Test: Vollverstärker Marantz Model 30 Phonosophie – Der „aktivierte“ Transistor

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Ingo Hansen – Mastermind von Phonosophie – hat es sich zur Aufgabe gemacht, „dem Menschen die Musik näher zu bringen“. Dabei ist sein Ansatz allerdings ein etwas anderer oder speziellerer als der gemeinhin genutzte (eher technische): Ist der Zuhörer entspannt und nicht gestresst, wird er einen emotionaleren und tieferen Zugang zur Musik als auch zu seiner HiFi-Anlage finden. Das ist ohne weitere Erklärung leicht nachvollziehbar.

Wie aber erreicht Ingo Hansen das? Während eines für mich mehr als aufschlussreichen Besuches bei mir zu Hause kam ich in den Genuss eines veritablen Workshops zum Thema „wie schaffe ich ein Umfeld, das es zulässt, in die Musik einzutauchen und diese zu genießen“. Grundsätzlich ging es darum, alle Umweltbedingungen, die negativer Art sind, zu eliminieren. Eine dieser unguten Bedingungen ist der Elektrosmog. Wir leben in einer Welt, in der wir von diesem nur so umgeben sind – seit es Smartphones gibt, gibt es diesbezüglich überhaupt kein Halten mehr. Allerdings bemerken wir diesen Elektrosmog gar nicht so direkt – er äußert sich vielmehr durch subtilere Anzeichen wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder ähnliche Dinge.

Klar, dass dadurch ein „Eintauchen“ in die Musik eher suboptimal unterstützt wird. Allgemein gilt die Empfehlung, die Exposition gegenüber Elektrosmog zu reduzieren. Ingo Hansen sagt dazu während seines Besuches: „Bei Verwendung aller Phonosophie-Produkte konzentrieren Sie sich bitte nicht ausschließlich auf die HiFi-Anlage und deren Einzelkomponenten. Die von uns genutzte Technik haben wir entwickelt, um Elektrosmog-Emissionen so zu informieren, dass für den Menschen ein Umfeld generiert wird, wie es wäre, wenn es diese EM-Belastungen nicht gäbe. Unter diesen optimierten Bedingungen klingen nicht nur Stereoanlagen besser. Es entstehen Bedingungen, die grundsätzlich positiv für die Sinne sind. Diesen Effekt haben wir bereits mehrfach mittels EKG-Messungen (und der HRV-Rate) nachgewiesen. Kinesiologische Muskeltests bestätigen diese positive Wirkung“.

Puh. Das ist schon ein starker Tobak von Ingo Hansen, wenn man sich nicht schon vorher mal damit auseinander gesetzt hat…, allerdings einer, der tatsächlich wirkt, wie ich an diesem aufschlussreichen Tag persönlich erleben durfte. Auf Einzelheiten möchte ich nicht eingehen – meiner Meinung nach glaubt man das nur, wenn man sich die Zeit nimmt und „erhört“, was die heimische Stereoanlage nach einer „Phonosophie-Kur“ eigentlich wirklich kann.

Was hat das alles mit dem Vollverstärker von Marantz, dem Model 30 zu tun? Nun, Ingo Hansen hat sich diesen zur Brust genommen und ihn im beschriebenen Sinne und mittels seiner „Aktivatortechnik“ getunt (oder vielmehr: richtiggehend „behandelt“) – einfach um zu zeigen, was im „musikgesamtheitlichen“ Sinne so möglich ist, wenn man nur will.


Vollverstärker Marantz Model 30 Phonosophie – Optik und Technik

Der Marantz Model 30 ist ein ganz klassisch aufgebauter Transistorvollverstärker, ganz ohne weiteren Schnickschnack wie beispielsweise Streamingfähigkeit oder WLAN-Anschluss.

Ganz typisch für einen Marantz der Neuzeit nutzt er die sogenannten „HDAM“ – Module. Bei den „Hyper Dynamic Amplifier Modules“ werden auf den Platinen diskrete Schaltkreise anstelle von Standard-ICs eingesetzt. Laut Marantz ist der Vorteil der HDAMs, dass sie herkömmliche IC-Operationsverstärker in Bezug auf die Anstiegsgeschwindigkeit und die Reduzierung des Geräuschpegels erheblich übertreffen, im Übrigen jedoch die gleiche Funktionalität wie herkömmliche Operationsverstärker aufweisen. Daraus würde sich ein dynamischerer, genauerer und detaillierterer Klang ergeben. Besonders nett für einen modernen Vollverstärker ist die Tatsache, dass es einen Phonoeingang gibt – und zwar nicht nur für MM, sondern auch für MC-Tonabnehmer (!). Der MC-Zweig kann mittels entsprechender Abgriffe an den internen „Stepup“ – Trafos für Tonabnehmer mit hoher oder eher mittlerer / niedriger Impedanz angepasst werden. Das ist für einen Verstärker in dieser Preisklasse eine ziemliche Ansage!

Dazu gibt es beim fernbedienbaren Model 30 einen Kopfhöreranschluss, der kein „me too“ – Gimmick, sondern ein vollwertiger Antrieb für (aber eher niederohmige) Kopfhörer ist. Hier sehen wir bereits einen ersten Ansatz des Phonosophie-Tunings: Die Abdeckung der Kopfhörerbuchse ist belegt mit einem Verschluss, der die Aktivatortechnik von Ingo Hansen nutzt – hier gibt es weder EMV-basierte Emissionen oder auch Immissionen zu befürchten. Wenn also dieser Anschluss nicht benötigt wird, gilt: Kappe drauf!

Auffällig ist die Qualiät der verbauten Verbinder – besonders der „erste“ Cincheingang, die Lautsprecheranschlüsse und der Phonoeingang setzen materialtechnische und haptische Ausrufezeichen. Getragen durch ein hübsches Display auf der Front ist der Rest der Bedienung selbsterklärend und macht durch die Drehregler mit ihrem „sahnigen“ Drehgefühl auch noch Spaß. In der Phonosophie-Version kommt serienmässig das „große“ Netzkabel von Ingo Hansen mit, was sich als klarer Gewinn herausstellen sollte. Nutzt man nämlich ein anderes, „fällt“ das Klangbild zwar nicht komplett in sich zusammen, jedoch geht einiges vom Rhythmusgefühl und vom feinen Timing des Marantz verloren. Was genau im Übrigen noch „getunt“ wurde, bleibt verständlicherweise ein Geheimnis, nur soviel: im Inneren sieht man doch einiges an verbauter Aktivatortechnik. Mal sehen, ob die das serienmäßig schon sehr gute klangliche Vermögen noch steigern kann – Stichwort Elektrosmog…

Vollverstärker Marantz Model 30 Phonosophie – technische Daten
  • Dämpfungsfaktor: 500
  • Frequenzgang: 5 Hz – 50 kHz
  • Eingangsempfindlichkeit: High Level 220 mV / 13 Kohm
    • Eingangsempfindlichkeit: MC 250 mV
    • Eingangsempindlichkeit: MM 2.3 mV / 39 Kohm
    • Leistung (8 / 4 Ohm): 100 Watt / 200 Watt
    • Signal-Rauschabstand: High Level 107 dB (2 V input/Rated output)
    • Signal-Rauschabstand: MM 88 / MC 75 dB
    • Klirrfaktor 0,005 %
    • Doppelschicht-Bodenplatte
    • Lineares Netzteil (pre-amplifier stage)
    • Lineare Lautstärkeregelung
    • Low Noise OELD – Display
    • Schottky-Dioden
    • Kupferabschirmung intern
    • Audio Eingänge: 6 x Cinch
    • Audio Ausgänge: 1 x Cinch
    • Kopfhörerausgang 1 x Klinke 6,3 mm
    • Phono Eingang: MM / MC
    • Power Amp Direct Eingang
    • Pre-out
    • Standby-Leistungsaufnahme 0,2 Watt
    • Abmessungen (B x T x H) in mm: 443 x 431 x 130
    • Gewicht in kg: 14,8

Vollverstärker Marantz Model 30 Phonosophie – Der Klang

Der Marantz Model 30 Phonosophie steht in der (guten) Tradition englischer High-End-Verstärker, obwohl er kein bisschen englisch ist. Der Verstärker hat viel Kraft, er musiziert aus einer Bärenruhe heraus ganz locker. Auch will er nicht das allerletzte Detail herausholen, sondern klingt schön „stämmig“, eher aus der Mitte heraus, ganz nach dem Motto „it`s all about the midrange, baby“. Von was er aber am meisten bietet: Spielfreude. „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode, man kann es drehen und wenden, wie man will, dauert objektiv, egal mit was man hört, immer gleich lang.

Aber mit dem Marantz Model 30 Phonosophie klingt die Musik – subjektiv – schneller und leichtfüßiger, involvierender und kommunikativer. Der räumliche Eindruck ist keinesfalls „geizig“ oder zurückhaltend, die Interpreten kommen virtuell ein, eher zwei Schritte auf einen zu, das berühmte, rotzige Gitarrenriff, damals gespielt von Martin Gore, „steht“ etwas links versetzt im Raum und fetzt.

„Ti sento“ von Matia Bazar ist für mich immer wieder ein Erlebnis; der Song zeichnet sich durch eine mehr als coole Melodie, starke Vocals und einen emotionalen Text aus. Und obwohl dieser Text von Liebe, Sehnsucht und Verlust handelt, hat man doch das Gefühl, das man eher in der Sonne als im Regen steht…einfach schön und mitreißend. Und auch hier leistet die Kombination Marantz/Phonosophie großes – man hat eher das Gefühl „mittendrin“ statt nur „davor“ zu sein. Wirklich sehr gut, letzteres geht sogar schon etwas in Richtung „preisklassenunabhängig“.

Hier ist sie also, die klangliche Signatur, die ja wegen des extravaganten „Phonosophie“ – Aufklebers einfach irgendwo stecken musste. Wenn der Marantz Model 30 Phonosophie also seinen eigenen Kopf und Charakter zeigt, dann darin, der Musik einen Hauch vorwärtsdrängender Lebendigkeit beizumengen. Nicht unwahrscheinlich, dass das Geheimnis der Musizierlust des Marantz auch in den ganzen „Aktivator“ – Massnahmen von Ingo Hansen begründet ist.

"Best Of" von Paolo ConteJa, aber kann denn dieser Vollverstärker auch nonchalent-getrage Songs, gar Chansons in der Güte wiedergeben, die diese Musik braucht? Ja. Kann er. Und wie. Paolo Conte zelebriert mit seinem „Via con Me“ mal wieder seine typisch zynische, nicht ganz ernst gemeinte Ernsthaftigkeit, man wippt unwillkürlich mit – dazu am besten einen schönen Chianti. Oder „Sotto le Stelle del Jazz“ – melodiös, edel, schön – wie gemacht für den Connaisseur im Ohrensessel! Genau diese Stimmung transportiert der Marantz/Phonosophie genial ans Ohr.


Vollverstärker Marantz Model 30 Phonosophie – Fazit

Dieser Vollverstärker ist ein Exot. Wer tunt denn heutzutage noch Vollverstärker – außer Ingo Hansen? Er tut es aus Überzeugung, seine Absicht lautet: „es soll sich mehr wie live anhören“. Und damit macht er alles richtig. Der Marantz Model 30 Phonosophie „geht“ tatsächlich etwas mehr auf den Hörer zu als man das so gewöhnt ist. Dazu kommt, dass er richtig „Schmiss“ hat – es bleibt kein Auge trocken, der Marantz will spielen und es macht ihm hörbar Spaß. Davon profitiert nicht nur entsprechendes Musikmaterial, auch eher „getragene“ Songs veredelt der Marantz/Phonosophie, auf dass man auch diese richtig genießen kann. Solche Geräte sollten so schnell wie möglich ihren Exotenstatus ablegen dürfen – für mich ist dieser Verstärker jetzt schon einer der Geheimtipps des noch recht jungfräulichen Jahres 2024.


Im Test

Vollverstärker mit MM- und MC- Phonovorverstärker
Marantz Model 30 Phonosophie
Gewicht: 14,8 kg
Garantie: 2 Jahre
UVP: 5.100,- Euro / incl. Phonosophie Netzkabel


Kontakt

PHONOSOPHIE / I. Hansen Vertriebs GmbH
Luruper Hauptstraße 204
D-22547 Hamburg

Tel.:+49 40 83 70 77
Mail: support@phonosphie.de
Web: www.phonosophie.de


Mitspieler im Test

Quellen digital – Netzwerkspieler Olive Audio 4HD, CD-Spieler AMR CD-777, Streamer WIIM Pro
Quellen analog – Plattenspieler Dr. Feickert Audio Blackbird mit Tonabnehmer Ortofon Cadenza Red, Ortofon SPU Classic GE MKII, EMT HSD006, Phono MM- & MC Verstärker Cyrus Signature Phono (mit PSX-R), Übertrager von Phasemation
Verstärker – Vollverstärker Circle Labs A 200
Lautsprecher – Standlautsprecher Sonus Faber Olympica 2, Paradigm Founder 80f
Zubehör – Kabel von Horn Audiophiles, A23, HMS, Isotek, Boaacoustic, Tellurium Q

About Author

Kein Studium der Elektrotechnik. Keine Lehre im Hifi-Laden, auch sonst kein Job in der einschlägigen Branche. Nur pure, echte Leidenschaft, die schon im Kindesalter dazu geführt hat, dass ich mir die Nase an den entsprechenden Schaufensterscheiben plattgedrückt habe. Dann ging es - ich hatte meinen ersten Job – richtig los und es folgte ein sehr langer, steiniger, harter und arg teurer Weg ins Klangnirvana mit der Erkenntnis, dass man dieses mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eh nie erreichen wird. Problem: Diese Erfahrung stachelt die Motivation nur noch weiter an. Da hilft nur „keep cool“ und immer weiterhören!

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