Vor rund zwei Jahren war der High End Phono-Vorstärker SPL Phonos bei mir zu Gast. Nun hat der HiFi-Hersteller aus dem Rheinland nachgelegt, und mit dem SPL Phonos duo einen neuen Phonoverstärker mit einem umschaltbaren Cinch- und XLR-Eingang für 3.000 Euro auf den Markt gebracht. Doch damit gehört der bisherige Phonos noch lange nicht zum alten Eisen, er wird weiterhin angeboten. Wo liegen nun die Unterschiede zwischen den beiden Phono-Vorverstärkern? Das soll bei diesem Test herausgefunden werden.

SPL Phonos duo – Technik
In der Bezeichnung des SPL Phonos duo versteckt sich der Hinweis darauf, dass dieser Phono-Vorverstärker gegenüber dem bekannten, ich sage mal einfachen, Phonos, zwei Eingänge besitzt. Diese verteilen sich auf je einen umschaltbaren Cinch- sowie einen XLR- Eingang, ausgangseitig werden ebenfalls Cinch und XLR angeboten. Der kleinere und günstigere Bruder dagegen bescheidet sich mit je einem Cinch Ein- und Ausgang für die Tonabnehmer, was in der Regel für die meisten Hörer ja auch ausreichend ist.
So stellt sich für manchen unserer Leser vielleicht die Frage, wer denn überhaupt ein Gerät wie den SPL Phonos duo benötigt. DJs mit zwei Plattenspielern dürften die Zielgruppe eher nicht sein bei einem Preis von 3.000 Euro. Und wer hat schon zwei Plattenspieler daheim? Hm, da kommt man der Sache auf jeden Fall schon mal näher, bei den ganz großen Vinyl-Enthusiasten kann das schon mal vorkommen. Und dann gibt es auch noch diejenigen, die zwei Tonarme mit verschiedenen Tonabnehmern daheim stehen haben, auch diese dürften sich über einen Phonoverstärker mit zwei Eingängen freuen.
Sowohl der XLR- wie auch der Cinch-Eingang können praktischerweise gleichzeitig angeschlossen werden. Beim Umschalten zwischen den beiden Inputs muss man allerdings auch die Einstellungen anpassen, da diese sich nicht zwischen den Eingängen spezifizieren lassen. Von daher meine meine Empfehlung während der Anpassungen an die verschiedenen Tonabnehmer den Mute-Schalter zu nutzen, und dann erst die Werte wie Verstärkung, Kapazität etc. einzustellen, was mit den Drehreglern dann auch zügig gelingt. Sicher ist sicher.
Direkt neben dem Muteschalter gibt es noch den für Mono, also für alte Monoschallplatten sowie für die Summenschaltung. Für viele wahrscheinlich interessanter ist der Rumpelfilter, der Signale unter 15 Hz abschneidet, kleinere Lautsprecher freuen sich manchmal darüber, und sind dann im Tiefton nicht so flatterhaft. Der Input- und Gainschalter sind bereits beschrieben, also auf zu den Drehschaltern. Bei der Anzahl der verfügbaren sechs Widerstandsstufen für MC-Systeme hat sich gegenüber der Phonos nicht geändert, jedoch bei deren Aufteilung. Deren Werte haben sich auf für mich gegenüber dem bekannten Phonovorverstärker praktikablere Werte von 20, 50, 100, 220, 500 und 1.000 Ohm nach unten verschoben, so riesig hohe Abschlusswiderstände benötige ich persönlich nicht. Von drei auf sechs sind die wählbaren Kapazitäten für MM-Systeme gestiegen. 12, 47, 100, 150, 220 sowie 330 pF sind es nun, die drei unteren sind neu dazugekommen.
Etwas voller geworden ist es im Gehäuse des Phonos duo gegenüber dem Schwestermodell. Ein schnödes Steckernetzteil gibt es bei SPL nicht, sondern einen schönen Ringkerntrafo nebst einem Linearnetzteil. ICs wie im Phonos gibt es keine mehr, sondern einen komplett linearen Aufbau mit jeder Menge an Relais, also voll analog, was ja auch irgendwie zum Medium Schallplatte passt. Und schön, wie dezent sie klackern, egal wo man dreht und kippelt.

Über die 120V-VOLTAir Technologie gibt es auf unserem HiFi-Blog mittlerweile soviel zu lesen, dass ich mich im Falle des Phonoverstärkers SPL Phonos duo versuche kurzzuhalten. VOLTAir setzt mit seinen 120 Volt, die aus ± 60 Volt bestehen, wesentlich höhere Gleichspannungen ein als die Wettbewerber, die mit ± 15 Volt arbeiten. Da normale Operationsverstärker diese hohen Spannungen nicht überleben würden, hat SPL dann kurzerhand eigene entwickelt. Ziel dieser speziellen Technik sind ein erhöhter Dynamikumfang, Rauschabstand und verbesserte Übersteuerungsfestigkeit mit dem Resultat verbesserten Detailreichtums und entspannten Hörens.
Ohne sie geht es nicht bei Schallplatten: Die Entzerrung, allgemein üblich ist die in den Fünfzigern eingeführte nach RIAA. Bei dieser werden die Tieftonanteile vor dem Schneiden um bis zu 20 dB reduziert und die Höhen um bis zu 25 dB angehoben. Grund dieser Maßnahme ist der, dass die Rille beim Tiefton sehr breit sein müsste und der Tonabnehmer diese Signale dann nicht mehr verarbeiten könnte. Zudem würde dann wohl nur noch ein Lied auf eine LP passen… Umgekehrt verhält es sich beim Hochton, die Auslenkungen in der Rille der Schallplatte wären viel zu klein, als das der Tonabnehmer sie verwerten könnte. SPL verwendet beim Verzerren wie auch beim Entzerren beim Phonos die Philosophie nach Douglas Self, der die Verwendung mehrerer kleinerer Kapazitäten verwendet, da diese sich schneller auf- und entladen lassen, was dem Impulsverhalten zu Gute kommt. Beim Phonos werden dabei Styroflex-Kondensatoren verwendet, die sich durch eine besonders geringe Verlustarmut, hohe Kapazitätsbeständigkeit und Temperaturverhalten auszeichnen.

SPL Phonos duo – Technische Daten
Ein- und Ausgänge
- Eingänge: Cinch und XLR vergoldet (umschaltbar)
- Ausgang: Cinch und XLR (parallel)
- Eingangsimpedanz (MM): 47 kOhm
- Eingangsimpedanz (MC): schaltbar
- Ausgangsimpedanz: 75 Ohm
- Frequenzgang: 10 Hz – 100 kHz
- Übersprechen: -80 dB (bei 1 kHz)
Filter? nachschauen
- RIAA-Entzerrung nach Douglas Self
- Subsonic-Filter: 15 Hz
Moving Magnet (MM) Verstärker
- Verstärkung: 30, 40 und 50 dB
- Schaltbare Kapazitäten: 12, 47, 100, 150, 220 und 330 pF
- Rauschen (A-bewertet): -82 dB (bei 50 dB Verstärkung)
- Dynamikumfang: 132 dB (bei 50 dB Verstärkung)
Moving Coil (MC) Verstärker
- Verstärkung: 50, 60 und 70 dB
- Schaltbare Impedanzen: 20, 50, 100, 220, 500 und 1.000 Ohm
- Rauschen (A-bewertet): -62 dB (bei 70 dB Verstärkung)
- Dynamikumfang: 129 dB (bei 70 dB Verstärkung)
Interne Betriebsspannung
- Betriebsspannung analoge Audio-Elektronik: +/- 60 V
- Betriebsspannung Relais und LEDs: + 12 V
Netzteil
- Netzspannung (wählbar): 230 V AC / 50Hz oder 115 V AC / 60Hz
- Sicherung: 230 V: T 500mA; 115 V: T 1A
- Stand-By Stromaufnahme: < 0,3 W
- Leistungsaufnahme: max. 30 VA
Maße (inkl. Füße)
- 278*330*57 mm (B*T*H)
Gewicht
- 3,2 kg (nur Gerät)
- 4,3 kg (Versand)
SPL Phonos duo – Klang
Aufmerksame Leser werden ihn bereits beim Test des HiFi-Racks Blok STAX 2G auf einem der Bilder entdeckt haben, den Phonovorverstärker SPL Phonos duo. Und da mir die dabei gehörte LP „Lyden Av Snø“ von Anette Askvik noch so nachhaltig im Kopf herumschwirrt, kommt diese wieder zum Einsatz. Auf meinem Trigon Vanguard III fahre ich das TAD Excalibur Black mit einem Eingangswiderstand von 219 Ohm (Entgegen der Empfehlung des Herstellers), der SPL Phonos duo bietet mir 220 Ohm, das passt doch wie die berühmte Faust auf’s Auge. Als Verstärkungsfaktor wähle ich beim SPL 60 dB, und passe den Trigon für faire Verhältnisse auf 59,2 dB an. Nicht dass ich hier einen Vergleichstest anstellen will, darum geht es auch gar nicht, und bei dem dreifachen Preisunterschied eh nicht. Doch so tue ich mich schlicht und einfach leichter. Zudem habe ich den SPL Phonos auch noch im Hinterkopf, es wird also spannend.

Wir schreiben den Februar 2026, passend zur Jahreszeit beginne ich daher mit der LP Lyden av Snø. Als sehr angenehm empfinde ich die Klavieranschläge in dieser Aufnahme, die Tasten werden gefühlvoll gespielt und der leicht dämpfende Filz auf den Klöppeln kommt gut zum Vorschein. Auch die Trompete mit ihren sehr feinen Anblasgeräuschen lässt bei mir keine Wünsche offen, und wenn sie höher gespielt mit einem hellerem Ton daherkommt, bleibt sie dennoch angenehm. Spätestens dann, wenn Anette Askvik mit ihrer fantastischen Fähigkeit von Artikulation und Ausdrucksfähigkeit dazukommt und der Streicherteppich sich zwischen den Lautsprechern ausbreitet, merkt man, dass der SPL Phonos duo ähnlich dem Phonos ein Freund von Klarheit wie auch Durchsichtigkeit ist, das jedoch ein wenig charmanter zu machen scheint.
Mit einer leicht reibeisenartigen Stimme singt Björn
„To Love Somebody“, kennt man von den Bee Gees, und ich erkenne das Lied nicht sofort. Das liegt allerdings nicht am SPL Phonos duo, sondern in der leicht schleppenden Interpretation des Skandinaviers, nun ja, da kann der Phonovorverstärker nichts dafür… Auch bei diesem Lied zeigt sich die beachtenswerte Phonationsfähigkeit der Phonostufe. Eher sinnlich und genussvoll ist nicht nur dieser Remix auf dem Album „Uncover“ aus der Dali Edition, interessant für mich ist dabei der Kontrast mit dem sauberen und kräftigen Bass, der einen gut konturierten Körper mitbringt.
Mit sauberen Bassläufen beginnt der in den Fuß gehende R&B Train in „Love In Vain“ in der Variation von Malia. Die Dampflok rattert stoisch über die Stöße der Gleise, der Pianospieler versetzt mich, das Pedal tretend und vor sich hinklimpernd, in einen Saloon neben dem Bahnhof. Der Rhythmus ist treibend und definiert. Das jedoch das Geschehen des Abschieds schmerzhaft ist, bekommt jeder bei dem leidenden und klagendem Text sowas von mit… In seiner Reinheit ist das Piano schon sehr beeindruckend, so wie ich es bei mir per Schallplatte nicht oft zu Ohren bekomme. Interessehalber gehe ich mit der Impedanz von 220 auf 100 Ohm runter, doch das ist mir dann zu rund vom Klang her und passt für mich nicht zum TAD Excalibur Black. Der Spieltrieb ist geweckt, und daher drehe ich den Schalter nun in die andere Richtung hoch auch 500 Ohm. Logischerweise wird der Klang dadurch heller und passt mir wiederum nicht zu dem MC-System, also geht es wieder zurück auf die 220 Ohm, und ich bin glücklich und zufrieden mit dem Gehörten!
Wenn es bei mir um das Thema der Wiedergabe von Schallplatten geht, komme ich an den höchst anspruchsvollen „Jazz Variants“ von The O-Zone Percussion Group einfach nicht vorbei. Ich liebe dieses luftige Spiel des Vibraphons, wie es so fein und schön hin- und herpingt, das macht einfach Spaß. Sehr gut durchhörbar mit dem SPL Phonos duo, und sehr ehrlich und dicht am echten Instrument. Dennoch wirkt er nicht überspitzt, sondern schlicht und einfach, tja, normal? Dieser Phono Preamp nimmt sich raus aus der Kette, so, als sei er gar nicht da, er unterschlägt nichts, und fügt auch nichts hinzu. Rasant sind die Percussions, sie ziehen sich nahtlos von links nach rechts durch den Raum und das Becken schwirrt. Vollgas geben ist angesagt bei der Band, sie lässt es ordentlich krachen. Macht nix, sagt der Phono-Vorverstärker, und haut mir die Kesselpauke staubtrocken um die Ohren.
Nun denn, ganz oben zu Beginn des Testberichts stelle ich die Frage, ob es denn Unterschiede zwischen dem SPL Phonos (Test) und dem SPL Phonos duo geben würde. Um dies herauszufinden, kommt dieselbe Scheibe wie beim damaligen Test auf den Plattenteller.
Das für Mark Knopfler so typische Pickering kommt aus den Lautsprechern, und dazu das Piano. Etwas weicher und geschmeidiger als damals erscheint es mir, das sind jetzt nicht die Welten, aber hörbar und für mich eleganter sowie elastischer. Und wenn der Gitarrist mal etwas kräftiger in die Saiten langt, hat dies etwas mehr an Raffinesse. Was mir an diesem Stück ja so gefällt, das sind die Dynamikunterschiede, dieses Auf und Ab. Ruhig und hallig die Schritte, sie kommen und klingen dann aus, die Bandmitglieder wechseln sich ab im Spiel, und dann knallt es los. Der SPL Phonos duo nimmt dieses Loskrachen noch gelassener als sein Familienmitglied, er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, und gibt mir die Fußtrommel präzise zu spüren.
SPL Phonos duo – Fazit
Der Phono-Vorverstärker SPL Phonos duo ist wie alle Produkte aus dem Rheinland sauber und stabil aufgebaut, und wird zudem dort entwickelt sowie auch in Deutschland montiert. Praktisch sind der umschaltbare Cinch- und XLR-Eingang, da sind einige Verwendungsmöglichkeiten offen wie der Anschluss für zwei Plattenspieler. Praxisnah sind die Einstellungsmöglichkeiten an der Front, da kann man auch mal beim Tonabnehmerwechsel die elektrischen Parameter ruckzuck anpassen. Klanglich gesehen nimmt sich der Phonovorverstärker raus aus dem Geschehen, so als sei er gar nicht da. Unterschlagen wird nichts, und auch nichts hinzugefügt, diese Phonostufe verstärkt wie das berühmte Stückchen Draht und zeigt genau das auf, was ihr musikalisch angeboten wird. So lässt der SPL Phonos duo lässt die Musik fließen und den Hörer an der Qualität der Aufnahme teilnehmen.
Im Test
MM- & MC-Phonovorverstärker
SPL Phonos duo
UVP: 3.000 Euro
Größe: 278*330*57 mm (B*T*H)
Farbe: Schwarz
Front: Alumium Schwarz, Rot, Silber
Besonderheiten:
Drehregler auf der Front
Anschluss für zwei Plattenspieler
Kontakt
SPL electronics GmbH
Sohlweg 80
41372 Niederkrüchten
Tel.: +49 (0) 2163 98340
Mail: info@spl.audio
Web: www.spl.audio
Mitspieler im Test
Quellen digital – Netzwerkspieler Atoll ST 300 Signature, CD-Spieler Atoll CD200 Evolution, Musikserver Innuos ZEN MK.III
Quellen analog – Plattenspieler Rega Planar 6 mit MC-Tonabnehmer TAD Excalibur Black, Plattenspieler Sonoro Platinum mit Ortofon 2M Red, Phono MM- & MC Verstärker Trigon Vanguard III
Verstärker – Vollverstärker mit Phono-Eingang und D/A-Wandler Roksan Caspian 4G, Vollverstärker Rega Brio MK7
Lautsprecher – Standlautsprecher LUA Con Espressione, Subwoofer REL R 505, Standlautsprecher Indiana Line Diva 5
Kopfhörer – Offener Kopfhörer Focal Clear, Kopfhörerverstärker Divaldi AMP-02 mit Phono MM- & MC Stufe
Zubehör – Lautsprecherkabel: Supra XL Annorum, in-akustik LS-804 AIR DIY, in-akustik Referenz LS-204 XL Micro AIR. Kleinsignal-Kabel: Cinchkabel in-akustik NF-1204 Air, XLR- und Cinchkabel Fadel Art Pro Link. Stromkabel Supra LoRad 2.5, Netzleiste PS Audio Dectet, Powergrip YG-1 Netzfilter, HiFi-Switch NuPrime Omnia SW-8, LAN-Kabel Supra Cat8 & Wireworld Starlight
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