Ja, die CD scheint tatsächlich ein kleines Revival zu erleben. Als ich dies im Jahr 2025 zum ersten Mal las, war ich skeptisch, weil ich kaum noch CDs abspielte und lieber auf Futter vom Musikserver oder Streaming-Dienst setzte. Nur noch selten wanderte eine Silberscheibe in den Schacht meines wahrlich nicht schlechten McIntosh-CD-Players, aber Kinder: Die Zeiten ändern sich. Wer immer nur streamt oder per Smartphone Musik über den Server abruft, dem fehlt auf Dauer das haptische Erlebnis: Der Eindruck, etwas Wertvolles in Händen zu halten, Künstler zu unterstützen. In der realen Welt zu leben. Nicht umsonst erlebte die Schallplatte in den vergangenen zehn Jahren einen kometenhaften Aufstieg – gerade auch bei jungen Leuten. Und die CD zieht jetzt nach – auch weil wieder mehr erstklassige CD-Player auf den Markt kommen. So wie der Atoll CD 400 Evolution aus Frankreich, der sich auch als D/A-Wandler einsetzen lässt.

Atoll CD 400 Evolution – Technik
„Ui, der macht was her“, war mein erster Gedanke, als ich den Atoll CD 400 Evolution aus dem Karton hob. Das Gewicht von zwölf Kilogramm lässt angenehmes Panzerschrank-Feeling aufkommen, doch das allein erklärt den hervorragenden Ersteindruck noch nicht. Denn auch die Verarbeitung und die Materialqualität machen auf Anhieb Lust auf mehr. Hätte ich nicht bereits das Preisschild von 5.600 Euro gekannt, hätte ich den seit Anfang 2025 erhältlichen Player preislich noch ein gutes Stück höher eingeschätzt, so hochwertig und für die Ewigkeit gebaut wirkt er. Die Front des Atoll-Spitzenmodells besteht aus zehn Millimeter dickem Aluminium, das in gebürsteter, mikrogestrahlter und eloxierter Form vorliegt, während die Beschriftung und der Atoll-Schriftzug präzise eingraviert sind. Man kann die Front in Schwarz oder Silber bestellen, während das restliche Gehäuse stets schwarz bleibt. Atoll entwickelt und fertigt das Gerät in Frankreich und nicht etwa in Fernost – eine Tatsache, die viele Interessenten sicherlich zu schätzen wissen.
In der Mitte sitzt ein längliches, schön kontrastreiches OLED-Display, das nach dem Anschalten ein gut ablesbares Blau zeigt und der Reihe nach Songtitel, Künstler und die Spielzeit des jeweiligen Songs anzeigt, sofern auf der CD entsprechende Titel- und Künstlerinformationen hinterlegt sind. Mit den Tasten auf der Front lassen sich die wichtigsten Funktionen steuern: An/Aus, Play/Pause, Stop, Skip vorwärts, Skip rückwärts sowie Repeat. Mehr Funktionen bietet die schlanke, serienmäßig beiliegende Fernbedienung, die zwar aus Plastik besteht, aber dennoch einen wertigen Eindruck hinterlässt – etwa Display ausschalten, schneller Suchlauf in beide Richtungen oder DAC-Betrieb. Sie sieht stylish aus, liegt gut in der Hand und wirkt sehr alltagstauglich, lediglich das fummelige Batteriefach auf der Rückseite ist keine Meisterleistung: Man bekommt es kaum auf und riskiert dabei seine Fingernägel.

Auf der Oberseite befindet sich ziemlich weit vorn ein sehr aufwendiges Toploader-Laufwerk, das man an einer Mulde mit dem Finger auf- und wieder zuschiebt. Das Betätigen des eher schwer- als leichtgängigen Schiebemechanismus steigert die Lust aufs Hören, weil die Konstruktion haptisch einen sehr guten und langlebigen Eindruck vermittelt. Das CD-Laufwerk besteht aus einem massiven Aluminiumteller, dessen Mechanik federnd beziehungsweise entkoppelt montiert und mit einem Antivibrationssystem kombiniert ist. Die CD wird von oben eingelegt und mit einem magnetisch haftenden Puck, der selbstverständlich beiliegt, auf dem Teller fixiert. All das soll eine präzise Abtastung der Silberscheibe ermöglichen und externe Einflussfaktoren in Form von Vibrationen reduzieren.
Im Inneren des Atoll CD 400 Evolution verrichten zwei PCM1792A D/A-Wandler aus der Burr-Brown-Familie von Texas Instruments ihren Dienst – einer pro Stereokanal. Atoll setzt folglich auf eine Dual-Mono-Architektur und nicht nur auf einen einzelnen DAC für beide Kanäle. Die getrennte Wandlung soll einen besseren Störabstand ermöglichen und ein geringeres Übersprechen zwischen links und rechts zur Folge haben. Atoll setzt zudem auf eine diskrete und vollständig symmetrisch aufgebaute Analogausgangsstufe mit bipolaren Transistoren, die im Class-A-Betrieb arbeiten. Atoll verzichtet nach eigener Angabe auf eine Gegenkopplung in der Ausgangsstufe.
Auch bei der Stromversorgung setzen die Franzosen nicht auf 08/15-Lösungen, da sie auf eine möglichst konsequente Trennung der einzelnen Funktionsbereiche ausgelegt ist, um gegenseitige Störeinflüsse zu minimieren. Die Audiostufen verfügen über zwei Ringkerntransformatoren mit jeweils 10 VA, um die allgemeine Versorgung kümmert sich hingegen ein separater 30-VA-Lineartransformator, während ein weiterer 1,6-VA Lineartransformator die Steuerlogik versorgt. Hinzu gesellen sich laut Hersteller noch zehn geregelte, voneinander unabhängige Versorgungseinheiten und eine Siebkapazität von insgesamt 48.000 µF.

Last, but not least handelt es sich beim Atoll CD 400 Evolution um keinen reinen CD-Player, sondern auch um einen D/A-Wandler. Dafür stehen auf seiner Rückseite drei digitale Eingänge bereit: USB-B (für Computer oder Musikserver ohne Wandler), koaxial S/PDIF und optisch S/PDIF. Der USB-Eingang ermöglicht asynchrones PCM bis zu 32 Bit/192 kHz, während koaxial und optisch bis zu 24 Bit/192 kHz drin sind. Die Umschaltung zwischen CD-Player- und DAC-Betrieb erfolgt mithilfe der CD/DAC-Taste auf der Fernbedienung. Der Player verfügt auch über digitale Ausgänge (koaxial, optisch sowie AES/EBU), falls man das CD-Signal lieber an einen externen DAC weiterreichen möchte oder einfach gerne experimentiert. Raus geht es analog nicht nur per Cinch, sondern auch – sehr lobenswert – per XLR. Atoll nennt eine Ausgangsspannung von 2,1 V RMS sowie eine Ausgangsimpedanz von 5,6 Ω. Ein harter Netzschalter rundet das Angebot auf der Rückseite ab, einen Kopfhöreranschluss gibt es hingegen nicht.
Atoll CD 400 Evolution – Technische Daten
- Geräteart: High End Audio CD-Player mit Toplader
- D/A-Wandler: 2 x Burr Brown PCM1792A
- Unterstützte Formate: Audio-CDs, CD-R und CD-RW
- Analoge Ausgänge: Cinch & XLR
- Digitale Ausgänge: koaxial, optisch, AES/EBU
- Digitale Eingänge: USB-B, koaxial S/PDIF, optisch S/PDIF
- Dynamikumfang: 132 dB
- Leistungsaufnahme: 18 bis 24 W im Betrieb, unter 0,5 W im Stand-by-Betrieb
- Lieferumfang: CD-Puck, Fernbedienung, Kurzanleitung, Netzkabel, Cinchkabel
- Abmessungen: 440 × 340 × 100 mm (B x T x H)
- Gewicht: 12 kg
- Farben: Silber oder Schwarz
- Preis: 5.600 Euro
- Garantie: 2 Jahre
Atoll CD 400 Evolution – Klang
Da der Atoll CD 400 Evolution noch sehr neu und unberührt aussah, verschaffte ich ihm erst mal ausreichend Akklimatisierungs- und Einspielzeit, um ihn klanglich fair beurteilen zu können. Ein paar Worte zur Kette, an der er spielte: Als Lautsprecher wählte ich die sehr neutralen Canton Reference 7, die am McIntosh-Vollverstärker MA8950 hingen. Zwischendurch durften auch die kompakte, aber mit 25 Kilo sehr schwere Drei-Wege-Box Piega Coax 411 am McIntosh nuckeln, um das Gehörte abzugleichen. Da der Atoll CD 400 Evolution auch über digitale Ausgänge verfügt, schickte er die ausgelesenen Daten über die AES/EBU-Schnittstelle (Kabel: Wireworld Micro Silver Eclipse 8) an den PrimaLuna-Röhren-DAC EVO 100, um klangliche Unterschiede zwischen den Wandlersektionen freizulegen. Und last, but noch least musste er selbst auch als reiner DAC herhalten, wenn er per USB (Kabel: Audioquest Diamond) an den wandlerlosen Musikserver und Streamer Innuos Zenith MK3 angeschlossen war. Als Lautsprecher- und Cinchkabel kamen Strippen aus Goldkabels Executive-Serie zum Einsatz.
Anfang der 2000er-Jahre zählten Staind zu den populärsten Bands im Modern-Rock- und Metal-Kosmos, was vor allem an Aaron Lewis’ rauchiger, immer leicht melancholischer Stimme und seinen Texten über Schmerz, Sucht und Verlust lag. Das 2003er-Album „14 Shades Of Grey“ hatte ich eine Ewigkeit nicht mehr gehört, die Zeit für diesen Sound schien längst vorbei. Doch als mein Blick im Regal darauf fiel, landete es spontan im Atoll CD 400 Evolution. Und siehe da: Die Musik ist gut gealtert und wirkt auch anno 2026 kein bisschen blass. Im nachdenklichen „So Far Away“, das von zwischenmenschlicher Entfremdung handelt, ertönt Lewis’ Organ mit einem Hauch Wärme, die einen förmlich in den Song saugt. Das Spiel mit den Emotionen scheint der schicke Player aus Frankreich sehr gut zu beherrschen. Blitzschnelles Umschalten auf den PrimaLuna-Röhren-DAC, der die Mitten mit einem Hauch mehr Schmelz darstellt, ansonsten aber erstaunlich ähnlich klingt. Beide haben Seele und bilden nicht nur einfach nüchtern ab.

Im Bass kennt der Atoll keine Zurückhaltung, wie zum Beispiel „Divided“ von Kosheen auf ihrem 2013er-Album „Solitude“ zeigt. Die britische Band um Sängerin Siân Evans kombiniert Drum’n’Bass, Trip-Hop, Wave, Breakbeat und Alternative-Pop zu dunkel funkelnden Elektroniklandschaften mit massiven Beats. Nicht nur bei „Divided“ leistet der Tieftöner Schwerstarbeit, sofern die Quelle den Tiefbass adäquat und mit Schmackes weiterleitet. Und ja, die beiden Tieftöner der Canton Reference 7 müssen ganz schön ackern, um das Tiefbassgewitter in den Griff zu bekommen, wobei der Atoll-Player aber nicht übertreibt oder gar aufweicht. Er findet einen schönen Mittelweg aus Tiefgang und Agilität – mit einer leichten Tendenz zum Tiefgang.
Bleiben wir bei elektronischen Sounds: „The Wheel“ von Sohn (Album: „Tremors“, 2014) weist neben melancholischem Falsettgesang in Kombination mit pulsierender Elektronik auch rhythmische Riffelgeräusche auf, die, wie der Künstler in einem Interview erzählte, durch das Rollen und Schlagen von Stiften auf einer Tischoberfläche entstanden. In den Höhen eher frisch abgestimmte Komponenten arbeiten dieses Songelement stark aus dem Gesamtkontext hervor, was schnell zur Ermüdung der Ohren führen kann. Das passiert mit dem High End CD-Player Atoll CD 400 Evolution nicht, wodurch er sehr langzeittauglich wirkt und zu langen Sessions einlädt. Seine Höhen klingen minimal zurückgenommen und seidig, aber niemals scharf, frisch oder gar angriffslustig. Sprich: Selbst eher höhenlastige Aufnahmen lassen sich genießen – auch bei höheren Pegeln.
Spiele ich das Album vom Musikserver Innuos Zenith MK3 dem D/A-Wandler des Atoll zu, auf dem eine WAV-Version der CD liegt, bestätigt sich dieser Eindruck. Außerdem lassen sich kaum hörbare Unterschiede zwischen CD-Player- und DAC-Betrieb ausmachen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass der CD-Player-Betrieb geringfügig dynamischer und schneller wirkt, aber das auch nur bei manchen Stücken und in homöopathischen Dosen. In beiden Fällen lässt sich dem Atoll CD 400 Evolution eine leicht warme Gesamttonalität bescheinigen, der eher Genusshörer als beinharte Analytiker anspricht. Wobei das Auflösungsvermögen des Franzosen absolut dem entspricht, was man in dieser Preisklasse erwarten darf: Er verschluckt oder verhuscht rein gar nichts, bewegt sich dabei aber immer in einem ohrenfreundlichen Rahmen. Das Klangbild zerfällt nicht in Einzelteile, sondern bleibt immer als Ganzes erhalten, obwohl es ausgesprochen offen anmutet. File under: äußerst musikalischer Player.

Eine CD, die ich immer wieder gerne höre, rotierte auch im Testkandidaten: „Made Of Rain“, das Comeback-Album von The Psychedelic Furs aus dem Jahr 2020. Fast drei Jahrzehnte hatten die Briten kein Album mehr veröffentlicht, was ich sehr schade fand. Denn als 17-jähriges Pickelgesicht suhlte ich mich im Weltschmerz mit ihrem 1989er-Album „Book Of Days“ – an der Band hängen also Jugenderinnerungen, die ja bekanntlich die intensivsten sind. „Made Of Rain“ und speziell die Eröffnungsnummer „The Boy That Invented Rock & Roll“ greifen diese Stimmung wieder auf – allerdings mit deutlich besserer Produktion und mehr Druck.
Obwohl „The Boy That Invented Rock & Roll“ sehr düster und verzweifelt klingt, drängt das Stück stark nach vorn und entwickelt in Kombination mit dem schräg klingenden Saxofon einen reizvollen Charme. Ich habe das Stück allerdings schon dynamischer und anspringender erlebt, etwa mit dem Michi Q5, der preislich und vom Funktionsumfang her in der gleichen Liga spielt. Das soll nicht heißen, dass der Atoll CD 400 Evolution in fein- und grobdynamischer Hinsicht eine Spaßbremse ist – er legt den Wert nur eher auf andere Aspekte.
Zum Beispiel auf Plastizität und Dreidimensionalität. Stimmen und Instrumente erscheinen fein abgegrenzt und schön greifbar im Raum, wie etwa meine liebsten Instrumental-Rocker Long Distance Calling in „A Secret Place“ von ihrem aktuellen Album „The Phantom Void“ (2026) demonstrieren. Bass, Schlagzeug, Stimme und Gitarren befinden sich – Applaus! – klar nachvollziehbar auf unterschiedlichen Ebenen beziehungsweise in unterschiedlichen Schichten, was den Song zu einem echten Hörerlebnis macht. Auch die Bühnenbreite ist überdurchschnittlich, weil sie ein gutes Stück über die Lautsprecher hinausreicht.
Atoll CD 400 Evolution – Fazit
Oh, là, là, so macht das CD-Revival Spaß! Der Atoll CD 400 Evolution ist ein CD-Player und DAC für Menschen, die mehr als eine nüchterne Wiedergabe schätzen und Musik nicht nur hören, sondern auch fühlen beziehungsweise erleben möchten. Er verbindet hohe Auflösung mit musikalischem Fluss und emotionaler Zugänglichkeit. Seine leicht warme Tonalität, der tiefe, aber nicht schwerfällige Bass und die seidigen, nie unangenehmen Höhen garantieren stundenlange Sessions ohne Ermüdungserscheinungen. In puncto Fein- und Grobdynamik agiert der Franzose durchaus souverän, ohne allerdings die letzte Spur an Explosivität zu bieten, die manche Mitbewerber auszeichnet.
Dafür bietet er viel plastische Kontur, eine großzügige Bühnenbreite und eine überzeugende räumliche Staffelung, die auch komplexeren Arrangements Übersicht und Tiefe verleihen. Bemerkenswert ist außerdem, wie gering die klanglichen Unterschiede zwischen CD- und DAC-Betrieb ausfallen – der Atoll CD 400 Evolution hinterlässt auch als Wandler eine hervorragende Figur. Auch seine Verarbeitung, die Materialqualität und das aufwendige Toploader-Laufwerk vermitteln großes Vertrauen und rechtfertigen den Preis von 5.600 Euro. Wer einen CD-Player für den Rest des Lebens sucht, sollte dieses Schätzchen weit oben auf den Wunschzettel schreiben.
Im Test
High-End-CD-Player und -DAC
Atoll CD 400 Evolution
Preis: 5.600 Euro
Größe: 440 × 340 × 100 mm (B x T x H)
Gewicht: 12 kg
Gehäuse: Schwarz
Front: Silber oder Schwarz
Vertrieb
AUDIUM / Visonik
Catostr. 7b
12109 Berlin
Tel.: +49 030 613 47 40
Mail: kontakt@visonik.de
Web: www.audium.com/
Mitspieler im Test
Vollverstärker: McIntosh MA8950 AC
CD-Player: McIntosh MCD301 AC
Streamer/Musikserver: Innuos Zenith MK3
DAC: PrimaLuna EVO 100 Tube Digital Analogue Converter
Kopfhörer: Focal Clear MG
Lautsprecher: Canton Reference 7, Piega Coax 411,
Kabel: Goldkabel Executive (Cinch), Goldkabel Executive LS 440 Rhodium (Lautsprecher), AES/EBU-Kabel: Wireworld Micro Silver Eclipse 8, USB-Kabel: Audioquest Diamond
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