Tonstudio: Was passiert da, gibt es eine reale Aufnahme?

 

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Bild: SSL Archive

Was passiert denn so in einem Tonstudio?Die wenigsten wissen-oder nur bedingt-, was da so passiert…wie es passiert…mit welchen Mitteln und was ist möglich….?

Einen kleinen Einblick möchte ich hier vermitteln, da ich das als lebender HiFi-ist, High Ender, Musikbegeisterter, für nicht ganz unwichtig halte. Für alle die, die Musik hören, sowie deren Reproduktion mit technischen Mitteln ihr Hobby nennen. Aber nicht nur bei denen. Auch bei Herstellern, Vertrieben und Händlern. Die wenigsten wissen, was wirklich z.B. eine Phasenverschiebung ist. Sorry, aber schon oft erlebt bei Diskutierenden. Das Ganze hier natürlich nicht ins tiefergehende Detail, aber im Überblick. Unter uns HiFi-Freaks oder High Endern leben einige, die halten Ton/Masteringstudios für das Teufelswerk des guten Klanges, insbesondere deren Processoren. Ganz besonders die Kompressoren, auf die ich aber noch in einem anderen Artikel eingehen werde. Hier nur mal die Grundsätze eines Tonstudios im Anriss.

Einige wissen vielleicht, dass ich selber seit etwa 30 Jahren Jazzgitarrist bin, ein eigenes Studio für die Produktion (ca. 15 Jahre) hatte und eine umfangreiche Mastering Sektion. Auch war ich in vielen anderen Studios. Hier und da, u.a. in Detmold an der Hochschule für Tontechnik.

Ich betone auch, dass die Aussagen auf meinen Erfahrungen beruhen. Ich bin auch eher Musiker als Studio Freak, auch wenn einen die ganzen kleinen Lichter Gismos und Regler irre anmachen können und man weiß, wie Musik technisch entsteht und produziert wird. Gerade Hörfähigkeiten sich dabei trainieren lassen. Eartraining! Und das ist alles nicht so einfach, wie viele sich das vorstellen können oder meinen zu wissen.  Der Tonmeister ist der musikalische und künstlerische Dirigent des Klanges und der Musik in der technischen Entstehung. Deshalb dieser Bericht.

Heute ist alles ein wenig Geschichte und ich lebe jetzt unter den Hörenden. Damals natürlich auch, aber mehr als Akteur von Musik spielen, produzieren, recorden und mastern.

Grundsätze

  1. Der Grundsatz ist erstens, dass die Entscheidung über die letztliche Klangsituation auf dem Endprodukt eine Entscheidung vieler ist. Produzent, Tonmeister, Masteringingenieur, Geldgeber,die Musiker/innen, sowie die Musik selbst. Grundsätzlich wird sich oft auf die Erfahrung der Meister an den Reglern verlassen.
  2. Entscheidend ist auch der Gerätefuhrpark im Studio, Mastering Studio. Genau wie bei den High End Anlagen, hat jedes Gerät seinen eigenen Sound oder Klang. Wie bei Instrumenten. Vor allem die Mikros und deren Vorverstärker. Z.B Prof. Keith Johnson von Reference Recording betreibt da einen immensen und irren Aufwand im Rahmen der Mikrofonie und deren Vorverstärker. Dem ist selten was gut genug. Was man in den genialen Aufnahmen  deutlich hört, unabhängig vom HDCD Format, welches ich als das natürlichste Format halte. Vorraussetzung ist jedoch der Chip im Player. Die Priduktionen sind wärmstens zu empfehlen. Gerade für Klassik und Jazzhörer.
  3. Dann- in welchen Räumen wird recorded. Kabine, ein Raum, Halle, live oder anderweitige Locations.
  4. Wie wird recorded. Track for Track ( Ein Musiker nach dem anderen) oder in einer Gesamteinspielung Track at once ( alle spielen den Track gemeinsam ein ) klingt für mich immer am lebendigsten. Vorraussetzung, die Band hat das drauf.
  5. True Stereo – zwei Mirofone für alle. Da gibt es verschiedene Techniken und Aufbauten.
  6. Komplett digital …heute die häufigste Form, da billiger und weniger zeitintensiv als mit einer 24 Spur Bandmaschine. Bandmaschine hat aber einen besseren Headroom im Bereich des Dynamikumfanges, digital bleibt bei Digital max. null Dezibel, sonst Klirrartefakte oder/und digitales Clipping die Folge.
  7. Unplugged ohne Amps und Speaker oder gemischt mit Direktabnahme sprich Line in, Direktsignal gemischt mit Mikro…es gibt viele verschiedene Varianten….und das wichtigste: Der Song selber. Was passt wie musikalisch und songfördernd zusammen.

Dies so vereinfacht ausgedrückt aus meinen Erfahrungen. Es gibt mehrere und andere Erfahrungen.

Nun zu der Frage – real, was ist richtig, was nicht, worum geht es ?

Nicht zu beantworten. Gibt es nicht. Mit dem ersten Micro ist das wahre Original schon futsch. In dieser Frage damit direkt geklärt. Wer anderes behauptet, darf mir das gerne erklären. No Way!

Es ist immer das Ergebnis von dem, wie die Gruppe der Produktion sich das vorstellt incl. aller Beteiligter und wie gut sind die Leute ? Und mit welcher Gerätschaft wird aufgenommen ? In der Regel geht es um folgende Fragen:

  1. Geht es um einen Mainstream Song
  2. Eine High End Produktion.
  3. Welche Stilistik
  4. Die Klangvorstellung aller an der Produktion  Beteiligten
  5. Das Budget

….und das wirklich Wichtige, wie gut sie die Leute, die das machen!

Beim zweiten Punkt geht es um Durchsichtigkeit, angehender echter Tonalität, einen Raum zu recorden, der das musikalische Geschehen so klingen lässt, wie es real eigentlich klingt. Aus meiner Sicht ist das beim True Stereo am ehesten gegeben. Aber auch im Mehrkanal Verfahren (hier ist nicht 5.1 / Surround gemeint), also viele Mikros, Direktsignale in Line, Mischung aus Raumanteilen und künstlichen Räumen ist dies möglich.
True Stereo ist dynamisch vom Punsch, Druck und der Energie schwer umzusetzen und erfordert eine Menge Erfahrung.

Beim Mix auf der Konsole werden die einzelnen Tracks so zusammengefügt, dass alles im richtigen Gain – Pegel zusammen passt und das Equing das Instrument nicht so verfälscht, dass es mit dem Original Klang kaum mehr etwas zu tun hat oder es tonal verfälscht ist. Wichtig ist dabei, dass sich kein Instrument, keine Stimme zu sehr nach vorne schiebt oder eine Frequenz und alles andere überdeckt, bedeutet also eine Ausgewogenheit. Nicht einfach. Das passiert einigen beim Bass oder in den hohen Frequenzen, das diese zu sehr oben sind.

Eine Verfärbung kann aber stilistisch eingesetzt werden. Beispiel hier: der Chorus von dem Alt Saxer David Sandborn. Aber auch das sollte original mit dem Chorus tonal so perfekt wie möglich aufgenommen werden. Heißt…EFX- Effekte werden eingesetzt. Oft werden auch Bässe überdreht, als Beispiel beim Rap.

Inwieweit Originalklang  zum Beispiel einer Gitarre ( Steg Pick up, Hals Pick up, Line in, Kondensator Mikro, dynamisches Mikro mit dahinter hängendem Amp. ( z.B. einen Roland Stereo Jazz Chorus 120 Amp. ) ist die Frage, wie das klingen soll.
Aus meiner Sicht zwei Mikros  links-rechts. Dann fehlt der Original Sound der Gitarre bei Akustikgitarren, als Beispiel. Bei E-Gitarren nur Micro vorm Amp oder Line in direkt oder Line Out Amp, oder gemischt. Einige Variationen sind möglich. Hier wieder die Frage: passt es zum Song ?

Ist aber eine stilistische und soundtechnische Frage. Gutes Beispiel beim Stück “Keith don’t go” live von Nils Lofgren und einer Westerngitarre mit einem Stereoamp im Hintergrund mit leichtem Chorus und minimalen mittlerem Plate Hall. Dazu etwas originale Raumanteile. Alles ist hörbar, aber bei vielen Anlagen nicht richtig zu orten, zumindest nicht klar und durchhörbar. Je mehr die Anlage im Stande ist, das wieder zu geben, was auf der Software enthalten ist (immer mein Reden) je mehr (bei richtiger Aufstellung und Kombination) ist es in Raum –Tiefe klarer und durchsichtiger ortbar, somit hörbar. Man hört beide Amp Signale und kleine Anteile von der Gitarre und leicht den originalen Raum und den dazugemischten der Amps.
Das ist eigentlich das Ziel, das so zu hören.

Quelle: You Tube

Zudem natürlich eine richtige Tonalität, wobei man hier wissen muss und es gehört haben sollte, wie klingen gewisse Instrumente tonal. Wie klingt eine Strat, eine Les Paul, ein Steinway Konzertflügel, ein Selmer Tenor Sax, ein Sonor Drum, ein Yamaha, ein Ludwig, ein Tama eine Geige, eine Konzert Gitarre, eine Harfe, eine Trompete, unterschiedlichste Percussioninstrumente usw. usw.

Schlagzeuge z.B. klingen auf den meisten Produktionen immer gesoundet. Das heißt,  sie werden passend zum Gesamtklang und zur Stilistik eingearbeitet. Es sei denn, es ist unplugged aufgenommen. Dann ist aber fast kein Kick drin. Ist dann eher Proberaumsound. Das wahre Original!!!

Es geht über echte Räume und Studio Hall Prozessoren. Führend hier T.C. System 6000, Lexikon 480 L, 960L, um gleich die teuersten zu nennen. Aber auch hier gibt es preiswerte Dinge, die Song bezogen genauso gut eingesetzt werden können.

Die von vielen gehasste Kompression. “Ohne die” geht das gar nicht, dass sich gewisse Signale im Gesamtmix überhaupt behaupten, durchsetzen können und im Mix nicht untergehen. Es sei denn, man will den reinen unbearbeiteten Mix auf der Software haben. Würden die wenigsten hören wollen.
Es geht somit immer um das künstlerische und musikalische Maß.

In einer Kabine ist das Unplugged (ohne Verstärker) Original und in der Regie das gemischte das Original. Welches ist das Richtige? Wir können nur die Software als Original deklarieren. Was ist drauf und kann eine Anlage diese Informationen wiedergeben? Somit ist der Mix das originale Signal. Dahinter die Frage, in welchem Maß hat der Tonmeister es geschafft eine angehende Echtheit zu recorden ?…wenn dies das gesetzte Ziel ist.

Dann zum Mastering. Mancher Mix braucht es gar nicht. Manche werden besser, oft wird der Mix nur einer Hyperkompression unterzogen. Einfach nur laut ohne Dynamik.

Hier eine Wavespur im Vergleich.

Oben ein dynamischer unbearbeiteter Mix (da geht aber noch was) und unten die Loudness War Hyperkompression, die Wavewurst im Waveeditor.

2 verschiedene Kompressionskurven einer WAV-Datei
Bild: Blogrebellen

Über S. Brochowski (spectralML) 87 Artikel

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