Test: Rega Planar 6 mit TAD Excalibur Black

Rega Planar P6 2017 mit Tonabnehmer TAD Excalibur Black
Rega Planar P6 (2017) mit TAD Excalibur Black. Bild: B. Weber

Nachdem wir vom Rega Planar P3 so angetan waren, wollten wir nun wissen, wie sich der größere Rega Planar P6 (2017) schlägt, dieser kostet inklusive der Motorsteuerung Neo PSU 1.299 €. Für den Test stand uns als Tonabnehmersystem das TAD Excalibur Black für 699 € zur Verfügung. Als Paket wird das Ganze dann für schlanke 1.799 € angeboten; als Alternative dazu gibt es das Rega Ania MC für den gleichen Preis.

Technik

TAD Excalibur Black auf Rega JustierschabloneMontiert war das Excalibur Black fix an der Headshell des Planar 6. Hermann Noch vom Vertrieb TAD Audio gab uns den Tip, das Tonabnehmergehäuse einfach bündig mit der Vorderkante der Headshell einzubauen. Vorteil für das TAD Excalibur Black, wie auch für das Green und Blue: Sie sind vom Vertrieb für den Einbau auf die Rega Tonarme abgestimmt, funktionieren aber auch wunderbar an anderen Plattenspielern. Mit der dem Rega Planar 6 beiliegenden Schablone noch kurz die Flucht des Tonabnehmergehäuses mit den Linien abgestimmt, fertig. Allerdings konnte ich es mir dann doch nicht verkneifen, das Ganze mit der Schön Schablone 2 zu überprüfen: Und siehe da, passt!

Wie alle Regas, ist auch der Planar 6 mit seinen 5,2 kg ein rechtes Fliegengewicht, hoffentlich im Gegensatz zu seinem Klang. Das “Brett” besteht aus PU-Schaum, der oben und unten mit Laminat beschichtet ist. Tunlichst sollte man deshalb vor dem Auflegen von Schallplatten die Haube abziehen, damit man ihn nicht versehentlich umstößt, dem Klang tut es auch gut. Beides geht dann einfach, das Abnehme und auch das Wiedereinstecken der Haube. Wenn der werte Hörer dann auch noch den schicken gläsernen Plattenteller abnimmt, wiegt das “Brett” so gut wie nichts mehr! Also ab mit dem P6 auf ein stabiles Rack oder Wandbord.

Lager des Plattenteller Rega Planar 6 2017

Die Alustrebe stabilisiert den Planar 6 im Bereich von Tonarmlager und Plattenspielerachse, auch auf der Unterseite ist eine solche Strebe vorhanden, somit wird die Grundplatte ordentlich in die Zange genommen und Vibrationen in diesem wichtigen Bereich werden aufs Minimum reduziert. Das neu entwickelte Messinglager ist äußerst maßgenau auf die Achse des Subtellers abgestimmt, wenn man diesen in das Lager steckt dauert es eine ganze Weile, bis er in seiner tiefsten Lage angekommen ist. Mann sollte also der Versuchung widerstehen, dies mit Nachdruck zu versuchen!

Der 2,5 kg schwere aus 2 miteinander verklebten Glasscheiben bestehende Plattenteller schaut sehr elegant aus so ohne Filzmatte. Aus klanglichen Gründen sollte dann allerdings doch die beiliegende Filzmatte aufgelegt werden.

Tonarmlager des Rega Planar 6 2017 Detail

Die Tonarmbasis ist fest auf der Alustrebe und der Grundplatte befestigt. Der Tonarm RB 330 ist sehr solide aufgebaut. Von der Basis zur Headshell hin verjüngt er sich, was der Entwicklung von Resonanzen entgegenwirkt. Er lässt sich sehr leicht bewegen und zeigt kein Spiel in den Lagern. Eingestellt wird die Auflagekraft über das seitliche Drehrad. Und das Antiskating einfach über den 3-stufigen Schieberegler.

Der Entwickler Roy Gandy ist der Meinung, dass sich mit Rändelschrauben versehene in der Höhe verstellbare Tonarmbasen negativ auf den Klang auswirken. Wählt der Hörer dann doch einen Tonabnehmer, der von der Bauhöhe nicht passt, ist das nicht weiter tragisch. Nach Lösen der 3 Schrauben der Tonarmbasis lassen sich verschieden starke “Spacer” von Rega unterschieben, die Schrauben werden wieder gut angezogen und fertig ist der bombenfeste Sitz. Diese Lösung ist nicht unbedingt was für HiFi-Tester oder Händler, die laufend die Systeme wechseln, beim heimischen Hörer kein Beinbruch, so ein Tonabnehmer wird ja nicht laufend gewechselt. Und wer sich für ein TAD Exalibur oder Rega Ania entschieden hat, bei diesen ist die Bauhöhe auf den Tonarm abgestimmt.

TT-PSU Steuerung des Rega Planar 6 (2017)
Rega NEO PSU

In Betrieb genommen wird der Rega Planar 6 über die Rega Neo PSU, welche auf der des RP 10 basiert. Jede dieser PSU wird werksseitig auf den jeweils eingebauten Motor eingemessen. Durch dessen Quartz-Ansteuerung werden die eingestellten 33 bzw. 45 Umdrehungen sauber eingehalten. Auf der Gerätefront sitzen der Ein- und Ausschalter sowie der Geschwindigkeitsumschalter für die 33 sowie 45 U/min. Im Gegensatz zum Rega Planar 3 ist beim Planar 6 die Neo PSU im Preis enthalten. TAD bietet die PSU für 349 € auch separat an, sie ist für alle Rega Plattenspieler mit 24 Volt-Motor geeignet.

Klang Planar 6

Tonabnehmer TAD Excalibur BlackDer besseren Vergleichbarkeit wegen haben wir auch mit den selben Scheiben wie beim Planar 3 gehört.

Nun, bei Diana Krall “Wallflower” wird der Unterschied sofort bei den ersten Klängen klar. Das TAD Excalibur Black scheint gehörmäßig durch die Plattenrille zu schweben, nicht die Spur eines Nadelgeräusches. Die feinen Verästelungen ihrer Stimme werden noch detaillierter wiedergegeben, ebenso wie die Bogenstriche der Streicher, fast sieht man den Spliss der Bogensaiten. Locker und behände das Klavierspiel von Diana, jeder einzelne Ton sitzt und perlt vor mir. Wenn dann noch Michael Buble dazu schmelzt, machen das wohl auch viele Frauenherzen, Chapeau!

Weiter dann mit dem Album “The Best Of” von Loreena McKennett. Die vielen Dudelsäcke, die ich so liebe, in ihren verschiedenen Klangfarben (Ok, es soll Menschen geben, die dieses Instrument nicht lieben…), herrlich. Die Harfe wird faszinierend natürlich vor mir gespielt, und dann noch diese Stimme von Loreena!!! Ich sehne mich in die schottische Heimat ihrer Vorfahren…

Zwischendurch dann mal kurz mit dem Fingerknöchel auf die Basisplatte des Rega Planar 6 geklopft, nichts. So gut wie nichts zu Hören davon aus den Lautsprechern. An der Theorie von Roy Gandy muss was dran sein.

Scott KellyScott Kelly, Steve Von Till Wino “Songs Of Townes Van Zandt”. Sie singen noch knorriger und abgrundtiefer. Jede einzelne von ihnen gerauchte Zigarette wird hörbar! Sauber aufgestellt die 3 auf der Bühne, sie sind mitsamt ihren Instrumenten sehr gut zu orten. Und obwohl hier “nur” 3 Mann zugange sind, gibt es keine akustischen Löcher. Das Gefühl, dass diese Herren vortragen, düster und bedrückend vorgetragen, geht voll ins eigene Herz.

Wo wir schon dabei sind, mit einer “alten” Technik zu hören, dürfen auch die Dire Straits mit “Private Investigations” nicht fehlen. Schön leise fängt das Stück an, die Gitarre von Mark Knopfler, dazu das im Hintergrund das Klavierspiel. Mark setzt mit seiner Stimme ein, herrlich, dieser Raum. Ab ca. Minute 3:50 geht es dann los, was mich so an diesem Stück begeistert, wie der Spannungsbogen aufgebaut wird, die Klavierläufe, das Schlagzeug abgrundtief und dabei schnell und trocken, ich bin wieder ein Teenie.

Wir legten Schallplatte nach Schallplatte auf, und genossen dazu ein, oder wohl auch mehrere Gläschen Rotwein…

Fazit

Der englische Gentleman Rega Planar 6 mit der Neo PSU und dem TAD Excalibur Black sind ein highendiges emotionales Traumgespann. Geniale Laufruhe, sehr feinauflösend bei Stimmen wie Instrumenten. Dazu eine tolle Raumdarstellung und flotter trockener Bass.

5,9 von 6 Punkte Preisleistung/Klang

Über B. Weber (Arkoudi) 129 Artikel
Aufgewachsen in der Blütezeit des HiFi mit Telefunken Allegretto TS 2020 nebst einem Dual 1228 mit Reibradantrieb und Wechsler. Damals die Technik des Duals bestaunt, heute denkt man mit Grauen daran, wie die Schallplatten aufeinandergefallen sind... Hörraum ist das Wohnzimmer mit ca. 20 qm. Boden mit Korklinoleum sowie vor der Anlage ein hochfloriger Teppich mit ca. 6 qm. Als Diffusoren fungieren einige Bücher- und CD-Regale. Hinter dem Hörplatz ein selbstgebautes Akustikbild an der Wand.