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Kopfhörer

Test: Offener Magnetostat-Kopfhörer Final D7000 – Dark Star

Elmar SalmutterBy Elmar Salmutter15. März 2026

Ursprünglich konzentrierte sich Final Audio auf Tonabnehmer für Plattenspieler, später folgten auch HiFi-Komponenten wie Verstärker und Lautsprecher. Seit 2009 produzieren die Japaner auch Kopfhörer, die sich in der High-End-Welt schnell einen guten Ruf erarbeiten konnten. Die technologische Speerspitze bei den Over-Ear-Modellen bildet die D-Serie, zu der auch der D7000 zählt, den wir hier genauer unter die Lupe nehmen. Es handelt sich um das kleinste und preiswerteste Modell der Edelserie, aber was heißt schon preiswert im High End Audio…

In dem schweren, abschließbaren Aluminiumköfferchen (Schlüssel liegen bei) könnte sich alles Mögliche befinden: Objektive, Messgeräte, vertrauliche Dokumente, Erste-Hilfe-Utensilien oder eine Geburtszange. An einen Kopfhörer würden wohl die wenigsten Passanten denken, wenn man mit dem schwarzen Koffer durch die Fußgängerzone stolzieren würde. Das ist auch gut so, schließlich kostet der Final D7000 stolze 3.299 Euro, was ihn für Langfinger äußerst attraktiv macht. Für den mobilen Einsatz eignet er sich ohnehin kaum, da es sich um einen offenen Magnetostaten handelt, der Geräusche rein- und rauslässt. Das Reiseköfferchen samt Inhalt lassen wir also lieber daheim und lauschen lieber im stillen Kämmerchen, wie der edle Japaner das Trommelfell massiert.


Offener Magnetostat-Kopfhörer Final D7000 im Koffer.

Final D7000 – Technik

Optisch macht der Final D7000 auf jeden Fall was her: Er ist komplett schwarz und dunkelgrau gehalten, auffällige Farbakzente fehlen. Das verleiht ihm mit seinen vielen dunklen Metallteilen aus Aluminium und Magnesium einen sehr edlen, dezenten und zeitlosen Look, der eher technisch-funktional als rustikal oder wie ein Modeaccessoire wirkt. Die Japaner verzichten beim D7000 komplett auf Leder und setzen lieber auf eine Art dunklen Stoff, der sich beim genaueren Nachforschen als japanisches Washi-Papier herausstellt, dem eine besondere Stabilität, Langlebigkeit und Atmungsaktivität nachgesagt wird. „Es wird aus den Fasern der inneren Rinde bestimmter Pflanzen wie Kōzo, Mitsumata oder Gampi hergestellt und gilt in Japan als hochwertiges Kulturgut“, verrät Wikipedia. Das Material kommt sowohl bei den Schaumstoff-Ohrpolstern als auch im Inneren des Kopfbügels an der Oberfläche zum Einsatz. Es wirkt beim ersten Anfassen ziemlich hart, erweist sich auf dem Kopf und an den Ohren aber als äußerst angenehm und langzeittauglich.

Mit 437 Gramm zählt der Final D7000 zu den mittelschweren Kopfhörern und sollte aufgrund seines Gewichts keinem HiFi-Fan Probleme bereiten. Die Größenverstellung an den Bügeln folgt keiner starren Rasterung, sondern entpuppt sich als frei beweglich und sehr angenehm einzustellen. Selbst Menschen mit kleinem Kopf, zu denen der Autor dieser Zeilen gehört, rutscht er nicht von der Rübe, allerdings ist der Anpressdruck auch recht hoch. Dennoch zählt der Final D7000 zu den bequemsten Kopfhörern, die je auf meinem edlen Haupt saßen – keine Druckstellen, keine heißen Ohren. Das liegt auch daran, dass die Ohrmuscheln sich um bis zu 20 Grad in jede Richtung verdrehen lassen, wodurch sich der Japaner flexibel an jede Kopfform anpasst.

Magnetostat-Kopfhörer Final D7000: 6,3 mm Klinke mit Verriegelung.

Auch die Verkabelung mit dem drei Metern langen 6,3-mm-Klinkenkabel wirkt durchdacht und praxisgerecht. Man steckt die 2,5-mm-Stecker für die linke und die rechte Ohrmuschel nicht einfach nur rein, sondern verriegelt die Verbindung durch eine 90-Grad-Drehung im Uhrzeigersinn – dann hält das Kabel bombenfest. Gegen den Uhrzeigersinn geht es wieder auf. Das Kabel selbst hinterlässt einen erstklassigen Eindruck, es ist geflochten und ziemlich dick und schwer. Vor allem aber ist die Gummiummantelung kein bisschen empfänglich für mechanische Kabelmikrofonie, wenn man sich beispielsweise bewegt und das Kabel an der Kleidung scheuert. Wer mal ein solches Kabel hatte, weiß, wie nervig das sein kann.

Bei der Wiedergabe setzt Final beim D7000 auf planar-magnetische Treiber, die zwei Besonderheiten aufweisen. Eine trägt die Abkürzung AFDS, die für „Air Film Dampening System“ steht. Bei dieser Technik erzeugen zwei perforierte Metallscheiben zwischen Membran und Magnetstruktur definierte Luftpolster, die verhindern sollen, dass die Membran bei höheren Regeln die Magneten berührt. Das soll einen besonders tiefen Bass durch größere Auslenkungen ermöglichen, so Final. Der Hersteller weist darüber hinaus auf die besonders leichte Filmmembran hin, auf die eine ultradünne Aluminiumspule geätzt wird. Dadurch entfalle der sonst bei dynamischen Treibern notwendige Klebstoff zwischen Spule und Membran, was die Hochtonwiedergabe verbessern soll.

Hinzu kommt der sogenannte „Pina-Align-Diffusor“, die zweite Besonderheit. Das bedeutet so viel wie auf die Ohrmuschel (Pinna) ausgerichteter Diffusor. Final hat laut eigener Aussage viel mit Simulationen und realen Hörtests herumexperimentiert, um eine Diffusorform zu entwickeln, die für alle Ohrmuscheln eine optimale Abstrahlung ermöglichen soll. Dieser Diffusor soll das Verhalten der echten Ohrmuschel im Kopfhörer möglichst präzise nachbilden, wodurch ein besonders natürlicher Klangeindruck entstehen soll. Man könnte auch sagen: Er streut (diffundiert) den Schall im Kopfhörer auf eine bestimmte Art und Weise, statt ihn nur direkt aufs Trommelfell zu lenken. Der Pina-Align-Diffusor sollte bereits beim Final D8000 zum Einsatz kommen, bereitete damals aber noch Probleme bei der Implementierung. Last, but noch least betonen die Japaner die Langlebigkeit und Reparierbarkeit des Kopfhörers: Fast alle Teile lassen sich mithilfe von Schrauben zerlegen, was ihn auch für zukünftige Updates prädestiniert. Dafür gibt es ein Adjektiv: nachhaltig.

Final D7000: Technische Daten

  • Bauweise: offener Over-Ear-Magnetostat
  • Farbe(n): Schwarz
  • Gehäuse: Aluminium-Magnesium-Legierung
  • Gewicht: 437 Gramm
  • Impedanz: 50 Ohm
  • Empfindlichkeit: 89 dB/mW
  • Ohrpolster: japanisches Washi-Papier
  • Lieferumfang: Metallkoffer, 3 m langes OFC-Kabel mit 6,3-mm-Klinke, Kabeltasche
  • Garantie: 2 Jahre
  • Preis: 3.299 Euro

Final D7000 – Klang

Da der Final D7000 meine erste Berührung mit Final-Kopfhörern ist, kann ich nicht mit Vergleichen mit seinen teureren D8000-Brüdern dienen, wohl aber mit anderen Ohrlauschern. Final ordnet den D7000 auf seiner Webseite so ein: „Während der D8000 besonders gut bei der Wiedergabe von Musik mit großem Dynamikumfang – wie klassischer Musik – überzeugt, ist die D8000 Pro Edition darauf abgestimmt, eine höhere Detailauflösung bei Genres mit kleinerem Dynamikumfang – wie Pop und Rock – zu liefern. Der D7000 liegt in seiner Positionierung etwas zwischen diesen beiden und bietet eine ausgewogene Leistung.“ Sprich: Laut Hersteller bildet er den goldenen Mittelweg und soll sich für alle Musikstile eignen, also eine Art Allrounder sein.

Das stimmt meiner Meinung nach nur teilweise. Natürlich kann man sich mit ihm alle Genres anhören, er hat ja keine eingebaute Klassik- oder Schlager-Schranke, obwohl ich das im letzten Fall durchaus begrüßen würde (Türsteher: „Sorry, Helene, du kommst hier nicht rein!“). Aber er eignet sich meiner Meinung nach für manche Genres besser als für andere. Das hat viel damit zu tun, dass der D7000 – passend zu seinem Äußeren – ein eher dunkler und wärmer abgestimmter Kopfhörer ist, der sich ein deutliches Stück von der neutralen Linie wegbewegt. Zum Vergleich habe ich meinen Focal Clear MG (1.500 Euro) und den Hifiman HE1000 V2 Stealth (damals 1.750 Euro) herangezogen, die beide deutlich heller klingen. Nicht ein bisschen, sondern sehr, sehr klar wahrnehmbar – unabhängig vom Genre. Ich dachte erst, er sei vielleicht noch nicht richtig eingespielt, obwohl der Verpackungskarton nicht mehr neu aussah und auf ein Gebrauchtgerät hinwies. Doch auch nach längerer Spielzeit behielt der Final D7000 sein Naturell. Als Spielpartner kamen der McIntosh-Kopfhörerverstärker MHA100 und die hervorragende Kopfhörersektion des Röhrenvollverstärkers PrimaLuna EVO 300 zum Einsatz.

Gehen wir ins Detail: Bei der Bass- und Tiefbassdarstellung langt der Final D7000 ordentlich hin, er setzt hier eher auf Volumen und maximalen Tiefgang als auf Agilität. Das soll nicht heißen, dass der Bass besonders gemütlich wirkt, aber der Schnellste ist er auf der anderen Seite auch nicht gerade. Das zeigt zum Beispiel „I Am The Fear“, die Eröffnungsnummer vom neuen Ist-Ist-Album „Dagger“. Das recht schnelle, eingängige und mit Synthies veredelte Post-Punk-Stück punktet mit einem hüpfenden Bass und hohem Mitwippfaktor. Der Focal Clear MG kommt im Bass nicht ganz so tief herunter, stellt die tiefen Töne in diesem Song aber hüpfender, trockener und nach vorne drängender dar, was in die Kategorie Geschmackssache fällt.

Bei der Grobdynamik, also der Darstellung von großen Pegelsprüngen, wählt der Final D7000 annähernd einen Mittelweg zwischen Brachialdarstellung und eher fließenden Übergängen. Annähernd, weil es ganz leicht in Richtung Gutmütigkeit geht, also eher fließender als aufbrausender. Der Final D7000 ist also kein Presslufthammer an den Ohren, kann aber durchaus auf die Pauke hauen, wenn es sein muss. Zum Beispiel im Tool-Stück „Eulogy“ vom 1996er-Meisterwerk „Aenima“. Wenn sich nach zweieinhalb Minuten Bass, Gitarre, Schlagzeug und die Stimme von Maynard James Keenan plötzlich überschlagen, hinterlässt das durchaus Eindruck. Auch für die Feindynamik eignet sich „Eulogy“, da der Song sehr leise und fragil beginnt und langsam die Spannung aufbaut. Das rhythmische Klicken zu Beginn sowie die ruhige, cleane Gitarre, deren einzelne Töne viel Raum bekommen, arbeitet der Japaner gut und klar heraus, wenngleich mein Hifiman HE1000 V2 Stealth die kleinen Details und feinen Lautstärkeabstufungen noch deutlicher herausstellt.

Bei hohen Tönen agiert der Final D7000 eher leicht zurückhaltend und seidig als offensiv und strahlend – eine Charakteristik, die den meisten Hörern entgegenkommen dürfte. Das unterstreicht seine Langzeittauglichkeit, schließlich ermüden die Ohren bei hohen Frequenzen besonders schnell. So eignet er sich aufgrund seines warmen, verzeihenden Grundcharakters besonders gut für Rockmusik und sogar Metal mit massiv verzerrten E-Gitarren und vielen Soli – selbst bei höheren Pegeln. Das Gitarrensolo im Mittelteil von „Darkness Always Wins“ vom aktuellen Halestorm-Album „Everest“ wird mir zum Beispiel mit dem neutraler abgestimmten und eher höhenbetonten Focal Clear MG bei höheren Pegeln schnell zu aufdringlich für die Ohren, auch wenn das Album anständig produziert ist. Der D7000 präsentiert es besser verträglich und weniger aggressiv. Der Japaner eignet sich also besonders gut für Menschen, die Rockmusik gerne laut hören, aber auch Pop, Electro und eigentlich alle modernen Spielarten passen in sein Beuteschema.

Als seelenverwandt kommen mir manche Audeze-Modelle in den Sinn, etwa der alte LCD-2. Ich besaß zum Beispiel eine Weile den Audeze LCD-X, der mir – kein Scherz! – aufgrund seines hohen Gewichts von über 600 Gramm einen Drehschwindel verpasste, der von der überforderten Halswirbelsäule verursacht wurde. Auch er war eher ein dunkler, basskräftiger, warmer Lord, der mir lange Sessions durch sein hohes Gewicht allerdings vermiest hat. Auch die erste Inkarnation des Meze Empyrean geht als geistesverwandt durch, wenngleich dessen Mittendarstellung noch wärmer ist, während sie beim Final D7000 eher zum Neutralen tendiert. Beide vereinen tollen Tragekomfort mit einem langzeittauglichen, eher dunklen Klangbild.

In puncto Räumlichkeit bietet der erste Empyrean (den zweiten habe ich noch nicht gehört) allerdings mehr musikgenreübergreifende Weitläufigkeit, ebenso wie mein Hifiman HE1000 V2 Stealth. Während Letzterer in der Breite ein weites Panorama aufzieht, bleibt der Final-Kopfhörer eher dicht beim Ohr, was wiederum Geschmackssache ist – manche mögen es ja kompakt. Hier ähnelt er dem Focal Clear MG, der auch eher dichter am Kopf bleibt und ein intimeres Klangbild vermittelt.


Final D7000 – Fazit

Keine Frage: der Final D7000 ist ein Charakterkopf! Nicht besonders neutral, aber ein Feinerle für Hörer, die es eher warm, dunkel, bassstark, kompakt und langzeittauglich lieben. Durch seinen festen, aber dennoch äußerst bequemen Sitz steht langen Hörsessions nichts im Weg, auch bei höheren Pegeln nicht. Mit seinem eher sanften Naturell, leicht zurückgenommenen Höhen und eher runden als explosiven dynamischen Fähigkeiten lädt der Final D7000 dazu ein, die eigene Musiksammlung neu zu entdecken oder stundenlang beim Tidal- oder Qobuz-Streaming neue Sounds zu entdecken. Seine Verarbeitung und die Qualität der verwendeten Materialien sind erstklassig, ebenso wie das mitgelieferte Kabel und der für die Ewigkeit gebaute Transportkoffer.


Im Test

Offener Over-Ear-Magnetostat-Kopfhörer
Final D7000
UVP: 3.299 Euro
Farbe: Schwarz


Vertrieb

ATR Audio Trade
HiFi Vertriebsgesellschaft mbH
Walluferstr. 2
65343 Eltville am Rhein

Tel.: +49 (0) 208/882660
Mail: info@audiotra.de
Web: www.audiotra.de


Mitspieler im Test

Kopfhörerverstärker – McIntosh MHA100 und PrimaLuna EVO 300
Quellen digital – CD-Player McIntosh MCD301, Innuos Zenith MK3
D/A-Wandler – PrimaLuna EVO 100 Tube DAC
Kabel – Goldkabel Executive Cinch, Audioquest Diamond (USB)
Kopfhörer – Focal Clear MG, Hifiman HE1000 V2 Stealth

Elmar Salmutter
  • Website

Vom Walkman über die erste kleine Philips-Kompaktanlage bis hin zur ersten „richtigen“ Stereoanlage: Mit 17 wusste ich erstmals, wie sich Wohlklang anhört. Zur Liebe zur Musik gesellte sich die Faszination für HiFi-Geräte und Lautsprecher, die bis heute anhält. Wer glaubt, jemals endgültig anzukommen, irrt sich: Der Weg ist das Ziel. Sind wir ehrlich: Wir schielen doch immer auf neue Boxen, Streamer, Kopfhörer oder Verstärker und überlegen, was sie uns klanglich bringen könnten. Das ist Teil unseres Hobbys, das treibt uns an – neben der Freude am Hören und an guter Musik. Wenn ich die Wahl zwischen einem teuren Sportwagen und einer erstklassigen Stereoanlage hätte, würde ich mich immer für die Musik entscheiden.

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