Test: HiFi-Netzfilter IsoTek V5 Elektra – Reiner Strom für sauberen Klang

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Das Kapitel „Strom“ rückt dem geneigten audiophilen Zuhörer einfach ausgedrückt vermutlich in zwei Stadien ins Bewusstsein. Entweder gleich zu Beginn bei der Zusammenstellung der eigenen HiFi-Anlage oder eben wenn es um deren letzten Feinschliff geht. Zugegeben, ich war diesbezüglich glücklicher Agnostiker, bis ich eines Besseren belehrt wurde. Und zwar von einem günstigen Dynavox Netzfilter, den ich einfach aus reiner Neugier mit ins Boot genommen hatte. Schließlich, und da werden mir die meisten Leser sicher beipflichten, zeichnet sich der audiophile Zeitgenosse durch einen schier unbändigen Optimierungs- und Ausprobiertrieb aus, stets dem Ziel natürliches Klangbild ein Stückchen näher zu kommen.

Das IsoTek, der aus dem Vereinten Königreich stammende Hersteller, seinen Netzfilter nach einer der griechischen Mythologie entlehnten Figur zu benennen wagt, nötigt mir durchaus Anerkennung ab, weil in diesem Wortspiel und bei näherer Betrachtung gleich mehrere Verbindungen geschlagen werden. Zwar „elektrisierte“ besagte Elektra ganze Generationen von Künstlern und Musikern, aber eben deswegen, weil sie sowohl den Liebhaber der Mutter wie auch letztere über die Klinge springen ließ und das mit großer Gründlichkeit. Künstler und Musiker verbergen sich tontechnisch betrachtet in der heutigen Zeit in der „Konserve“ und um diese zu öffnen, benötigt es eben Elektrizität. Aber nicht irgendwelche, was wiederum den Aspekt der Gründlichkeit in Erinnerung ruft. Wie also lässt sich beim Thema Strom Gründlichkeit und sogar Charakter auf einen Nenner bringen?

Versuchen wir uns heranzutasten, am Besten ohne hochtrabende Thesen, sondern mit aus dem Leben gegriffenen Beispielen. Mich persönlich hat es ja schon recht lange gewurmt, dass, verglichen mit gewöhnlichen Werktagen, stets am Wochenende eine klanglich deutlich überzeugendere Darbietung zu vernehmen war. Strom ist Strom dachte ich bei mir, da dürfte doch sicherlich ein hörpsychologischer Effekt eine Rolle spielen, denn unser Gehör ist unter der Woche zahlreichen Belastungen und Einflüssen ausgesetzt, während es für gewöhnlich und bei den allermeisten am Wochenende zur Ruhe kommt. Aber der Effekt blieb auch während einer Urlaubswoche im gleichen Umfang erhalten, was besagte These schnell widerlegte. Kann es also denn doch nicht sein, dass es etwas mit dem Strom zu tun haben könnte? Gibt es das überhaupt, sauberen und nicht sauberen Strom?

Nun, in Ermangelung eines Studiums der Elektrotechnik kann ich hier nicht mit wissenschaftlicher Exegese auftrumpfen, versuche es aber mit logischer Annäherung. Elektrizität ist die Hauptzutat für den Musikgenuss schlechthin. Ohne Strom würden wir überhaupt nichts hören und könnten unseren Gerätschaften lediglich bei ihrer physischen Präsenz zuschauen. Die Musik die wir hören, sind salopp formuliert, letztlich akustische Signale, die vom aufgenommenen Strom aufmoduliert werden. Schauen wir uns an, wo Ungemach entstehen kann. Wer im Altbau wohnt und noch dazu in der Stadt mit mehreren Parteien unter einem Dach, kann sicherlich ein Lied von dürftiger Stromqualität singen können. Belastungen im Netz drücken sich auf unterschiedliche Weise aus und nehmen Einfluss auf die Wiedergabe. Das Ergebnis: Eine flache, lustlose ja gar langweilige Musikreproduktion, oder auch ein harscher, kantiger Charakter in der Wiedergabe, der jegliche Freude am Hören verdirbt. Und hier schließt sich der oben besagte Kreis, Gründlichkeit und Strom resultieren durchaus in einem charakterlichen Attribut, das hörbar und damit erlebbar ist.

Es wäre einfach zu schön um wahr zu sein, dass unser Stromnetz einen konstanten, sauberen Strom liefert. Dazu kommen unfreiwillig eigen verursachte Probleme, wie durch im Haushalt eingesetzte Schaltnetzteile oder Dimmer. Die Liste an stromtechnischen Unwägbarkeiten ließe sich endlos ausdehnen, ob nun hochfrequente Einstreuungen, Störgeräusche von Schaltnetzteilen oder allgemeinen Strom-Schwankungen. Und nicht zu vergessen, jedes angeschlossene Gerät, ob Netzwerk-Switch, Streamer, CD-Spieler oder D/A-Wandler reagiert seinerseits mit dem Netz und speist Störungen wieder ein. Mit flackerndem Licht mag man beispielsweise auch ungern leben und dem Wäschetrockner dürfte das alles akademisch vorkommen, aber jenen das Gras wachsenden hörenden High Ender eben nicht. Ohne nun panisch zu werden, die Netzteile moderner HiFi-Komponenten sind tatsächlich nicht nur Mimöschen, sondern sollten auch in der Lage sein einen ausgleichenden Effekt auszuüben. Aber nicht jeder Hersteller gibt sich hier besondere Mühe unter anderem weil es Kosten verursacht, daher machen separate Stromfilter durchaus Sinn. Und es ist nicht alles schlecht an unserem Stromnetz, aber eben nicht perfekt genug um nicht doch hier und da für unsere Zwecke verbessert zu werden.

IsoTek verfügt über einen über zwei Dekaden umfassenden Erfahrungshorizont im Bereich Stromaufbereitung, schließlich wurde das Unternehmen im Jahr 2001 mit einem Schwerpunkt gerade auf dieser Stromthematik gegründet. Der Gründer, Keith Martin, ist auf vielen Messen stets zu sehen und mit ein wenig Glück auch auf der High End in München für eine Demonstration zu haben. Beim Blick auf das Sortiment von IsoTek staunt man nicht schlecht, es finden sich nicht nur Netzkabel, Lösungen für die passende AV & Hausautomation, Sinuswellengeneratoren, Gleichstrom-Blocker sowie Netzfilter in ganz unterschiedlichen Varianten und Preiskategorien. Wer Wert auf ultimative Qualität setzt, findet hier beispielsweise mit der Titan-Serie ebenso etwas Passendes, wie jemand der einfach nur eine hochqualitative Netzleiste mit Filterung für seine Komponenten sucht. Abgestuft geht es hier von Titan- zur Aquarius-Serie, während als Einstieg die Elektra-Klasse dient. Wie die Nomenklatur schon angibt, ist die V5 eine völlig neu entwickelte Produktgeneration. Warum auf eine vierte Generation verzichtet wird und von der Evo3 Serie gleich zur V5 übergeleitet wird, bleibt vermutlich das Geheimnis von Keith Martin, aber andererseits ist die Zahl „Vier“ im asiatischen Raum nicht unbedingt eine beliebte Zahl, so dass dieser Sprung zumindest aus dieser Betrachtung durchaus Sinn ergeben könnte.

Schauen wir uns hierzu den Netzfilter V5 Elektra ein wenig genauer an. Mit einem Gewicht von 9 kg und einem Gardemaß von 43,5 cm Breite, 10,6 cm Höhe und einer Tiefe von 35 cm wirkt das Ganze alles andere als beiläufig, sondern will im Rack als vollwertiges Mitglied wahrgenommen werden. Wohin man blickt, massives Metall, das mit sanften Rundungen ein eher progressives Design aufgreift, statt wie die Vorgängergenerationen auf technisch geprägten, kantigen Auftritt zu setzen. Auf der Rückseite präsentieren sich insgesamt sechs Anschlussmöglichkeiten für diverse HiFi-Gerätschaften, davon zwei abgesichert mit 10 A und damit gedacht für leistungshungrige Verbraucher wie Subwoofer,Verstärker, Endstufen oder Aktivlautsprecher und vier mit je 5 Ampere für Streamer, D/A-Wandler oder sonstige Zuspieler. Die Steckdosen zeigen mit hochwertigem Sitz und Passgenauigkeit schon mal auf, dass hier nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Das kann bei einem Preis von 1.599 Euro ja auch durchaus erwartet werden. In Sachen Verarbeitung und qualitative Anmutung jedenfalls gibt sich die IsoTek V5 Elektra keinerlei Blöße, sondern vermittelt unverwüstliche Solidität. Beim Blick ins Innere zeigt sich dem Betrachter nicht die erwartete Bauteile-Flut, sondern eher sortierte Übersichtlichkeit.

Was sich im Inneren dem Betrachter offenbart ist zunächst ein in der Regel für Netzfilter typischer Einsatz von Kondensatoren und Spulen. Die einzelnen Stromausgänge sollen sich tunlichst nicht nicht gegenseitig beeinflussen, weswegen sich die Filter-Bauteile auch in einer schwarzen Masse eingegossen wiederfinden. Das erinnert mich ein wenig an die vergossenen Netzteile meiner Sony Endstufen aus den 90er Jahren, denen dadurch Mikrofonie-Effekte und sonstige Einstreuungen vom Hals gehalten werden sollten. Laut IsoTek wirken auf die beiden Hochstromausgänge zwei, auf die vier anderen Strom-Ausgänge insgesamt sechs dedizierte Filterstufen, die im Verbund mit dem Verzicht einer Reihenschaltung der Ausgänge, sowohl Gegen- als auch Gleichtakt-Störungen deutlich eliminieren sollen.

Bei der Innenverkabelung gibt der Hersteller an, statt auf günstiges Material auf hochreine 6N Kupferstränge mit einer Stärke von 2 mm und zusätzlicher Versilberung zu setzen. Auch die sternförmige Verdrahtung der Erdung soll für besseren Klang sorgen, zumal sich der Hersteller hierzu auch einen System Link ausgedacht hat, der ohne diese Parameter zu verändern den Anschluss einer weiteren V5 Elektra oder anderer V5 Leisten ermöglicht. Was vielleicht für viele ein durchaus interessantes Feature sein dürfte, ist der integrierte Blitzschutz, im kurzzeitigen Maximum bei bis zu laut IsoTek 67.500 A noch im Falle der Fälle eingreift und die sensible und teure HiFi-Elektronik vor dem Schlimmsten bewahrt.

Natürlich geizt IsoTek nicht mit Begrifflichkeiten wie Shunt Filter, Delta Filter, K.E.R.P, und Adaptive Gating, was sich alles zwar für einen Nicht-Ingenieur doch recht kryptisch liest. Die K.E.R.P. Schaltung, so ist zu lesen, soll störende Rückwirkungen von benachbarten Ausgängen fernhalten, während überall die konstant identische Leistung anliegt. Man könnte vermutlich noch länger über die Begrifflichkeiten sinnieren, aber letztlich geht es ja auch nicht um die Aufzählung von herstellerseitigen Features, sondern um das klangliche Ergebnis. Übrigens, die Inbetriebnahme ist selbsterklärend und was vielleicht noch zu erwähnen ist, IsoTek liefert ein hochwertiges Stromkabel mit, welches die Elektra V5 direkt mit dem Stromnetz verbindet. Das zeugt von Konsistenz, denn würde man hier ein billiges Beipackkabel vorfinden, würde mich das schon stutzig machen. Jedenfalls, das beiliegende Initium-Kabel wäre an sich schon eine eigene Besprechung wert und auch wenn ich es noch nicht mit mein Boaacoustic Evolution BLACK.Power-16 Netzkabel vergleichen konnte, macht es dennoch einen hochwertigen Eindruck. Haptik und Verarbeitung sind auch hier bemerkenswert.


Hörtest IsoTek Elektra V5

Wie ich eingangs erwähnte, war ich lange Zeit der Meinung, dass das Thema Stromkabel und Strom an sich gar keines sein kann. Das war für mein Dafürhalten alles HiFi-Voodoo und reichlich Marketing-Sprech der Hersteller. Bestes Beispiel war mein 5 Euro USB-Drucker-Kabel, das ich für vollkommen ausreichend hielt, sind doch nur Nullen und Einsen… Tja, das wurde schnell Makulatur, nachdem ein befreundeter Chefredakteur ein durchaus noch bezahlbares USB-Kabel kommentarlos vorbeischickte. Das Ergebnis haute mich beinahe von Hörplatz, ich hatte viel Klangpotential einfach jahrelang grundlos außen vor liegen lassen. Natürlich machte mich das neugierig und ich probierte jede Menge Sachen aus, während des Corona-Lockdowns blieb ja auch viel Zeit dafür. Manchmal passiert selbst mit wenig Aufwand viel, nur die galvanische Trennung zwischen Router und Netzwerk-Player der Vollständigkeit halber mal erwähnt. Ja selbst, die fürs Streaming vollkommen unterforderten CAT-8 Netzwerkkabel sind wegen ihrer meist hochwertigen Schirmung, zumindest für mich, die bessere Wahl. Ich könnte damit noch stundenlang weitermachen, aber wir wollen ja noch klären, wie sich die IsoTek V5 Elektra aufs Ergebnis auswirkt.

Also, Strom? Das kann doch nicht wirklich sein, war mein ursprünglicher Gedanke. Und dennoch, es ist verblüffend. Ich kann nur ermuntern sich beim Händler des Vertrauens, oder manche Hersteller versenden auch Probier-Pakete, sich die Zeit zu nehmen und mit eigenen Ohren am eigenen Setup einiges auszuprobieren. Jedenfalls hatte ich unter anderem mit einem Stromkabel des deutschen Herstellers Boaacoustic an meinem Röhrenverstärker mein Aha-Erlebnis. Der Klang wirkte gehaltvoller, substanzieller und das bei einer gesteigerten Durchhörbarkeit. Es gab mehr Schub sowohl im Tiefen- als auch im Mittenband, ohne dass es dabei aufgesetzt wirkte. Viel mehr wirkte das Klangbild in der Gesamtbetrachtung harmonischer, stimmiger, kräftiger und somit auch natürlicher.

Und so stellte sich mir folgerichtig die Frage, ob denn auch eine hochwertige Netzleiste nicht auch einen Beitrag in Richtung audiophiler Vollendung leisten könnte. Irgendwie hat man ja seine Gerätschaften selektiert und ganz ehrlich, wenn Neuanschaffungen sowieso nicht geplant sind, dann will man, je nach Betrachtungsweise einfach das letzte oder erste Wegstück optimieren. Ich hatte ja erwähnt, dass ich da bereits leichte Erfahrungen versuchte zu sammeln und über die Jahre flogen die bekannten Baumarktleisten raus und wurden von robusteren und höherwertigeren Leisten ohne Netzschalter abgelöst. Was schon mal wie ich finde, einen kleinen Unterschied ausmachte. Als weiterer Step erwies sich der Dynavox Netzfilter X4100. Und IsoTek V5 Elektra? Dazu kommen wir jetzt.

Da sich im Hörraum gleich mehrere Gerätschaften versammeln, machte es für mich durchaus Sinn, gleich drei unterschiedliche Konstellationen mit der Elektra auszuprobieren. Allesamt vorher an einer normalen Leiste angeschlossen, so dass sich die klangliche Unterscheidung alleine darauf bezieht. Bei meiner ersten Installation versorgt die IsoTek V5 Elektra einen Linn Sneaky DS Streamer sowie den Nubert ampX mit der notwendigen Elektrizität. Daran angeschlossen die Kompaktboxen Bowers & Wilkins CM5, die seit vielen Jahren ihrer Arbeit nachgehen.

Da mir die klanglichen Meriten also durchaus aufgrund des tagtäglichen Gebrauchs sehr vertraut sind, fiel mir fast der Cremant aus der Hand, als via Roon und mit 88,2 kHz hochaufgelöst über Qobuz das Stück „Emilia“ von Ted Poor (Album: You Already Know) mit Einbeziehung des V5 Elektra Netzfilters angestimmt wurde. Holla, die Waldfee! Da ist doch unüberhörbar eine ordentliche Zunahme an Sauberkeit, Druck und Umriss im Bass zu vernehmen. Es entsteht glatt der Eindruck, dass das Ganze eine Oktave tiefer hinab reicht, was an für sich rein technisch gar nicht sein kann. Den Effekt erkläre ich mir aber damit, dass der Bass nicht nur auf der wärmeren Seite von Neutral, sondern auch schwärzer, trockener und sauberer erklingt. Dabei gibt er damit einhergehend mehr räumliche Informationen frei und ist schlicht präsenter, informativer, schwebender und lässiger. Kurzum, die Trommelanschläge haben mit dem IsoTek V5 Elektra Netzfilter, mehr Biss, sind feindynamisch betrachtet explosiver, haben jetzt mehr Tiefe und Kontur als vorher. Puh, da muss ich nachschenken, das alles macht einen trockenen Mund, zum Glück ist der Cremant schnell zur Hand.

Aber auch im Mittenband passiert etwas, die natürliche Instrumentierung erklingt spürbar intensiver und selbstbewusster. Das Saxophon präsentiert sich dabei facettenreicher, leuchtender ohne sich dabei zu präsent darzustellen. Feinere Abstufungen bei den Tonwechseln werden deutlicher hörbar, insgesamt sind damit auch dynamische Veränderungen nachvollziehbarer und verleihen dem Stück dadurch mehr Tiefe und Intensität. Richtig perkussiv geht es bei „Only You“, dem nachfolgenden Track zur Sache. Das wiederum erlaubt eine gute Einschätzung darüber, was sich in den oberen Lagen verändert hat. Und hier wirkten die oberen Register wiederum ein Stück nivellierter, will sagen, wo vorher ein Prise zuviel Schärfe das Ganze bisweilen ein wenig angestrengt wirken ließ, stellt sich nun eine sanftere, seidigere aber dennoch offener wirkende Transparenz ein. So drängelt sich also das obere Ende des Frequenzspektrums nicht übereifrig hervor, sondern wirkt kohärenter in Mitten- und Tiefband eingebunden. Die Tonalität wirkt dadurch insgesamt harmonischer, aber durch die ausbalancierte Nivellierung insgesamt eine Spur organischer. Wo vorher eine kantiger wirkende Spielweise zu prominenter und damit letztlich ermüdender Vordergründigkeit führte, gesellt sich nun eine involvierend klarere und das ist das faszinierende, eben deutlich entspanntere Gangart hinzu.

Auch bei der Räumlichkeit tut sich etwas, die Ausdehnung in die Breite, insbesondere an die Seitenränder wirkt nun trennschärfer, was für eine bessere Differenzierung sorgt. Auch die Abbildung der Phantommitte zeigt sich greifbarer und stabiler. Spürbar mehr Tiefe kommt nicht hinzu, aber die sonst gefühlt vordergründige Spielweise tritt nun einen Schritt zurück und lässt das Geschehen plastischer wirken. Damit fällt es leichter, das wie ich es gerne nenne, layering, also die einzelnen räumlichen Ebenen bzw. den räumlichen Abstand zwischen den Akteuren auszumachen. Das führt zu einer höheren Abbildungspräzision und Abgrenzung, so dass eine klarere Positionierung der klanglichen Ereignisse leichter von der Hand geht und so letztlich eine deutlicher wahrnehmbare Musikalität die Folge ist.

Ein anderer Tag, ein anderes Setup. Weil mich auch bei aktiven Lautsprechern das Thema Strom beschäftigt, war ich natürlich auf die beiden gefilterten Hochstromausgänge der V5 Elektra in dieser Konstellation gespannt. Man sagt gefilterten Ausgängen ja durchaus gebremste Dynamik und ein eher anämisches Klangbild nach, aber davon war hier bei den beiden KEF LS50 Wireless II rein gar nichts zu spüren. Erneut via Roon eingebunden und von Qobuz in 24 bit / 96 kHz beigesteuert, erklingt der „Ring Song“ von Laura Veirs mit einem deutlich entspannteren Hochton-Bouquet. Mit feinerer Auflösung, so nehme ich es wahr, präsentieren sich hintergründigere Details müheloser und frei von einer sonst leichten Kühle und Strenge. Dabei ist es mir durchaus wichtig zu betonen, dass wir hier nicht über Spreizungen in der Wahrnehmung sprechen, wie wenn zwei unterschiedliche Lautsprecher neben einander stehen. Nein, viel mehr sind es kleinere, subtilere Feinheiten, die aber die Wirkung des Gehörten in Richtung stimmigerer, griffigerer und kohärenter Spielweise verschieben. Dabei wirkt das Stück unangestrengter und die vorher nach längeren Hörsessions doch hin und wieder aufgrund der betonteren Transparenz wahrgenommene Nüchternheit, weicht einer seidig-zarten Intonation, ohne das Differenzierungsvermögen dabei einzuschränken. Im Gegenteil, auch hier wirkt der musikalische Fluss flüssiger und wenn man so will auch schlüssiger.

Die Stimme von Laura Veirs zeigt sich dabei nuancierter, mit feineren Abstufungen in der Tonvariation und damit organischer wirkenden Natürlichkeit. Das erstaunt mich doch gehörig, hier finden eine neutrale Darstellung und ein natürlich wirkender Farbenreichtum ausbalanciert zusammen, was mich stande pede an einen 2018er Les Cocaliéres der Domaine D‘Aupilhac erinnert, der folgerichtig subito im Rotweinkelch fortan die Hörsession begleitet. Dabei kommt über die V5 Elektra noch eine Kleinigkeit zu Tage, bei der stimmlichen Darbietung klebt diese nicht mehr im Zentrum der Lautsprecher, sondern wirkt losgelöster und freier.

Evidenzprüfung mit einer weiteren Frauenstimme. Wirkte das Stück „Vaermin“ von Tara Norma Doyle bisweilen, speziell wenn der Pegel höher wurde nervös und eingeschnürt, zusätzlich kantig und glasig, nivelliert sich über die V5 Elektra all dies in eine andere Richtung. Das leicht angestrengte weicht, die Stimme entfaltet sich mit deutlicherem Ausdruck, ohne zerfasert oder komprimiert zu wirken. War vieles etwas blasser, gerade im Stimmbereich, rückt es mit der V5 Elektra wieder mehr in Richtung auf der leicht wärmeren Seite von Neutral. So als ob man ein verblichenes Bild voller Sepia Tönen einem neuen Abzug aus dem Original entgegenhält. Auffällig ist auch eine impulsivere und vor allem flüssigere Spielweise, das mag vielleicht daran liegen, dass die Ereignisse aus der zweiten und dritten Ebene innerhalb der Aufnahme nunmehr unterscheidbarer wahrnehmbar sind und auch der Tiefton viel mehr Informationen übermittelt, statt nur Krawall zu machen. Diese aufgeräumte Art macht Spaß und liefert eine direktere, intensivere und involvierende Verbindung zum musikalischen Geschehen.

Da sich sowohl der Mutec MC-3 +USB, wie auch der Referenztaktgeber Mutec REF 10 120 SE in greifbarer Nähe befinden, werden auch diese kurzerhand mit dem IsoTek V5 Elektra Netzfilter verbandelt. Vorneweg, hier nehme ich ziemlich rasch eine gesteigerte Separationsfähigkeit wahr. Zugeben auch, dass ich ein Verfechter des richtigen Phasenanschlusses bin, für viele vielleicht eine vernachlässigbare Größe, aber für jeden kostengünstig durch Umstecken heraus hörbar. Also stimmen all diese Faktoren, dann sind die Vorzüge der V5 Elektra auch in dieser Konstellation ganz deutlich bei „s klane Glücksspiel“ von Voodoo Jürgens herauszuhören. Man hört wunderbar in die Ebenen hinein, die Sprachverständlichkeit nimmt dabei zu ohne das Sibilanten übereifrig anwachsen, eher das Gegenteil ist der Fall. Die famose Präzision und Klarheit lässt alles losgelöster und musikalischer wirken, so dass man sich kaum davon loseisen kann. Beim Stück „Gitti“ zeigen sich die obersten Lagen nunmehr eine Nuance freier und durchhörbarer, ohne jegliches harsches Umschwenken. Auch die vielen S- und Zischlaute wirken harmonischer und langzeittauglicher. Der Pluspunkt der V5 Elektra hier: man hört klarer, deutlicher und das stressfreier, dennoch gleichzeitig tonal in der Gesamtschau dynamischer und nicht gebremster. Das so erscheint mir, ist dabei ihre hohe Kunst. Bei Nightfall von Till Brönner komme ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus. So sauber, klar und definiert der Bass, dass mir beinahe die Spucke wegbleibt. Unglaublich, wie variantenreich, konturiert, füllig und gleichzeitig kernig und druckvoll alles wirkt ohne tonal die Balance zu verlieren. Das lobe ich mir und darauf einen Killepitsch.


IsoTek V5 Elektra – Fazit

Die IsoTek V5 Netzfilterleiste wird sicherlich für all diejenigen von Relevanz sein, die keinerlei Kompromisse oder halbe Lösungen bevorzugen. Natürlich wirken 1.599 Euro für einen Netzfilter ziemlich üppig, sind aber meines Erachtens eine langfristig lohnende Investition. Zum Einen hat man damit nicht nur eine Absicherung im Fall einer Überspannung, sondern auch das gute Gefühl in Sachen Strom nichts dem Zufall überlassen zu haben. Die V5 Elektra ist eindeutig eine Kathedrale des Stroms, sie nutzt ihre Fähigkeiten um den daran angeschlossenen Geräten nicht nur jegliche Unbill vom Leib zu halten, sondern auch deren klangliches Potential vollends zur Geltung zu bringen. Dabei tendiert sie tonal zu keinerlei verschüchtert zurückhaltenden Ausdrucksweise, sondern sorgt für ein sauberes, dynamisches und neutral ausbalanciertes Klangbild, das Schärfen nimmt und eine angenehme, schlüssige und ganzheitlich involvierende Spielweise zur Folge hat.


Im Test

HiFi-Netzfilter
IsoTek V5 Elektra
Preis: 1.599 €
Größe: 43,5*10,6*35,0 cm
Gewicht: 10 kg
Gehäuse: Schwarz / Silber


Kontakt

IDC Klaassen International Distribution & Consulting oHG
Am Brambusch 22
44536 Lünen

Tel.: +49 231 9860285
Mail: info(at)mkidc.eu
Web: www.idc-klaassen.com
Web: www.isoteksystems.com


Mitspieler im Test

Streaming-Verstärker – Digital-Verstärker Elac EA101EQ-G, Waversa WSlim Lite
Quellen analog – Plattenspieler Linn LP12 mit MC-Tonabnehmer Audio Technica AT OC9ML/II, Phono MM- & MC Mytek Brooklyn DAC mit Phono Stufe
Verstärker – Vollverstärker NAD 316BEE, Sony TA-DA 9000 ES
Lautsprecher – Standlautsprecher Isophon Vertigo, Aktivlautsprecher Nubert  nuPro X-8000
Kopfhörer – Offener Kopfhörer Focal Elear, beyerdynamic T1 3rd.Gen. Kopfhörerverstärker Chord Hugo 2 & 2go
Zubehör – Lautsprecherkabel Supra Ply 2×3.4, XLR-Kabel Boaacoustic Evolution BLACK.xlr-8, USB-Kabel: Boaacoustic Silver Digital Xeno / Boaacoustic Evolution BLACK.usb.2.0, Cinch-Kabel: Cordial, S/PDIF-Kabel: Cordial / Boaacoustic Evolution BLACK.digital, HiFi-Switch NuPrime Omnia SW-8, Netzwerk-Switch D-Link DGS-108

About Author

Bereits als Kind mit einer WEGA Anlage samt WEGA Plattenspieler der älteren Geschwister konditioniert worden. Die Nachwirkungen sind bis heute spürbar. Daraus ist mit der Zeit die Achse des Wohlgenusses erwachsen, Musik, Wein, Technik. In Verbindung mit einem rastlosen Entdecker- und Forscherdrang wird daraus ein immer währendes Vergnügen. Sich hierbei weiter entwickeln, austauschen und nie stillstehen ist zum Lebensmotto geworden.

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