Test: Balanced Audio Technology B.A.T. REX Röhren DAC – Das königliche Vergnügen

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REX DAC Ansicht Front TOP

Einem König nähert man sich respektvoll. So auch dem unlängst erschienenen B.A.T. REX Röhren DAC der amerikanischen Edel-Schmiede Balanced Audio Technology, die anno 1994 von Victor Khomenko and Steve Bednarski gegründet wurde. Die Annäherung erfolgte wohlwissend, dass der Listenpreis mit ebenfalls königlichen 19.200 Euro zu Buche schlägt. Allein das nötigt Respekt schon ab. Der deutsche HiFi-Vertrieb CM-Audio weist auf seiner Homepage zudem ordnungsgemäß darauf hin, dass es sich um einen Stückpreis handelt. Dementsprechend hoch ist meine Erwartungshaltung gegenüber dem edlen Digital-Analog-Wandler. Gleichsam aber auch die Vorfreude, etwas so Exklusives in den eigenen vier Wänden testen zu können.

REX DAC Ansicht Front

B.A.T. REX DAC mit wertiger Front (Foto: F. Visarius)

Natürlich kann es auch der abgebrühteste Tester – zu denen ich mich ehrlich gesagt eigentlich nicht zähle – nicht lassen, ab und an im Familien- und Freundeskreis eine Bemerkung über die Pretiose fallen zu lassen, die im eigenen Hörzimmer aktuell zum Leben erweckt wurde. „Ich hab da ’nen REX DAC“ – „Aha“ – „Klingt super“ – „Aha“ – „Exklusives Teil. 19 Tausend Euro“ Dann immer die gleiche Frage: „Hört man das?“ Viele haben im gleichen Augenblick wohl kurz im Kopf den Wert ihres Autos überschlagen… Unausgesprochener Hintergedanke bei der Frage: „Braucht man das?“

Wenn der Fragende die Suche nach Perfektion, gepaart mit einer ausreichenden Solvenz, nicht als Motiv für den Besitz eines edlen HiFi-Gerätes akzeptieren kann, ist das natürlich schwer vermittelbar. Der audiophile Genussmensch, der Suchende, muss sich womöglich nach einem Stelldichein des REX DAC einer ganz anderen Frage stellen – nämlich der Gegenfrage: Wie leicht fällt es Dir, den REX DAC – einmal gehört – wieder abzugeben? Das ist gemein. Denn es gilt die goldene Regel: Jage nicht, was Du nicht erlegen kannst. Der „Haben-Wollen“- Effekt tritt jedenfalls nach einem Hörwochenende schnell ein und der Verlustschmerz kann spürbar ausfallen. Doch später mehr zum Klang.

Eine kleine Bemerkung am Rande, wo wir grad bei königlich sind. Uhren-Aficionados werden den Sachverhalt schnell nachvollziehen können. In einem großen Uhrenportal habe ich dieses Wochenende eine Rolex Daytona aus der Vorserie für eben exakt diese 19.200 Euro gesehen, die hier zur Debatte stehen. Modell aus der Serie zuvor. Ungetragen. Listenpreis der aktuellen Daytona Serie: 11.800 Euro. Wartezeit: Jahre! Der Preis am Drittmarkt ist ein unglaubliches Produkt der Verknappung.

B.A.T. geht heuer einen kundenfreundlichen Weg: 20% Rabatt zum 25-jährigen Firmen-Jubiläum anno 2019. Das wären nach Adam Riese fast 4.000 Euro Preisnachlass. Mit 19.200 Euro auf der hohen Kante ließe sich dann neben dem B.A.T. REX DAC also zusätzlich noch was schickes im Uhren-Portal finden – oder die Anzahlung für einen adäquaten Zuspieler. In unserem Fall die edle Streaming-Bridge LUMIN U1 (6.990 Euro) und der Server LUMIN L1 (2TB: 1.190 Euro, 5TB: 1.590 Euro).

Aber jetzt widmen wir uns dem REX DAC…

Technik

REX DAC Fernbedienung

Die Quellen lassen sich über die wertige Fernbedienung schalten (Foto: F. Visarius)

Balanced Audio Technology sieht den REX DAC als „Präzisionsinstrument“ mit State-of-the-Art Technik, die sowohl in der digitalen wie in der analogen Sektion zur Anwendung kommt. Auf der digitalen Seite des Wandlers kommt das Design von Andreas Koch zum Einsatz und zeichnet sich durch eine außerordentlich hohe Taktfrequenz aus, um eine möglichst sanfte und unmerkliche Filterung im Ausgang zu ermöglichen. Die Filterung erfolgt nach B.A.T. Vorgaben (custom design). Oberstes Ziel dabei ist es, das „Klingeln“ (engl.: preringing) der Filter zu minimieren, bzw, zu eliminieren und damit unerwünschte Anregungen des Musiksignals auszuschalten. Die Filter des digitalen Teils sind dabei auf die Röhrencharakteristik der Analogstufe abgestimmt. Der Wandler nimmt digitale Signale via TOSLINK (2x), Coaxial (2x Cinch), AES und USB entgegen. Das Limit ist beim REX DAC erst bei 384kHz PCM oder 11.2 MHz DSD erreicht.

B.A.T. REX DAC - Rückseite mit Anschlüssen

B.A.T. REX DAC – Rückseite mit Anschlüssen (Foto: F. Visarius)

Das Analogdesign stammt von Victor Khomenko. Besonderheit hierbei ist eine Hochstrom-Vakuum-Röhrenstufe, die man zuerst gar nicht in einem Digital/Analog-Wandler vermutet. Landläufiger Irrtum ist ja, dass ein D/A-Wandler ein Digital-Gerät – also ein reines Digital-Gerät – ist. Fakt ist jedoch, dass neben der hochwertigen digitalen Wandlung die darauf folgende Behandlung des analogen Signals immensen klangprägenden Einfluß besitzt. Das Signal muss schließlich wie in einer Vorstufe aufbereitet und an die Ausgänge zur Weitergabe transportiert werden. Die Ausgänge sind im Fall des REX DAC ausschließlich symmetrisch (XLR) ausgeführt, was eine konsequente Signalführung im Gerät ermöglicht.

REX DAC Tubes

REX DAC – Röhren (Foto: F. Visarius)

Zum Einsatz kommen in der Hochstrom-Vakuum-Röhrenstufe sechs 6C19 Röhren. Ein Paar der 6C19 Röhren dient als Stromlieferant für das elegante und für B.A.T. geschützte Unistage (TM) Design im Analogteil. Die analoge Stufe des REX DAC arbeitet vollständig gegenkopplungsfrei (Zero Negative Feedback), um eine größtmögliche Bandbreite und Schaltungslinearität nutzen zu können. Zudem werden weder Puffer noch Folgerstufen im Signalweg eingesetzt. Der Signalweg ist zudem frei von Kondensatoren. Weiteres technisches Schmankerl: Genau wie im B.A.T. REX II Vorverstärker erledigt im REX DAC ein Amorphkern-Transformator die Ausgangs-Kopplung. Das Ganze kombiniert mit massiven Netzteilen, verstärkt von zwei Ringkerntransformatoren und einer Transformator-gekoppelten Endstufe. B.A.T. will so den analogen Teil des DAC auf ein Niveau oberhalb vieler Referenz Röhrenvorstufen bringen. Die Kombination des Aufwandes auf der digitalen wie analogen Seite des Signal soll das Beste aus digitalen Aufnahmen herausholen.

Balanced Audio Technology - B.A.T. REX DAC - das Innenleben eines Königs

Balanced Audio Technology – B.A.T. REX DAC – das Innenleben eines Königs (Foto: Hersteller)

 

Technische Daten

 Digital-Eingänge:
  •  AES
  • USB
  • 2 x Coaxial
  • 2 x Toslink
 Maximale Auflösung:
  • 24-bit/384kHz PCM
  • 4-fach DSD (11,2896MHz)
 Ausgangsimpedanz: 1 kOhm
 Abmessungen (B x H x T) cm: 48,3cm x 14,6cm x 39,4cm
 Röhrenbestückung: 6 x 6C19
 Gegenkopplung: ohne
 Ausgänge: XLR Stereo
 Leistungsaufnahme: 160 Watt
Gewicht:14,5 Kg
Gehäuseausführungen:silber oder schwarz

 

REX DAC TOP

B.A.T. REX DAC Top-View (Foto: F. Visarius)

Klang

Bei dem blaublütigen Gastspiel haben wir uns zu zweit die Ehre. Um angemessen lauschen und unser Erlebtes austauschen zu können. Ort des Geschehens war mein Hörraum, in dem der REX DAC direkt auf die GENELEC 8260 spielte. Sauber verkabelt mit symmetrischem XLR. Zuspieler auf angemessenem Niveau war die Streaming Bridge Lumin U1. Die Musik stellten meine Synology NAS und der Server LUMIN L1 bereit.

Los geht es mit Ellie Goulding. Nehme ich gerne, da das Album „Halcyon“ eher keine audiophilen Ansprüche erhebt. Der Titel „Dead In The Water“ ist trotzdem stimmungsvoll aufgenommen. In manchen Ketten klingt das dann belanglos, fast trivial. Ganz anders hier. Ellie Goulding steht klar umrissen mitten zwischen den Lautsprechern. Die tiefen Bässe bilden eine wunderbare Kulisse, wenn sich die Stimme im Kopf der damals 26-jährigen Amerikanerin formt. Trotz Hall und Tricksereien bei der Aufnahme… „Oh yeah, I’m de-ad in the water – still lo-oking for ya… Can’t you see..“ Gänsehaut. Wir hören’s vorsichthalber gleich nochmal.

Ein guter Tipp, wenn man sich am oberen Ende der HiFi-Leistungsskala bewegt, ist es dort zu reinhören, wo man die Überraschung an wenigsten erwartet. In diesem Fall bei den Starkstromelektrikern von AC/DC. „Hells Bells“ vom „Back in Black“-Album. Aufgenommen anno 1980. Mich haut die super authentische Glocke zu Beginn glatt um. Ich kann praktisch das metallische Gefüge des Bronze-Körpers hören. Wie sich die Eigenfrequenz durch die Glockenwandung bewegt. Wie ein Besuch im Glockenstuhl eines Gotteshauses. Ebenso fein arbeitet der REX DAC das metallische Zischeln der Hi-Hats bei „Shoot to thrill“ aus dem Klanggeschehen heraus. Und AC/DC gibt sich wirklich keine Mühe, in ihrem mächtigen Schub nach vorn, einzelnen Instrumenten großzügig den Vortritt zu lassen.

Schub nach vorn liefert auch der Rolling Stone Charlie Watts, der im „Charlie Watts und Jim Keltner Project“ dem Schlagzeuger „Art Blakey“ seinen Tribut zollt. Die Aufnahme hat Größe, Volumen, ist überbordend. Der REX DAC behält vollkommene Übersicht. Präsentiert feine Details im größten Chaos. Der Hörer kann beliebig in die Klangkulisse hineinzoomen. Trotz Opulenz bleibt der Klang natürlich. Alles wohl positioniert.

Harter Wechsel. Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ sollen einen Kontrast bilden. Am Flügel hat Platz genommen: Der Ausnahme-Pianist Evgeny Kissin. Beim „Ballet Of The Unhatched Chicks“ läßt sich jeder einzelne Anschlag im schnellen Spiel nachverfolgen. Jeder als natürliches Klangereignis für sich. Der Flügel läßt sich als natürliches Instrument wahrnehmen, der Anschlag der Saite, die Resonanz des Rahmens und des Holz-Korpus bei gewaltigen Passagen, zum Beispiel bei „The great Gate of Kiev“. Ich habe ein Klavier noch nie so detailliert und realistisch gehört wie mit dem REX DAC. Das große Tor von Kiew beschreibt das Orchester akzentuiert in einem in sich geschlossenen, wohlsortierten Raum gefüllt mit Stimmung, Spannung, Würde.

Wieder ein Wechsel. Diesmal auf John Watts, Mastermind von Fisher Z. Bei seinem Album „It Has To Be“ aus 2007 beschreibt Watts verschiedene Lebensgeschichten, die er gesammelt hat. Bei Inga’s Nachkriegsgeschichte zu Wirtschaftswunderzeiten „Hard work and Happiness“ steigt der Song fett ein, hart angeschlagene Gitarre, markante Stimme. Die S-Betonung wirkte realistisch, aber nicht nervig. „Inga, can you tell me what’s the secret of your happy mind? … Hard work, and happiness…“ Ich möchte am Liebsten laut mitsingen.

Zur Sicherheit hören wir noch in einen unserer Standards rein: Poem of the Chinese Drums. Der Bass ist mächtig und konturiert. Das Fell der Trommeln scheint ewig auszuklingen. Der REX DAC zeichnet einen perfekten Spannungsbogen. Die große Trommel setzt ein… ganz tief… ganz schwarz. Der König zelebriert dabei die Krone der Präzision: Natürlichkeit.

Während des Hörens erlebt der Hörer etwas Besonderes. Er hört nicht nur was passiert, alles ergibt plötzlich einen Sinn, das Klanggeschehen rastet ein. Rhythmus und Timing. Geschmeidigkeit aber trotzdem mit Biss.

REX DAC Ansicht TOP

Balanced Audio Technology REX DAC (Foto: F. Visarius)

Fazit

Den König selbsternannt im Namen zu tragen ist das Eine. Eine Krone erhobenen Hauptes tragen zu dürfen ist das Andere. Der Balanced Audio Technology hat sich dieses Privileg mit dem exclusiven B.A.T. REX DAC redlich verdient. Mit dem richtigen Zuspieler stimmen Rhythmus und Timing, die Musik gerät in einen Fluß, die das technische Wort Präzision nur unzureichend umschreibt, vielmehr erlebt der Hörer Musik in unglaublicher Natürlichkeit und Leibhaftigkeit. Der B.A.T. REX DAC verkörpert souverän, was sein Name verspricht – ein wahrhaft audiophiler König unter den Digital/Analog-Wandlern..

B.A.T. HiFi-DAC Testergebnis: 5,6 von 6,0 Punkten


Kontakt / Vertrieb Deutschland

CM-Audio – Floeter Technology Service
Am Schwarzbach 78
41066 Moenchengladbach
Germany
Tel: 49 2161 6782451
Das REX DAC Testpaket
Nur zu Hause klingt wie zu Hause. Kunden können sowohl vom REX als auch vom U1 ein Testpaket ordern, das alles enthält, um die Geräte in aller Ruhe auszuprobieren. Anfragen einfach per E-Mail an testpaket@cm-audio.net.

About Author

Vom HiFi-Virus als Jugendlicher infiziert ist HiFi + HighEnd seither Teil meines Lebens. Forenerprobt und als freier Autor ist mein Motto: Alles kann nichts muss. Die Freude zählt.

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