Test: Musical Fidelity MX VYNL Phonovorverstärker

0

Musical Fidelity MX VYNL Phonovorverstärker Front
Schick schaut er aus, und ist praktisch zu bedienen, der Phonovorverstärker Musical Fidelity MX VYNL. Zu haben ist das Kleinod für 899 €, in schwarz oder silber im halben HiFi-Format mit 22 cm Breite. Als Zubehör gibt es ein besseres externes Netzteil für 159 €. Was der VYNL in der Lage zu leisten ist, haben wir mit dem Rega Planar 6 sowie dem TAD Excalibur Black eruiert.

Technik

Auf der Front des MX-VYNL finden sich der Ein- und Ausschalter, ein Umschalter für RIAA- und IEC-Entzerrung, wobei letzter ein Subsonic-Filter unter 20 Hz einschaltet. Daneben der Gain-Schalter, mit dem der Verstärkungsfaktor um 6 db angepasst werden kann; leider gibt die Anleitung keine Auskunft darüber, um welche Faktor es sich generell handelt. Dann kommt eine Leuchtdiode, die anzeigt, ob der Cinch- oder XLR-Eingang gewählt wurde.

Musical Fidelity MX VYNL Phonovorstufe Rückseite Cinch XLR AnschlüsseAuf der Geräterückseite von links der Mini-XLR Eingang, der Umschalter für XLR bzw. Cinch, die Erdungsklemme, der Cinch- sowie XLR Ausgang und rechts dann der Stromanschluss mit 12 Volt für das Steckernetzteil.

Aufgebaut ist der MX-VYNL symmetrisch, was schon mal gut zu einem Plattenspieler passt, da ein Tonabnehmer dies von Haus aus ebenfalls ist. Was die zarten Phonosignale auf dem Weg zum Verstärker gut vor Störungen schützt, so der Hörer den symmetrischen, und nicht den Cincheingang benutzt.

Musical Fidelity MX VYNL Phonovorstufe WahlschalterDie Umschaltung zwischen MM- und MC-Tonabnehmern erfolgt wunderbar bequem mit dem silbergrauen Drehrad auf der rechten Vorderseite. Toll gelöst das Umschalten, da alles per Relais umgesetzt wird. Am Drehrad hat man die Wahl zwischen 5 Abschlusskapazitäten für MM sowie 9 Widerständen bei MC. Die unterschiedlichen Verstärkungsfaktoren von MM und MC werden nicht separat umgeschaltet, dies geschieht automatisch beim Auswählen von Widerstand bzw. Kapazität. Beim Umschalten wird die Signalführung automatisch gekappt, und der nachfolgende Verstärker und die Lautsprecher können keinen Schaden durch Umschaltgeräusche erleiden. Daher lassen sich die verschiedenen Betriebsmodi auch während des Hörens problemlos ändern.

Musical Fidelity MX VYNL Phonoverstärker innenIm Inneren der MX-VYNL dann die Energieversorgung, welche aus dem Steckernetzteil dann einen anständigen Strom generiert. Weiter geht es dann mit einer Platine mit SMD-Technik zur Verstärkung der Phonosignale. Eingebaut hat Antony Michaelson zusätzlich auch seine in der HiFi-Szene gut beleumundeten Nu-Vistoren, also Mini-Röhren.

Klang

Ein guter Anfang: Gebrummt und gerauscht hat schon mal nichts beim Hören, sehr schön.

Hans Theessink Jedermann CoverMal los dann mit Hans Theessink „Jedermann“. Wunderbar knorrig setzen seine Stimme und sein präzises sauberes Gitarrenspiel bei „Way Down In The Hole“ ein. Dann kommt der Chor dazu mit einer wunderschönen räumlichen Darstellung. Bei „No Expectations“ zieht mich dann der Rhytmus in den Bann. Der MX-VYNL geht sehr feinfühlig auf die Musik ein und weiß von Anfang zu begeistern.

Cover Rilke Projekt

Weiter mit dem „Rilke Projekt“ von Schönherz und Fleer. Eh schon eine Musik um in ihr zu Genießen und Dahinschweben. Toll die rauchige Wiedergabe der Stimmen von Ben Becker und Otto Sander, jede einzelne auf ihren Stimmbändern abgelagerte Zigarette zu hören, auch die von Mario Adorf mit schönem Anmachfaktor. Wie feingliedrig die Streicher mein Ohr erreichen, ebenso das einnehmende Akkordeon von Martin Wagner und das gefühlvolle Spiel Joo Kraus am Flügelhorn. Und dazu Nina Hagen mit ihrem fein gehauchten Sprechgesang.

„Private Investigations“ von Dire Straits, oft gehört, musste natürlich auch auf den Plattenteller! Gefühlvoll das Gitarrenspiel von Mark Knopfler, über jede einzelne Saite. Sauber und exakte Wiedergabe des Klaviers. Dazu dann die sauschnelle und exakte Bassgitarre, klasse! Und auch nichts, was im Mittel- bzw. Hochton nur ansatzweise verschmieren oder schleppen würde.

Wir hörten noch weiter mit den üblichen Verdächtigen wie Diana Krall, Paul Simon, Loreena McKennitt und anderen. Der Musical Fidelity MX VYNL spielte immer sehr neutral im positiven Sinne. Knorrige rauhe Männerstimmen werden ebenso überzeugend wiedergegeben wie feingliedrig schattierte der von Frauen. Auch die Wiedergabe von Tieftönen kommt sehr authentisch rüber. Die räumliche Darstellung überzeugt ebenso. Gelegentlich fehlt mir persönlich das letzte bisschen „Analoge Faible“, aber das ist letztlich mehr eine Geschmacksfrage und meckern auf wirklich sehr hohem Niveau. Der VYNL verschweigt keine Details, er ist dabei musikalisch und offen. Und er geht gekonnt sowie leichtfüßig mit den ihm angebotenen Signalen um.

Zu erwähnen ist auch noch das separat zu erwerbende Netzteil. Eine lohnende Investition, die sich durch mehr Farbe, Ruhe und tieferen Raum im Klangbild bemerkbar macht.

Fazit

Der Musical Fidelity MX VYNL spielt bei Stimmen und Instrumenten sehr neutral und feingliedrig mit natürlichen Klangfarben im kompletten Frequenzspektrum. Dabei behält er immer den räumlichen Überblick.

Musical Fidelity MX VYNL Testergebnis

 

Vertrieb:
REICHMANN AudioSysteme
Graneggstrasse 4
D – 78078 Niedereschach im Schwarzwald
www.reichmann-audiosysteme.de

About Author

Aufgewachsen in der Blütezeit des HiFi mit Telefunken Allegretto TS 2020 nebst einem Dual 1228 mit Reibradantrieb und Wechsler. Damals die Technik des Duals bestaunt, heute denkt man mit Grauen daran, wie die Schallplatten aufeinandergefallen sind...

Comments are closed.