Was habe ich mir als Jugendlicher die Nase an den Schaufenstern der HiFi-Läden plattgedrückt. So einen japanischen Vollverstärker-Boliden mit VU-Meter, den hätte ich gern. Jetzt endlich, Jahrzehnte später, steht einer in Natura vor mir: Der Yamaha A-S2200 für 3.000 Euro. Okay, ich muss gestehen, ich habe ihn nicht gekauft, sondern zum Test geliehen bekommen. Egal, an meiner Neugierde ändert das nichts. Ob sich meine damaligen Träume ob des Klangs bewahrheiten werden? Ich bin gespannt! Ihr auch? Dann lest doch einfach diesen Bericht.
Yamaha A-S2200 – Erster Eindruck
Gespannt wie ein Flitzebogen öffne ich den Karton. Die 23 Kilogramm des Yamaha A-S2200 wollen erst mal aus der sicheren Verpackung heraus gewuchtet werden, puh. Zu den Zeiten mit dem Naseplattdrücken wäre mir das wohl ein wenig leichter gefallen…
Nach und nach schäle ich den edlen japanischen High End Vollverstärker aus seinen schützenden Hüllen, bis er leibhaftig vor mir steht. Aug‘ in Aug‘ blicken wir uns an: Meine weit geöffneten Pupillen und die beiden schicken VU-Meter. Fast scheint es mir, als wolle der Yamaha mich mit ihnen hypnotisieren. Gedankenverloren und an frühere Zeiten erinnernd beginne ich das silberne gebürstete Aluminium zärtlich zu streicheln und mit meinen Händen zu erkunden.
Dabei ertaste ich zuerst den Lautstärkeregler, der leichtgängig und doch spielfrei läuft. Meine Finger gleiten weiter, gelangen dabei an die wunderbar klickenden Mute- und Phono MM- und MC Kipp-Schalter. Auch den Dreh am Quellenwahlknopf genieße ich, wie er mit sattem Klicken der Relais die einzelnen Eingänge durchschaltet. Kurz bleibe ich an den großen Balance- und Klangreglern hängen, die so kantig wie ehemals sind. Und in der einrastenden Mittelstellung ausgeschaltet.
Ich taste mich weiter, und verpasse dabei fast die drei feingliedrigen Regler. Zuständig sind sie für das VU-Meter, die Auswahl der Lautsprecher und den vierfach trimmbaren Kopfhörer. Weiter geht es über eine kleine Vertiefung, die sich nach einem Kopfhörerausgang mit 6,3 mm Klinke anfühlt. Ganz links gelange ich dann an den Ein- und Ausschalter, und an das Ende der Frontplatte aus stabilem Aluminium. Soll das jetzt das Ende meines Traumes sein? Durch die erneute Berührung mit dem kantigen Metall erwache ich aus dem Halbtraum.
Ich öffne die Augen und reibe sie mir. Nein, Traum und Wahrheit vermischen sich miteinander. Der Yamaha A-S2200 steht leibhaftig vor mir. Ich bin hellauf begeistert! Mmm, diese auf Hochglanz polierten massiven Holzseiten machen ja schon was her. Klangliche Auswirkungen dürften das geringste Argument für ihre Anwesenheit sein, aber das hochwertige Äußere zeigt dann doch die Liebe des Herstellers zu seinem Produkt. Und dass es wohl im Inneren des Verstärkers mit der Qualität der Bauteile so weitergehen dürfte.
So gelange ich zur Rückseite des High End Verstärker um mich mit ihr zu befassen, was mit den nun geöffneten Augen auch definitiv von Vorteil ist. Hier finde ich acht herrlich massive Lautsprecheranschlüsse aus vollem Messing, Bi-Wiring zu fahren ist also möglich. Durch ihre geschickt gewählte, griffige Form lassen sich die Klemmen bestens mit den Fingern drehen.
An vergoldeten Eingängen bietet der A-S2200 eine definitiv absolut ausreichende Vielfalt an. Vier Cinch-Hochpegeleingänge sollten auch für eine umfangreichere Auswahl an Musik-Quellen ausreichen. Einen fünften Eingang, bei dem sich die Phase invertieren lässt, gibt es dann als XLR.
Eingang Numero sechs bietet den Anschluss eines Plattenspieler. Einen eingebauten MM- und MC Phono-Vorverstärker besitzt der Yamaha auch. Dieser ist als Cinch ausgeführt, und lässt sich von der Frontplatte per Drehregler umschalten. Ihr wollt dieses edle Gerät noch in eine Surround-Anlage einschleifen? Kein Problem: Auch dies ist möglich, dafür gibt es einen Eingang, der per Bypass direkt auf die Endstufe geht. Ach ja, einen geregelten Vorverstärker-Ausgang gibt es auch noch, für den Fall der Fälle.
Yamaha A-S2200 – Unter der Haube
Klassisch von außen, modern von innen, so die Maxime von Yamaha. Klassisch ist das massive Gehäuse aus Aluminium, was dafür sorgt, den Klang schädigende Vibrationen im Ansatz zu ersticken. Daher sind auch der Ringkerntrafo, Kondensatoren wie auch die Kühlkörper direkt mit dem stabilen Gehäuse verschraubt, ebenso wie natürlich die Füße aus Messing.
Auch der klassische kräftige Ringkerntrafo hinterlässt einen vertrauenswürdigen Eindruck, dem die vier hinter ihm angeordneten fetten Kondensatoren in nichts hinterherstehen. Für die Übertragung der internen Ströme des komplett symmetrisch aufgebauten Leistungsverstärker verwendet der Yamaha A-S2200 PC-Triple C-Kabel mit einem Durchmesser bis zu 2,7 mm.
Yamaha A-S2200 – Ein paar technische Daten
- 2 * 150 Watt / 4 Ohm
- Dämpfungsfaktor > 250
- 20 Hz – 20 kHz bei 0 / −0,3 dB
- Phono-MC 150 μVrms / 50Ω
- Phono-MM 3,5 mVrms / 47 kΩ
- Cinch 200 mVrms / 47 kΩ
- XLR 200 mVrms / 100 kΩ
- Maße 35 × 157 × 463 mm
- Gewicht 22,7 kg
Eingänge
- 4 * Cinch
- 1 * XLR
- 1 * Phono MM/MC
- 1 * Pre In
Ausgänge
- 1 * Pre Out Cinch
- 1 * Line Out Cinch
- 2 Paar Lautsprecher
Yamaha A-S2200 – Der Klang
Mit welcher Musik beginne ich den Hörtest dieses neuen Boliden? Die Wahl fällt auf das Album AUDIOphile Pearls 11. Audiophil, ja das passt, wie ich finde, gut zu einem High End Verstärker wie dem Yamaha A-S2200. Und um herauszufinden, ob er denn eine klangliche Perle ist. Annie Lennox macht den Anfang mit „Summertime“, ein absolutes Gänsehautlied. Sehr offen und großzügig in der Abbildung legt der A-S2200 los. Allerdings auch leider mit der den Japanern oft nachgesagten Helligkeit, was mir persönlich nicht wirklich zusagt. Hm, was mache ich denn nun, wo ich mich doch so auf diesen Vollverstärker mit der klassischen Optik gefreut habe.
Wie ich so vor mich hindenke, fällt mein Blick auf den großen Karton des Yamaha. Ach ja, der Verstärker kam originalverpackt zu mir, ist also nicht eingespielt, das könnte eine Möglichkeit des mir zu hellen Klang sein. Es gibt ja viele Zeitgenossen, die das Einspielen von HiFi-Geräten für Voodoo halten. Nun, da bin ich definitiv anderer Meinung. Also gibt es für mich nur eins, ich lasse den Yamaha A-S2200 erstmal drei Tage am Stück laufen. Die Wahl der Musikquelle fällt auf den Netzwerkplayer, diese Art der Geräte ist konzeptionell gut für eine Dauerberieselung geeignet.
Und siehe da, geht doch! Das Klavier perlt dezent und klar im Hintergrund, und ertönt mit einem wunderbar fein ausschwingendem Nachhall. Annie Lennox steigt dazu ein und gibt einen schönen Kontrast zu dem Tasteninstrument. Wie sie ihre Stimme aussingen und die Laute in die Länge dehnen kann, ja das gefällt mir. Wie festgenagelt steht Annie zwischen den Standlautsprechern vor mir. Und was ist nun mit der japanischen Hochtonlastigkeit? Die hat sich gelegt. Ok, seinen Charakter verleugnet der Yamaha nicht, muss er aber auch nicht. Der A-S2200 klingt immer noch sehr klar und offen, aber nicht die Spur nervend.
Einer meiner Klassiker muss jetzt ran. Schon lange habe ich euch mit ihr nicht mehr gequält 😉 Haris Alexiou mit „Ja Ena Tango“. Sie geht in diesen Tagen in meinen Gedanken umher, da ich neulich gehört habe, dass sie ihre langjährige Karierre an den Nagel hängt. Gut dass ich diese grandiose Sängerin zweimal live hören durfte, 2014 in der Stuttgarter Liederhalle und vor ewigen Jahren auf einem Open Air Konzert auf Lesbos.
Richtig angeschlossen habe ich meine Lautsprecher, ertönt die Gitarre doch wie gewohnt von rechts. Einwandfrei ist zu hören, dass der Korpus aus Holz ist und die Finger über Saiten aus Stahl flitzen. Auf der linken Seite klappern flott die Kastagnetten. Bei schlecht auflösenden Verstärkern oder Lautsprechern hört man lediglch nur ein einziges, und nicht das Doppelklicken. Im weiteren Verlauf des immer komplexer werdenden Orchesters gibt es eine Stelle, in der es zwei kurz aufeinander folgende Bassschläge gibt. Diese haben zwei dicht beieinander liegende Frequenzen verschiedener Lautstärke, auch dieses Detail wird nicht unterschlagen. Zum Ende hin wird das Stück sehr komplex, doch das macht dem Verstärker überhaupt nichts aus, die Struktur bleibt stehts gewahrt, so gehört sich das
Wie wird der A-S2200 wohl mit den vielfältigen Stimmen von The Fairfield Four umgehen? Am Gesang bei „These Bones“ hat sich schon so manche viel teurere Anlage verschluckt.
Doch der Yamaha macht dies nicht. Ok, der Herr Sänger macht einen etwas schlankeren Eindruck als auf dem Cover. Aber er knorrt mir eins vor, dass es mir eine Freude ist. Sein Kollege mit der herrlich klaren Falsettstimme steht ihm in nichts nach, auch er weiß mich zu begeistern. Wie die fünf Herren dieser frühzeitlichen „Boygroup“ mit ihren Stimmen umgehen, und welch vielfältige Geräusche sie ihnen entlocken können, das macht schon Spass.
Ebenfalls eine knorrige Stimme ist die von Hans Theessink, ihn höre ich mit „Wishing Well“. Traumhaft, wie leichtfüßig flink die Finger von Hans über die Saiten sausen. Beim Gitarre spielen macht ihm so leicht keiner was vor. Welche Klangfarben er diesen 6 Bändern entlockt, das ist schon verblüffend. Prüfstein für den Yamaha ist jetzt die Stimme von Hans Theessink: Oh ja, sie ertönt in der Tat so sonor, wie ich sie von seinen Konzerten her kenne. Von wegen, japanische Verstärker können das nicht. Geht doch! Auch die Gefühle, die der Sänger ihr entlockt, toll. Wer wie ich bereits mehrere Male nur ein paar Meter von ihm entfernt saß, kann dies wohl nachvollziehen. Und so sitze ich hier mit geschlossenen Augen, und Hans erscheint vor mir.
Das Schöne am Album Wishing Well ist ja, und unter anderem deshalb habe ich es für diesen Test ausgewählt, dass ich es auch als LP vorliegen habe. Also ab damit auf den Plattenteller des Rega Planar 6 und mal hören, was der integrierte MC Phonovorverstärker des Yamaha A-S2200 so drauf hat, und wie er mit den zarten Strömen des TAD Excalibur Black umgeht.
Und ich muss sagen, für so ein Einbauteil geht das richtig gut ab. Ok, gegen den Trigon Vanguard III zieht er den Kürzeren, allerdings kostet der auch knappe 700 Euro. Gegenüber dem analogen Cincheingang und dem Musikserver klingt Hans Theessink über den eingebauten Phonozug des Verstärker einen Tacken dunkler und sonorer, wie auch etwas weicher. Einfach „analoger“. Wobei der Grundcharakter und die Feinauflösung des A-S2200 darunter nicht leiden.
Da ich eh gerade beim Probieren bin, und bevor ich es für die Endrunde lauter werden lasse, gönne ich mir die zuvor gehörten Lieder auch noch über den Kopfhörerausgang des Yamaha. Über diesen wird er geradezu zum Chameur und der A-S2200 verliert endgültig das Gerede über den höhenlastigen japanischen Klang. Ist er doch über diesen eher warm und weich abgestimmt, sodass er den Ohren immer ein angenehmer Zeitgenosse bleibt. Seine überzeugende Räumlichkeit behält der Yamaha dabei übrigens bei.
Ruhig melodisch und im Bass kräftig geht es bei Katja Maria Werker und „The Streets Of Africa“ von ihrem Album „Contact Myself“ zu. Die Kunst der Wiedergabe bei diesem Lied ist es, nicht die doch sehr nachdenklich machende Stimme der Sängerin mit dem Tiefton zu übertönen, und so dem Lied seinen ganzen Charme zu nehmen. Diese Differenzierung gelingt dem Vollverstärker wirklich gut. Trotz des schon recht fett abgemischten Bass bleibt die Übersicht stets gewahrt, und die innere Dynamik bruchlos.
Zum guten Abschluss geht es noch kurz eine Runde in die Disco, sinnbildlich… Uii, das wabert aber ordentlich hier. Die leichte Harschheit in der Stimme von Ellie Goulding und ihrem Backgroundchor bringt der Yamaha eins zu eins in die heimische Hütte. Saftig und prall ist der Bass, und immer strukturiert. Der A-S2200 hat meine im Tiefton etwas anspruchsvollen Standlautsprecher bestens im Griff und führt sie an der kurzen Leines. Auch dies kann der kultivierte Verstärker, der A-S2200 ist High End in Reinform.
Yamaha A-S2200 – Fazit
Der Vollverstärker Yamaha A-S2200 begeistert allein schon durch sein klassisches Retro-Design mit den VU-Metern. Seine Verarbeitung mit den massiven Materialien ist absolute Spitzenklasse. Dazu kommt eine umfangreiche Ausstattung inklusive Phono MM- und MC Verstärker. Der A-S2200 besitzt eine tolle Feinzeichung und Auflösung, seine Klänge stellt er großzügig in den Raum. Mühelos treibt er auch im Tiefton anspruchsvolle Lautsprecher an und behält jederzeit den Überblick über das Geschehen.
Im Test
High End Vollverstärker
Yamaha A-S2200
Preis: um 3.000 Euro
Farben: Schwarz, Silber
Vertrieb
Yamaha Music Europe GmbH
Siemensstraße 22-34
25462 Rellingen
Tel.: 04101/303-0
Web: de.yamaha.com
Mitspieler im Test
Quellen digital – Netzwerkspieler Cambridge Audio 851N, CD-Spieler Cambridge Audio 851C, Musikserver Innuos ZEN MK.III
Quellen analog – Plattenspieler Rega Planar 6 mit MM-Tonabnehmer TAD Excalibur Black, Phono MM- & MC Verstärker Trigon Vanguard III
Verstärker – Vorverstärker Cambridge Audio 851E, Endverstärker Cambridge Audio 851W
Lautsprecher – Standlautsprecher LUA Con Espressione, Subwoofer REL R 505, Standlautsprecher Acoustic Energy AE 509
Kopfhörer – Offener Kopfhörer Focal Clear, Kopfhörerverstärker Divaldi AMP-02 mit Phono MM- & MC Stufe
Zubehör – Lautsprecherkabel Supra XL Annorum. XLR- und Cinchkabel Fadel Art Pro Link, Stromkabel Supra LoRad 2.5, Netzleiste PS Audio Dectet, HiFi-Switch NuPrime Omnia SW-8