
Die Silent Pound Bloom macht bereits auf den ersten Blick vieles anders als die Konkurrenz – das fängt bereits bei der Frage an, ob es sich um einen Kompakt- oder Standlautsprecher handelt. Streng genommen bekommen wir es mit einer außergewöhnlich großen und schweren Kompaktbox zu tun, die jedoch bereits mit fest integrierten Standfüßen kommt und nach dem Anschrauben der Fußplattform auf eine typische Standboxgröße von 110 cm kommt. Und das ist längst nicht die einzige Besonderheit dieses ungewöhnlichen Schallwandlers aus Litauen.
Gut, dass Dieter Molitor, der sich im DACH-Raum um den Vertrieb von Silent Pound kümmert, in Krailling in der Nähe von München sein Geschäft (Live Act Audio) hat. Denn so hatte er es nicht so weit zum Autor dieser Zeilen und konnte die Bloom mit ihm zusammen in den ersten Stock des Hauses in den Hörraum schleppen. Alleine hätte es der rückengeplagte Autor dieser Zeilen nicht geschafft, schließlich wiegt die Silent Pound Bloom 40 Kilogramm pro Stück. Okay, es waren nicht ganz 40 Kilo, die die Treppe hochwanderten, sondern nur rund 35. Denn die separat zu tragende Fußplattform aus Metall, die vor der Aufstellung angeschraubt werden muss, wiegt gefühlt locker fünf Kilo, wirkt sehr massiv und könnte auch beim Kraftsport zum Einsatz kommen.
Silent Pound Bloom – Hintergrund & Technik
Und da steht sie nun, die Bloom, das neue Werk aus dem Hause Silent Pound. Die Firma Silent Pound wurde im Jahr 2022 von Audrius Balčiūnas und Martynas Šerkšnys in Litauen ins Leben gerufen. Ersterer ist Ingenieur mit viel Hintergrundwissen in Sachen Akustik sowie Erfahrung in IT- und Medizintechnik-Unternehmen. Letzterer besaß eine größere Café-Kette, die er verkaufte, um Silent Pound aufzubauen. Sprich: Hier trifft technisches Know-how auf Geschäfts- und Marketingkompetenz. Los ging es mit der Standbox Silent Pound Challenger, die mittlerweile in der zweiten Generation vorliegt und bei 28.000 Euro pro Paar liegt. Die Bloom, die nächste Kreation der Litauer, geht quasi als kleine Schwester durch, die „nur“ ein bisschen mehr als die Hälfte kostet, aber laut Dieter Molitor klanglich fast an die große Challenger 2 heranreichen soll. Sie ist in verschiedenen Schwarz-Weiß- und Holz-Kombinationen oder auch einfarbig in Schwarz lieferbar, das Testpärchen besitzt einen aufpreispflichtigen Alcantara-Lederbezug und kostet in Kombination mit dem Eichenholz 17.800 Euro. In diesen ist auch – sehr ungewöhnlich – das Single-Wiring-Terminal eingelassen, das sich am besten für Bananas eignet. Die Fußplatte ruht auf drei integrierten Spike-Füßchen samt fest fixierten Unterlegern, die den Bodenbelag schützen sollen.

Schauen wir uns die Technik an, die gleich in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen fällt. Die Bloom (auf gut Deutsch: Blüte) besteht aus einem Sandwich-Aufbau aus MDF und einer Stahlstruktur (Steifigkeit), mehr verrät der Hersteller nicht, betont aber die dämpfenden Eigenschaften der Konstruktion. Es handelt sich auch nicht um ein klassisches Boxengehäuse mit dicken Wänden und Bassreflexsystem, sondern um ein offenes Konzept, das von einem stabilen Rahmen umgeben ist. Der schwarze Stoff an der Vorder- und Rückseite lässt sich leider nicht entfernen, weshalb keine Fotos vom interessanten Innenleben möglich sind. Leider stellte uns der Hersteller auch keine Innenaufnahmen bereit, sondern nur die üblichen Produktfotos, weil er seine Patente schützen möchte. Leuchtet man mit einer Taschenlampe durch den Stoff ins Inneren, lässt sich der Aufbau kaum erahnen. Dafür ist die Frequenzweiche bestens hinter einer Echtglas-Abdeckung auf der Rückseite sichtbar.
Doch warum gehen die Litauer so ungewöhnliche Wege? Weil sie einen unkonventionellen Ansatz verfolgen: Sie kümmern sich nicht nur um die Optimierung des Lautsprechers selbst, sondern konzentrieren sich vor allem auch auf die Wechselwirkung zwischen Lautsprecher und Raum. Sie möchten störende Reflexionen und Resonanzen stark reduzieren und auf diese Weise den Einfluss der Raumakustik durch ein kontrolliertes Abstrahlverhalten verringern. Silent Pound gibt an, mit diesem Konzept die Raumeinflüsse deutlich eliminieren zu können. Während konventionelle Schallwandler tiefe Töne nahezu rundum abgeben, soll dies bei der Bloom deutlich richtungsweisender geschehen.
Die Bloom verfügt über Komponenten, die man eher in größeren Standlautsprechern vermutet. In ihrem nicht einsehbaren Inneren arbeiten zwei 12-Zoll-Tieftöner sowie ein 20-Zentimeter-Koaxialtreiber für den Mittel- und Hochton. Silent Pound setzt dabei auf eine spezielle Dipol-Anordnung der Tieftöner, wobei die Schallabstrahlung in Form einer Acht geschieht, um die Raumeinflüsse zu minimieren. Nach vorne und hinten wird – typisch Dipol – also deutlich mehr Energie abgestrahlt, seitlich dagegen viel weniger. Der rückwärtige Schallanteil wird in das Gesamtkonzept der kontrollierten Abstrahlung einbezogen, was laut Silent Pound Vorteile beim Phasenverhalten, Frequenzgang und Wirkungsgrad bringen soll. Außerdem können sich die Membranen ohne den Gegendruck eines geschlossenen Gehäuses freier bewegen, was Verzerrungen reduzieren soll. Das seitliche Blumenmuster-Designelement dient übrigens ausschließlich der Optik und hat keinerlei Einfluss auf den Klang. Nicht nur Hippies werden es lieben.
Auch der Mittel- und Hochtonbereich stammt nicht von der Stange, vielmehr kommt hier ein patentiertes Mittenton-Gehäuse mit koaxialem Aufbau zum Einsatz, das ebenfalls aktiv die Schallabstrahlung beeinflussen soll. Das System besteht aus einem 8-Zoll-Mitteltöner, in dessen Mitte sich 1,4-Zoll-Kompressionstreiber befindet. Beide Schallquellen strahlen nahezu vom selben Punkt ab, wodurch geringere Laufzeitunterschiede als bei getrennten Treibern entstehen. Das Gehäuse greift dabei auch in die Schallführung ein, um eine gleichmäßigere Richtwirkung im besonders wichtigen Mittenbereich zu erzielen. Ganz schön viel Aufwand – und jetzt schauen wir doch mal, wie sich das alles klanglich auswirkt.
Silent Pound Bloom – Technische Daten
- Prinzip: Drei-Wege Standlautsprecher
- Hochtöner/Mitteltöner: Koaxialtreiber mit einem 8-Zoll-Mitteltöner und einem 1,4-Zoll-Kompressionstreiber
- Tieftöner: Zwei 12-Zoll-Tieftöner in Dipol-Konfiguration
- Frequenzgang: 31 Hz–20 kHz
- Wirkungsgrad: 87 dB 2.83 V/1 m
- Nominelle Impedanz: 4 Ohm
- Empfohlene Verstärkerleistung: 50–300 Watt
- Inklusive: festem Standfuß, Bodenplatte und Montagezubehör
Ausführungen: Weiße Pulverbeschichtung/Standfuß aus schwarzem Eschenholz, Schwarze Pulverbeschichtung/Standfuß aus schwarzem Eschenholz, Weiße Pulverbeschichtung/Standfuß aus Natur-Eiche, Schwarze Pulverbeschichtung/Standfuß aus Natur-Eiche, Alcantara-Lederbezug/Standfuß aus Natur-Eiche, RAL-Farben auf Anfrage - Maße: 31*31*110 cm (B*T*H)
- Gewicht mit Standfuß: 40 kg
- Unverbindliche Preisempfehlung: ab 14.900 Euro
Silent Pound Bloom – Klang
Bei der Aufstellung erweisen sich die Tipps von Dieter Molitor als sehr treffend: Je circa ein Meter Abstand von der Rückwand und Seitenwand, was in meinem 26 Quadratmeter großen Hörraum kein Problem darstellt. Silent Pound empfiehlt einen Mindestabstand nach hinten von 60 Zentimetern. Als passende Zimmergröße gibt der Hersteller Räume zwischen 15 und 60 Quadratmetern an, beim Verstärker eine Leistung zwischen 80 und 200 Watt. Hier weicht Dieter Molitor leicht ab und empfiehlt Verstärker ab 50 Watt pro Kanal. Dem McIntosh-Vollverstärker MA8950 AC ist das vollkommen egal, da er mit seinen 2* 200 Watt so ziemlich jeden Schallwandler der Welt souverän antreiben kann. Gar nicht egal ist hingegen die Einwinkelung der Silent Pound Bloom – sie klingt am besten, wenn man sie direkt auf den Hörplatz ausrichtet, also ziemlich stark einwinkelt. Seitlich am Hörer vorbei wirkt das Klangbild etwas diffuser und unpräziser.
Nachdem das geklärt ist, kann es losgehen mit dem Hörtest – und zwar mit Danzigs 1992er-Album „How The Gods Kill“, das es seit ein paar Monaten endlich wieder als Vinyl-Version gibt. Ich habe die Neuauflage der legendären Hard-Rock-Platte, die viele als beste in der Bandgeschichte sehen, in den letzten Monaten intensiv mit verschiedenen Verstärkern und auch Lautsprechern gehört, etwa mit meiner Canton Reference 7 und auch mit der Sonus Faber Olympica Nova 3. Schon nach wenigen Minuten wird bei der Eröffnungsnummer „Godless“ klar, in welche Richtung die Silent Pound Bloom marschieren: In die warme.
Während das Stück mit der Canton Reference 7 ziemlich neutral und drahtig klingt, kommt der Bass mit der Bloom ein deutliches Stück tiefer und voluminöser rüber. Man könnte auch sagen: Mit mehr Fleisch auf den Rippen. Bassdrum- und Basssalven landen tiefer in der Magengegend, alles wirkt eine Spur mächtiger, aber auch dunkler. Allerdings braucht die Silent Pound Bloom für diesen Druck einen kräftigen Verstärker – den McIntosh MA8950 AC muss ich zum Beispiel weiter aufdrehen, als ich es normalerweise gewohnt bin, obwohl die Wirkungsgrad-Herstellerangabe von 87 dB 2.83 V/1 m das gar nicht vermuten lässt. Wer einen entsprechenden Powerlieferanten besitzt, kann dann aber sehr hohe, nachbarschaftsfeindliche Pegel mit ihr erzielen. Der Ersteindruck – warm, bassstark, entspannt und leicht dunkel – bestätigte sich im Laufe der Tage und Wochen auch mit allen anderen Musikrichtungen.

In dynamischer Hinsicht, also bei großen abrupten und auch kleinen Pegelsprüngen, geht die Bloom tendenziell eher gnädig als ausgesprochen explosiv vor. Sie setzt eher auf Fluss als auf Angriff, wirkt aber auch nicht zu gemütlich, sondern eher leicht abrundend. Das zeigte sich zum Beispiel bei „Open Eye Signal“ (Album: „Immunity“, 2013) von Chefelektroniker Jon Hopkins. Der acht Minuten lange Track baut sich langsam auf, statt eines einzelnen riesigen Pegelanstiegs steigt die Energie in Wellen. Einzelne Elemente verschwinden plötzlich wieder, wodurch das nächste Wiedereinsetzen viel größer wirkt. Diese Unterschiede stellt zum Beispiel die Sonus Faber Olympica Nova, die in derselben Preiskategorie spielt, etwas eindrucksvoller dar. Im Kleinen, also bei feinen Lautstärkeabstufungen, für deren Beurteilung sich „Open Eye Signal“ ebenfalls sehr gut eignet, gibt es hingegen ein Unentschieden – beide zeichnen sie sehr schön und genau nach.
Bei der Hochtondarstellung schlägt die Bloom einen leicht zurückgenommenen Weg ein – die Höhen hinterlassen nie einen anstrengenden oder angriffslustigen Eindruck. Das macht den Lautsprecher noch langzeittauglicher, als er ohnehin schon ist. Die britischen Alternative-Rocker Placebo um Frontmann Brian Molko haben unlängst ihr Debütalbum aus dem Jahr 1996 zum 30. Geburtstag unter dem erweiterten Namen „Placebo Re:Created“ in veränderter Form wiederveröffentlicht. Die Songs selbst veränderten sie nicht, wohl aber die Produktion und die Klangqualität, die Molko & Co. an aktuelle Standards anpassten, was den Stücken etwas den jugendlichen Sturm und Drang nimmt. Die E-Gitarren in der Eröffnungsnummer „Come Home“ können aber nach wie vor recht anstrengend werden für die Ohren, vor allem bei höheren Pegeln. Mit der Bloom passiert das nicht, hier klingt das Ganze etwas geschmeidiger, seidiger, luftiger und sehr angenehm. Auch die Mitten fügen sich bruchlos und im positiven Sinne unauffällig ins Klangbild ein: Die nasale, helle bis mittelhohe Stimme von Brian Molko, die in dieser Form einzigartig ist, gibt die Bloom authentisch wieder und verleiht ihr einen klitzekleinen Hauch Wärme.
Die meisten Pluspunkte sammelt die Silent Pound Bloom dann mit ihren räumlichen Fähigkeiten – sie zaubert einen cineastischen Breitwandsound in den Raum, der sich locker-flockig von den Boxen löst und überdurchschnittlich viel Souveränität vermittelt. Die Bühne reicht seitlich ein größeres Stück über die Bloom hinaus, einzelne Instrumente stehen klar erkennbar und greifbar im Raum. „Worlock“, der atmosphärische Kultsong der Dark-Elektronik-Helden Skinny Puppy (Album: „Rabies“, 1989), baut sich breitbeinig vor dem Hörer auf und zieht ihm förmlich ins Geschehen, je intensiver das Stück wird.

Silent Pound Bloom – Fazit
In Bayern sagt man: „A gmahde Wiesn (eine gemähte Wiese), was so viel wie Selbstläufer oder – Vorsicht, Denglish! – No-Brainer bedeutet. Man muss dazu allerdings einschränkend sagen, dass diese Aussage nur für eine bestimmte Hörergruppe gilt, die es eher warm, weitläufig, bassstark, entspannt, leicht dunkel und langzeittauglich mag (fast hätte ich – har, har – blumig geschrieben). Diese Zielgruppe sollte die Silent Pound Bloom auf dem Wunschzettel haben und sie unbedingt einmal anhören. Auch wer eher hellere, nervösere Elektronik besitzt und diese etwas entschärfen möchte, könnte hier – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – fündig werden. Und last, but least kann die Bloom vor allem auch eine Lösung in akustisch schwierigen Räumen darstellen, da sie ihre Umgebung stärker ausblenden kann als konventionelle Lautsprecher. Die Optik ist eine Stilfrage, doch unabhängig davon, wie man diese findet, muss man einräumen, dass die Litauer hier außergewöhnlichen Lautsprecher auf die Beine gestellt haben. Mainstream geht definitiv anders.
Im Test
Silent Pound Bloom
Prinzip: 3-Wege Koaxial-Dipol-Kompaktlautsprecher
Lieferumfang: Standfuß, Bodenplatte und Montagezubehör
Maße: 31*31*110 cm (B*T*H)
Gewicht: 40 kg
Unverbindliche Preisempfehlung: ab 14.900 Euro
Kontakt
Live Act Audio GmbH
Lise-Meitner-Straße 3
82152 Krailling
Tel.: +49 (0) 171 49 78 785
Mail: info@live-act-audio.de
Web: www.live-act-audio.de
Mitspieler im Test
Vollverstärker: McIntosh MA8950 AC
CD-Player: McIntosh MCD301 AC
Streamer/Musikserver: Innuos Zenith MK3
Lautsprecher: Canton Reference 7
Kabel: Goldkabel Executive (Cinch), Inakustik Referenz 2404 MK2 & Wireworld Eclipse 7 (Lautsprecher)
Bilder, soweit nicht anders genannt: Elmar Salmutter.





