
Dieser Test widmet sich dem geschlossenen Kopfhörer DENON AH-D9200. Warum? Nun, das hat einen einfachen Grund. Nein, eher zwei. DENON genießt unter Szene-Kennern einen guten Ruf, was Kopfhörer angeht. Auch in der High End Liga. Was den Fan von Consumer-Elektronik zunächst ein wenig überrascht. Ist doch DENON ein Hersteller der schon über 100 Jahre in der HiFi-Branche unterwegs ist, in Deutschland eher für solides HiFi und Heimkino bekannt. Also weniger für das Kopfkino, das ein guter Kopfhörer zaubern kann. Bei näherem Hinsehen stellt der Interessierte fest, dass DENON auch in diesem Segment schon über 50 Jahre Expertise gesammelt hat. Das allein ist schon ein guter Grund, die HiFi-IFAs neugierig zu machen.
Grund Numero zwo ist eher persönlicher Natur: Vor ein paar Jahren hatte bereits der DENON AH-D7100 den Status des Geheimtipps. Der einstige Top-Modell 7100 hat aber auch stark polarisiert. Für viele war der Sound zu satt. Das Nachfolge-Modell ist der AH-D7200. Ihm setzte DENON den 1.599 Euro teuren AH-D9200 vor die Nase, der nun an der Spitze des Kopfhörer-Portfolios des japanischen Herstellers steht. Der Markt für edle Kopfhörer hat sich entwickelt. Genug Gründe also, dem 9200er in Ruhe auf den Zahn zu fühlen.
Annäherung
Der DENON AH-D9200 kommt in einer Box aus wertigem Karton daher. Nachdem ich den Deckel entfernt habe, präsentiert sich der Kopfhörer in einem ausgeformten, mit feinem Tuch ausgeschlagenen Hohlraum. Das Zubehör befindet sich in einer weitern Box, die senkrecht in ein eigenes Abteil eingesteckt ist. Darin enthalten: Ein Manual, ein Tuch, ein langes Kabel mit 6,3 mm Klinkenstecker für den heimischen Gebrauch, ein kurzes Kabel mit 3,5 mm Klinkenstecker für den mobilen Betrieb und ein 6,3 mm Adapter. Mit diesem Zubehör lässt es sich auskommen.
Der AH-D 9200 hinterlässt haptisch und optisch einen schönen Eindruck. Mechanisch wichtige Teile sind aus Aluminium gefertigt und haben eine sachliche Formsprache, die auf mich ansprechend wirkt. Die breite Fase auf der Gabel des Ohrmusches-Halters, die sich über das Drehgelenk und die Längenverstellung bis auf die Befestigung am Bügel zieht, lässt die mechanischen Komponenten leichter, aber dennoch solide wirken. Für mich ein gelungenes Industrie-Design. Die Kapselung des geschlossenen Kopfhörers ist aus Bambus-Holz, das das Aluminium schön kontrastiert. Interessanterweise ist die Optik und Haptik des DENON AH-D9200 in meiner Wahrnehmung tatsächlich schon ein erster Vorgeschmack auf das, mich klanglich erwartet. Doch dazu später mehr.

Wie die meisten Kopfhörer ist der DENON AH-D9200 schnell an den Start gebracht. Die Steckverbindungen für den rechten und linken Kanal sind farblich gekennzeichnet, leicht zuzuordnen und somit schnell gesteckt. Da ich zuerst an einem SPL Phonitor x (Test bei den HiFi-IFAs im März 2020) im Hörzimmer hören will, wähle ich das lange Kabel mit 6,3mm-Stecker. Aber nicht ohne das kurze Kabel griffbereit zu lassen. Der DENON soll ja auch prima an Mobilgeräten funktionieren… Der AH-D 9200 lässt sich gut in der Länge einstellen und sitzt mit den asymmetrisch geformten Ohrolstern gut auf dem Kopf. Der Test kann also Beginnen. Doch zuvor noch ein kurzer Blick auf die Technik.
Technik

Herzstück, beziehungsweise Herzstücke – es gibt ja zwei davon – sind die patentierten 50-mm-FreeEdge-Treiber aus einem Nanofasermaterial. Der Einsatz dieses Materials soll unerwünschte Resonanzen auf ein Minimum Reduzieren. Wie bei jeder Kalotte fördert die Minimierung des Eigenlebens eine präzise Klangwiedergabe. Der Antrieb, ein Neodym-Magnet, ist mit mehr als einem Tesla Feldstärke großzügig dimensioniert und soll so Verzerrungen auf ein Minumum reduzieren.
Für einen bequemen Tragekomfort sorgt ein angenehmes, ohrumschließendes Polster mit einem Kern aus Memoryschaum, das mit weichem japanischem Kunstleder überzogen ist. Der Kopfbügel besteht aus Aluminiumdruckguss und das strapazierfähige Kopfband an der Oberseite aus Echt-Leder. Neben dem Komfort soll die Wahl der Materialien eine lange Haltbarkeit gewährleisten. Die Ohrschalen sind aus japanischem Bambus gefertigt. Auch sie sollen klangfördernd unerwünschte Resonanzen dämpfen.
Im Set enthalten sind ein 3,0 m Kabel aus versilbertem OFC-Kupfer mit 6,3 mm Klinkenstecker und ein 1,3 m langes mit 3,5 mm Klinkenstecker für den mobilen Gebrauch. Nicht zu vergessen: Ein Reinigungstuch zur angemessenen Reinigung des AH-D9200 ist ebenfalls in der Box enthalten.
Technische Daten und Zubehör
- Gewicht: 375 Gramm
- Treiber: 50 mm Nanofiber Kalotte „FreeEdge“
- Impedanz: 24 Ohm
- Empfindlichkeit: 105 dB/mW
- Maximale Eingangsleistung: 1.800mW
- Frequenzgang: 5-56.000 Hz
- Kabel: 3,0 m mit massivem 6,3 mm Klinkenstecker und 1,3 m mit 3,5 mm Klinkenstecker
- Adapter 3,5 mm auf 6,3 mm Klinkenstecker
- Mikrofaser Reinigungstuch

Höreindrücke
Einen Kopfhörer wie den DENON AH-D9200 in Betrieb zu nehmen ist keine Kunst und geht fix von der Hand. Entsprechend der geräteseitigen Buchse wähle ich aus dem Zubehör das passende Kabel. Es liegt ein kurzes 3,5 mm sowie ein langes 6,3 mm Klinkenstecker-Kabel bei. Letzteres für den Einsatz daheim und ersteres für den mobilen Einsatz gedacht. Natürlich gibt es auch einen Adapter von 3,5 mm auf 6,3 mm, sollte einen ein zu langes Kabelgebamsel zum Beispiel am Schreibtisch stören. Ich entscheide mich für das lange Kabel, passend für meine bequeme Sitzposition und für die Kopfhörerbuchse des SPL Phonitor x. Der SPL soll für die nötige Kontrolle sorgen. Die kopfhörerseitigen Stecker sind farbkodiert. Mit etwas Kombinationsgabe lässt sich so auch für ungeübte Kopfhörer-Hörer problemlos der richtige Kontakt herstellen. Ich stöpsel ein. Es kann los gehen.

Beim DENON AH-D9200 gibt es nicht nur ein akustisches, sondern auch ein ergonomisches Rechts und Links. Die Ohrpolster sind asymmetrisch geformt. Hinter dem Ohr ist das Polster breiter. Das macht Sinn und man merkt es beim Tragen sehr schnell. Die Kippachse mit der die Ohrmuscheln am Bügel befestigt sind stehen anatomisch sinnvoll ebenfalls leicht schräg. Mit der ausreichenden Längeneinstellung sitzt der AH-D9200 angenehm um die Ohren und so dass nach ein paar Trageminuten eine schöne Symbiose entsteht.
Da ich bereits einen DENON AH-D7100 mein Eigen nenne und den 9200 bereits auf Veranstaltungen gehört habe, hatte ich eine Vorahnung, was mich erwarten würde. So etwas wie Vorfreude machte sich bei mir breit. Denn eins vorweg: Vergeistigte Langeweiler sind die DENONs auf jeden Fall keine.
So sitze ich hier und überlege, womit ich starte. Bloss nix audiophiles. Ich muss mich locker ans Musikhören rantasten. Die Joggingrunde von eben steckt mir noch in den Knochen und auch die Nachwirkungen der Kälte necken noch meine Nase. Haha, „Sick and tired“ von Anastasia steht noch in der Playlist. Ganz so schlimm ist es nicht, wie bei Mrs. Newkirk, die bei dem Song aus dem Jahre 2004 ihren Beziehungsstatus als „es ist kompliziert“ umschreibt. Die Stimme Anastacias materialisiert sich sich zwischen meinen Ohren. Herrlich nölig. Dazu der fette, treibende Bass. So muss es sein. Der AH-D9200 macht Druck, umreißt den Bass dabei aber knackig, weicht ihn nicht auf. An dieser Steller leistet auch ein guter Kopfhörerverstärker einen nicht zu unterschätzenden Beitrag.
Weiter mit Aimee Mann und „Wise up“ vom Magnolia Soundtrack. Das Klavier als natürliches Instrument und die fragile, aber bestimmte Stimme von Aimee Mann, sind ein herrlicher Kontrast zum pumpenden Beat von Anastacia. Das Klavier kommt über den DENON authentisch rüber. Mit dem nötigen Biss von den Saiten, aber auch den feineren Klangfarben, die der Korpus des Instruments beisteuert. Die getragene Stimmung manifestiert sich glaubhaft in meinem Kopf. Der AH-D9200 spielt dabei nicht überbordend groß, rastert den Raum zwischen den Hörmuscheln aber feinteilig.
Erfrischend der Sprung zum Elektrosound von Wolfsheim. Der DENON AH-D9200 ist in seinem Element. Dynamik, die ein Fundament benötigt – das liefert er. Gleichzeitig beherrscht er die Kunst, feine Dinge wie Stimmen nicht zu vernachlässigen und im Elektro-Spektakel eine Blase der Natürlichkeit zu generieren. Das Bestätigt sich auch im Folgetitel „Heroin, she said“. Wahnsinn. Einfach Weiterclicken wäre völliger quatsch. So lasse ich mir weiter Peter Heppners Botschaft aus dem Jahr 1999 in den Schädel hämmern. Bis zum Schluss. Der AH-D9200 spielt dabei echt direkt.
Meine Playlist bleibt bei der härteren Gangart. „Astronomy“ als Blue Oyster Cult Cover von Metallica. Ich liebe diesen Titel. James Hetfields Gesang leitet ein. Bis zur Minute 1:45 ist es Spaß, dann geht es ab. Ein echtes Brett. Der AH-D9200 behält die Übersicht. Behält den Bezug zur Musik. Die Instrumente bleiben in der wall of sound, die auf einen eindrischt, erkennbar. Schön der E-Bass, die Base-Drums. Auch die Stimme von James Hetfield und die zweiten Stimmen haben sich im Geschehen ab. Man muss die Musik natürlich mögen. Aber dann ist es großes Kino.

So lege ich das Original von Blue Oyster Cult nach, das nach dem energiestrotzenden Metallica Cover fast befremdlich lasch klingt: „Hey“, „Hey“. Hey, was? Aber der AH-D9200 offenbart den Charme des Titels aus 1972, weil einfach alles da ist. Der Titel bekommt eine innere Struktur und eine feine Dynamik. Der Hörer kann das Schaffen von Blue Oyster Cult und die eigene, feinere Dramatik des Titels nachvollziehen, der mit einem Trommelwirbel und einem einzigen Synthie-Akkord endet. Klasse. „Don’t fear the reaper“ folgt auf dem Fuße. Auch hier zeigt sich, wie schön sich die knackige Bass-Line verfolgen lässt. Ich nicke im Takt. Der AH-D9200 sitzt sicher, also höre ich nicht auf.
Den Kontrast bringt die O-Zone Percussion Group mit ihren „Jazz Variants“. Damit hatte ich eigentlich schon innerlich abgeschlossen, weil sehr (!) oft gehört. Ich muss aber zugeben: der Titel gibt einfach unfassbar viel her, wenn man sich in Musik hineinhören will. Grobdynamisch, Feindynamisch, Klangfarben, Taktgefühl – alles ist enthalten. Und alles transportiert der DENON AH-D9200. Der mächtige Einsatz von Trommeln und Pauken im Groben, aber auch das feine Geschehen vom Xylophon, Rasseln und Hi-Hats überträgt er wunderbar.
Dabei hübscht er den Hochton nicht durch einen extra Schluck Brillanz auf. Hat er nicht nötig. Hat er ja auch im Bass einiges zu bieten. Trotz aller Aktion auf dem Percussion Set bleiben die Attribute natürlicher Instrumente wunderbar lesbar. Das Fell der Trommeln, das Metall des Xylophons und der Hi-Hats, das Holz des Marimbafons. Das macht riesig Spaß und animiert mich zum Weiterhören. „5 years time“ von den Noah and the whale, „Crime scenes“ von Punkt und den anderen üblichen Verdächtigen. Und so entdecke ich zwar nicht immer etwas Neues, aber begegne immer wieder freudig alten Bekannten.

Zum Schluss schließe ich den DENON AH-D9200 noch am mobilen HiRes-Spieler FiiO M11 an. Natürlich wechsel ich dazu auf des kurze Kabel mit dem 3,5 mm Klinkenstecker. Wie schon vermutet, ist das kürzere Kabel am Schreibtisch sehr angenehm, läßt es mir die Freiheitsgrade die ich benötige ohne einen großen Kabelüberschuß zu produzieren. Zum Test am FiiO M11 steige ich mit den „Jazz Variants“ der O-Zone Percussion Group musikalisch direkt hoch ein. Der FiiO M11 zieht sich über das WLAN die gleichen Daten vom Melco N100 wie gestern die HiFi-Anlage mit dem Kopfhörerverstärker SPL Phonitor x.
Bei dem anspruchsvollen Titel zeigt sich Kombi aus AH-D9200 und FiiO M11 als hervorragende Kombination. Der DENON kommt bestens mit dem akkubetriebenen Zuspieler klar. Die erzielbare Lautstärke ist mehr als HiFi-tauglich und das Hörerlebnis aller Achtung wert. Wer zweifelt, ob audiophiler Musikgenuss unterwegs möglich ist, den kann ich beruhigen. Das Duo stößt bei normaler, kräftiger Abhör-Lautstärke nicht an seine Grenzen. Natürlich geht ein reinrassiger Kopfhörerverstärker mit mehr Kontrolle an die Sache, bzw. den Kopfhörer ran. Auch die Musik mag feiner ziseliert zu sein. Aber das tut dem Hör-Spaß keinen Abbruch.
Die Jazz-Variants ertönen klar und offen. Auch Dynamik und Klangfarben stimmen. Während ich parallel am Computer tippe ist es eine Freude, die 8:14 Minuten langen Jazz Variants zu Ende zu lauschen. Trotz hundertfacher Wiederholung. Das stimmige Gesamtergebnis lädt einfach dazu ein. Auch der Schwenk auf Metallicas „Garage Inc. Disc 2“ und Blue Oyster Cults „Astronomy“ schießt mich wieder in die Heavy-Metal Gestirne…
„Selig“ steige ich noch um auf Helium Vola, die ich auf dem Deine Lakaien Acoustica Konzert in Ludwigsburg für mich entdeckt habe und mit dem FiiO M11 von meinem Amazon Prime Account ziehe. Wenn ich bei „Astronomy“ bei den Gestirnen war, so zieht mich Sabine Lutzenberger mit ihrem glasklaren Sopran, dem rrrollenden „R“ und den stampfenden Beats des Songs in den mittelterlichen Elektro-Himmel. Mit dem DENON AH-D9200 kann sich der Musikfan selber reuelos entscheiden, ob er sich von der heimischen Couch oder der Sonnenliege unter freiem Himmel entführen lässt.

Fazit
Der DENON AH-D9200 wirkt in seiner Abstimmung sehr erwachsen, fast ein wenig monitorhaft. Er spielt musikalisch richtig und überteibt nicht. Das muss er auch nicht, denn er muss keine Schwächen kaschieren. Attribute wie ausgewogen, spielfreudig und direkt umschreiben den AH-D9200 trefflich und schließen auch die unteren Register des musikalischen Geschehens mit ein. Für 1.599 Euro erhält der Käufer einen audiophilen, ehrlichen Kopfhörer für alle Gelegenheiten. Und das auf höchstem Niveau.
Im Test
Geschlossener Over-Ear High-End Kopfhörer DENON AH-D9200
Preis: 1.599 Euro
Kontakt
Denon Deutschland
D&M Germany GmbH
A division of Sound United
An der Kleinbahn 18
41334 Nettetal
E-Mail: info@denon.de
Internet: https://www.denon.com/de-de

Mitspieler im Test
Digitale Quellen – Streaming Bridge LUMIN U1 mini, Musikserver MELCO N100, D/A-Wandler MERASON DAC-1
Vorverstärker – SPL Phonitor x mit DAC 768xs
Mobiler HiRes Spieler – FiiO M11
Kopfhörer – DENON AH-D9200, DENON AH-D7100, ULTRASONE Edition 15
XLR-Signalkabel – WSS Premium Line KS-200, WSS Platin Line KS-20
Strom – Netzkabel Supra LoRad 2.5, Netzleiste SUPRA Cables LoRad MD07 DC 16 EU SP MKIII,
NuPrime AC-4 Power Conditioner, SBooster BOTW P&P Netzteil