Test: LAB12 Melto2 – MM & MC High End Röhren-Phonovorverstärker

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Test des Phonovorverstärker Melto2 von LAB12. hier auf dem Bild mit dem Entwickler Stratos Vichos und seiner Begleitung Katerina

Phonoverstärker LAB12 Melto2 mit dem Entwickler Stratos Vichos und Katerina. Bild: B. Weber

LAB12 Melto2 – exklusiver High End MM- & MC Phonovorverstärker – Der Test

Melto2 auf der High End 2019 in München

Melto2 auf der High End 2019. Bild: B. Weber

Wie vielleicht manche unserer Leser schon bemerkt haben, stöbern wir HiFi-IFAs auf der High End in München gerne in den Hallen im Parterre umher. Hier kann der Messebesucher immer wieder neues und interessantes Männerspielzeug finden. Und so ging es uns auch 2019 wieder. Auf dem Stand von LAB12 fand sich der neue Röhren-Phonovorverstärker Melto2, für 3.750 Euro ein recht exklusives Gerät.

Neugierig wie ich war, kam es zu einem Gespräch mit dem Entwickler Stratos Vichos und seiner bezaubernden Begleiterin Katerina. Die Namen sowie die relativ harte englische Aussprache der beiden weckten einen starken Verdacht in mir. „Eíste Éllines“ fragte ich Stratos und Katerina, was beide umgehend bejahten. Und so unterhielten wir uns erstmal eine Weile auf griechisch über ihr Heimatland: Welche die schönsten griechischen Inseln zum Urlaub machen seien, griechischen Wein, Olivenöl und einiges mehr. Das Eis war gebrochen, und der Melto2 von LAB12 zum Test bestellt.

Der Röhren-Phonoverstärker LAB12 Melto2. Hier im Bild die Vorderansicht mit Fernbedienung

Der Röhren-Phonoverstärker LAB12 Melto2 mit Fernbedienung im Test. Bild: B. Weber

Melto 2 – Die Technik

Die zarten Phonosignale zu verstärken ist eine hohe Kunst des HiFi. Spendieren MM-Tonabnehmer immerhin noch einige Millivolt, sind die MC-Tondosen mit einem Millivolt oder noch weniger diesbezüglich richtige Geizkragen. Bei leisen Musikstellen auf der LP muss man da die Ströme fast schon mit der Lupe suchen. Da sind die Verstärkungsfaktoren des Phonoverstärkers schon interessant, allerdings nicht mehr so wichtig wie früher. Das Verstärkungsrauschen haben die meisten Hersteller gut im Griff. Wohl von daher hat Stratos beim MM-Phonozug für meine Meinung etwas knappe 38 dB gewählt. Bei der Verstärkung der MC-Signale hat man dann die praxisgerechte Wahl zwischen 58 dB sowie 64 dB.

Innenansicht des Röhren Phonovorverstärker LAB12 Melto2. Hier der Blick auf die Röhren und die Mundorf-Kondensatoren

Einblick ins Innenleben des LAB12 Melto2. Bild: B. Weber

Zudem sollte auch der Eingangswiderstand der Phonostufe passen, 47 Kiloohm Widerstand sind hier eine Quasi-Norm. Leider hält sich nicht jeder daran. Grade bei günstigen eingebauten Phonostufen wird oft ein höherer Widerstand gewählt, um gegen Einstreuungen gerüstet zu sein. Der Nachteil kann dann ein höhenarmer verwaschener Klang sein. Der Melto bietet gleich 12.5, 13, 14, 17, 25, 27, 30, 32, 36, 40, und 47 Kiloohm an.

Bei MC-Verstärkern ist es so, dass der Eingangswiderstand oft bei 100 Ohm liegt. Eine Daumenregel besagt, dass der Eingangswiderstand des Phonoverstärkers beim 5-20 fachen des Innenwiderstandes des MC-System liegen sollte. Ist der Widerstand zu gering, kann es muffelig klingen. Bei höherem Widerstand kann es lebendiger klingen, ist er dann zu hoch, kann der Klang im Hochtonbereich ins Harsche kippen. Aber grau ist alle Theorie, eigentlich hilft nur Ausprobieren. Beim Melto2 geht das bestens, bietet er doch gut 20 verschiedene Eingangswiderstände von 25 bis 400 Ohm an, die Auflistung erspare ich mir in diesem Fall…

Doch damit nicht genug der individuellen Anpassung, gibt es doch noch die ganzen verschiedenen Schneidkennlinien der Plattenindustrie. Die klassische RIAA, seltener Decca, in homöpathischen Dosen die von Columbia und noch exotischere. Ganz bescheiden, entsprechend dem griechischen Naturell, kann der Melto2 von LAB12 gleich alle drei erstgenannten. Respekt!

Fernbedienung des LAB12 Melto 2

Fernbedienung Melto 2

Umgeschaltet werden die verschiedenen Funktionen fast geräuschlos per Reedrelais von Coto und Omron. Für die Zuschaltung der verschiedenen Optionen ist ein hochmoderner 8 bit Mikroprozessor zuständig. Dies kann der Liebhaber des schwarzen Goldes direkt am Phonovorverstärker durchführen. Oder viel bequemer vom Sofa aus mit der beiliegenden Fernbedienung. Damit der Hörer nicht im Dunklen steht, sieht er alle Einstellungen auf dem gut ablesbaren Display mit gelblicher Schrift.

Nun denn, auf welche Art und Weise ist dieser schlicht-elegante griechische Phonovorverstärker eigentlich aufgebaut? Auf jeden Fall schon mal schön sauber. Und der Nostalgie des Datenträgers entsprechend mit Röhrentechnik. Die erste Verstärkungsstufe erfolgt mit Electro Harmonix Röhren des Typs 6922. Dann folgen die bereits aufgeführten passiven Entzerrrungsfilter RIAA, Decca oder Columbia, je nach Bedarf. Verstärkt werden die feinen Signale von einem Transformer aus dem dafür bestens bekannten Hause Lundahl. Nachgeschaltet als zweite Verstärkungsstufe sind dann 2 Voskhod 6n2p Röhren. Diese werden, wie auch die MPK-Kondensatoren sowie Widerstände, vor dem Einbau ausgemessen, selektiert und elektrisch passend zueinander eingebaut. Und zwar in Doppel-Mono für eine besonders gute Kanaltrennung.

Der Röhren-Phonovorverstärker LAB12 Melto2 läuft sich zum Test warm

Display des LAB12 Melto2. Bild: B. Weber

Die ganze zuvor genannte Technik ist in einem respektabel schweren und stabilen Gehäuse verbaut, dass sich zu einem Lebendgewicht des Melto2 von 8kg aufsummiert. Apropo verbaut: Der Melto2 wird in Handarbeit in Athen hergestellt. Fast sieht die Phonostufe aus wie ein Vollverstärker mit den beiden sauber laufenden Dreh- und Drückreglern. Mittig angeordnet das informative Display, welches dem Musikfreund anzeigt, was er mit den besagten Reglern gerade so anstellt. Der rechte dient zum Ein- und Ausschalten des Melto2 von LAB12. Mit dem linken scrollt man zügig durch die Menüs. Drückt man ihn, gelangt man in die jeweiligen Untermenüs mit den Einstellungen wie zum Beispiel der Kapazität. Ratzfatz geht das, klasse!

Sage und schreibe drei Plattenspieler respektive 3 verschiedene Tonabnehmer lassen sich gleichzeitig am Melto2 anschließen! Dafür stehen drei Cincheingänge zur Verfügung und, wie es sich gehört, 3 Anschlüsse für die Erdung. Raus geht es dann wahlweise per Cinch oder XLR. Auch hier zeigt sich Stratos Vichos also von seiner großzügigen Seite. Mit so vielen Eingängen ist dieser Phono-Pre definitiv prädestiniert für den Einsatz in einem HiFi Test-Magazin oder in einem HiFi-Studio.

Cinch- und XLR Ein- und Ausgänge des Melto2

Cinch- und XLR Ein- und Ausgänge des Melto2. Bild: B. Weber

Großzügig zeigt sich auch Markus Flöter vom Vertrieb CM-Audio. Neben dem Netzkabel von LAB12 sind dem Testpaket zwei NF-Kabel beigelegt. Diese stammen von ViaBlue, und bestehen aus dem günstigeren NF-A7 Cinch (ab 100 Euro) sowie dem exklusiveren NF-S6 Air XLR (ab 290 Euro). Gehört habe ich natürlich alle drei genannten Kabel. Zur besseren Vergleichbarkeit mit anderen Geräten erfolgte der Test dann hauptsächlich mit den eigenen NF-Kabeln Fadel Art ProLink sowie den Netzkabeln LoRad 2.5 von Supra.

Melto 2 – Der Klang

Was passt denn nun zum Einstieg des Test des griechischen Röhren Phonovorverstärkers LAB12 Melto2? Wie wäre es mit der „Röhre“ der griechischen Volksmusik- und Popsängerin Kaiti Garbi? „Mi Me Sigkrineis“ singt sie, was soviel wie „Vergleich mich nicht“ bedeutet. O doch, das mache ich. Mit der eigenen Phono Vorstufe Trigon Vanguard III.

LP "Atofio Chrisafi" von der griechischen Sängerin Kaiti GarbiUnd was mir zu Ohren kommt, beginnt vielversprechend. „Opa“, auf geht’s, dieser griechische Rhythmus spricht mich an. Ok, ich gebe es zu, dass ich diesbezüglich etwas anfällig bin. Und für diese wundervolle warme Stimme, die vor mir schwebt. „Ela“, komm, ich brauche noch so einen griechischen Schmachtfetzen von Kaiti Garbi. „Ksipoliti Horevo“, auf gut deutsch „Ich tanze barfuß“. Ja so macht das Spaß in Griechenland, und nicht nur dort. Die Leichtigkeit dieses Liedes überträgt sich in das heimische Wohnzimmer und ich komme in Urlaubsstimmung. Das Feeling stellt sich ein und auch ich tanze barfuß wie am Strand…

Langsam besinne ich mich wieder. Angekommen auf dem heimischen Boden der Tatsachen erinnere ich mich wieder an den eigentlichen Sinn dieses Berichts.

Cover der LP Paul Kuhn "L.A.Session"Stilbruch. Ich wähle neutralere Musik aus. Schließlich will ich mich ja von den klanglichen Qualitäten des Melto2 überzeugen und nicht von denen der Musik. Die LP „The L. A. Session“ von Paul Kuhn kommt auf den Plattenteller meines Rega Planar 6. Donggg, Paul am Klavier, Jeff Hamilton steigt dazu am Schlagzeug ein. Sauber und klar aufgelöst kommt der Besen ins Spiel, sehr feinfühlig erscheint mir das Ganze. Paul Kuhn legt sich ins Zeugs, wie dieser begnadete Jazzer selbst im hohen Alter die Tastenanschläge beherrschte, toll. Oh je meine Füße, sie swingen schon wieder… Leicht aus dem Takt gebracht werde ich durch die nölige Stimme des Herrn Kuhn… Egal, das zeugt von der Echtheit dieser Darstellung. Im Gegensatz zu mir lässt sich John Clayton davon nicht die Spur beeindrucken. Stoisch gelassen spielt er einfach seinen Bass weiter. Ein tolles Instrument, die Klangfarben die John ihm entlockt, die Wucht die in diesem Instrument stecken kann, wie präzise und kräftig, und doch mit einem Schuss Wärme sie von der LP kommt, das zeigt der Melto2 gekonnt auf.

Klavier, da war doch was, da gibt es doch etwas flotteres als von Paul Kuhn. Kitty, Daisy & Lewis mit „Going Up The Country“! Obwohl sich diese Musik anhört wie zu den Zeiten der legendären Waltons, ist das doch tatsächlich Stereo! Das zeigt der Melto2 sehr deutlich. Gefühlt hüpfen die drei Musiker in schwarz-weiß vor mir. Daisy singt mal links, in der Mitte oder auch rechts, alle drei spielen voller Freude auf. Links die Mundharmonika, halbrechts die Gitarre, auch der Kontrabass lässt sich räumlich wunderbar zuordnen. Ach so, ja, das Klavier, das höre ich im zweiten Stück des Albums gut zuweisbar von leicht links. Auch diese Nummer schüttelt der Phonovorverstärker wie mit links aus dem Ärmel.

Zum Abschluss des Tests gönne ich mir Peder af Ugglass mit „Autumn Shuffle“. Ob diese Musik nun Blues, Rock oder eine Art von Jazz ist, lässt sich nicht wirklich klären. Auf jeden Fall beeindruckend ist die Vielfalt der verschiedenen Instrumente wie E-Bass, Klavier, Gitarre und mehr. Von denen spielt Peder das meiste selbst. Sehr gerne hören meine Nachbarn und auch ich das Stück „Autumn Shuffle“, das dem Album den Namen gibt. Das muss so richtig fetzen und krachen in der Hütte, schnell und trocken ist der Bass. Ja, auch diese Disziplin beherrscht dieser Phonovorverstärker mit Bravour.


LAB12 Melto2 – Fazit

Der exklusive Röhren-Phonovorverstärker Melto2 von LAB12 erfreut den Vinylliebhaber mit vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten und gleichzeitigem Anschluss von drei völlig unabhängig konfigurierbaren MM- und MC-Tonabnehmern. Dabei lässt sich der Melto2 spielend leicht bedienen. Klanglich verwöhnt er mit feinsinnigem, sauberem Sound und wunderbaren Klangfarben. Auch der straffe Bass und die räumliche Darstellung wissen zu überzeugen.

Test-Ergebnis des Röhren Phonovorverstärker LAB12 Melto2. 5,5 von 6,0 Punkten

Im Test

Phonovorverstärker (Röhre)
LAB12 Melto2
Farbe: silber oder schwarz
Größe: 43*11*29 cm
Gewicht: 8 kg
Preis: 3.750 Euro

Kontakt / Vertrieb Deutschland

CM-Audio – Floeter Technology Service
Am Schwarzbach 78
41066 Moenchengladbach
Germany
Tel: 49 2161 6782451

 

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Aufgewachsen in der Blütezeit des HiFi mit Telefunken Allegretto TS 2020 nebst einem Dual 1228 mit Reibradantrieb und Wechsler. Damals habe ich die Technik des Duals bestaunt. Heute denke ich mit Grauen daran, wie die Schallplatten aufeinandergefallen sind...

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