Norddeutsche HiFi-Tage 2024 – Unterwegs auf den NDHT in Hamburg – Bericht 01

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Norddeutsche HiFi-Tage 2024

auch bekannt unter dem Kürzel NDHT. Es geht wieder los, rein ins Gewühl. Angesichts der Tatsache, dass die allgemeine Stimmungslage in unserem Lande derzeit nicht so toll ist, waren wir verblüfft und überrascht, wieviel an HiFi und High End interessierte Menschen wir hier im Steigenberger Hotel Treudelberg in Hamburg antrafen. Waren in 2023 noch rund 150 Marken vertreten, wurde es in 2024 nochmals mehr, dieses Jahr waren ca. 200 HiFi-Marken am Start.

Am Samstag waren die Gänge und Hörräume den ganzen Tag über proppenvoll, auch nach 16 Uhr, wo es im Allgemeinen doch sonst immer etwas ruhiger war. Etwas weniger los war dann am Sonntag, aber auch an diesem Tag konnten sich die Aussteller über mangelndes Interesse an HiFi defintiv nicht beklagen. Summasummarum waren rund 4.500 Besucher vor Ort, was bei dem Betrieb hier absolut glaubwürdig ist. Beklagen konnten sich auch die Anreisenden nicht, an der Parkplatzsituation hatte sich im Gegensatz zum Vorjahr einiges verbessert. Doch nun nix wie rein in die warme Stube zur zweiten Auflage der NDHT im Steigenberger Hotel Treudelberg, das uns als Ort für eine HiFi-Messe sehr angemessen erscheint.


Allzuweit kamen wir dann doch nicht, denn wir gerieten alsbald in die Fänge von Mika Dauphin vom Drei-H-Vertrieb, der uns wie gewohnt sehr wortreich über die von ihm ausgestellten Produkte berichtete, und uns natürlich auch gleich darauf hinwies, wo wir dies dann alles hören könnten. Doch dazu dann später mehr im zweiten Bericht.


Nicht weit entfernt die Herren vom Deutschen Schallplatten-Museum Nortorf (bei Kiel), bei denen es vorwiegend um die Entstehung der Schallplatte und Wiedergabe analoger Medien per Plattenspieler geht, Vinyl kommt halt doch nicht aus der Mode!


Tja, wir dachten ja, der Gerd Kopistecki hätte aufgehört und seine Supra Cables an Stefan Eisenhardt übergeben. Stimmt auch, aber ohne den Messetrubel und viele gute Gespräche kann er dann ja wohl doch nicht, und unterstützt den Jungspund Stefan. Guter Junge, der Gerd!


Ohne Musik geht es ja nicht in unserem Hobby. Und ohne Thomas Fenn und seine wirklich sehr umfangreiche Auswahl auch nicht.

Auch Fritz de Wirth von STS Digital aus den Niederlanden war wie immer mit an Bord bei den NDHT. Er mastert und remastert alte Aufnahmen und bringt mit seinem Label hervorragende LPs und Bänder zu Gehör.


„Mächtig mächtig“, sagte Egon von der Olsenbande immer. So war es auch bei den ebenfalls aus Dänemark stammenden Boerresen Lautsprechern M3 für 250.000 Euro, wobei sich der Preis schon für das Paar versteht. Dazu die auch nicht wirklich preiswerte Elektronik von Aavik wie der Vollverstärker I-880 für 67.000 Euro. Sehr groß, plastisch wie auch kräftig und absolut präzise auf den Punkt und sehr neutral abgestimmt, bei Schmelz und Emotionen war dann noch Luft nach oben.


Etwas später lachte dann doch das Herz des seit Längerem im Ländle lebenden Autors, als er den kleinen Verstärker Leak Stereo 230 für 1.500 Euro und CD-Player Leak CDT für 650 Euro sowie die nagelneuen Regallautsprecher Leak Sandwich 150 (1.200 Euro) entdeckte. Retro trifft auf Moderne: Unten die Lautsprecher Leak Sandwich 250 (3.000 Euro) mit Vollverstärker von Soulnote sowie als Quelle Lumin und EAT Plattenspieler. Beide Anlagen im Raum von IAD.


Bei Phonosophie und Ingo Hansen ging es unter anderem um das Verschließen offener Anschlüsse. In diesem speziellem Fall um Micro-USB Plugs am Handy, klangschädigende hochfrequente Einflüsse sollen auf diese Art und Weise vermieden werden. Der „Effekt“ war echt verblüffend, die Musik klang tatsächlich freier und natürlicher als bei offenen Buchsen, und das für kleines Geld. Auch Bluesgittarist Wolfgang Bernreuther und Cellist Götz Kelling-Urban waren wieder für das Team Phonosophie am Start. Ein Besuch ihrer lohnenswerten Vorstellungen fiel jedoch unserem gut gefüllten Terminkalender zum Opfer.


Klein kann sooo schön sein. Da scheppert und dröhnt nix, und man sitzt einfach mittendrin in der Musik. Die Kompaktlautsprecher LS 5/9 für 5.400 Euro steuerte Graham bei und den Verstärker Moonriver mit dem Modell 404 Reference, das 5.000 Euro kostet. Auch von Moonriver die Phonostage 505 für ebenfalls 5.000 Euro. Plattenspieler war der tw acoustic Raven LS für knappe 11.000 Euro mit Reed 1 H 9.5 Zoll Tonarm (3.410 Euro) und dem Tonabnehmer Soundsmith Zephyr MIMC Star Low MI für 2.200 Euro. Die Verkabelung stammte dann aus dem Hause Oephi.


Bei Jan Sieveking hat es mir dieses Jahr gut gefallen. Standlautsprecher waren die Apertura Edena Evolution für 9.000 Euro, der Saft kam vom Audia Flight FLS 9 (7.000 Euro) plus Phonobord (1.250 Euro). tw-acoustic steuerte den Raven GT 2 für 6.000 Euro mit Tonarm 9.5 (2.950 Euro) bei sowie den Tonabnehmer Hana ML Low für 1.250 Euro. Das klang so richtig schön rund und angenehm.


Bei Cambridge Audio stellte Markus Nagler die nagelneue Streaming-Vorstufe CXN 100 vor. Und erläuterte die Unterschiede zu den bekannten Vorgängern CXN und CXN V2, wie da wären: Statt Wolfson kommt nun ein SABRE-DAC zum Einsatz, und das Platinenlayout wurde komplett erneuert, auch die Cambridge-App soll auf dem neuen CXN 100 aufgrund des größeren Prozessors geschmeidiger laufen. Interessant waren auch die Lautsprecherfüße Gaia I von IsoAcoustics. Mit 730 Euro für das Viererset nicht gerade ein Schnäppchen, aber die Triangle Antal 40th für 3.000 Euro wurden damit in ganz andere klangliche Sphären befördert.


Jepp, die Naddel ist in der Rille des New Horizon 203 (je nach Tonabnehmer ab rund 1.500 Euro). Doch auch der Streaming-Vorverstärker Atoll ST 300 Signature (Test) (3.000 Euro) überzeugte klanglich mit seiner gefühlvollen Art. Kraftvoll ging der Vollverstärker Atoll IN 300 (4.850 Euro) zur Sache an den neuen fein aufspielenden passiven Breitbandlautsprechern Audium Comp 9.3 (6.500 Euro).

Atoll kann auch MIDI. Für 1.350 Euro gibt es die Streaming-Vorstufe MS 120, die Endstufe MA 100 für 550 Euro und den CD-Spieler MD 100 für 700 Euro.

Auch mit im Gepäck hatten die Berliner die von ihnen vertriebene Verstärkermarke FEZZ Audio, unter anderem den Röhren-Vollverstärker Titania Evolution Line mit KT88-Röhren.


Das war schon gewaltig. 38er Bässe im nagelneuen und hier auf den NDHT 2024 erstmals vorgestellten Lyravox Karlmann Monolyth. 40.000 Euro kosten die Aktivlautsprecher, die im Mitteltonbereich dann auf Accuton setzen. Dipol-Magnetostaten setzten dem luftigen Hochtonerlebnis dann die Krone auf.


„Die einzig wahren Röhrenverstärker“ steht auf dem Plakat bei Eternal Arts. Nun denn, so weit gehe ich mit meiner Aussage über das Gehörte dann doch nicht. Doch was Dr. Burghardt Schwäbe sich ausdenkt, hat hörbar Hand und Fuß. Mit dabei hatte er unter anderem die Röhrenendstufe EternalArts OTL Mk III Stereo für 6.500 Euro. Im Hochton etwas dezent – das lag laut Mitarbeiter von Hr. Schwäbe an den Aufnahmen – aber sehr geschmeidig und ein herrlich ruhiges Klangerlebnis bekam ich hier. Perfekt dazu gewesen wären noch ein Glas Rotwein und eine Havanna. Und so eine Bandmaschine wie die Ferrograph mit ihrem Reibradantrieb sieht und hört man nun auch nicht alle Tage.

Röhrenendstufe EternalArts OTL Mk III Stereo. Gaaanz unten im Bild.


Björn Kraayvanger von LEN HiFi & Robert Sikora.

Das Breitbandlautsprechern die Raumdarstellung liegt, habe ich ja mittlerweile kapiert. Dennoch war ich verblüfft über das, was die Closer OGY mit ihrem Open Baffle namens Ogy’s Bass (6.000 Euro) für einen Raum vor mir aufstellten. Mit dran „schuld“ war auch der Plattenspieler J.Sikora Initial (ab 6.500 Euro) , der Tonabnehmer J.Sikora KV 12 (ab 5.000 Euro) und der Tonabnehmer Aidas African Blackwood (5.200 Euro) und der Phonoverstärker LinnenberG Bizet² (3.600 Euro). Ach ja, ohne den Verstärker Audio Hungary X200 (ab 5.400 Euro) ging es natürlich nicht.

Witzige Idee von Björn Kraayvanger zum 15. Firmenjubiliäum von J. Sikora Turntable: Ein Plattenspieler aus Lego.


Ebenfalls gut in der räumlichen Darstellung – und nicht nur da – die Standlautsprecher KEF R7 Meta für 5.000 Euro. Bestens im Griff – und dabei groß- und weitzügig – wurden die beiden vom relativ neuen Streaming-Verstärker Hegel h600 für 11.500 Euro gehalten.


Neu im TAD Audiovertrieb die Russel K. Red 50, erschwingliche Kompaktlautsprecher – Gutes muss nicht immer teuer sein – für 2.500 Euro. Grundätzlich bin ich ja schon ein Freund von Standlautsprechern, aber bezüglich der Ortung haben diese kleinen Kisten doch ihren Reiz. Und dann fand schon ein Stelldichein mit vielen Bekannten statt 😉 Die Quelle war ein Rega Planar 8 mit dem MC-System Apheta 3 (3.800 Euro), als Sparringspartner stand der CD-Spieler Rega Saturn MK3 (2.600 Euro) bereit. Als weitere Spielgefährten noch der Phonoverstärker Aria MK3 (1.500 Euro) und als treibende Kraft der Rega Elicit MK5 (2.500 Euro).


Nix zu hören, aber zu sehen. Thorens. Da putzt der Chef noch selbst die Platte 😉


Für uns HiFi-IFAs so langsam Altbekannte, Detlef Bosse und seine Cito Audio Lautsprecher. Neben seinem HiFi-Studio ist der Osnabrücker zum engagierten Lautsprecherentwickler und Hersteller geworden. Mit seinen musikalischen Lautsprechern scheint er neben den unsrigen auch den Nerv einiger Hörer getroffen zu haben. Hier auf den NDHT 2024 spielten die Cito Audio Modell 3 (6.000 Euro plus Stand 1.500 Euro) auf, sowie die DBC-8K (8.000 Euro). Doch neben ihrer Musikalität haben sie auch ein gutes Pfund mit im Köcher. Startkapital gaben unter anderem der CD-Spieler Ayon CD 35 (9.000 Euro) sowie der Röhrenvollverstärker Ayon Spirit V (6.750 Euro).


Gut Lachen hat Berthold Daubner von HiFi-Pilot mit seinen kompakten aktiven Wireless-Lautsprechern Econik, die hat er zusammen mit seinem Kompagnon Jens Hörmann ausgeheckt, noch ein Stereo-Hub dazu, mehr braucht es nicht zum guten und platzsparendem Hören. Vor einem Jahr im Treudelberg wurde zum ersten Mal das Model Six (3.700 Euro) überzeugend präsentiert. Erst kürzlich hatten wir dann die Econik Four (2.700 Euro) bei uns zum Test. Ganz neu dann jetzt die Oberfläche in Echtholzfurnier.


Kompaktlautsprecher aus Kiel: Das kleine Pärchen ELAC Solano BS 283.2 für 1.600 Euro spielte verblüffend groß und unangestrengt, und mit dem JET-Hochtöner angenehm seidig. Als Plattenspieler diente der hauseigene Miracord 80 (2.500 Euro) mit Alchemy Phono-Vorverstärker – PPA-2 (1.100 Euro). Während meiner Anwesenheit kam die Musike allerdings über den Alchemy Streaming-Vorverstärker / DAC – DDP2 (2.600 Euro) und den Alchemy Verstärker – DPA-2 (1.600 Euro).


Die Piega Coax 411 (8.500 Euro) durften fein und luftig am Burmester Retro Musikcenter Phase 3 spielen. Dazu hatten sich der schweizer Lautsprecherhersteller und das High End Studio Wisseling aus Hamburg zusammengefunden. Da will ich mal ganz ehrlich sein: Mit den Berlinern bin ich noch nie richtig warm geworden, doch im Zusammenspiel mit den Piega war das was Feines.


Das High End Audio Studio Klangloft hatte in einem seiner Räume den BBC-Ableger Rogers LS3/5a (4.600 Euro) dabei. Wie auf dem Bild ersichtlich standen die beiden in dem kleinen Raum recht dicht beieinander, und ich saß ebenso dicht davor. Das war dann ein Hörgefühl, als würde ich in einem überdimensionalem Kopfhörer sitzen, nur dass er nicht auf den Ohren drückt. Gestreamt wurde vom EverSolo DMP-A6 Master Edition (1.300 Euro) zur Röhren-Endstufe English Acoustics Stereo 41C (10.900 Euro), dem teuersten Teil dieser HiFi-Kette. Hat aber wunderbar harmoniert.


Zum Abschluss noch etwas relativ günstiges HiFi, ja, so etwas soll es noch geben, und schön kompakt dazu. Jens Duvendack von ATR führte die kompakten Zwei-Wege-Lautsprecher ATC SCM7 (1.400 Euro), am Streaming-Verstärker Rotel RAS-5000 (3.000 Euro) vor. Noch zwei Lautsprecherständer Pro-Ject Tristand (400 Euro) und ab geht die Post. So passt guter Klang auch in die kleinste Hütte. Übrigens eine gute Entscheidung etwas kleines aufzustellen in dem kleinen Raum, und nicht irgendwelche Boliden, bei denen es dann von der Akustik her einfach nicht passt.


So, soweit nun unser erster Rundgang und Bericht über die Norddeutsche HiFi-Tage 2024 im Steigenberger Hotel Treudelberg in Hamburg. Aus unserer Sicht eine absolut gelungene HiFi-Messe in passendem Ambiente. Ivonne Borchert-Lima lieferte mit Unterstützung ihrer Eltern Wolfgang und Evelin Borchert sowie einem tollen Team eine gelungene und gut organisierte Veranstaltung ab. Schön, dass wir hier nicht nur abgehobenes, sondern auch noch bezahlbares HiFi in den Räumen vorfanden. Schon jetzt können lässt sagen: Wir HiFi-IFAs kommen in 2025 definitiv wieder!

Mehr Eindrücke erhaltet ihr dann in den nächsten Tagen im Bericht 2 von den NDHT 2024 in Hamburg.

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Aufgewachsen in der Blütezeit des HiFi mit Telefunken Allegretto TS 2020 nebst einem Dual 1228 mit Reibradantrieb und Wechsler. Damals habe ich die Technik des Duals bestaunt. Heute denke ich mit Grauen daran, wie die Schallplatten aufeinandergefallen sind...

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