Test: 4 verschiedene Lautsprecherkabel

4 Lautsprecherkabel
4 Lautsprecherkabel im Vergleich. Bild: S. Borowski

Es wird viel über den Klang von Kabeln diskutiert. Dies sehr kontrovers.  Es gibt die, die es für Quatsch halten und die, die es für den Klang einer Kombination für unerlässlich deklarieren, beziehungweise subjektiv auditiv detektieren. Technisch wird über Induktion usw. diskutiert. Die Gegenfront argumentiert, dass diese Messdaten klanglich so gering sind, dass ein Klangunterschied nicht hörbar sei bzw. sein kann.

Wir haben trotz vieler Tests und Forendiskussionen einen Test von 4 Lautsprecherkabeln bzw. HiFi IFA Check durchgeführt.

Die Kandidaten:

1. Baumarkt Lautsprecher Kabel

Lautsprecherkabel Schweinekabel
Lautsprecherkabel aus dem Baumarkt. Bild: S. Borowski

 

2. Lua Blue Reference

LUA Blue Reference Lautsprecherkabel. Bild: S. Borowski

 

3. Fadel Art Stream Flex Plus

Fadel Art StreamFlex Plus
Fadel Art StreamFlex Plus Lautsprecherkabel. Bild: S. Borowski

 

4. Supra Cable XL Annorum

Supra Annorum XL
Supra Annorum XL Lautsprecherkabel. Bild: S. Borowski

Der Hörcheck:

Das erste Kabel, dass zeigen durfte, was es drauf hat, war das Baumarkt Kabel.

Kabel korrekt mit den Endstufen verbunden ging es los. Lange her, dass ich so ein Kabel gehört habe. Was hörten nun meine Ohren, bzw. was nahm ich cerebral wahr? Man kann es kaum definieren, da es einfach so undefiniert und völlig diffus klang. Es war nichts ortbar. Die Musik kam irgendwo her. Das ganze schleppend, belanglos und kaum zu ertragen. Mein Hirn versuchte irgendwie das Klangbild zu sortieren. Keine Chance. Irgendwie kamen Stimmen ohne plastischen Körper aus dem rechten und linken Lautsprecher. Der Bass schwach, unkontrolliert und irgendwo diffus im Hörraum. Nicht im Ansatz ein Gefühl von Bühne, geschweige denn von körperhafter Ausformung eines spielenden Instruments. Nach 5 Minuten haben wir dann abgebrochen, da es nicht zu ertragen war. Es klang, als hätte man alle Phasen verdreht und schlimmer. Wer jetzt meint, das lag an der Kombination, schlechte Bauteile der Elektronik, der irrt gewaltig. Es ist definitiv nur das Kabel, das für diesen miesen Klang verantwortlich ist, der für mich nicht ertragbar war. Das erste Indiz dafür, wie wichtig ein Kabel ist. Besonders das Lautsprecherkabel. Sollte es so weiter gehen und die These, alle Lautsprecherkabel klingen gleich? Wir hörten und testeten weiter.

Wir befreiten nun die Endstufe von der Baumarkt Strippe und verkabelten die Lautsprecher und die Endstufe mit dem LUA Blue Reference Kabel. Gleich bei den ersten Tönen war es eine Wohltat, wieder differenziert zu hören. Stimmen in der Mitte. Instrumente waren plastisch und detailliert hörbar im Raum. Der Bass wieder mit Konturen und ortbar. Keine Anzeichen von Diffusität. Ein heftiger Unterschied. Da liegen wahre Welten dazwischen, die noch nicht mal der Tausch von Elektronik oder Lautsprecher schaffen. Informationen, die das Baumarktkabel nicht im Ansatz fähig war zu reproduzieren, machte das LUA Kabel wieder deutlich hörbar. Die Kehle der Stimme von Haris Alexiou. Die Dynamik des Track “Wheel” mit eine detaillierten Übersicht des Orchesters. Das Klavier zum Beginn von Jocelyn B. Smith “If I need you” hatte wieder einen Standort und perlte vor sich hin. Welch Wohltat für Ohren, Kopf und Musikgenuss.

Kam nun das Fadel Art Stream Flex Plus. Preislich deutlich über dem LUA Blue Reference. Aber nicht mehr erhältlich das Fadel Art, da die Firma nicht mehr existiert. Eventuell über den Gebrauchtmarkt. e-bay, audio markt, wmp-forum, Magazine etc. Stellt sich hier die Frage, ob ein über 3  1/2 mal so teures Lautsprecher Kabel einen hörbaren Unterschied bringen kann und das in Zugewinn einer besseren Klangperformance. Die Hörreferencen wieder in gleicher Reihenfolge abgespielt. Es dauerte keine Minute, in der die Frage aus unserer Sicht klar beantwortet werden konnte. Definitiv Ja. Der Unterschied war sehr groß. Der Raum machte nach hinten und zu den Seiten auf. Alles wurde wesentlich plastischer und holographischer. Der Bass klarer kontrolliert. Gerade bei der Dynamik von Adriana Kuzerova. Der Kontrabass in den energiegeladenen Passsagen war deutlich ortbarer und authentischer. Die Stimmen crisper, anmachender und mit mehr Information. Das Fadel Kabel machte die Musik einfach auf und real erlebbarer. Das bewirkte ein emotionaleres, ein realistischeres Erleben der spielenden Musik. Man war mehr drin und näher an der Musik.

Dann ging es preislich wieder runter mit dem Supra Cable XL Annorum, ein Drittel des Fadel Lautsprecherkabel. Unsere Vermutung war klanglich zwischen der LUA LS Strippe und dem Fadel Art Stream Flex Plus. War die Verbindung hergestellt und die ersten Töne verliessen wieder die Chassis der Lua Con Espressione, kam uns ein grosses ….bitte was.? Unsere Erwartungshaltung kehrte sich in ein großes Erstaunen um. Kann nicht sein. Oh doch. Das Supra XL Annorum spielte das Fadel Art fast an die Wand. Die Energie, die das Kabel in die Musik steckt, ist phänomenal. Wie schnell dieses Kabel Impulse umsetzt. Genial. Das Timing und die Zeitrichtigkeit der Wiedergabe gewann im Vergleich zum Fadel deutlich. Bei dem Track “Wheel” war das brachiale Orchester auf den Punkt zusammen und klarer. Die Übersicht deutlich strukturierter. Einfach grösser, kraftvoller und mächtiger. Beim Klavier als Vorspiel des Stückes “If I need you” strotzte das Tasteninstrument vor mehr Feindynamik mit kleinsten schwebenden Verästelungen und mehr feinster Informationen. Die Seitenanschläge perlten vor sich hin. Ein absoluter Genuss. Auch plastisch noch holographischer als das Fadel Art. Der Raum machte nochmals mehr auf, so dass die realistische Abbildung an Authentizität gewann. Alle drei Frauenstimmen bekamen mehr Schmelz und Definition. Wie sagt man so schön? Alles spielt wie aus einem Guss auf den Punkt. Es ist einfach mehr Musik da und klingt stimmiger und echter. Es klingt nicht anders. Sondern besser.  Das hätten wir so nicht gedacht. Natürlich denken wir nicht, weil teurer gleich besser. Bei weitem nicht. Nur  hatten wir das Fadel Art musikalisch klanglich lieb gewonnen und waren vor einem halben Jahr sehr begeistert. Sind wir auch jetzt noch. Nur, das Supra Cable Annorum setzte dem einfach in allen Klangbereichen derbe einen drauf. Es spielte auch lauter, so dass wir einen Pegelangleich vornehmen mussten.

Das zu den einzelnen gehörten Kabeldrähten zwischen Amp und Lautsprecher.

Über S. Brochowski (spectralML) 87 Artikel

Lebenskünstler, Musiker, Tonstudio und Mastering.

Tolle Menschen, die einen umgeben und gutes Essen sind unabdingbar.
Musikliebhaber und High End Verrückter,
mit dem Ziel des Real Live Hearing der authentischen Wiedergabe von Musik.
Spezializiert auf High End Tuning.

1 Kommentar

  1. Tja, was soll ich da nun noch zu sagen? Bin bei Themen dieser Art in der Regel etwas skeptischer und weniger euphorisch als mein Vorredner 😉

    Das Kabel aus dem Baumarkt erfüllt halt seinen Zweck, was anders wird auch von diesen Herstellern nicht behauptet. Und Musik kommt schon aus der Anlage raus, nur nicht nach jedermanns Geschmack bzw. Gehör.

    Das LUA Blue Reference ist da schon eine andere Nummer. Ok, schon ein paar Tage auf dem Markt und wohl oft genug besprochen und getestet. Auf jeden Fall klingt dieses Kabel wesentlich besser als die Einfachstrippe! Auch in meinen Ohren ein großes Mehr an Raumdarstellung. Im Tiefton wesentlich strukturierter und sauberer. Im Mittel- und Hochton feiner auflösend. Dazu Stimmen mit mehr Schmelz und crisper. Auch aktuell hat dieses Kabel noch immer seine Berechtigung!

    Dann das Fadel Art Stream Flex Plus. Leider ist Hr. Fadel vor einigen Jahren gestorben, wer weiß, was er sonst noch Gutes entwickelt hätte. Gegenüber dem LUA Blue Reference noch präziser und mehr Feinauflösung, nochmals mehr Bühnendarstellung in alle Dimensionen. Dazu eine leicht warme Abstimmung vor allem im Hochton und bei S-Lauten. Wem z. Bsp. Katie Melua zu sehr im Ohr zischelt, dem sei dieses Kabel wärmstens empfohlen.

    Das Supra XL Annorum war dann für mich der Kabelhit 2017! Was hier an Klarheit sowie Verständlichkeit geboten wurde, war der Hammer! Und dabei wurde das Klangbild nicht kühl, sondern es gab einen minimalen äußerst angenehmen Schuss Wärme. Der Raum, Wahnsinn, die Wand hinter den Boxen verschwand, genial diese Abbildung. Streicher die nicht nerven. Der Tiefton sowas von kontrolliert, klar und schnell. Christine and the Queens mit dem Stück “Chaleur Humaine” ging in unserem Hörraum aufgrund des pumpenden Basses nie über Zimmerlautstärke, jetzt ja! Chapeau Supra!!! Ein besseres Lautsprecherkabel als das Supra XL Annorum gibt es aus meiner Sicht kaum bis zum kleineren 4-stelligen Preis zu kaufen.

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