Test: Vollverstärker Atoll IN200 Signature mit DAC-Board

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Atoll IN200 Signature Vollverstärker mit DAC bzw. Phono Verstärker Frontseite

Atoll IN200 Signature Vollverstärker. Bild: B. Weber

Atoll ist bekannt für die konsequente Weiterentwicklung seiner Produkte. Und man kennt die Brüder Stéphane & Emmanuel DUBREUIL dafür, daß sie als einer der wenigen europäischen HiFi-Produzenten sogar in Europa respektive Frankreich produzieren! Jüngst überarbeitete der französische Hersteller seinen mittleren Vollverstärker Atoll IN200 und legte ihn so als Signature Ausführung auf. Als Bonbon stehen dem audiophilen Gourmet bei diesem Gerät ein Phonomodul oder ein DAC-Board optional zur Verfügung.

Technik

So schlank die äußere Erscheinung des Atoll IN200 Signature auch sein mag, so gewichtig liegt er mit seinen 12 kg in meinen Händen. Das liegt neben seinem massiven Gehäuse mit einer 8 mm dicken Frontplatte auch an den beiden Ringkerntrafos. Beide? Ja, dieser HiFi-Verstärker trägt die Kraft der zwei Herzen in sich. Für jeden Kanal einen im Doppel-Mono Aufbau. Übrigens, Atoll hat eine Vorliebe für diese Art der Stromversorgung. Neben der kanalgetrennten Stromversorgung besitzt der IN200 Signature diskrete, symmetrisch aufgebaute Ein- und Ausgangsstufen, die für eine hervorragende Kanaltrennung gut sein sollen.

Atoll IN200 Signature Vollverstärker von innen mit Platinen und Trafos

Atoll IN200 Signature Vollverstärker mit Doppel Mono Aufbau (Hier ohne DAC). Bild: B. Weber

Auf der schlicht und elegant gestalteten Vorderseite findet der HiFi-Gourmet zwei große, sämig laufende Dreh- und Druckregler. Per Druck auf den linken wird der IN200 Signature aus dem Stand-By geweckt (auf der Rückseite des Vollverstärkers befindet sich der harte Netzschalter). Durch Drehen nach links bzw. rechts wird dann die Quelle gewählt. Der rechte Dreher dient dann ganz klassisch der Lautstärkeregelung und durch eine kombinierte Druck- und Drehbewegung der Balanceregelung. Zwischen den beiden Drehknöpfen leuchtet blau das Display, das über die gewählte Quelle sowie die Lautstärke informiert. Last but not least rundet unten links eine praktische 6,5 mm Kopfhörerbuchse die vorderseitigen Schnittstellen ab.

An Anschlüssen bietet der Atoll IN200 Signature auf der Rückseite einiges: fünf mal Cinch, davon einmal als Tapeschleife, und dazu zwei Preouts, falls einem der eingebaute Hubraum mit 2 mal 200 Watt Musikleistung nicht reichen sollte. Für den Fall, daß Lautsprecher mit Bi-Wiring angefeuert werden sollen, lässt sich über den Trigger Ausgang eine separate Endstufe ansteuern. Einen ungeregelten Anschluß (Bypass) gibt es ebenfalls, um einen Surround Verstärker einschleifen zu können. Und natürlich ein Paar solide Lautsprecheranschlüsse.

Atoll IN200 Signature Rückseite

Bild: Hersteller

Eine eingebaute Phonostufe vermissen wir in der Grundausstattung – oder Eingänge für digitale Zuspieler? Hier gibt sich der IN200 Signature flexibel. Der Besitzer kann eine der Optionen als separate Platine nach Bedarf zukaufen. Oder auch beide, je nachdem mit welchen Quellen er hört. Oder später nachrüsten, auch das ist möglich! Eingebaut in unser Testgerät IN200 Signature war das Digitalboard. Für die empfindlichen Phono-Signale stellte uns der Vertrieb den separaten Phonoverstärker PH100 zur Verfügung, der sich gerade im Hörraum warmläuft.

Das DAC-Modul verfügt über einen AKM-Wandler mit XMOS-Interface Chip. An Eingängen bietet es je 2* Coax- und Toslink Eingänge. Beide mit einer Auflösung von bis zu 24/192kHz. Der USB-B Eingang mit XMOS verarbeitet PCM 16/44kHz – 32/384kHz asynchron sowie DSD64 und DSD128. An den Wandler angekoppelt ist dann noch der Bluetooth Empfänger.

Atoll IN200 Signature mit DAC-Board

DAC-Bord Atoll IN200 Signature. Bild: B. Weber

Beigelegt ist dem Atoll IN200 Signature eine Systemfernbedienung, mit der sich neben dem Verstärker noch eine ganze Reihe weiterer Atoll-Geräte wie z. Bsp. CD-Spieler oder Tuner bedienen lassen.

Klang

Frisch aus dem Karton fand der Atoll IN200 Signature bei uns im Hörraum den Weg ins HiFi-Rack. Kurzerhand den Streamer angestöpselt, die Lautsprecher angeklemmt und sogleich kurz reingehört. Die ersten Klänge waren bereits vielversprechend. Darauf einen Dujardin! Doch Gemach, jetzt mal nichts überstürzen. Der Verstärker durfte zum Einspielen noch die ganze Nacht ungehört feine Streamerkost verarbeiten, bevor es am nächsten Tag vor kritischem Publikum ernst wurde.

System Fernbedienung für die HiFi-Komponenten der Fa. Atoll: CD-Spieler, HiFi-Verstärker, DAC, TunerVon Anfang an zog der „kleine“ Atoll mich in den Bann. Allerdings nicht im Klischee französischen Charmes a la „Janet, Claudette, Baguette“. Hier ging es eher straight zur Sache. Wie der IN200 Signature unsere LUA Con Espressione an die kurze Leine nahm war sehr beeindruckend. Was der Streamer mit Felix Labands „Teardrop“ andiente lieferte der IN200 Signature mit tiefem und strukturierten Elektrobass und ohne Verschleifen der anspruchsvollen Musiksignale. Dazu die mittleren sowie oberen Lagen dieses Synthie-Stückes klar, sauber und perlend. So macht mir diese Musikrichtung richtig Spass.

Dann mal ordentlich Gas gegeben mit „Samb Allegro“ vom Safri Duo. Herrlich, wie dieses Stück durch die Hütte fegte. Der klangliche Charakter wurde beibehalten, alles sehr schnell und knackig.

An Nils Lofgren mit „Keith Don’t Go“ kommt man als HiFi-Tester nicht vorbei, egal ob man will oder nicht… Sehr griffig und prägnant die herrlich flirrenden Saiten der Gitarre, das Klopfen seiner Hand auf den Holz-Korpus absolut natürlich. Nils Stimme kann dabei an höhenbetonten Lautsprechern allerdings schon mal leicht dünn wirken.

Bei Roger Waters „Amused To Death“ schlug die dreidimensionale Stunde des Atoll IN200 Signature. Bei diesem Stück kam der duale Mono-Aufbau dieses HiFi-Verstärkers hervorragend zum Tragen. Das eh genial räumlich gemasterte „Amused To Death“ wirkte jetzt wie ein Champagnervollbad! Wie die Klänge durch den heimischen Raum perlten war absolut begeisternd! Das Q-Sound Recording dieser Aufnahme ist absolut faszinierend, was dabei an Raum mit nur 2 Lautsprechern möglich ist, Wahnsinn!

Feinfühliger ging es dann weiter mit dem Schmusealbum „Wallflower“ von Diana Krall. Herrlich wie die Grande Dame des Jazz ins Mikro hauchte. Die Feindynamik der Streicher ließ mich schweben und schwärmen. Dazu das locker leichte Klavierspiel Dianas, wie es vor mir wunderbar tanzte. Auch hier wieder diese wunderbare, räumliche Bühne. „Löcher“ waren in ihr nicht auszumachen. Stimme, Instrumente, alles ließ sich den einzelnen Positionen exakt zuordnen.

Ausprobiert hatte ich dann die Vorstufe des Atoll IN200 Signature auch an den Audium Comp 5.2 Active (Test). Mit diesen etwas wärmer abgestimmten Lautsprechern kam der Verstärker klanglich noch besser klar, der Klang wurde in dieser Kombination noch ein wenig harmonischer.

Und wie schlug sich nun das für 300 € erhältliche DAC-Board mit USB & SPDIF gegenüber einem separaten Streamer? Für diesen Aufpreis empfehlenswert famos. Klar, nicht so wie ein 5-mal so teurer Streamer. Aber sauber und realistisch auflösend mit einer ansprechend natürlichen Bühne.

Fazit

Der HiFi-Verstärker Atoll IN200 Signature überzeugt technisch durch seinen Doppelmono-Aufbau. Damit erreicht er eine große und stabile räumliche Darstellung. Im Klang zeigt er sich knackig sauber sowie strukturiert und führt die Lautsprecher an der kurzen Leine. Stimmen sowie Instrumente spielt er fein aufgelöst und gibt sie sehr natürlich wieder.

Test Ergebnis HiFi Vollverstärker Atoll IN200 Signature 5,6 von 6 Punkten

Atoll IN200 Signature: 1.600 €
Atoll DAC-Board mit USB & SPDIF: 300 €
Phono-Modul P100 MM/MC: 150 €

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Aufgewachsen in der Blütezeit des HiFi mit Telefunken Allegretto TS 2020 nebst einem Dual 1228 mit Reibradantrieb und Wechsler. Damals die Technik des Duals bestaunt, heute denkt man mit Grauen daran, wie die Schallplatten aufeinandergefallen sind...

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