Test: Diptyque Audio DP 77- 10TH Magnetostat Lautsprecher – Hören der besonderen Art

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Im Test der Magnetostat-Lautsprecher Diptyque DP- 77 TH. Unser HiFi-IFAs Hammer und Highlight

Eine recht seltene Spezies von Lautsprechern sind Magnetostaten. Auf diese interessante Art der Wiedergabe von Musik hat sich Diptyque Audio spezialisiert. Drei Modelle hat der französische Hersteller im Programm. Im Test bei uns ist das kleinste Modell, der Diptyque Audio DP77- 10TH.


Diptyque Audio – Der Hintergrund

Wer steckt denn nun hinter dem französichen Hersteller von Magnetostat-Lautsprechern?

Auf der High End 2019 von links nach rechts: Gilles, Anna und EricDie Masterminds sind zwei HiFi-verrückte Männer. Solche Menschen soll es ja geben… Gilles Douziech (links im Bild) hat bereits in seiner Jugend sein Faible für den Bau von Lautsprechern entdeckt. Und daher während seiner Studienzeit mit der Fachrichtung Elektrotechnik bei Marcel Rochet sein Praktikum gemacht. Besagter Marcel Rochet ist seinerseits kein unbeschriebenes Blatt, ist er doch der Entwickler der Mulidine Lautsprecher. Bei dem Akustiker erlernte Gilles also grundlegendes Wissen über das Design von Frequenzweichen sowie über die Wirkung von Lautsprecherresonanzen auf Räume. Die dort erworbenen Kenntnisse baute er im Akustiklabor der Universität von Toulouse aus. In den 10 Jahren danach verdiente Gilles seine Brötchen in der Medizintechnik, verlor die Entwicklung von Lautsprechern jedoch nie aus den Augen und entwickelte in seiner Freizeit Bändchenlautsprecher.

Der Zweite im Bunde bei Diptyque Audio ist Eric Poix (rechts im Bild. In der Bildmitte die österreichische Distributorin Anna Robathin), ein ebenfalls vom HiFi-Virus befallener Zeitgenosse. Aufeinander gestoßen sind die beiden Männer bei Kunstausstellungen, auf denen Gilles Douziech seine ersten eigenen Lautsprecher der Öffentlichkeit vorführte. Eric kommt aus der Metallverarbeitung, und hatte bis dahin hochwertige HiFi-Racks und Lautsprecherständer entwickelt. Seine sehr guten Kenntnisse in der Mechanik sind daher eine gute Basis, um die Lautsprecher-Ideen von Gilles zu verfeinern. Aus Eric Poix Händen stammen die stabilen mechanischen Strukturen der Diptyque Lautsprecher, in denen die Magnetostaten in Ruhe ihre Arbeit verrichten können.

Seit dem Jahr 2001 entwickeln und produzieren Gilles Douziech und Eric Poix nun ihre hochwertigen, von Hand gefertigten Lautsprecher in Montauban in Südfrankreich. Seit 10 Jahren trage sie den Namen Diptyque Audio. Die Magnetostaten werden in der High End Manufaktur komplett selbst gefertigt. Egal ob es sich um die Herstellung der Membranen, der Frequenzweichen wie auch das CNC-Fräsen oder Schweißen der Metalle für die stabilen Rahmen handelt. Respekt!


Diptyque Audio DP 77- 10TH – Die Technik

Zum nun zehnten Jahrestag von Diptyque Audio wurde der Magnetostat-Lautsprecher DP 77 überarbeitet. Schlicht und elegant steht er vor mir: Der neue DP 77- 10TH. Mit einer Höhe von 77 cm, einer Breite von 42 cm und einer Stärke von 2 cm macht der Lautsprecher einen recht eleganten und zierlichen Eindruck.

Im Test der Magnetostat-Lautsprecher Diptyque DP- 77 TH. Unser HiFi-IFAs Hammer und HighlightDie Klangerzeugung beim Magnetostaten beruht darauf, dass eine sehr dünne Membran aus Kunststoff in Schwingungen versetzt wird. Dafür werden in die Membran, bei Diptyque beträgt die „Stärke“ gerade mal 12 µm, Leiterbahnen eingelassen.

So dünn wie diese Konstruktion nun mal ist, wiegt sie so gut wie nichts. Und kann daher sehr zügig ein- und ausschwingen und die Musiksignale wiedergeben. Der Lautsprecher „hängt also gut am Gaspedal“. Im übertragenen Sinn. Dies wiederum begünstigt ein durchsichtiges, schwebendes und offenes Klangbild, auch die räumliche Abbildung gelingt Magnetostaten dadurch hervorragend.

Ein konstruktiver Nachteil von Magnetostaten, beim DP 77- 10TH beträgt die Membranfläche im Tief-Mittelton 0,132 m², sei dabei nicht verschwiegen: Sie sind mechanisch nicht hoch belastbar, und in der Regel nicht für den Tief- und Mitteltonbereich geeignet. Aus diesem Grund hat Diptyque das PPBM-Prinzip entwickelt und sich patentieren lassen. Hinter dieser Bezeichnung versteckt sich ein patentiertes Push-Pull-Bipolar-Magnet System. Diese Technologie soll dem, bei Magnetostaten naturgemäß schwächeren Bass auf die Sprünge helfen. Die DP 77- 10TH soll so auf einen zusätzlich im Lautsprecher integrierten klassischen, „langsamen“ Tieftöner verzichten können. Ob dem so ist? Ich bin gespannt.

Im Test der Magnetostat-Lautsprecher Diptyque DP- 77 TH. Hier im Bild die Lautsprecher-AnschlüsseAuch der Hochtöner ist eine eigene Entwicklung von Diptyque. Konstruktiv ist er ein Zwitter aus Bändchen und Magnetostat. Da dieser sehr ähnlich dem Tief-Mitteltöner aufgebaut ist, versprechen sich die Entwickler einen homogenen Übergang zwischen den beiden Systemen. Zudem besitzen die Chassis die gleiche Reaktionsgeschwindigkeit. Der in der Höhe 30 cm messende Hochtöner sitzt links bzw. rechts senkrecht montiert in dem stabilen Stahlrahmen. Unten am besagtem Rahmen befinden sich dann die stabilen Lautsprecheranschlüsse.

Montiert sind die DP 77- 10TH fix. Kurz aus der stabilen Verpackung aus Sperrholz geholt, schon kann der einfache Zusammenbau losgehen. Der Rahmen wird links und rechts des Magnetostaten mit zwei stabilen Edelstahlschrauben am Ständer aus Metall befestigt. Zwei kleinere Edelstahlschrauben dienen der Verbindung des Lautsprecherständer mit der ovalen Grundplatte.

Im Test der Magnetostat-Lautsprecher Diptyque DP- 77 TH. Unser HiFi-IFAs Hammer und Highlight. Hier mit bedrucktem Motiv.Wer möchte, kann sich die Lautsprecher auch ohne Ständer kaufen. Und sich dann eine Konstrukion nach eigenem Wunsch bauen. Oder eine Staffelei verwenden, den eigenen Ideen sind dabei so gut wie keine Grenzen gesetzt. Eine ebenso reizvolle Idee: Für einen kleinen Aufpreis kann man sich gedruckte Motive bestellen.

Wer sich Magnetostaten kaufen möchte, sollte vorher bedenken, dass diese Art von Lautsprechern elektrisch anspruchsvoll sind. Ihr Wirkungsgrad ist in der Regel geringer als bei dynamischen Lautsprechern. Was so tragisch nun wiederum auch nicht ist, haben doch die meisten Verstärker heutzutage genug Dampf unter der Haube.

Für den Test der Diptyque Audio DP- 77TH habe ich daher neben dem Cambridge Audio 851W auch den gerade im Hörraum griffbereiten Streaming-Vollverstärker NAD M10 mit Digitalendstufe verwendet. Der M10 weist 2*100 Watt Sinusleistung an 4 und 8 Ohm sowie 2*300 Watt Musikleistung an 4 Ohm auf.

Der Magnetostat Lautsprecher Diptyque DP 77- TH auf Maier StaffeleiEin paar technische Daten
  • Typ: 2-Wege
  • Empfindlichkeit (1 m / 1 Watt): 84 dB
  • Impedanz: 6 Ohm
  • Anschlüsse: Banana
  • Belastbarkeit: 150 Watt. Empfohlener Verstärker > 60 Watt
  • Abmessungen: (H*B*T): 77*47*2 cm
  • Gewicht: 11 kg
  • Oberflächen: Schwarz. Gegen Aufpreis gedruckte Motive

 


Diptyque Audo DP 77- 10TH – Der Klang

Auf geht’s zum Hörtest. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, ist der Diptyque DP 77-TH doch der erste Magnetostat Lautsprecher in meinen vier Wänden. Wie werde ich wohl mit der Aufstellung des Dipols klar kommen? Die beiden französischen Grazien stelle ich der Einfachheit halber dorthin, wo sich sonst meine eigenen Lautsprecher befinden. Standardaufstellung halt. Und leicht zum Hörplatz hin eingewinkelt, wie man das im Allgemeinen so macht.

Cover der CD Nostalgia von Annie LennoxDie ersten Töne erklingen, und ich bin angenehm überrascht. Annie Lennox bezirzt mich auf Anhieb mit ihrem traumhaften Lied „Summertime“. Okay, keine große Kunst, das macht sie ja eh immer. So ganz gefällt mir ihre Vorstellung allerdings noch nicht. Da muss ich sie wohl noch ein wenig herumrücken, die Lautsprecher natürlich.

Ich winkle die DP 77-TH ziemlich stark ein, so dass sie direkt auf meinen Hörplatz zeigen. Ah ja, diese Aktion zeigt großen Erfolg. Dann noch die Paneele der Magnetostaten leicht nach hinten gekippt, so dass sie direkt auf meine Ohren ausgerichtet sind, und die Show kann losgehen.

Und was für eine Show da losgeht! Das Herumrücken hat sich gelohnt. Annie Lennox schwebt jetzt geradezu vor mir. Völlig losgelöst von der Erde… Sorry für den Ausrutscher, von den „Lautsprechern“. Wow, wie tief ich in ihre Stimme hineinhören kann, ihre Zunge vibrieren sehe. Dazu perlt das Klavier sowas von rein und sauber, aber nicht klinisch rein, sondern frei von jedweden Artefakten und total natürlich. Umhüllt wird dies dann alles von angenehm fein gespielten Streichern, die Luftigkeit der Diptyque Audio DP 77- 10TH ist begeisternd.

Max Mutzke und Joo Kraus JoobiläumEine ebenfalls geniale Stimme hat Max Mutzke, ich liebe seine Live Konzerte. Zusammen mit Joo Kraus habe ich ihn das letzte Mal im Ulmer Roxy im Dezember 2017 (Konzertbericht) gehört, Hammer! Max legt los mit „Me and Mrs. Jones“ von seinem Album Experience, das er gemeinsam mit der NDR Radio-Philharmonie eingespielt hat. Puh, da sind sofort feuchte Augen angesagt. Den Soul in Max Stimme bringen die Diptyque Audio DP77- 10TH direkt in mein Wohnzimmer.

Die Blechbläser funkeln und strahlen miteinander um die Wette, dass es eine wahre Pracht und Freude ist. Einfach naturgetreu, nicht mehr und nicht weniger. Auch untenrum geht es für Magnetostaten verblüffend kräftig zu. Okay, eher leicht schlank abgestimmt, aber ich vermisse nichts an Druck oder Power, genau so wie jetzt. Die Bestätigung dafür erhalte ich von meiner besseren Hälfte. Sie ruft mir aus der Küche zu: Du, das musst du dir mal anhören von hier. Das hört sich von hier aus an, als wenn nebenan ein echtes Konzert stattfinden würde. Ich folge ihr auf’s Wort, gehe in die Küche, und stelle fest, dass dem wirklich so ist.

Standfuß des Magnetostat-Lautsprecher Diptyque DP 77- 10THMelodisch geht es mit den Streichern bei „Frozen“ von Madonna los. Dazu steigt weich die Stimme dieser tollen Sängerin mit ein. Die gelegentlichen Härten und Verzerrungen, welche der elektronischen Musik innewohnen, zeigen die DP 77- 10TH dabei grundehrlich auf. Bei den in diesem Stück teilweise sehr kräftigen Bassläufen halten sich die Diptyque elegant zurück, spielen dafür jedoch immer sehr strukturiert und mit Konturen, wie man sie selten hört. Sehr interessant finde ich auch, dass der Bass nicht auf mich zustürmt, sondern locker vom Hocker vor mir im Raum steht.

An „Jazz Variants“ von The O Zone Percussion Group kommen wir bei den HiFi-IFAs derzeit kaum vorbei. Was wiederum den Vorteil hat, dass wir gemeinsam ein Referenzstück zum Vergleich haben, das sich uns in die Gehörgänge eingebrannt hat. Die Xylophone glitzern glasklar, und das Marimbaphon steigt dazu mit seinem natürlich warmen, hölzernen Timbre ein. Förmlich sehe ich, wie Holzstäbe mit den Schlägeln bearbeitet werden. Die Pauken schlagen zu, wenn auch nicht so mächtig wie bei einem „normalen Lautsprecher“. Egal, ich bin fasziniert von den Klangfarben, dem Tempo und dem Ausschwingen des Fells. Um die acht Minuten geht das Stück, die mir mit den Diptyque Audio DP 77- 10TH wesentlich kürzer erscheinen.

Magnetostat Lautsprecher Diptyque DP 77- 10TH. Der Hammer- und Highlight-LautsprecherWie wäre es mit einem anderen Verstärker, denke ich so bei mir. Ich könnte ja mal den NAD M10 ausprobieren. Ob das wohl gut gehen wird? Bekanntlich wird den Digitalverstärkern ja nachgesagt, dass sie an elektrisch anspruchsvollen Lautsprechern einknicken sollen. Das will ich natürlich wissen. Also umgestöpselt auf den M10, und nochmal von vorne los mit Madonna. Ihre Stimme wird hörbar klarer, und bleibt dabei dennoch immer angenehm im Ohr. Und die Streicher sind nochmals seidiger und luftiger als zuvor. Ping pong geht es vor mir rum. Ich werde von der elektronisch wabernden Musik umspült, ich bade geradezu in ihr.

Und die Bassläufe bei „Frozen“, wenigstens jetzt knicken die Diptyque DP 77- 10TH doch wohl endlich ein? Aber Pustekuchen, jetzt geht es erst richtig rund in der Hütte. Logisch, die Magnetostaten schlagen nicht los wie ein Horn, auch nicht so laut. Egal, diese Struktur im Bass ist begeisternd. Und ja, auch Bässe können „schnell“ sein. Ich habe das Gefühl, dass hier vor meinen Ohren gerade eine High End Traumkombi entsteht! Und so, die Dame des Hauses hat sich mittlerweile dazugesellt, hören wir die zuvor gespielten Lieder allesamt nochmal von vorne, sind hellauf begeistert und können nicht genug bekommen. Ja, mein Gefühl wird bestätigt. Und so belassen wir es für den Rest des Abends bei dieser Traumkombination mit dem M10!


Diptyque Audio DP 77- 10TH – Das Fazit

Das Hören mit den Diptyque Audio DP 77- 10TH ist von ganz besonderer Art. Gefallen sie schon durch durch ihre optische Eleganz, steht der Klang dem nichts nach. Fantastisch offen, luftig und sehr natürlich erscheint die Musik über die Magnetostaten im Raum. Die Feindynamik der Flächenstrahler scheint dabei fast grenzenlos zu sein. Für die Unterstützung durch einen kräftigen laststabilen Verstärker bedanken sich die DP 77- 10 TH mit einem sehr straffen und strukturierten Tiefton. Naturgetreu ertönen dann Live-Konzerte in den heimischen Räumen, das ist der Hammer.

Testergebnis des Magnetostat-Lautsprecher Diptyque DP 77- 10TH: 5,8 von 6,0 Punkten. Und damit unser Hammer-Highlight


Im Test der Magnetostat-Lautsprecher Diptyque DP- 77 TH. Unser HiFi-IFAs Hammer und HighlightIm Test

Magnetostat-Lautsprecher
Diptyque Audio DP 77- 10TH

Preis ohne Stands: 2.800 Euro
Preis mit Stands: 3.500 Euro
Motivdruck: 300 Euro

 

 


Vertrieb

Distributor: O2A cables, Conceptas Wien: o2 acables
Schüring High End Hamburg: Schüring High End
KlangLoft München: Klangloft.de

Hersteller

SARL d&p audio
Conception électroacoustique
35 Av du Danemark 82000 Montauban
Tel : +33 5 63 64 56 69
Mob : +33 6 77 14 60 56
contact@diptyqueaudio.com
www.diptyqueaudio.com

Mitspieler im Test

Quellen digital – Netzwerkspieler Cambridge Audio 851N, CD-Laufwerk Cambridge Audio CXC, Musikserver Innuos ZEN MK.III
Quellen analog – Plattenspieler Rega Planar 6 mit Tonabnehmer TAD Excalibur Black, Phono MM- & MC Verstärker Trigon Vanguard III, Plattenspieler Cambridge Audio Alva TT
Verstärker – Vorverstärker Cambridge Audio 851E, Endverstärker Cambridge Audio 851W, Streaming-Verstärker NAD M10
Lautsprecher – Standlautsprecher LUA Con Espressione
Kopfhörer – Offener Kopfhörer Focal Clear, Kopfhörerverstärker Divaldi AMP-02 mit Phono MM- & MC Stufe
Zubehör – Lautsprecherkabel Supra XL Annorum. XLR- und Cinchkabel Fadel Art Pro Link, Stromkabel Supra LoRad 2.5, Netzleiste PS Audio Dectet

About Author

Aufgewachsen in der Blütezeit des HiFi mit Telefunken Allegretto TS 2020 nebst einem Dual 1228 mit Reibradantrieb und Wechsler. Damals habe ich die Technik des Duals bestaunt. Heute denke ich mit Grauen daran, wie die Schallplatten aufeinandergefallen sind...

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