Marantz braucht man in audiophilen Kreisen nicht vorzustellen. Die Japaner bauen seit Jahrzehnten Geräte, die für gewöhnlich so klingen, als hätten sie einen Abschluss in klassischer Musik und einen zweiten in Ingenieurskunst – und beide mit Auszeichnung bestanden. Der SACD 30n ist ihr aktuelles Bekenntnis zum physischen Tonträger: Ein Bekenntnis, das in der Zeit des Streamings fast schon wieder etwas revolutionär wirkt. Denn hier dreht sich noch etwas. Hier wird ein Laser bemüht. Hier entsteht Musik aus „Silber und Licht“.
Dann kommt Phonosophie ins Spiel; und alles wird noch einmal neu verhandelt. Phonosophie, das Hamburger Unternehmen mit dem philosophischen Namen, hat sich seit Jahren einen Ruf erarbeitet, der in der HiFi-Szene seinesgleichen sucht: Man nimmt ausgereifte, erstklassige Geräte – und macht sie besser. Nicht lauter, nicht bunter, nicht mit mehr LEDs oder schickeren Displays. Sondern musikalischer, organischer, echter.
Netzwerk/SACD-Player/DAC Marantz SACD 30n Phonosophie – Annäherung
Das Herzstück der Phonosophie-Philosophie ist die sogenannte Aktivator-Technologie – ein über viele Jahre entwickeltes System, das auf einer ebenso schlichten wie tiefgreifenden Erkenntnis basiert: Elektronische Bauteile klingen nicht ausschließlich nach ihren Messwerten. Sie klingen nach ihrer Geschichte, ihrer Umgebung, ihrer inneren Spannung. Der Aktivator greift genau dort an – er „behandelt“ Bauteile und Gehäuse auf eine Weise, die sich konventioneller messtechnischer Erfassung weitgehend entzieht, in der Praxis jedoch erstaunlicherweise unmittelbar hörbar wird. Schwingungen werden neutralisiert, innere Spannungen in Materialien gelöst, das gesamte Gerät in einen Zustand versetzt, den Phonosophie treffend als „entspannt“ bezeichnet – und der sich auf den Hörer überträgt.
Doch die Aktivator-Behandlung ist nur der Anfang. Insgesamt rund 50 Einzelmaßnahmen unterscheiden die Phonosophie-Version vom Seriengerät des Marantz SACD 30n – Bauteileselektion, mechanische Entkopplungsmaßnahmen bis hin zu Details, die man erst bei genauerem Hinsehen entdeckt: So wird etwa die serienmäßige Feinsicherung durch eine hochwertige Silberausführung ersetzt. Wer das Gerät in der Phonosophie-Version erwirbt, bekommt zudem ein komplettes Paket. Mitgeliefert werden ein Phonosophie-Netzkabel „PH NK AG MK2.1 plus“ im Wert von rund 590,- Euro sowie das hochwertige Cinchkabel „PH PK2-BB22 mk3“ aus gleichem Hause. Wenn man letzteres separat erwerben wollte, müssten alleine dafür nochmals 420,- Euro den Besitzer wechseln.
Beide Leitungen sind keine bloßen Zugaben, sondern die konsequente Weiterführung der Phonosophie-Philosophie. Was nützt die sorgfältigste Modifikation, wenn das Signal danach durch eine schwächelnde Leitung hindurchmuss? Das Ergebnis soll ein Gerät sein, das auf dem Papier natürlich immer noch ein Marantz SACD 30n ist – mit all seinen technischen Tugenden; dem hauseigenen SACD-Laufwerk, dem diskreten Schaltungsaufbau, dem berühmten HDAM-Modul. In der Phonosophie-Version trägt dieses Gerät etwas Zusätzliches in sich. Ingo Hansen, Mastermind von Phonosophie sagt dazu „Man setzt sich hin, legt eine CD auf oder streamt – und die Anlage verschwindet. Was bleibt, ist Musik“. Ich zumindest war definitiv gespannt auf, darauf, ob dieses Versprechen eingehalten werden konnte.
Netzwerk/SACD-Player/DAC Marantz SACD 30n Phonosophie – Technik und Haptik
Der Marantz SACD 30n ist kein Gerät, das sich versteckt. Das Gehäuse aus schwarz eloxiertem Aluminium liegt schwer und satt in den Händen, die Frontplatte strahlt jene selbstverständliche Solidität aus, die man heute selbst in dieser Preisklasse nicht mehr als selbstverständlich voraussetzen darf. Die charakteristische Marantz-Optik mit dem zentralen Sichtfenster gibt dem Gerät eine unverwechselbare Handschrift, die sowohl an die großen Klassiker der Marke erinnert als auch unverkennbar modern wirkt. Tasten und Regler reagieren mit einem satten, präzisen Druckpunkt, der keine Zweifel lässt: Hier wurde nicht an der Mechanik gespart.
Das Laufwerk selbst – ein hauseigenes, von Marantz speziell für die SACD-Wiedergabe entwickeltes Teil – arbeitet mit einer Lautlosigkeit, die beeindruckt: Die Disc gleitet ein, die Schublade schließt sich mit dem leisen Seufzen eines Tresors, und dann ist es still. Man könnte fast vergessen, dass da drin gerade ein Laser Daten liest. Technisch setzt der SACD 30n auf einen vollständig diskreten Schaltungsaufbau, der auf den Einsatz von integrierten Schaltkreisen im Signalweg weitestgehend verzichtet – eine Entscheidung, die Mut erfordert und Können voraussetzt, denn diskrete Schaltungen verzeihen keine Nachlässigkeit.
Stattdessen arbeitet das Herzstück des Marantz SACD 30n mit dem legendären HDAM-Modul, dem „Hyper Dynamic Amplifier Module“, das Marantz seit Jahrzehnten ein Eigenregie entwickelt und fertigt. Dieses Modul, aufgebaut aus sorgfältig selektierten Einzeltransistoren, ersetzt den klassischen Operationsverstärker – jenen integrierten Alleskönner, der in weniger ambitionierten Geräten klaglos seinen Dienst tut, hier aber schlicht nicht „gut genug“ wäre. Das HDAM sorgt für jene Offenheit, Schnelligkeit und Dynamik, die den Marantz-Klang seit Generationen prägt und die Konkurrenz gelegentlich zum Nachdenken bringt.
Der verwendete DAC verarbeitet PCM-Signale mit bis zu 384 kHz Abtastrate und 32 Bit Wortbreite sowie DSD in den Formaten DSD64, DSD128 und DSD256 – Zahlen, die in der Praxis weniger als bloße Versprechen, denn als solides Fundament dienen. Die alten Hasen wissen: Ein DAC-Chip ist immer nur so gut wie die Schaltung, die ihn umgibt, das Netzteil, das ihn speist, die Taktgebung, die ihn führt und die Ausgangsstufe, die sein Ergebnis in die Welt entlässt.
Besondere Erwähnung verdient die Taktung: Der SACD 30n arbeitet mit einem hochpräzisen Crystal-Oszillator, der Jitter – jenes heimtückische Zittern im Digitalsignal, das Musik um ihre Seele bringen kann – auf ein Minimum reduziert. Jitter ist der unsichtbare Feind jeder digitalen Wiedergabe, und der SACD 30n bekämpft ihn mit der Konsequenz eines Mannes, der schlechten Klang für inakzeptabel hält.
Die analoge Ausgangsstufe arbeitet vollständig im Class-A-Betrieb, ein Prinzip, das großzügig auf Effizienz verzichtet, um dafür klanglich das Maximum herauszuholen. Keine Übernahmeverzerrungen, keine Kompromisse, dafür etwas mehr Abwärme im Gehäuse. Das Netzteil ist von den empfindlichen Schaltungsteilen entkoppelt und verfügt über separate Versorgungszweige für Digital- und Analogsektion – wer möchte schon, dass das Netzteil dem DAC ins Wort fällt, wenn gerade Schubert läuft.
Nun aber zu dem, was den Marantz SACD 30n in der heutigen Gerätelandschaft wirklich bemerkenswert macht: Er ist nicht eines, er ist viele. Unter einem „Deckel“ vereint er drei Geräte, die anderswo jeweils eigene Stellplätze, eigene Netzkabel und eigene Rechtfertigungen bräuchten. Was haben wir hier?
Erstens: Einen erstklassigen SACD/CD-Player mit dem beschriebenen Laufwerk und der diskreten Ausgangsstufe. Zweitens: Einen vollwertigen Digital-Analog-Wandler, der über USB-B, Koaxial und Toslink externe Quellen entgegennimmt und ihnen denselben klanglichen Sorgfaltsgrad zukommen lässt wie dem eigenen Laufwerk. Drittens – und hier legt der SACD 30n seine Visitenkarte endgültig auf dem Tisch – einen vollintegrierten Netzwerk-Streamer mit WLAN- und Bluetooth-Unterstützung.
Über die „HEOS“-App von Denon und Marantz lassen sich Spotify, Tidal, Amazon Music, Deezer, TuneIn und zahlreiche weitere Dienste direkt und ohne Umweg über einen externen Zuspieler ansteuern. AirPlay 2 ist natürlich auch mit an Bord – für jene Apple-Nutzer, die ihr iPhone nicht als Klangquelle zweiter Klasse behandelt sehen möchten. Und wer Bluetooth bevorzugt, wird mit aptX HD bedient – einem Codec, der zumindest das Beste aus der drahtlosen Verbindung herausholt, auch wenn dieser gegen eine gute SACD oder CD naturgemäß immer den Kürzeren zieht.
Der Marantz SACD 30n kann im Übrigen auch als Vorstufe dienen. Eine interne, hochwertige Laustärkeregelung erlaubt es, diesen „Tausendsassa“ direkt mit einer Endstufe oder einem Paar Aktivlautsprecher zu verbinden – ohne den Umweg über einen separaten Vorverstärker. Wer also bisher dachte, er brauche Laufwerk, DAC, Streamer und Vorstufe als separate Komponenten, darf an dieser Stelle kurz durchatmen – und neu rechnen. Der Stellplatz, den der Marantz SACD 30n freiräumt, lässt sich anderweitig sinnvoll nutzen. Zum Beispiel für einen zweiten Plattenspieler (sorry, das war frech…)?
Die Anschlussbestückung des SACD 30n ist großzügig und durchdacht, verzichtet jedoch bewusst auf XLR-Ausgänge – eine Entscheidung, die zeigt, dass Symmetrie nicht immer sein muss. Auf der Rückseite finden sich hochwertige vergoldete Ausgänge für die analoge Ausgabe – solide, satt rastend. Wenn es hier wackelt, hat man definitiv das falsche Kabel gesteckt.
Warum Phonosophie den Marantz SACD 30n als würdige Grundlage für ihre Modifikation gewählt hat, versteht man, wenn man weiß: Wer bei „Normal-Null“ schon so weit vorne ist, hat bessere Aussichten, am Ende ganz oben anzukommen.
Netzwerk/SACD-Player/DAC Marantz SACD 30n Phonosophie – technische Daten
- SACD/CD-Player mit integriertem DAC und kabellosem Musikstreamer
- Disc-Formate: SACD, CD, CD-R, CD-RW, DVD-R/+R/-RW/+RW
- Audioformate über USB-A (Massenspeicher): DSD (2,8MHz/5,6MHz), FLAC/FLAC HD (192/24), ALAC (192/24), WAV (192/24), MP3, WMA, AAC**
- Audioformate über USB-B (asynchron): PCM (<384kHz/32 bit, DSD (<11,2MHz)
- HEOS Multiroom-Plattform
- DLNA- und PC/Mac/NAS-Unterstützung mit UPnP über HEOS
- Ausgänge Cinch analog: 2 (je einmal fix/variabel)
- Ausgänge digital: 2 (1x Cinch, 1x Optisch)
- 1 Kopfhörerausgang (Klinke, 6,3 mm)
- Eingänge digital: 4 (1x USB-B, 1x SPDIF Koaxial-Cinch, 2x Optisch)
- Kabellos: Bluetooth-Empfang, WiFi, Airplay 2, Spotify Connect, DLNA
- Besonderheiten: Fernbedienung, hochwertige Verkabelung von Phonosophie inklusive, Streaming Services wie TuneIn Radio, Spotify Connect, TIDAL, Deezer, SoundCloud bereits enthalten
- Stromverbrauch Standby: 0,5 Watt
- Stromverbrauch Betrieb: 48 Watt
- Farben: Champagner, Schwarz
- Maße: 44,3 x 13 x 42,4 cm (B x H x T)
- Gewicht: 15 kg
Netzwerk/SACD-Player/DAC Marantz SACD 30n Phonosophie – Klang
Man könnte meinen, ein Gerät, das so viel kann wie der Marantz SACD 30n in der Phonosophie-Version, würde seinen Reichtum zur Schau stellen – mit jenem leicht angestrengten Selbstbewusstsein, dass manche „Mehrzweckgeräte“ an den Tag legen, als müssten sie ständig daran erinnern, wie viele Disziplinen sie beherrschen. Das Gegenteil ist der Fall. Das SACD 30n trägt seine Fähigkeiten mit einer Gelassenheit, die man nur dann wirklich bemerkt, wenn man sich fragt: Warum sitze ich hier eigentlich schon seit Stunden? Die Antwort ein einfach. Man hat aufgehört, das Gerät zu beurteilen und angefangen, der Musik zu lauschen. Das hat Klasse.
Und was für ein Raum das ist! Der erste und vielleicht nachhaltigste Eindruck, den der SACD 30n hinterlässt, ist seine außergewöhnliche Räumlichkeit. Dieser Zuspieler denkt in drei Dimensionen. Die Bühne, die er aufbaut, hat Breite, hat Tiefe, hat Höhe. Instrumente stehen nicht einfach nur nebeneinander wie Schulkinder beim Klassenfoto, sondern verteilen sich im Raum mit einer Grandezza, die man sich so erstmal erarbeiten muss. Wer hier die Augen schließt, öffnet sie so schnell nicht wieder. Und wer glaubte, Räumlichkeit sei ausschließlich eine Frage der Lautsprecher, darf an dieser Stelle seine Überzeugungen sanft revidieren.
Es gibt Alben, die sofort klarstellen, dass hier jemand am Werk war, der sein Handwerk liebt. Paul Simons Album „Still Crazy After All These Years“ von 1975 gehört dazu – produziert mit einer Sorgfalt, die auch nach fünfzig Jahren beeindruckt und gespielt von Musikern, die jeden Ton so gesetzt haben, als wäre es der letzte. Die Aufnahme des gleichnamigen Songs ist vielschichtig, voller feiner Details – und verzeiht einem schwachen Zuspieler gar nichts. Der SACD 30n als Streamer, angesteuert über WLAN via HEOS und Tidal HiFi, empfängt diese Aufnahme gelassen.
Die ersten Takte – das sanfte Klavierintro, die einsetzenden Bläser, Simons Stimme, die sich darüberlegt wie ein gutsitzender Mantel – zeigen was dieses Gerät kann: Es sortiert. Es trennt. Es gibt jedem Element seinen eigenen Platz im Raum, ohne dabei das Gesamtbild zu zerstückeln. Das Klavier sitzt leicht links, die Bläser spannen sich dahinter auf, Simons Stimme steht mittig und mit einer Körperhaftigkeit, die man von einem gestreamten Signal vielleicht nicht sofort so erwartet – und die der SACD 30n ganz selbstverständlich liefert.
Das goldene Schimmern in den Höhen kommt dieser Produktion außerordentlich zugute. Die Bläserarrangements – in weniger feinfühligen Händen schnell zu grell, zu aufdringlich – behalten ihre Wärme, ihre Fülle, ohne in Schärfe abzukippen. Das Alt-Saxophon, das sich durch den Mittelteil schlängelt, klingt nach Holz, Luft und Atem – nicht nach schnödem Frequenzgang. Und der Bass, dezent und präzise, gibt dem Ganzen jene Bodenhaftung, die große Produktionen von „bloß guten“ unterscheidet.
Für die nächsten Stunden wechselte ich die Quelle – und damit die Perspektive. Der SACD 30n, als externer DAC, angesteuert über USB-B vom Laptop (!) mit einer Aufnahme von Cecilia Bartolis Interpretation von Händels „Lascia ch´io pianga“ (CD: „The Art Of Cecilia Bartoli“). Eine Stimme, Streicher, Cembalo – und die Stille dazwischen. Denn die Stille ist es, die zuerst auffällt. Der SACD 30n hat einen „Schwarzwert“ – eine Qualität der Stille zwischen den Tönen – der in dieser Preisklasse selten ist und durch die Phonosophie-Modifikation sicherlich nochmal einen kleinen Schub bekommen hat.
Aus dieser Stille heraus entfaltet sich die Stimme von Cecilia Bartoli mit einer Natürlichkeit, die jeden Gedanken an Technik sofort vertreibt. Man denkt nicht „was für ein schöner Mittenbereich“. Man denkt „was für ein schönes Musikstück“. Die Detailauflösung des SACD 30n zeigt sich hier in ihrer vollen Pracht. Jedes Ornament, jede Verzierung, jede mikrotonale Nance in Bartolis Gesang wird hörbar – nicht herausgestellt, nicht betont, nicht mit einem audiophilen Zeigestöckchen markiert, sondern einfach: da. Das ist der Unterschied zwischen analytischer Auflösung und musikalischer Auflösung. Ein analytisches Gerät seziert. Der SACD 30n erzählt.
Die Streicher dahinter bilden einen schönen Klangteppich von bemerkenswerter Textur – man hört die einzelnen Instrumente, hört ihr Positionen im Raum, hört das leichte Schwingen der Saiten und trotzdem ergibt alles zusammen ein Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Das Cembalo sitzt rechts, klar konturiert, mit einem Attack, der präzise und trotzdem nie über Gebühr hart ist. Der Bass – auch hier wieder sauber, eingebunden, tragend, ohne zu drücken. Als externer Wandler zeigt der SACD 30n, dass seine Qualitäten als solcher nicht nur dem eigenen Laufwerk zugutekommen, sondern jedem Signal, das durch ihn hindurchgeht. Der Laptop liefert die Daten, der von Phonosophie veredelte Marantz macht Musik daraus.
Marvin Gayes Album „What`s Going On” (CD) von 1971 spiegelt den damaligen Zeitgeist wider – in Klang gegossen. Und es ist, nebenbei bemerkt, eine der am sorgfältigsten produzierten Aufnahmen der Popgeschichte – ein Umstand, der sich über einen Zuspieler der Klasse des SACD 30n in der Phonosophie-Version mit einer Deutlichkeit offenbart, die einen ein bisschen innehalten lässt. Genau das richtige, um auszuprobieren, wie sich denn der SACD 30n als „normaler“ SACD/CD-Player schlägt.
Der Einstieg des Titelstücks beginnt mit Congas und Bongos; und bereits hier zeigt der Player, was er aus einer gut gemasterten CD herauszuholen vermag. Die Perkussion sitzt präzise im Raum, jedes Fell hat seine eigene Textur, seinen eigenen Anschlag, seine eigene Position auf der imaginären Bühne. Alles ergibt sofort einen Groove, dem man sich körperlich kaum entziehen kann. Wer bei dieser Aufnahme stillsitzt, hört vermutlich das falsche Gerät. Dann setzt Marvin Gayes Stimme ein – und der SACD 30n legt richtig los. Diese Stimme ist eines der komplexesten Instrumente, die es gibt: Samtig und kraftvoll zugleich, zärtlich und fordernd, mit einem Obertonspektrum, das selbst auf mittelmäßigen Anlagen schön klingt – und auf einem Gerät der Güte des Marantz/Phonosophie fast schon atemberaubend ist. Die goldene klangliche Textur des SACD 30n kommt auch Marvin Gayes Timbre zugute: Kein Silber, das die Stimme ausdünnt, kein Wärmefilter, der sie verfärbt – sondern ein Schimmer, der ihr das gibt, was sie braucht: Körper, Tiefe, Leuchtkraft.
Die Streicher, die sich im weiteren Verlauf des Albums entfalten, arrangiert von David Van DePitte mit einer Üppigkeit, die niemals schwülstig wird – spannen sich hinter Gayes Stimme auf wie ein samtener Vorhang. Der SACD 30n staffelt sie traumwandlerisch sicher: vorne die Stimme, dahinter die ersten Violinen, noch weiter zurück die Celli und darunter, sauber eingebunden: der Bass. Dass das alles von einer CD kommt, einem Medium, das manche etwas voreilig für überholt erklärt haben – ist eine Aussage für sich. Der SACD 30n behandelt die Silberscheibe mit demselben Respekt wie eine hochauflösende SACD: Das Laufwerk liest präzise, die Wandlung geschieht mit der vollen Sorgfalt des diskreten Schaltungsaufbaus und Phonosophie hat dafür gesorgt, dass auch auf diesem Weg kein Detail verloren geht, das die Aufnahme zu bieten hat. Was Marvin Gaye 1971 ins Mikrofon sang, landet vollständig und unverfälscht ins Ohr des Hörers. Mehr kann man von einem Zuspieler nicht verlangen. Und mehr braucht man ja auch nicht.
Wie schlägt sich das Streaming im Vergleich zur SACD/CD? Der SACD 30n als Streamer spielt in einer Liga, die auch viele dedizierte Netzwerkplayer dieser Preisklasse nicht immer erreichen. Die Räumlichkeit, der Charakter bleibt, ebenso die Detailfreude. Was das eigene Laufwerk des SACD 30n dem Streaming voraushat, ist jene letzte, kaum greifbare Schicht von Unmittelbarkeit. Aber, und auch das ist ein Stück Wahrheit: Wer beispielsweise Paul Simon über den SACD 30n streamt und dabei über diesen „Unterschied“ nachdenkt, hat die falsche Priorität gesetzt. Man sollte einfach lauschen.
Netzwerk/SACD-Player/DAC Marantz SACD 30n Phonosophie – Fazit
Was den SACD 30n in der Phonosophie-Version auszeichnet, ist die Selbstverständlichkeit, mit der er seine sehr feinen, klanglichen Fähigkeiten über alle Quellen hinweg aufrechterhält. Ob die Musik von einer CD oder SACD kommt, über WLAN gestreamt wird oder per USB-B vom Laptop eintrifft – der Charakter bleibt. Die Kontrolle bleibt. Natürlich gibt es (sehr) kleine Unterschiede zwischen den Quellen – die SACD/CD hat eine Körperhaftigkeit, die das Streaming um ein Haar verpasst – und das Laufwerk eine Unmittelbarkeit, die beispielsweise dem USB-Eingang eine Nuance voraushat. Aber diese Unterschiede sind lediglich graduell, nicht grundsätzlich. Der SACD 30n ist kein Gerät, das eine Quelle bevorzugt und eine andere dafür duldet – er ist ein Gerät, das jeder Quelle das Beste entlockt, was sie zu geben hat.
Bleibt die Frage, für wen dieses Gerät gemacht ist. Die Antwort ist einfacher, als man denkt: Für jeden, der Musik ernst nimmt. Für den Liebhaber, der seine CD-Sammlung nicht aufgeben möchte. Für den Streamer, der irgendwann merkt, dass eine solche Quelle wie der SACD 30n doch einen Unterschied macht. Für den Audiophilen, der seinen Signalweg kurzhalten will und trotzdem auf nichts verzichten möchte. Und vor allem für jeden, der einmal gehört hat, was ein wirklich guter Zuspieler aus einer Aufnahme herausholt. Und damit ist der Marantz SACD 30n in der Version von Phonosophie eine gute Entscheidung. Eine sehr gute.
Im Test
Netzwerk/SACD-Player/DAC Marantz SACD 30n Phonosophie
Inkl. Phonosophie Netz- und Cinchkabel sowie Fernbedienung
Gewicht: 15 kg
Garantie: 2 Jahre
Farben; Champagner, Schwarz
Unverbindliche Preisempfehlung: 5.700,- Euro
Kontakt
PHONOSOPHIE / I. Hansen Vertriebs GmbH
Luruper Hauptstraße 204
D-22547 Hamburg
Tel.:+49 40 83 70 77
Mail: support@phonosphie.de
Web: www.phonosophie.de
Mitspieler im Test
Quellen digital – Netzwerkspieler Olive Audio 4HD, CD-Spieler AMR CD-777, Streamer WIIM Pro
Quellen analog – Plattenspieler Dr. Feickert Audio Blackbird mit Tonabnehmer Ortofon Cadenza Red, Ortofon SPU Classic GE MKII, EMT HSD006, Phono MM- & MC Verstärker Cyrus Signature Phono (mit PSX-R), Übertrager von Phasemation
Verstärker – Vollverstärker Circle Labs A 200
Lautsprecher – Standlautsprecher Sonus Faber Olympica 2, Paradigm Founder 80f
Zubehör – Kabel von Horn Audiophiles, A23, HMS, Isotek, Boaacoustic, Tellurium Q
Test: Vollverstärker Marantz Model 30 Phonosophie – Der „aktivierte“ Transistor







