax. Eingang
  • SPDIF Rate: bis 24/192 (opt+coax)
  • DSP, Raumanpassung, Bass-Management
  • Leistung Netzgerät: 150W

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-Terminals

Gehäuse
  • Echtholzfurnier oder Hochglanz-Lack
  • Abmessungen (BxTxH): 215 x 290 x 920 mm
  • Gewicht: 17 kg
Elektronik (integriert in Air Master)
  • AirPlay ( AirPlay 2 kommt Ende Q1 / 2021) und UPnP/DLNA kompatibler Empfänger
  • UPnP/DLNA bis 24/96
  • Optischer SPDIF-Eingang bis 24/192 (24/96 Comp3/5)
  • Coaxialer SPDIF-Eingang bis 24/192
  • Bluetooth Apt-X Empfänger
  • Eingangswahl automatisch oder via App
  • 2.4G / 5G WLAN
  • Arm Cortex Multimedia Prozessor
  • Externe 5dBi Antenne
  • Zelle: Bis zu 4 Slaves pro Master
  • Multiroom (Songcast): bis zu 6 Zellen
  • IR-Empfänger, lernfähig (Option)
Software
  • Audioformate: Mp3, FLAC, ALAC, AAC, aptX, LDAC, Vorbis/Opus, WMA, Ac3, APE/WavPack
    Container: Mp4, MKV, OGG, WAV, AIFF, ASF
  • Protokolle: UPnP / DLNA Kompatibel®, AirPlay kompatibel, OpenHome Standard®
  • Spotify Connect (für Premium User)
  • TIDAL / Qobuz® über mconnect, Bubble UpnP, Audirvana
  • WPS WLAN Einbindung
Funktionen AUDIUM App zur Lautsprecherkonfiguration
  • Plattformen: iOS , Android, MacOS , Windows , Linux
  • Justage der Lautsprecherparameter
  • Steuerung der Eingänge und Lautstärke
  • WiFi Einbindung der Lautsprecher
  • Setup für MultiRoom
  • Software Update

Klang

Ja, ich habe Vorfreude auf den Sound der Comp 5.2. Und ich bin gespannt. Warum? Der Mensch lebt in Erinnerungen. Er hat ein Bild von den vergangenen Dingen, auch wenn er sich nicht mehr an alle Details erinnert. Und die 5.2 ACTIVE haben einen sehr wohligen Eindruck bei mir hinterlassen. Wie werde ich sie jetzt erleben? In meinem Hörraum, der sich in den letzten zwei Jahren ja auch sehr verändert hat. Um unvoreingenommen zu sein, habe ich mein damaliges Review nicht noch einmal gelesen. Ganz bewusst.

Für den Betrieb der AUDIUM Comp 5.2 AIR benötigt man den ganzen Gerätefuhrpark im Bild unten übrigens nicht. Die schlanken Aktivlautsprecher bedienen sich im heimischen Musiknetzwerk beim Melco N-100. Zum Ausprobieren des verkabelten digitalen RCA-Eingangs kam die Streaming Bridge LUMIN U1 mini ins Spiel. Die Stromversorgung lief über den NuPrime AC-4 Power Conditioner. Der Rest ist in diesem Fall, wenn man so sagen will, Dekoration. Die schlankeste Variante der Aufstellung zeigte bereits das erste Foto des Berichts. Ein Server muss ja nicht zwischen den Lautsprechern stehen.

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-HoerraumBeim ersten Hören quer Beet durch die Favoriten meiner Playlist wurde ein schnell klar: die schlanke Gestalt ist eine geschickte Ablenkung vom respektablen Bass, den die Comp 5.2 AIR entwickelt. Der Tiefgang und die Energie im Tiefton ist in der Lage, auch die letzte Raummode aufzuspüren. Der zwei-bändige Equalizer schafft Abhilfe und macht eine Anpassung der Comp 5.2 an die Besonderheiten des Raums möglich. Hier lohnt es sich, sich etwas Zeit zu nehmen und entweder auf sein eigenes Gehör zu vertrauen oder ein einfaches Messprogramm zur Hand zu nehmen. Der Bass behält bei guter Einstellung seine Substanz, der Gesamtsound wird dabei aber spürbar ausgewogener.

cover-Agnes-Obel-AventineAb jetzt tauchte ich gezielt in die Tiefen meiner Playlist ein. Natürlich hatte ich bereits einige Stunden mit der Comp 5.2 AIR gehört und einen Eindruck bekommen. Mit Bluetooth – dem praktischen, klanglichen Einstieg in die Welt der Wireless-Lautsprecher – , dem klanglich hochwertigen, aber kabelgebundenen SPDIF-Eingang und im DLNA-Musiknetzwerk sowie Airplay. Berichten möchte ich über die Eindrücke der letzten drei Varianten.

An diesem, von Tauwetter geprägten Sonntag wollte ich mich mit Agnes Obel in Stimmung bringen, um meine Eindrücke zu dokumentieren. Wer Agnes Obel kennt, weiß, dass das nichts mit Party-Laune zu tun hat. Das Album „Aventine“ passt da eher zum schwindenden Schnee und zum Corona Lockdown.

Mit meiner Stimmung habe ich mir mehr oder weniger unbewusst Musik die Paradedisziplin der Comp 5.2 herausgesucht: Ein Klangbild aus einem Guss zu erzeugen und damit ein schlüssiges Stimmungsbild zu zeichnen. So möchte ich mit dem Lautsprecherpaar gerne meine Zeit verbringen. Es ist kein Angeber, der mit seinen Pfründen wuchert. Drängt sich nicht mit einzelnen Talenten unverschämt in den Vordergrund, sondern überzeugt mit der Geschlossenheit der Darbietung.

Das Album startet vom Musikserver mit „Chord Left“. Der Comp 5.2 AIR öffnet die Bühne für das Klavier. Präsent und in authentischer Größe erscheint das Instrument vor meinem geistigen Auge. Auf mich strahlt das Lied eine hoffnungsvolle Traurigkeit aus. Der Breitbänder gibt das, ohne bei den hohen Anschlägen harsch zu sein, an den Hörer weiter. Ich gleite leicht in die Musik hinein. „Fuel to fire“ folgt in der Playlist. Die tief gespielten Streicher zeigen, dass die zierliche Lautsprechersäule Substanz vermitteln kann. Ich habe es also nicht mit einem verkopften Schöngeist zu tun, der sich nicht in die tieferen Regionen der Musik hinab traut. Das tut der räumlichen Abbildung, aber eben auch der Stimmung sehr gut. Gleiches beobachte ich beim Sound von „Dorian“, der die Stimme von Agnes Obel gefühlvoll umarmt.

Um die Melancholie abzuschütteln und gleichzeitig den Tiefton-Federhandschuh aufzunehmen, den mir die Comp 5.2 keck hingeworfen hat, stoppe ich beim Scrollen in der Musikbibliothek bei einem Album, das ich lange nicht mehr gehört habe: „Untrue“ von Burial. William Emmanuel Bevan meint es in Sachen Tiefbass echt ernst. Alles beginnt mit einer Stimmaufzeichnung im Straßenverkehr und Vinylgeknister echt harmlos, um eine Minute später bei „Archangel“ hart einzusteigen.

cover-burial-untrueDas Genre: Hyperdub. Mit diesem Titel, spätestens mit „Near Dark“ zeigt Burial schonungslos Schwächen im Raum oder in der HiFi-Kette – und dabei in erster Linie die des Lautsprechers – auf. Mein Hörzimmer habe ich in den vergangenen zwei Jahren recht gut in den Griff bekommen und die Comp 5.2 AIR können reuelos in die Vollen gehen.

Der zierlich erscheinende Lautsprecher klingt unglaublich satt und rund. Ohne das etwas aus dem Ruder läuft. Hier zahlt sich der Einsatz des integrierten Equalizers aus. Gäste im Hörraum könnten bei der Darbietung den Eindruck bekommen, der Subwoofer liefe mit. Tut er aber nicht. Ich habe selbst vorsichtshalber nochmal den Netzschalter des Würfels überprüft.

In der Musik passiert ja so einiges. Auch bei „Ghost Hardware“ und „Endorphin“. Das ist nicht nur fetter Bass, da sind auch Stimmen, Soundeffekte, knackige Elemente. All das fügt sich stimmig auf einer athmosphärischen Bühne zusammen. Ich mag das Album eigentlich gar nicht stoppen.

Aber neben dem Musik-Streaming vom Musikserver wollte ich auch noch Airplay zum Einsatz bringen. Musik wird damit zum Beispiel von einem iPhone mit einer maximalen Abtastrate von bis zu 44,1 Kilohertz und 16 Bit übertragen, also in Audio-CD-Qualität. Eine gute Gelegenheit, einmal die Optionen digitaler RCA Eingang via LUMIN U2 mini, Musik-Streaming (beide bedient vom Melco N-100 Musikserver) und Airplay (online über Amazon Music) quer zu vergleichen. Als Musik dient mir hierbei Malias bekanntes „Celestial Echo“ und Keri Nobles „Talk to me“. Beide Songs geprägt von einer schönen Frauenstimme, aber auch von einem mehr oder weniger intensiven Bass durchsetzt.

cover-keri-noble-fearlessInteressanterweise gibt es Unterschiede im Sound. Obwohl alles digitital und in CD-Qualität angeliefert wird. Der Charakter der AUDIUM Comp 5.2 AIR bleibt dabei natürlich immer erhalten. Nach meinem Ermessen liefert Airplay einen vollen, voluminösen sowie auch präsenten Sound mit reichlich Spielfreude. Den Gegenpol liefert die Zuspielung über den digitalen RCA-Eingang, der für mich schlanker, aber auch konturierter und dabei korrekter wirkt. Nah dran am Kabel-Sound – und das Kabel wollen wir ja eigentlich vermeiden – ist das Musik-Streaming, das den vollen Sound der Comp 5.2 schön herausstellt, aber präziser als Airplay ums Eck kommt. Das Streaming ist für meinen Geschmack klasse auf den Lautsprecher abgestimmt. Unterm Strich wird man aber mit allen drei Varianten seine Freude beim Musikhören haben.

cover-wilhelmineEinmal möchte ich noch das Genre wechseln und bleibe bei der Frauenstimme. Da kommt mir Wilhelmine in den Sinn. Eine Mixtur aus Singer/Songriter und Bandsound – aber auch mit knackigem Sound.

Die Drums und der Bass sind ein gelungener Kontrast zur markanten Stimme von Wilhelmine, die die Comp 5.2 AIR in schöner Größe und Höhe zwischen die Lautsprecher in den Raum stellt. Der Opener der EP „Komm wie Du bist“ ertönt auch das Zupfen der Gitarren zackig aus den Breitbändern. Ebenso wie die auf dem Rahmen angeschlagenen Trommeln. Bei „Solange Du Dich bewegst“ vermittelt die AUDIUM, die mit Airplay eben diesen frischen, dynamischen Sound entwickelt, wie aus einem Guss genau dieses heiter positive Gefühl, das mir die Melancholie des Tauwetters vertreibt und die Vorfreude auf den Frühling weckt.

„Das ist für dich, Willi. Es ist schön, dass es dich gibt. Schenk‘ dir einen Spiegel, auf dem steht. „Vergiss das nie“. Ich mach‘ die Arme für dich auf. Du bist gut so, wie du bist…“ . Das sagt man einem guten Freund. Ein guter Freund? Hatten wir das nicht schonmal? 2018? Ja, denn es gibt Dinge, die haben Bestand. Die Comp 5.2 AIR und ACTIVE sind halt Brüder aus gleichem Stall. Und so verbringe ich noch etwas Zeit mit Wilhelmine und meinen beiden guten Freunden, den AIR, und genieße die Musik…


Fazit

Der erste Eindruck auch im HiFi ist zumeist ein visueller. Und hier macht der AUDIUM Comp 5.2 AIR bereits eine ausgesprochen gute Figur. Der elegante, schlanke Breitband-Standlautsprecher mit aptX HD und Airplay will sich nicht verstecken, wird zum schmückenden Objekt in jedem Hörraum. Dabei straft der Sound Schubladendenkern Lügen: wer einen ebenso schlanken Sound erwartet, wird angenehm enttäuscht. Der Comp 5.2 AIR offenbart Substanz in jeder Hinsicht und stellt sein Spiel auf ein solides Bassfundament. Stimmen, Instrumente, Elektronika lassen sich aus einem Guss und mit angenehmen Klangfarben in einem luftig aufgespannten Raum erleben. Die kabellose Konnektivität und Kopplung des Lautsprecherpaares um 3.500 Euro verbinden gelungen audiophilen Musikgenuss und Komfort.


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Im Test

Kabellose aktive Standlautsprecher mit Streaming-Client, Bluetooth und Airplay
AUDIUM Comp 5.2 AIR
Preis:
3.500 Euro
Ausführungen: Echtholzfurniere Mocca, Wildkirsche, Zebrano oder Hochglanz-Lacke schwarz, weiss

AUDIUM-Comp-5-2-AIR-Sockel


AUDIUM-Comp-5-2-AIR-BreitbaenderVertrieb

AUDIUM / Visonik
Catostr. 7b
12109 Berlin

Tel.: +49 030 613 47 40
Mail: kontakt@visonik.de
Web: www.audium.com/

 


Mitspieler im Test

Digitale Quellen – Streaming Bridge LUMIN U1 mini, Musikserver MELCO N100, D/A-Wandler MERASON DAC-1, Innuos PHOENIX USB-Reclocker
Vorverstärker – SPL Phonitor x mit DAC 768xs
Aktiv-Lautsprecher – Dutch&Dutch 8c
XLR-Signalkabel – WSS Platin-Line KS-20, WSS Premium-Line KS-200
Zubehör –  Netzkabel bfly bpower, Netzkabel Supra LoRad 2.5, Netzleiste SUPRA Cables LoRad MD07 DC 16 EU SP MKIII, NuPrime AC-4 Power Conditioner, SBooster BOTW P&P Netzteil, NuPrime Omnia SW-8 HiFi-Switch, bfly Satellite-Q Pro L

About Author

Vom HiFi-Virus als Jugendlicher infiziert ist HiFi + HighEnd seither Teil meines Lebens. Forenerprobt, als freier Autor und bei den HiFi-IFAs ist mein Motto: Alles kann nichts muss. Die Freude am HiFi und der Musik zählt.

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