Test: B.Audio B.dpr Vorverstärker DAC / Digital-Analog Wandler

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Test: B.Audio B.dpr Vorverstärker DAC / Digital-Analog Wandler

B.audio DAC-Wandler-Vorstufe b.dpr

B.audio DAC-Wandler-Vorstufe b.dpr (Foto: F. Visarius)

Die Suche nach einem spannenden Spielpartner für die Aktivlautsprecher in meinem Hörzimmer führt uns in diesem Bericht nach Frankreich. Allerdings über den Umweg München. Geografisch zwar nicht gerade der direkte Weg, aber in Sachen hifidelen Wohlklangs führen halt viele Wege über die High End in der bayrischen Metropole. Dort trafen wir heuer die junge Firma B.audio aus dem elsässischem Mutzig, einem Städtchen vor den Toren Straßburgs, unweit des deutschen Offenburgs. Die Gründer und technischen Köpfe von B.audio sind die Brüder Sébastien und Cédric Bermann, die von ihrem Vater Gérard tatkräftig unterstützt werden.

b.dpr - am Volumenregler wirst Du sie erkennen

b.dpr – am Volumenregler wirst Du sie erkennen (Foto: F. Visarius)

Angezogen wurden wir bei unserem Messerundgang auf der High-End 2018 zuerst von den herrlich schlichten, aber gestalterisch wie verarbeitungstechnisch hochwertigen Gehäusen im HiFi-Gardemaß. Der Gerätetypus erschloss sich uns im Vorbeigehen zuerst nicht. Von möglichen klanglichen Meriten ganz zu schweigen. Denn in der großen Messehalle herrschte diesbezüglich tatsächlich Schweigen. Geschwiegen hatte aber seinerzeit im Mai nicht das freundliche Geschwisterpaar Bermann, das uns an ihrem Stand über die Idee und das Konzept von B.Audio aufklärte. Hier ging es um feinste D/A-Wandlertechnik, so die Aussage, und eine davon abgeleitete Wandler-Vorstufe. Voila! Damit schließt sich der Kreis zum Aktiv-Lautsprecher und zum Anlass dieses Tests. Unsere Neugierde war also geweckt.

b.dpr – Display und Quellenwahl wie beim b.dac (Foto: F. Visarius)

Natürlich fragten wir uns, was die Brüder Bermann zu dem Schritt bewogen hat, ausgerechnet mit einem D/A-Wandler ins HiFi-Business einzusteigen. Die Triebfeder, so erzählte uns Gérard Bermann, einen eigenen D/A-Wandler zu entwickeln, war für seinen Bruder Cédric die Suche nach einem natürlichen Klang ohne Härte und Kälte, die dem digitalen Sound sonst häufig zugeschrieben werden. Hauptursache dafür sah Cédric Bermann vor 10 Jahren im Jitter, dem er seit dem den Kampf im digitalen Datenweg angesagt hat. Um den Einfluss von Quellen-Takt-Jitter zu minimieren setzt B.audio die selbst entwickelte und patentierte SJR-Technologie (Source Jitter Removal) ein, die den Jitter unabhängig von der Art des digitalen Eingangs vollständig eliminieren soll. Gleichzeitig soll mit der Stromversorgung (getrennt für den digitalen und analogen Bereich), einem selbst entwickelten und vom Audio-Signal strikt getrennten Direct-Coupling, der Filterung und den analogen Schaltungen die gesamte interne Kette des Konverters optimiert werden. Der Prototyp kam, nach eigenen Aussagen, bei High-End-Profis so gut an, dass sich die Brüder Bermann vor zwei Jahren entschlossen haben, ein Unternehmen zur Herstellung und Vermarktung ihrer Technologie – Designed and made in France – zu gründen.

Wir blieben also in Kontakt und B.audio stellte uns in einem freien Zeitfenster ihre Vorführ-DAC-Vorstufe b.dpr zum Test zur Verfügung. Schon beim Auspacken, aber auch später in unserem Hörraum setzte sich unsere Freude an der Optik und Haptik der b.dpr fort. Die schlichte, wertige Optik passt wunderbar zum technischen Qualitätseindruck des Geräts. Der spielfreie Lauf der Kugel gelagerten Drehregler, die mit sauberem, engen Spaltmaß in der CNC-gefrästen Alu-Front sitzen, waren ein Vergnügen für Hand und Aug. Die Qualität hat ihren Preis. Im Falle der b.dpr Wandlervorstufe: 14.500 Euro (inklusive Fernbedienung). Für das bewusst geradlinige Design, frei von Ablenkung, zeichnete sich übrigens der Designer und Fotograf Olivier Hess verantwortlich.

Die Rückansicht von b.dpr und b.dac sind identisch. Analog Out ist beim b.dpr geregelt.

Die Rückansicht von b.dpr und b.dac sind identisch. Analog Out ist beim b.dpr geregelt. (Foto: F. Visarius)

Der ältere Bruder b.dac und der jüngere – aber talentiertere – b.dpr sind enge Verwandte. Da die Entwicklung eines audiophilen D/A-Wandlers den Ausgangspunkt darstellte, also der b.dac, wird dieser um eine Vorstufe ergänzt zum b.dpr. Rückseitig sind beide identisch. Das der talentiertere der beiden Brüder geregelte Ausgänge hat, ist hier nicht zu ahnen. An der Front ist er am zweiten Drehregler unschwer zu erkennen.  Die Lautstärke wird Relais-gesteuert über ein Widerstandsnetzwerk eingestellt. Eingang und Lautstärke können auf der wertig anmutenden, übersichtlichen Fernbedienung (optional) bequem von der Couch aus angewählt werden.

Die wertige Fernbedienung des b.dpr

Die wertige Fernbedienung des b.dpr (Foto: F. Visarius)

Technische Daten

Allgemein
Netzteil: 220-230V (Werkseinstellung) oder 100-115V, 50-60Hz
Abmessungen: 450mm x 375mm x 91mm
Gewicht: 7,4kg

Digitaleingänge
Ausstattung: 2x SPDIF, 2x Toslink, 1x AES/EBU, 1x USB (type B)

USB (type B, asynchronous)
Unterstützte Formate: PCM (incl. DXD), DSD, DSD over PCM (DoP)
Sample Frequenzen (PCM): 44.1kHz, 48kHz, 88.2kHz, 96kHz, 176.4kHz, 192kHz, 352.8kHz (DXD), 384kHz
Wortlängen (PCM): 16, 24, 32 bit
Datenraten (DSD): 2.8224MHz (DSD64), 5.7648MHz (DSD128), 11.2896MHz (DSD256)
Datenraten (DSD über PCM): 2.8224MHz (DSD64), 5.7648MHz (DSD128)

SPDIF und AES/EBU
Unterstützte Formate: PCM
Sample Frequenzen (PCM): 44.1kHz, 48kHz, 88.2kHz, 96kHz, 176.4kHz, 192kHz
Wortlängen (PCM): 16, 24 bit

Toslink
Unterstützte Formate: PCM
Sample Frequenzen (PCM): 44.1kHz, 48kHz, 88.2kHz, 96kHz
Wortlängen (PCM): 16, 24 bit

ANALOG OUT VARIABEL (b.dpr)
Symmetrische Anschlüsse: XLR, -80 bis +0 dB in 64 Schritten
Asymmetrische Anschlüsse: RCA, -80 bis +0 dB, in 64 Schritten

ANALOG OUT FIX (b.dac)
Symmetrische Anschlüsse: XLR, 100 Ohm
Asymmetrische Anschlüsse: RCA, 75 Ohm

Höreindruck

Nach aller Theorie, Optik und Haptik komme ich nun zum Eigentlichen, dem Höreindruck. Ich bin gespannt, da das Zielbild ja klar umrissen ist. Deshalb starte ich mit Musik, die einfach gut klingen muss. Kari Bremnes. Die Norwegerin ist zwar nicht die „Queen of Audiophile“, wie Sara K. zu ihrem eigenen Leidwesen in Fachkreisen gerne tituliert wurde, ist aber bei Freunden feinster Singer-Songwriter Musik zumindest in Deutschland mindestens so bekannt und ebenso geschätzt. Auch die Konzerte gelten bei Ihren Jüngern, die aber meist aber reiferen Semesters sind, als Highlight und must go. Auf Ihrer Deutschland-Tournee „Reise“ nahm sie auch „Sovngjengersken“ mit in die Tracklist auf. Selbst gesehen, jetzt aus der Konserve nacherlebt. Die Krönung ist das Drum-Solo. Der b.dpr sortiert und strukturiert das Geschehen unterhalb des Stimmbereichs wunderbar. Die Drums haben eine unglaubliche, warme Energie und Darstellung. Der Bass ist rhythmisch treibend. Derb.dpr vernachlässigt kein Details. Alles da. Ein musikalisch Highlight gleich zu Beginn. Dabei hab ich mich vorher noch nicht mal richtig warm gehört.

Weiter mit Peter Gabriels – Secret World live. Wo ich schonmal live dabei bin. Eine High-Res-Aufnahme aus dem B&W-Fundus mit 24bit. „In your eyes“ pumpt aus meinen Lautsprechern. Mit feinem Gefühl für Rhythmik leitet die b.dpr den Hörer durch die Musik, die dadurch gut lesbar wird. Ich spüre die Energie im Live Auftritt. Und trotzdem passt die Balance zu den Stimmen im vollen Sound.

Beim Clicken durch die digitale Musikbibliothek verging so manche Stunde. Mal ganz hochkonzentriert, mal nebenbei beim Recherchieren am Laptop. Stressfrei. Entspannt. In diesem Sinne stolperte ich wieder über Bert Kämpferts „Swinging Safari“. Ganz easy geht den Musikern das Stück von der Hand und vermittelt den Eindruck, das sich Menschen mit Spaß zum Musik machen treffen. Der Sound ist voll, hat Schub und bleibt trotzdem natürlich schlank. Phantastisch.

Kleiner Abschweifer. Etwas experimenteller Natur. Der Song „Map“ vom Album „Crime Scenes“ der skandinavischen Kombo Punkt drängt sich in mein Gedächtnis und in die Playlist. Sidsel Endressen haucht entrückt, gurrt und surrt lautmalerisch, das es eine Freude ist. Gleichzeit entwickelt sich mächtiger, treibender Bass.

Die Drums von Kari Bremns‘ „Sovngjengersken“ noch gut im Ohr, soll es nun eine Spur gewaltiger werden. Yim Hok Man „Poem of Chinese Drums“ von der Burmester Demo-CD soll zeigen wo der Hammer hängt. Streng audiophil, versteht sich. Schon nach kurzer Zeit offenbart sich die Stärke der b.dpr Wandler-Vorstufe. Die Körperhaftigkeit natürlicher Instrumente. Riesige Japanische Trommeln stehen in voller Größe vor mir in meinem Hörraum. Ich staune. Nicht nur, weil die Drums verdammt groß sind, sondern weil sie als komplexe Klangkörper aus Holz und Fell greifbar werden. Von der Macht des Hiebs der Stöcke bis zu feinsten Anschlägen. Vom Impuls des Stocks auf dem Fell bis zur feinsten Hebung beim Ausklang. Es gibt nie Stille. Der Hörer spürt, wie die Spannung der klanglichen Schwebe im Ausklang bis zum Allerletzten ausgereizt wird und kurz vor dem Eintreten der Stille durch den Impuls erlöst wird. Bäääääm! Plastizität, zum Anfassen: Glücklicherweise stehen die Lautsprecher auf Fliesen, das ich den Schweiß der Trommler aufwischen kann…

Aber das war alles audiophiles Material. Digitale Steilvorlagen für die High-End Kette. Zum Abschluss was Ungemütliches. Das muss jetzt sein. Ich liebe den Song. Und heute habe ich Lust drauf. „Dans etmeye ihtiyacim var“, was soviel heisst wie: Ich habe das Bedürfnis zu tanzen. Von der türkischen Sängerin und Rock-Gruppe „Asli“. Die Aufnahme ist leider mäßig, daher vergeht mir bei Anlagen, die es analytisch zu gut meinen, eher die Lust zu tanzen. Nicht so bei der d.bpr. Die Musik macht Spaß, geht nach vorn und bekommt sogar eine gewisse Substanz. Auch die Stimme erhält Character. Ein toller Basslauf, der Song rockt das Haus. So habe ich auch das Bedürfnis, mit Asli zu tanzen! Und nicht das Bedürfnis davon laufen. Spiel es noch einmal, b.dpr!

B.audio DAC-Wandler-Vorstufe b.dpr

B.audio DAC-Wandler-Vorstufe b.dpr (Foto: F. Visarius)

Fazit

Die b.dpr Wandler-Vorstufe ist ein feines Stück HiFi-Technik im adretten Gewand. Ansprechendes Design, tolle Anfassqualität und audiophiler Klang vereinen sich zu einem gelungenen französischen Trio. Der Preis von 14.500 Euro markiert eindeutig die solvente Zielgruppe: High-End. Dabei wird die b.dpr dem Anspruch ihrer Schöpfer nach natürlichem Klang ohne unnötige Härten ohne Wenn und Aber gerecht. Die b.dpr offenbart alle Details, spielt Instrumente körperhaft und spannt einen schönen Raum auf. Gleichzeitig sie bewahrt sie manchmal eine gewisse Distanz, da sie nicht dazu neigt, zu brillieren und sich in den Vordergrund zu drängen. Eine Eigenschaft, die bei anstrengendem Musikmaterial und zum entspannten Durchhören segensreich sein kann. Mit einem präsenten, gut konturierten Bass, der mit feinen aber zurückhaltenden Höhen dekoriert ist, empfiehlt sich die d.bpr als Spielpartner in ansonsten eher frisch abgestimmten audiophilen Ketten. Und als kleinen, preisgünstigeren Bruder gibt es alternativ noch den D/A-Wandler ohne Vorstufensektion. Mission completed. Voila!

Ergebnis des Test des DAC und Vorverstärker B.audio B.dpr


PREIS
B.DPR : 14.500 € (mit Fernbedienung)
B.Dac : 11.900 €


Kontakt

B.audio SAS
1, rue Gambrinus
67190 Mutzig – France
www.b-audio.com
contact@b-audio.com
Tel: +33 (0)6 51 93 61 13

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Vom HiFi-Virus als Jugendlicher infiziert ist HiFi + HighEnd seither Teil meines Lebens. Forenerprobt und als freier Autor ist mein Motto: Alles kann nichts muss. Die Freude zählt.

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