Test: Lautsprecherkabel Frankenberg

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Frankenberg Lautsprecherkabel

Frankenberg Lautsprecherkabel. Foto: S. Brochowski

Vorwort

Kabel… immer wieder ein Thema für sich. Bis heute wird weiterhin das Thema Kabel und Kabelklang in manchen Foren heiß diskutiert. Ist es so wichtig, das ein Kabel einen Klang besitzt oder das die technische Definition des Kabelklangs wissenschaftlich signifikant verifiziert wird? Auf der einen Seite ja, um der unsäglichen Diskussion ein Ende zu bereiten, auf der anderen Seite – eher meine Ansicht – geht es doch darum, ob die HiFi-Kombination des Hörers  klanglich davon profitiert. Es geht doch letzten Endes um das emotionale Erleben einer der schönsten verbindenden Dinge im Leben: Die Musik selbst und ihren Genuß.

Lautsprecherkabel Frankenberg

Frankenberg Lautsprecherkabel. Foto: S. Brochowski

Das Frankenberg Lautsprecherkabel

Mir war diese Firma vollends unbekannt. Veit Herget hat mich auf der High End 2018 angesprochen und mir von der Entwicklung und dem Erbauer der Frankenberg Kabel berichtet. Veit Herget ist Überzeugungstäter und eine rheinländische Frohnatur. Ich kann Kabeln viel abgewinnen, so daß ich diese Pipeline zum Lautsprecher in unsere HiFi-Testreihe mit aufgenommen habe. Im Grundsatz nur ein Lautsprecherkabel, wie einige immer noch meinen. Mittlerweile müsste aber klar sein, dass durch die Verwendung eines passenden Kabels die Wiedergabe im heimischen Musiktempel davon deutlich profitieren kann. Manchmal sogar derbe. Doch wer meint, das alles ist Humbug – in der Szene wird ja üblicherweise das Wort „Voodoo“ verwendet – der sollte bei seinem Baumarktkabel bleiben und Klangressourcen verschenken. Jedem das Seine. Voodoo bedeutet übrigens auch Zauber. Und das können Lautsprecher Kabel. Den Klang und die Wiedergabe eines Setups verzaubern. Schon oft erlebt.

Technischen Daten Frankenberg Lautsprecherkabel

  • Leitungslängen: 2x 3 Meter und 2x 5 Meter, auf Wunsch bis 2x 10 Meter
  • Leitungsquerschnitt: 2 qmm 
  • Außendurchmesser: 15,6 mm
  • Wellenwiderstand : (100 +/-5) Ohm 
  • Kapazität: 42 nF/km 
  • NVP Wert: 80 
  • Einzeladerzahl: 2×8 
  • Geschirmt: doppelt 
  • Leitermaterial: Cu 99,9% 
  • Halogenfrei nach EN 50267-2-2: ja 
  • Verbindungsart: Gecrimpt und verschraubt 
  • Bananenstecker: HICON BM08 mit Spannzangentechnik

Außengewebe: 

  • Material: Polyamid 6.6 
  • EMV- Geflechtsschlauch: 
  • Aluminium und Polyester

Preis fürs Paar: 599 €  in der Variante mit 2x 3 Meter. Andere Längen auf Anfrage

Klang

Zum Zeitpunkt unserer Hörsession standen uns sowohl unsere Cambridge-Referenzkette mit einer Transistor Endstufe, als auch ein Röhrenvollverstärker der Firma Fezz Audio, der kleine Alfa Lupi für 1.100 Euro, zur Verfügung. So ergab sich die Möglichkeit, das Verhalten des Frankenberg Lautsprecherkabels sowohl mit Transistor-Elektronik als auch mit Röhre zu testen. Gehört haben wir, wie so oft, mit unserer altbekannten und bewährten Referenzmusik:

Dali CD 3 CoverDie Dali CD: Eine super aufgenommene Test-CD. Für diesen Test lauschten wir Nils Lofgren mit „Keith don´t go“ – wer kennt es nicht… Ebenfalls der Track von Jocelyn B. Smith „When I need you“, um zu testen, in wie weit das live Feeling herausgearbeitet wird.

Adriana Kucerova

Oscar Rozsas Scheibe „Under my Spell“ mit der genialen Sängerin Adriana Kuzernova und der extrem dynamischen Komposition „Wheels“. Top gemastert in Mitarbeit von Bernie Grundmann. Sollte man haben. HiFi-IFAs-Tipp…

So, dann mal rein mit den musikalischen Referenzen  und hören, was dieses Kabel so von sich gibt. Beginnend mit der Transitor-Formation schaffte es das Frankenberg-Kabel eine stimmige und sehr angenehme Klangsituation hervorzurufen. Die Stimme von Joyclin B. Smith kam bei „When I need you“ silbrig und betörend. Keine analytischen Aspekte, die einem manchmal auf den Nerv gehen können. Der Flügel hat zu Beginn diesen schönen glockigen Klang. Die Flügeldrähte vermochten eine schöne tonale Richtigkeit zu präsentieren. Auch die in die Tiefe gespielte räumliche Darstellung des Flügels gelang dem Frankenberg sehr gut.

Für mich tendierte das Lautsprecher Kabel in Richtung angenehm, fein, weich und schmeichelnd. Bei „Keith don‘t go“ vermochte man in die Live Präsentation von Nils Lofgreen einzutauchen. Präsent auch die zum Teil derbe angespielten Stahlseiten der Westerngitarre, die Nils zu Weilen fast zum Reißen bringt. Mit einem Schuss mehr Präsenz wäre die tonale Wiedergabe und die Energie des Musiksignals noch einen Schritt näher am Klang des originalen Instruments. Das würde aber von einigen Hörern wahrscheinlich als zu präsent empfunden und wohl mit den Worten „schmerzend“ und „zu spitz“ tituliert werden. Nun gut. Sechs Drähte auf einem Holzkorpus gespannt und von einem Kaliber wie Nils Lofgren bis zum Ende der Belastungsgrenze malträtiert, da knallt es schon mal im zerebralen Aufnahmezentrum. So gesehen besänftigt das Kabel die extreme Anschlagdynamik des Gitarrenartisten. Ich erlebe es als Musiker und Tonschrauber oft, das richtiges Live im HiFi für viele eine Portion zu viel ist. Viele wollen eine sanftere Gangart. Das Frankenberg ist für Geniesser, die eher dahinschmelzen und angenehm geniessen möchten. Dazu gesellt sich ein schöner, groß aufgezogener Raum und verwischt dabei keine Konturen. Vom Timing kein Laid Back und rhythmisch zum Mitgrooven. Von den Klangfarben eine feine Sache mit großem Informationsreichtum.

Die Komplexität von „Wheels“, gesungen von der unglaublichen Adriana Kuzerova, verführt mich immer wieder bis zur Gänsehaut. Auch das Frankenberg schaffte das zuweilen. Das heisst was. Das einsetzende brachiale Orchester wurde in der inneren Struktur nicht auseinandergerissen. Als Zuhörer könnte ich das vor mir aufspielende Ensemble klar und tonal gut durchhören. In den unteren Lagen mit schöner Kontrolle und ohne aufzudicken oder zu verfärben. Eher etwas zurückhaltender mit sanftem Pinselstrich.

Das Ganze nun im Gegencheck mit der Fezz Audio Alfa Lupi Röhre aus dem Einsteiger-Segment. Hier muss ich sagen, war das Timbre in Verbindung mit dem Frankenberg eine Spur zu weich. Was nicht heisst, das es nicht funktioniert. Auch hier gibt es Hörer, denen der Sound zusagen würde. Mir persönlich ist es eine leichte Spur zu zart. Informationen, Raum und Durchhörbarkeit waren dabei trotzdem nicht verändert. Nur der Klangcharakter bzw. die Klangfarben waren, wie gesagt, zarter… aber sehr schön und angenehm. Sicherlich muss man hier noch mit anderen Röhren testen und vergleichen, um eine etwas differenziertere Aussage machen zu können im Verhalten mit einer Röhrenverstärkung. Für uns ist es immer so, das ein Kabel speziell passen muss und in jeder Hinsicht eine individuelle Kombinationsfrage ist. Das gilt für jedes Kabel.

Fazit

Das Frankenberg Lautsprecher Kabel besticht durch seinen ausgewogenen und eher warm temperierten Klang. Sehr schön aufgezogener Raum und tolle Klangfarben. Aus unserer Sicht eher für Transitorverstärker, die den Hang haben in analytische und eher härtere Spielarten überzugehen. Mit Röhre deutlich zarter in den Klangfarben mit weicher Tendenz. Zumindestens mit dem uns zur Verfügung stehenden Fezz Audio Alfa Lupi. Preislich für die Performance angemessen. Grundsatz: Ein Kabel das hier passt, passt wo anderes eventuell nicht. Immer probieren. Unser Credo.

Test-Ergebnis des Lautsprecherkabel Frankenberg: 5,2 von 6,0 Punkten

Vertrieb

hifidel
Bismarkstrasse 39
52066 Aachen

Ansprechpartner: Veit Herget
Telefon: 0176 -10 22 29 20
mail: info@hifidel.com

 

About Author

Lebenskünstler, Musiker, Tonstudio und Mastering. Tolle Menschen, die einen umgeben und gutes Essen sind unabdingbar. Musikliebhaber und High End Verrückter, mit dem Ziel des True Authentic Real Live Hearing - TARLH - der authentischen realen Wiedergabe von Musik. Spezializiert auf High End Tuning.

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