Test: Vollverstärker Unison Unico Due mit D/A-Wandler – moderner Fünfkampf

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Vollverstärker Unison Unico Due, oder: Der moderne Fünfkampf

HiFi Röhrenvollverstärker Unico Due im Test der HiFi-IFAs

HiFi Röhrenvollverstärker Unison Unico Due. Bild: B. Weber

Das italienische Triumvirat. So könnte der Test über den Unison Unico Due Röhren-Hybrid-Vollverstärker auch heißen. Erstens wegen seiner analogen Hochpegeleingänge. Zweitens aufgrund seines integrierten Phono MM- und MC Verstärkers. Und drittens wegen des eingebauten D/A-Wandlers. Als wäre das nicht schon genug, vereint der Italiener mit den Röhren im Vorverstärker sowie den Transistoren in der Endstufe zwei weitere völlig konträre HiFi-Technologien. Fünfkampf der HiFi-Moderne ist also der richtige Begriff!

Technik

Unison Research baut viele reine Röhrenverstärker mit einem wunderbaren Klang. Die Ausgangsleistung dieser Art von Verstärkern ist allerdings bei manchen Lautsprechern, darunter fallen auch manche kompakte, nicht ausreichend. Und um diese, jede Menge Watt fressenden Monster auf Trab zu bringen, braucht es dann oft stabile Leistung aus Transistoren.

Der italienische Hersteller möchte, wie auch viele Hörer, allerdings nicht auf den „Röhrensound“ verzichten. Für die Liebhaber dieser Klang-Kategorie hat Unison Research daher unter der Marke „Unico“ den Hybrid-Verstärker „Due“ entwickelt. Dieser verwendet im Vorverstärker-Trakt Röhren sowie im Endverstärker Transistoren. „Molto Bene“, wie der Italiener so schön sagt, ist ebendies doch schon mal ein gedanklich interessanter Ansatz.

Röhren-Transistor-Verstärker Unison Unico Due im Test der HiFi-IFAs. Hier im Bild die Frontansicht mit dem Lautstärkeregler und Display

Front des Röhren Verstärker Unison Unico Due. Bild: B. Weber

Der erste Blick fällt naturgemäß auf die Front des Unico Due. Diese ist im Falle unseres Testgeräts in einem mattem Silbergrau gehalten. Alternativ gibt es auch eine schwarze Front des Verstärkers, was meinem Geschmack mehr entspricht. Sei es drum, ich will ja nicht die Optik des Gehäuses, sondern die des Klanges beurteilen. So die mir selbst gestellte Aufgabe. Das Material besagter Front besteht aus massivem Aluminium, welches zur optischen Auflockerung zwei senkrechte Fugen besitzt.

Netzschalter des Unico Due Röhrenverstärker

Rechts versteckt der Ein- und Ausschalter des Unico Due. Bild: B. Weber

Mittig auf der Front sitzt ein gut ablesbares Display mit einer zur Front passenden silbergrauen Schrift. Womit ich doch wieder bei der Optik gelandet bin… Hat man den seitlich rechts sitzenden Ein- und Ausschalter gefunden, kann die Show auch schon los gehen. Kurz drauf gedrückt, ein sauberes Relaisklacken und 40 Sekunden später kann dann das Hören losgehen. So Mann sich vom ersten Schrecken erholt hat, weil das Display initial von 40 auf 0 herunter zählt. Im ersten Moment kam mir der Gedanke: Oh meine armen Lautsprecher, der Unico Due spielt jetzt volle Pulle mit Lautstärke 40 los. Glücklicherweise ist dem nicht so. Er gönnt sich einfach 40 Sekunden bis zur Bereitschaft! Die Lautstärkeregelung selber startet dann immer bei 0,0 und geht dann in 0,1er Schritten hoch bis 9,9.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Die Eingänge des Unico Due. Bild: B. Weber

Die Rückseite des Unico Due mit den Cinch-Eingängen. Bild: B. Weber

Cinch-Eingänge besitzt der Vollverstärker Unico Due in großer Anzahl. Die sollten für die meisten Hörer ausreichen. Der außen rechts liegende Cinch-Eingang lässt die Freunde des Vinyls frohlocken, da sich dahinter serienmäßig eine Phono-Steckkarte für MM- sowie MC-Systeme versteckt. Um den Phonovorverstärker zwischen diesen beiden Betriebsmodi umzustellen, darf man die 12 Maschinenschrauben des Deckels aufschrauben. Ein Schalter wäre da bequemer. Aber okay, so oft wechselt man seine Tondose nun auch nicht. Die MM-Signale päppelt die Phonoplatine mit 40 dB auf, die noch zarteren von MC-Systemen mit 50 dB. Das Aufschrauben hat auch seinen Reiz, kommt man so doch in das Vergnügen, auch die gut gebauten Innereien des Unison Due bewundern zu dürfen.

Trafo und Röhren des Unico Due

Einblick ins Innenleben des Röhrenverstärker Unsion Unico Due. Bild: B. Weber

Nach dem Öffnen des Gehäuses fallen einem als Erstes die fetten roten Kondensatoren mit einer respektablen Kapazität von 80.000 µF ins Auge. Auch der massive Kühlkörper und der große Ringkerntrafo lassen den Hörer gute Klänge vermuten. Wie auch der saubere Platinenaufbau und die beiden ECC83 (12AX7) Röhren der Vorstufe. Das Ganze ist laut Unison gut für 2*100 Watt an 8 Ohm bzw. 2*180 Watt an 4 Ohm. Das Gehäuse selber ruht auf drei stabilen Füßen und wiegt beruhigende massive 19 kg.

Weiter geht es mit zwei klassischen Hochpegeleingängen und einem Tape-Eingang mit den dazugehörigen Monitor-Buchsen, sollte der Musikliebhaber noch eine Bandmaschine sein eigen nennen. Auch Röhrenverstärker können Heimkino! Freunde des Surround können einen beliebigen Cincheingang per Fernbedienung auf einen festen Pegel einstellen. Die dann dort angelieferten Signale gehen unter Umgehung des Lautstärkereglers direkt auf die Röhren in der Vorverstärker-Abteilung. Was neben Surroundern auch die Freunde des feinen HiFi-Klangs mögen, ist ein Subwoofer-Ausgang. Auch der ist beim Unison Unico Due vorhanden.

Zudem gibt es einen „USB-Ausgang“. Die vom Due im DAC-Modul gewandelten Daten schickt der Amp als analoges Hochpegelsignal an Cinchbuchsen. Der Hersteller Unison gibt seinem Vollverstärker Unico Due also fast eine Vollausstattung mit auf den Weg. Anders als die Philosophie der Automobilindustrie mit ihren Zusatzausstattungen. Kreuzchen hier und Kreuzchen da. So findet sich auf der Rückseite auch noch ein galvanisch getrennter USB-B Eingang. Das spart den separaten DAC. Ruckzuck sind so zum Beispiel ein Streamer oder Musikserver angeschlossen. Nur schade, dass es nicht auch einen koaxialen oder optischen Digitaleingang gibt. Als D/A-Wandler verwendet Unison einen bestens beleumundeten ESS-Sabre-ES9018K2M, der PCM bis 384 kHz sowie DSD128 beherrscht.

Runde 1 – Klang Hochpegel

Zu allererst stellt sich mir natürlich die Frage: Mit welcher Musik führe ich den Test des Unico Due durch? Was diese Frage erschwert: welche Titel liegen mir überhaupt in digitaler und analoger Form vor? Schließlich ist die doppelte Anschaffung von Tonträgern ein doch recht kostspieliges Vergnügen. So greife ich zu altbewährtem, und entscheide mich zuerst für Diana Kralls Album „Wallflower“. Dieses wartet in 44,1 kHz / 16 bit auf dem heimischen Musikserver Innuos ZEN MK. III auf seinen Einsatz. Angeliefert werden die Lieder auf analogem Weg vom redaktionseigenen Streamer Cambridge 851N.

Diana Krall Wallflower CoverMmmhh, das gefällt mir schon, wie weich und zart Diana mir in die Ohren haucht. Ein Traum sind die feinen Schattierungen ihrer Stimme. Die im Hintergrund von Diana Krall gespielten Streicher schweben dabei angenehm harmonisch durch den heimischen Hörraum. Und der dann einsetzende Damenchor bezirzt meine Ohren vollends. Dazu perlen die von der Jazz-Diva locker und leicht angeschlagenen Klavierläufe. Auch die gelegentlich mit mehr Nachdruck gespielten Tastenanschläge treten differenziert und mit dem dazugehörigen Volumen in Erscheinung. Der Hörabend fängt vielversprechend an.

Und weitergekramt im Plattenregal sowie auf dem Musikserver. Was liegt noch doppelt vor? „Take Five“ von Dave Brubeck fällt mir in die Hände. Klar und sauber aufgelöst das Schlagzeug mit Becken und Besen, ohne es damit zu übertreiben. Auch das Saxophon höre ich schön klar; nicht ganz  vollmundig, aber dafür vielfarbig und gefühlvoll gespielt. Rasant und schnell wird das Schlagzeug bearbeitet, von gemütlichen Röhren keine Spur, das Tempo stimmt. Ich bin beeindruckt wie das fetzt, so als würde die Schießbude vor mir gespielt!

Ruhig und bedächtig beginnt „Private Investigations“ von den Dire Straits Private mit dem sich steigernden elektronischen Wabern. Von links und rechts eingespielt die E-Gitarre mit dem dezentem Piano im Hintergrund. Mark Knopfler erzählt mehr als das er singt. Bei diesem Stück kann Mann so richtig schön vor sich hinhören, bis dann die kräftige Bassgitarre einsetzt um die Endstufen und Tieftöner zu malträtieren. Der Unico Due gibt den Bass mit leichter Zurückhaltung wieder, verschluckt sich aber auch daran nicht.

Runde 2 – Klang Phono

Der MM- und MC Phono-Verstärker des Unison Unico Due

Unico Due – Links die Phonoplatine für MM- und MC (links). Bild: B. Weber

In Runde 2 des Unico Due Hörtest geht es wieder über analoge Eingänge in den Amp. Diesmal über die integrierte MM- und MC Phono-Platine. Die zuvor gehörte Musik darf nun in Form von Vinyl auf den Plattenteller des kürzlich getesteten New Horizon GD 2.25 sowie auf den des eigenen Rega Planar 6.

Bei einem eingebauten Phonoverstärker erwarte ich grundsolide Kost und nicht mehr. Entgegen meinen Erwartungen werde ich erfreulich überrascht.

Vinyl, so stelle ich hier fest, findet auch beim Unico Due eine bemerkenswerte Aufmerksamkeit. Zum Beispiel beim wundervollen Jazz, egal ob von der hinreißenden Diana Krall oder dem legendären Dave Brubeck. Okay, in den unteren Tonlagen geht es jetzt etwas zurückhaltender zu als vorher in Runde 1 bei den Hochpegeleingängen, Geschmackssache. Mehr als aufgewogen wird dies durch das seidige Spiel der Bögen auf den Streichinstrumenten. Auch der Schlagzeugbesen ist jetzt noch eine Spur feinfühliger, fast kommt es mir vor, als würde Joe Morello vor mir sitzen…

Der soeben gewonnene Eindruck über die klangliche Qualität der Phonoplatine verfestigt sich bei „Private Investigations“ von den Dire Straits weiter. Der Nachhall schwebt auch bei diesem Stück weiter aus. Die Bassgitarre wird etwas weniger wuchtig, dafür noch eine Spur knackiger gespielt. Freunde des Vinyls kommen beim Phonoverstärker des Unison Unico Due auf ihre Kosten.

Runde 3 – Klang USB-B

Der USB-B Anschluss am HiFi-Vollverstärker Unico Due

Link der USB-B Anschluss des Unico Due

Neues Spiel, neues Glück – Runde 3 beginnt, und damit der Test des integrierten D/A-Wandler. Dies ist die Endrunde, denn bei diesem Verstärker genügen aufgrund seiner Eingangsarten 3 statt 12 Runden, wie etwa beim Boxen. Und Musik hören ist mit dem Unison Unico Due auch wesentlich angenehmer wie auch schmerzfreier, als sich im Ring über 12 Runden zu prügeln.

Die Musik wird dem Unico Due per USB-B Eingang wiederum über den eigenen Musikserver Innuos ZEN MK. III angeliefert. Als Verbindung zwischen den beiden Geräten benutzen wir das gute und günstige USB 2.0 Kabel von Supra. Auch mit dem integrierten D/A-Wandler bleibt der Vollverstärker seinem bisherigen Charakter treu. Der Klang ist ähnlich fein aufgelöst und klar wie zuvor über die analogen Cincheingänge in Runde 1 und Runde 2. Ok, er zeigt eine Spur weniger Farbigkeit, dafür ist der Bass eine Spur knackiger und sauberer. Auch über den DAC beeindruckt der Unico mit einer fantastischen Raumabbildung, bei der sich Stimmen wie auch Instrumente einwandfrei zuordnen und lokalisieren lassen.


Fazit

Der Vollverstärker Unison Unico Due gefällt mit seiner umfangreichen Ausstattung wie integriertem D/A-Wandler und Phonoverstärker. Überzeugend kombiniert er die Eigenschaften von Röhren und Transistoren. Im Hörtest liefert er malerische Klangfarben und eine wunderbare Feinzeichnung. Dies kombiniert er mit einer begeisternden räumlichen Darstellung und klarem Nachdruck im Bass. Mit dem Unico Due wird der Musikliebhaber viele Jahre glücklich sein.

Testergebnis des Röhren Vollverstärker Unison Research Unico Due. 5,7 von 6,0 Punkten

Im Test

HiFi-Vollverstärker
Unison Research „Unico Due“
Farbe silber oder schwarz
Preis: 2.599 Euro

Vertrieb

TAD-Audiovertrieb GmbH
Rosenheimer Straße 33
83229 Aschau
www.tad-audiovertrieb.de

About Author

Aufgewachsen in der Blütezeit des HiFi mit Telefunken Allegretto TS 2020 nebst einem Dual 1228 mit Reibradantrieb und Wechsler.Damals habe ich die Technik des Duals bestaunt. Heute denke ich mit Grauen daran, wie die Schallplatten aufeinandergefallen sind...

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