Beim Stichwort SPARROW denken Film-Fans sicherlich als allererstes an Kapitän Jack Sparrow, Titelheld des Hollywood-Blockbusters „Fluch der Karibik“. Weibliche Leser womöglich an Johnny Depp, der Jack Sparrow Leben und Charakter eingehaucht hat. Dieser Klischee behaftete Gedanke sei mir gestattet 😉
„Sparrow“ heißt zu deutsch Spatz. Wem dies bewusst ist, dem mag vielleicht in erster oder zweiter Linie das Bild des Spatzen in der Hand vor das geistige Auge gekommen sein. Und besser als das Bild des komisch schurkischen Leinwand-Piraten passt tatsächlich das Bild des possierlichen kleinen Singvogels, der einem ins Ohr zwitschert und lieblichen Klang einsäuselt, zu unserem Test-Objekt. Klein genug für jede Tasche und jede Gelegenheit daheim und unterwegs. Die Rede ist vom portablen Miniatur-D/A-Wandler und Kopfhörerverstärker EarMen SPARROW, in diesem Test der musikalische Spatz in meiner Hand in der Preisklasse um 200 Euro.
Annäherung
So bleibt noch die Frage zu erörtern, wie der Spatz in meine Hand geflattert kam. Jetzt Achtung: Aus dem NIRVANA. Nein, nicht ganz. Eher aufgrund des audiophilen Kopfhörerverstärkers NIRVANA vom serbischen Hersteller AURIS Audio, den die HiFi-IFAs im Mai diesen Jahres zum Test im Hörzimmer hatten. Die Produkte SPARROW, TR-DAC, EAGLE und DONALD-DAC (5 Dollar in die Wortspielkasse, bitte!) vom amerikanischen Hersteller EarMen aus Chicago/Illinois sind in Kooperation mit der Schwesterfirma AURIS Audio entstanden. Mastermind ist der Gründer von AURIS Audio Milomir „Miki“ Trosic, der die EarMen Produkte gestaltet und entwickelt hat.
Bei dieser Betrachtung rangiert der wertig gewichtige AURIS Audio NIRVANA mit einem Preis von rund 5.800 Dollar deutlich am highendigen Ende der Skala für Kopfhörerverstärker. Mit seiner Röhrenbestückung und der Konzentration auf die Verstärkung ist er zudem ein klassischer Vertreter seines Fachs. EarMen verfolgt mit seinen Produkten den modernen Ansatz, der dem von AURIS diametral gegenüber liegt: Erschwingliche Preise unter 300 Euro, integrierte USB-DACs mit USB Spannungsversorgung beziehungsweise USB-Lademöglichkeit und dabei portabel sowie mit den meisten bekannten Smartphone und PC-Herstellern kompatibel. So wertet EarMen die Musikwiedergabe für unterwegs auf und bietet im Portfolio eine logische Ergänzung zu AURIS Audio mit Highend-Produkten für zu Hause.
Wie bei allen portablen Produkten ist es kein schlechtes Zeichen, wenn sich die Produktverpackung anfühlt, als sei sie leer. So auch beim flachen und Notizbuch großen Karton des in Europa rund 220 Euro teuren Earmen SPARROW, der mit handschmeichlerischen 42 x 22 x 8 mm nicht einmal Streichholzschachtel groß ist und nur wenige Gramm wiegt. Die beiden beiliegenden USB-Verbindungskabel (USB-A/USB-C, USB-C/USB-C) wirken dagegen fast monströs.
Die Inbetriebnahme des SPARROW ist schnell erklärt. Beim Anschluss an einen Windows 10 PC mit dem beigelegten USB-Kabel installiert sich automatisch der implementierte Treiber und das winzige USB-Gerät ist binnen Sekunden einsatzbereit. Das gleiche gilt für Android Geräte, die mit USB-C-Buchsen ausgestattet sind. Der SPARROW ist auch mit Apple iOS-Geräten kompatibel. Hier bedarf es aber eines Lightning-Adapters, der nicht im Lieferumfang enthalten ist. Ebenso gilt das für Geräte, die beispielsweise mit Mini-USB ausgestattet sind.
Ich habe mich zum Hören am PC entschlossen. Mit einer Musik-App, in meinem Fall Amazon Music, ist somit schnell für Unterhaltung gesorgt. Kopfhörer finden Anschluss an einer 2,5 mm balanced und an einer 3,5 mm Klinkenbuchse. Der Rest passiert fast wie von selbst. Wenn der EarMen Sparrow mit dem Gerät verbunden wird und mit Strom versorgt ist, leuchtet sein Logo blau. Schaltet es auf grün, geht es los.
Technik
Der EarMen beinhaltet einen Kopfhörerverstärker und einen D/A-Wandler. Auf der digitalen Seite verarbeitet der ESS ES9281PRO SABRE® DAC HyperStream®II mit Modulation PCM bis 32bit/384kHz sowie DSD64, DSD128. Desweiteren ist ein Hardware-integrierter MQA (Master Quality Authenticated) Renderer mit an Bord. Dabei erkennt der Renderer MQA-Streams automatisch und flechtet ergänzende Informationen in das Signal ein, die später extrahiert werden können.
Der SPARROW unterstützt Abspieler auf den Plattformen iPhone iOS, Android Smartphones, MacOS und Windows Computer. Praktisch: Der eingebaute adaptive Software-Treiber aktiviert sich automatisch, sodass der SPARROW direkt verwendet werden kann. Mit einer Ausgabe-Spannung von bis zu 4,0 Vrms soll eine große Bandbreite an Kopfhörern betrieben werden können. Schnittstellen auf der analogen Seite sind eine Balanced 2,5mm – und eine 3,5 mm-Buchse.
Der SPARROW wurde in Europa entwickelt und wird auch dort gebaut. Natürlich, räumt EarMen ein, werden auch Bauteile in China gefertigt. Der Großteil der Wertschöpfung findet aber lokal statt. Stellvertretend dafür stehen Gehäuse, Boards, Transformatoren und der Zusammenbau. Super LOW ESR Tantal-Kondensatoren, hochwertige Komponenten in der Spannungsversorgung sowie eine gold-beschichtete 4-Layer-PCB-Technologie (PCB = Printed Circuit Board) aus dem PC-/Smartphone-Bereich sollen das Signal-Rauschen auf ein Minimum reduzieren.
Das CNC-gefräste Gehäuse des SPARROW besteht aus leichtem, aber mechanisch robustem Aluminium, das das Audio-Signal zudem vor Interferenzen schützt. Die Idee hinter dem sanft gerundeten, leichtgewichtigen Gehäuse liegt darin, dass der Hörer den SPARROW nicht als Gerät, sondern als Bestandteil des Kabels wahrnehmen soll. Ein Eindruck, den ich während der Testphase bestätigen konnte.
Technische Eckdaten
- Input: USB C Female
- Output: 3.5 mm Klinkenbuchse, 2.5 mm Balanced Klinkenbuchse
- Leistung 2.5 mm Balanced: 2.0 Vrms into 32 Ohm / 4.0 Vrms into 600 Ohm
- Leistung 3.5 mm: 1.4 Vrms into 32 Ohm / 2.0 Vrms into 600 Ohm
- Digitale Audio Formate:
– DSD bis 64/128 DoP
– DXD bis 384/352.5 kHz
– PCM bis 384 kHz
– MQA Rendering bis 384 kHz - Maße L x H x B (mm) 42 x 8 x 22
Klang
Okay, das Logo leuchtet grün. Jetzt noch die passende Musik überlegen… Derweil fädele ich mir schonmal die FiiO FH7 hinter die Ohren. Die rund 500 Euro teuren 5-Wege In-Ear-Kopfhörer-Flaggschiffe von FiiO werden mir sicherlich einen praxisnahen Eindruck vom SPARROW verschaffen. Im HiFi-IFAs-Test im Dezember 2019 hat der FH7 bereits einen prima Eindruck hinterlassen.
Sagte ich nicht eingangs, alles begann mit dem NIRVANA? Okay, so soll es auch bei der Musik sein: „Smells like teen spirit“. Amazon Music liefert den Song aus 1991 in der remasterten Version in Ultra HD. Das Gitarren-Riff zu Beginn eröffnet knackig, das Schlagzeug hat ordentlich Punch. Kurt Cobain nölt und schreit heraus, was er der Welt zu sagen hat. Die Stimme kommt gut raus. Die Darbietung ist grundsolide und bringt mich in Stimmung. Ich merke: Der SPARROW und Nirvana passen zusammen. So wechsel ich von Gitarrenrock zu Elektronik.
Mein Griff geht zu The Prodigy. Wer das Schicksal der beiden Frontmänner kennt, erkennt eine traurige Parallele. Dies ist aber nicht der Anlass meiner Wahl. Vielmehr ist es die Erinnerung, die ich immer noch vom Prodigy Konzert im Münchener Zenith vom November 2018 in mir trage. Was eine Show. Das passt zu meiner aktuellen Stimmung. Mir heizt „Light up the sky“ vom Album „No Tourists“ ordentlich ein. Weiter mit „Need Some1“, beides ebenfalls in Ultra HD. Der SPARROW schafft es, eben diesen Rausch zu vermitteln, in den man sich bei The Prodigy hinein hören kann. Wenn ein Kopfhörerverstärker mit der Energie umgehen kann, die im digitalen Datenstrom steckt, dann ist das halt nicht nur laut, sondern bekommt eine Qualität. Wird zu Musik, die Laune macht. Dynamik, Schub und eine gewisse Aggressivität geben sich als musikalisches Konzept zu erkennen.
Harter Genrewechsel. Diesmal hilft (Jack) SPARROW namentlich selbst bei der Titelwahl beim Absprung in die Orchester-Musik: Der „Fluch der Karibik“ Soundtrack. Unter großem Zeitdruck von Klaus Badelt und Hans Zimmer Kompromiss behaftet komponiert und aufgenommen, um pünktlich zum Kinostart fertig zu sein.
Ich suche mir deshalb eine spätere Orchester-Aufnahme heraus: Das Prager Philharmonie Orchester und Chor mit „Barbarossa is hungry“. Das Orchester erhält ein schönes Volumen, der Chor kommt harmonisch darin zur Geltung. Auch die Pan-Flöte präsentiert sich gut. Das Album gleitet vom zackigen Barbarossa über zu „Davy Jones“. Das Xylophon ertönt glasklar, aber ohne Schärfe. So soll es sein. Das Orchester setzt mit getragener Stimmung ein. Prima. Ein schöner Kontrast zum Titel davor. Aber auch „Davy Jones“ entwickelt sich dynamisch. Bei „The Kraken“ kommt die düstere Entschlossenheit und die Dramatik musikalisch wunderbar rüber.
Ich brauche aber noch einen letzten, weiteren Kontrast. Es fehlt die obligatorische Frauenstimme. Und wenn ich beim EarMen SPARROW schon vom Spatz in Deiner Hand gesprochen habe, wer wäre dann mehr noch prädestiniert als Mireille Mathieu. „La Demoiselle d’Avignon“, in Deutschland auch bekannt als der „Spatz von Avignon“. In den Sechzigern interpretierte sie weltbekannte Lieder wie „La Vie En Rose“.
Der SPARROW bringt mir die junge Stimme der heute 71-jährigen Französin herrlich nahe, verleiht ihr Charakter. Dazu der Bandsound, der die Sängerin mit der respektvoller Zurückhaltung einbettet. Keine großen Aufnahmen und auch wenn Chanson und Schlager nicht meine bevorzugte Musikrichtung sind lasse ich mich mit „Une femme amoureuse“ in den Samstag Abend gleiten. Ich genieße die Leichtigkeit, die dieser Musik innewohnt. Und für ein paar weitere Augenblicke lausche ich noch dem netten französischen Akzent des Spatzes von Avignon in ihren deutschen Schlagern – geflüstert vom amerikanisch-serbischen Spatzen EarMen SPARROW, der zu weiteren musikalischen Entdeckungen einlädt.
Fazit
Der EarMen SPARROW haucht dem Smartphone oder dem Computer highfideles Leben ein. Sei es in der PC, Apple oder Android Welt. Und das zu einem fairen Preis von rund 200 Euro. Wer guten Sound mag und sich nicht mit dem Gedudel zufrieden geben mag, das die Geräte aus ihren Kopfhörer-Buchsen liefern, der macht mit dem EarMen SPARROW einen riesigen Schritt nach vorn. Das Wichtigste dabei: Der Spaß an der Musik steigt. Eine Seidigkeit in Hochton vermittelt Freude, Stimmen bekommen Charakter und auch die Dynamik passt. Dank des handschmeichlerischen, winzigen Gehäuses passt der SPARROW mit in jede Tasche und die Leistungsdaten ermöglichen zudem Freiheiten bei der Wahl seiner Kopfhörer.
Im Test
Mobiler USB-DAC und Kopfhörerverstärker EarMen SPARROW
Preis: 199 Euro
Kontakt
EarMen
Chicago, IL 60601
United States
Homepage / Shop: www.earmen-shop.com/
Kontakt: https://www.earmen.com/index.php/contact
Auris Audio
Mike Stojanovica 11
37000 KRUSEVAC
Serbia
Mail: info@aurisaudio.rs
Homepage: https://aurisaudio.rs
Online-Shop: https://www.aurisaudio.shop/
Mitspieler im Test
Digitale Quellen – Streaming Bridge LUMIN U1 mini, Musikserver MELCO N100, D/A-Wandler MERASON DAC-1, HP Notebook Windows 10
Kopfhörer- / Vorverstärker – ami Musik DDH-1, SPL Phonitor x mit DAC 768xs, EarMen TR-Amp
Kopfhörer – ULTRASONE Edition 15, FiiO FH7
XLR-Signalkabel – WSS Premium Line KS-200, WSS Platin Line KS-200
Strom – Netzkabel Supra LoRad 2.5, Netzleiste SUPRA Cables LoRad MD07 DC 16 EU SP MKIII,
NuPrime AC-4 Power Conditioner, SBooster BOTW P&P Netzteil
Fotos: F. Visarius