Test: ModalAkustik MusikBass – Der knackige RiPol Subwoofer

0

ModalAkustik MusikBass Subwoofer für HiFi und HighEndDer ModalAkustik MusikBass Subwoofer macht neugierig. Warum? Er folgt einer griffigen Idee. Bei einer Geschäftsgründung gilt beispielsweise als Erfolgsrezept: Die Idee soll sich in einem Satz umschreiben lassen. Die Idee des ModalAkustik MusikBass lautet: Störungen, die im Tiefbass-Signal gar nicht erst entstehen, muss man später nicht kaschieren. Das ist die Idee des RiPol-Prinzips. Macht Sinn. Ist der Sub erst auf- und eingestellt und auf den Hörplatz ausgerichtet, verspricht ModalAkustik ein einmaliges Musikerlebnis mit knackigem Bass. Das wollten wir gern in unserem eigenen Hörraum erleben und nahmen das Angebot von Michael Wydra freudig an, uns den MusikBass in trauter Atmosphäre vorzuführen. Zu unserer Freude begleitete ihn Axel Ridtahler, der geistige Vater des RiPol-Prinzips. Bernd reiste zu mir aus Ulm an. Und wir waren gespannt wie ein Flitzebogen.

ModalAkustik MusikBass: Michael Wydra & Axel Ridtahler

Michael Wydra und Axel Ridtahler (Foto: B. Weber)

Es ist ja grundsätzlich schön, sich mit Grundsätzlichem zu befassen. Gleiches mit Gleichem zu vergleichen hat seinen Reiz, hat aber einen Gewöhnungseffekt. Sich aber mit einem eher unüblichen Wirkprinzip auseinander zu setzen, das fordert heraus. Zu unserer Freude stellten uns am ersten April-Wochenende – also noch vor der HighEnd München 2019 – die zwei Köpfe hinter dem MusikBass-System ihre Kreation vor. Zum einen der Schöpfer des RiPols – so heißt das Wirkprinzip des Subwoofers – Axel Ridtahler, zum anderen der Konstrukteur und Gründer der Firma ModalAkustik Michael Wydra. So gabelte der Pulheimer (bei Köln) Michael Wydra den Badener Axel Ridtahler in Karlsruhe auf und brachte zwei MusikBass Systeme nebst Subwooferverstärker mit in unseren Hörraum in Leinfelden. Daraus sollte sich ein unterhaltsamer gemeinsamer Nachmittag entwickeln. Mit umgänglichen Musik-Fans, mit guten Gesprächen und einem gemeinsamen Musikerlebnis. Beginnend mit dem Hochtragen der Systeme (ein MusikBass wiegt rund 20 Kilogramm) – die Arbeit kommt immer vor dem Vergnügen. Anschließend Verkabeln, Ausrichten und Einstellen der Übergangsfrequenz sowie Pegel in Abgleich zu den Genelec 8260. Das ging alles recht fix von der Hand. Und zu unserem Erstaunen fanden wir uns nach kurzweiligen Stunden konzentrierten Ohrenspitzens und anfänglichem akustischen Erbsenzählen schnell beim entspannten Musik hören und Small-Talk wieder. Ein gutes Zeichen fanden wir. Doch was geschah zwischendurch…

MusikBass Setup LE

MusikBass Setup im Hörraum (Foto: F. Visarius)

Das Wirkprinzip

Modal Akustik Musik Bass Subwoofer HiFi

Frontaler Blick in die mittlere Kammer (Foto: B. Weber)

Technisch wirken zwei Bass-Membrane phasengleich auf eine Art schmale Druckkammer in der Mitte des Subwoofer-Gehäuses. Diese sieht von vorne aus wie ein Spalt und ist nach hinten mit einem hochwertigem Aluminiumverbundmaterial (Kunststoffkern mit Aluminiumbeschlag) halbrund verschlossen. Der Schall kann in korrekter Phase also nur nach vorne aus dem Gehäuse entweichen und bekommt so eine Richtwirkung. Der Bass eines direkt in den Raum abstrahlenden dynamischen Chassis würde sich dazu im Gegensatz eher gleichmäßig ausbreiten. Aufgrund der Richtwirkung richtet man den RiPol auf den Hörplatz aus. Da die Schallabstrahlung, grob gesagt, eher einer senkrecht stehenden Scheibe ähnelt, also nicht kugelig ist, sollte der Hörer quasi in die Druckkammer des Gehäuses schauen können.

MusikBass Subwoofer für HiFi als Dipol

Die geöffneten Rückseiten zur Abstrahlung des invertierten Signals (Foto: B. Weber)

Die Rückseite der beiden Bass-Membrane spielt mit dem invertierten Signal jeweils in ein eigenes, nach hinten offenes Gehäuse rechts und links des zentralen Spaltes. Das Innenvolumen erinnert in der Form an ein griechisches Omega, dass sich nach hinten öffnet. So wird das invertierte Signal rückseitig abgegeben. Deshalb ist das Konstruktionsprinzip von vorn nicht sofort zu erkennen.

Zwei Effekte sollen dem Bass nun größtmögliche Akkuratesse und Impulsivität verleihen: Zum einen soll die gleichmäßige Beschallung des Raumes in alle Richtungen minimiert werden, so dass weniger Raummoden angeregt werden. Zum anderen soll das invertierte Signal die diffusen Signale, die im Raum herumschwirren, auslöschen. Ziel ist es, möglichst viel direktes Bass-Signal zum Hörplatz zu bringen. Wie eingangs erwähnt: wo erst gar kein Störsignal in Form von Raummoden  entsteht, muss man sie später nicht bekämpfen. Die Entwickler nennen das: dipolare RiPol-Abstrahlcharakteristik.

Durch die offene Gehäusekonstruktion können die Chassis präziser ein- und ausschwingen. Zudem bedeutet eine geringere Energieabsorbtion eine geringere Resonanzanfälligkeit. Die RiPol-Konstruktion erlaubt besonders tiefe Bässe (18Hz bei -6dB in Nahfeldmessung) bei kompaktem Gehäuse, da die Resonanzfrequenz der Chassis im RiPol-Gehäuse gesenkt wird.

Komponenten

MusikBass Sandwich Material 1

MusikBass: Gehäuse im Sandwich Aufbau (Foto: F. Visarius)

Auffällig ist das Gehäuse aus einer Acryl-Sandwich-Bauweise. Ausgeführt in Hochglanz schwarz/transparent oder weiß/transparent in Verbindung mit einem gebogenen Mittelteil aus einem Aluminiumverbundmaterial. Dieses ist in Alu verspiegelt, Alu silber gebürstet, Alu gold gebürstet, Alu kupfer gebürstet, Alu schwarz matt, Alu weiß matt und auf Wunsch in weiteren Farbvarianten individuell lieferbar (z.B. blau, grün, rot). Die seitlichen Chassismagnete werden von hochwertigen Stoffbespannungen verdeckt, standardmäßig in weiß oder schwarz. Die Sandwichbauweise des Gehäuses mit abwechselnd opaken und transparenten Acrylplatten – diese werden übrigens hochpräzise lasergeschnitten – erzeugt eine stylische, halb-transparente Optik, die aus dem HiFi-Gerät ein Wohn-Objekt macht. Wenn da noch Licht ins Spiel kommt… Für Lokal-Patrioten gut zu wissen: Die Gehäuseteile werden in Deutschland gefertigt und bearbeitet.

Im Inneren arbeiten zwei 12 Zoll Chassis mit beschichteter Papiermembran und 8mm linearem Hub, wobei alle verwendeten Chassis vor dem Einbau durchgemessen und paarweise selektiert werden. Die Anschlussterminals liefert WBT. Versilberte Kupferkabel für die Innenverdrahtung stellt Inakustik bei.

TruAudio Endstufe HiFi

TruAudio S500DSP Subwooferverstärker (Foto: B. Weber)

Wichtig zu wissen: Der MusikBass ist ein passiver Subwoofer. Er benötigt einen separaten Verstärker. Michael Wydra hat das Profi-Gerät TruAudio S500DSP (Mono) für 1.399 Euro mitgebracht, an dem sich fernbedienbar u.a. (Bass-)Pegel, Tiefpass-Filter, Flankensteilheit und Phase einstellen lassen. Der Einzelpreis des ModalAkustik MusikBass beträgt 2.999 Euro, im Paket mit dem TruAudio S500DSP Subwooferverstärker liegt der Preis bei 3.999 Euro. Man spart also 400 Euro zum Einzelkauf. Der Anlagenbetreiber kann aber auch andere geeignete Elektronik vorspannen – zum Beispiel aus dem Surround-Bereich. Voraussetzung dabei: Der Subwoofer muss mit ausreichender Flankensteilheit vom oberen Frequenzbereich getrennt werden können.

Die Abmessungen des schicken ModalAkustik MusikBass sind wohnraumfreundlich:
Tiefe = 39,0cm , Breite = 30,4cm (36cm inkl. Magnete) , Höhe = 39,9cm

Aufstellen, Aus- und Einrichten

Wir hatten uns entschieden, mit nur einem MusikBass zu arbeiten. Asymmetrisch aufgestellt, räumlich dem rechten Lautsprecher zugeordnet, 30cm von der Rückwand entfernt und auf den Hörplatz eingedreht. Mit einem XLR Y-Kabel wurde das Signal des MERASON/PURSON DAC-1 gesplittet und in die Genelecs und den TruAudio S500DSP verteilt. Das ging recht schnell. Schon konnte es losgehen. In endgültiger Aufstellung müsste natürlich ein alltagstauglicher Platz für den TruAudio gefunden werden, aber das sollte ja kein Problem darstellen. Für uns reicht ein Plätzchen auf dem Boden neben dem MusikBass.

TruAudio S500DSP Mono Endstufe für HiFi

TruAudio S500DSP Subwooferverstärker (Foto: B. Weber)

Nach dem Ausprobieren der wichtigsten Parameter mittels Fernbedienung des TruAudio war vom Hörplatz eine praktikable Einstellung gefunden. Die Genelecs blendeten sich im Tieftonbereich per Filter aus. Das geschah knapp unterhalb 100 Hertz. Wir entschieden uns, uns auf unser Gehör zu verlassen und blendeten den MusikBass bei ca. 80 Hertz mit einer Flankensteilheit von 48 Dezibel ein. Die Flankensteilheit zu verringern führte in unserem Fall zu einem eher schwammigen, diffusen Ergebnis. Nach kurzer Zeit des Optimierens rastete das Klangbild schlüssig ein. Wir waren positiv überrascht wie schnell das ging. Da wir uns einig waren, das sich der Effekt des RiPol-Prinzips nun deutlich zeigen würde, verzichteten wir auf der Muße bedürfenden Feintuning-Maßnahmen bei der Parameter-Einstellung, die der Besitzer in ruhiger Minute sicherlich durchführen würde. Wir starteten da lieber mit dem Hördurchgang.

Höreindruck

Den ersten Eindruck vom Klang des MusikBasses bekamen wir natürlich schon beim Einstellen der Parameter des Subwooferverstärkers. Das erfolgte ganz pragmatisch mit Musik und nicht mit Testsignalen. Zu diesem Zweck hatte auch Michael Wydra im Sweetspot des Setups Platz genommen. Schon da deutete sich an, was wir Eingangs vermutet hatten: Die Arbeitsweise des RiPols erzeugte eine eigene klangliche Signatur. Soviel war klar, was wir unter anderem daran merkten, dass wir auf unseren seitlichen Sitzplätzen kaum etwas vom Bass des RiPols mitbekamen. Und als sich Zufriedenheit beim ModalAkustik Mastermind einstellte, durften dann die HiFi-IFAs in den Sweetspot wechseln.

Um dem Subwoofer auf den Zahn zu fühlen suchten wir uns natürlich kein Duett aus Blockflöte und Triangel aus.  Wir starteten deshalb mit Musik, die satten Bass versprach: Ellie Goulding, die schon häufiger für die erste klangliche Einschätzung herhalten musste. Leser, die unseren Blog verfolgen, mögen uns bitte die Wiederholung verzeihen. Der ansatzlos einsetzende Tiefbass bei „Dead In The Water“ vom Album „Halcyon“ zeigte direkt was Sache war. Folgende Charakteristika zeichneten sich ab: schwarz, abgrundtief, trocken.

Frauenstimme und fetter Bass hatten uns beeindruckt – warum also davon abweichen. London Grammar lieferte eine folgerichtige Fortsetzung. „Hey Now“. Komplexer im Klangbild. Unschuldig beginnend setzt bei einer Minute zwanzig der Tiefbass ein. Hey now! Bäm! Der Eindruck, den wir bei Ellie Goulding gewonnen hatten, festigte sich. Speziell beim Tiefbass hinterließ der MusikBass den Eindruck, den Hörraum aus dem Klanggeschehen weitestgehend auszublenden. Natürlich nicht komplett, aber merklich. Das Geschehen im Bass wurde „Schlacke freier“. Hier wurde nichts unterdrückt oder Frequenzen im Bereich der Raummoden über den Pegel herabgeregelt. Die Auswirkungen der Raummoden waren am Hörplatz einfach nicht signifikant. Effekte, die das An- und Abklingen des Signals durch Nachhall stören, waren deutlich reduziert. Der Tiefton klang so impulsiv, herrlich knackig.

Beide Stücke, „Dead In The Water“ wie „Hey Now!“, sind natürlich künstlich auf Bass getrimmt. Wie wirkt sich die Charakteristik des MusikBass auf natürliche, komplexere Musik aus, wo der Bass nicht so vordergründig zu Geltung kommt? Bernd warf seinen Hut mit Kavafis „As Much As You Can“ in den Ring. Die Anlage zauberte ein herrliches Susaphon, machte herrlich Musik. Nicht zuletzt wegen des authentischen Basses, der ein exaktes Fundament bildete für ein Klangbild, das sich darüber standfest aufbaute. Auch Hans Theessink bekam seine Bühne: Solo mit „Wishing Well“ oder bei „Maybellene“ im Duett mit Terry Evans. Rauhe Stimme, filigrane Gitarre. Klasse.

Lalo Schifrin: Jazz meets Symphony CaverUnd da Bernd einmal in Fahrt war, durfte Cobarios „Hips Of A Girl“ nicht fehlen. Der Konzertbesuch neulich in Hamburg wirkte wohl noch nach. Ein richtiger Bass im Grundton beeinflusst die Natürlichkeit der Klangfarben, vergrößert den Raum in allen Dimensionen. Nicht zuletzt bei Aufnahmen, die nicht im Studio aufgenommen sind, sondern tatsächlich in einem Raum, der sich unterschwellig dem Musiksignal aufprägt. Hier testeten wir längst nicht mehr, sondern waren schon beim Musikhören angekommen. Axel Ridtahler steuerte noch ein Album vom 1932 geborenen Boris Claudio „Lalo“ Schifrin bei. Lalo Schifrin ist Pianist, Komponist, Arrangeur und Dirigent. Ja das könnte man noch öfter hören. Vor allem mit diesem Setup. Nebenbei bemerkt: Schifrin ist auch der Komponist der „Mission Impossibe“ Titelmelodie, die fast jeder kennt.

So verging der Samstag-Nachmittag wie im Fluge. Eine gute Zeit mit guten Gesprächen, Hifi und Musik. Vielen Dank Michael Wydra und Axel Ridtahler für eure Zeit und die gelungene Vorstellung.

ModalAkustik MusikBass für HiFi und High End

Black and White: ModalAkustik MusikBass (Foto: B.Weber)

Fazit

Der ModalAkustik MusikBass passt durch die Richtwirkung des RiPol-Prinzips herrlich zu der Abstrahlcharakteristik der Hauptlautsprecher. Er fügt sich nach kurzer Ein- und Aufstellphase harmonisch ins Gesamtbild ein – ohne dabei übertrieben aufstellungskritisch zu sein. Der MusikBass liefert einen trockenen, dynamischen Bass, bei dem man die von Raumeinflüssen weitgehend entkoppelte Spielweise schnell zu schätzen lernt. Der passive MusikBass lässt sich individuell in ein Musik-System einbinden (auch am Surround-Verstärker) oder gleich im Set mit dem professionellen TruAudio S500DSP erwerben.

ModalAkustik MusikBass Testergebnis: 5,8 von 6,0 Punkten und HiFi-IFAs Hammer = Highlight


Im Test

ModalAkustik MusikBass passiver RiPol-Subwoofer
Ausführung Acryl schwarz oder weiß
Preis 2.999 Euro

TruAudio S500DSP (Mono) Subwooferverstärker
Preis 1.399 Euro

Subwoofer & Verstärker, Paketpreis 3.999 Euro

Besuchen Sie Modalakustik auf der High End München vom 09. bis 12. Mai 2019 in der Newcomer-Area (Halle 4 T11).


Kontakt

ModalAkustik e.K.
Inhaber: Michael Wydra
Levenkaulstr. 2
50259 Pulheim

Email: info@modalakustik.de
Web: www.modalakustik.de

 

About Author

Vom HiFi-Virus als Jugendlicher infiziert ist HiFi + HighEnd seither Teil meines Lebens. Forenerprobt, als freier Autor und bei den HiFi-IFAs ist mein Motto: Alles kann nichts muss. Die Freude am HiFi und der Musik zählt.

Comments are closed.