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Konzerte

Oper Konzert – Die Liebe zu drei Orangen von Sergej Prokofjew im Opernhaus Stuttgart

Falk VisariusBy Falk Visarius13. Januar 2019

Oper Konzert – Die Liebe zu drei Orangen von Sergej Prokofjew im Opernhaus Stuttgart

Nachdem uns derletzt mit „Il barbiere di Siviglia“ oder „Der Barbier von Sevilla“ eine komische Oper in der Staatsoper Stuttgart bestens unterhalten und aus dem Alltag entführt hat, sollte es zu Beginn des Jahres 2019 „Die Liebe zu drei Orangen“ von Sergej Prokofjew sein. Die Oper wurde am 30.12.1921 in Chicago ur-aufgeführt und entstand unter dem Eindruck von Prokofjews Umzug von Russland in die Vereinigten Staaten im Jahre 1918.

Szenenfoto (Quelle: Oper Stuttgart)
Szenenfoto (Quelle: Oper Stuttgart)

Die Handlung der Oper fasst sich kurz so zusammen: Der Prinz, der Sohn des Königs Treff, leidet unter melancholischer Hypochondrie. Der König sorgt sich, das der reichlich dümmlich wirkende Prinz nicht fähig ist, seine Regentschaft fortzuführen. Die anderen Aspiranten auf den Thron hält der König für böse und intrigant. Also ungeeignet. Was die weitere Handlung natürlich trefflich belegt. Wohlgesonnene Berater des Königs versprechen sich die Heilung des Prinzen, indem man ihn schlicht zum Lachen bringt. Diese undankbare Aufgabe fällt Truffaldino, dem Spaßmacher, zu. Bei einem königlichen Bankett verfällt der Prinz in schadenfrohes Gelächter und wird von der bösen Zauberin Fata Morgana im Gegenzug mit dem Fluch belegt, drei Orangen zu lieben – die er fortan zwanghaft sucht, um seine Liebe zu erfüllen. Die Geschichte entwickelt sich und findet ihr Finale in Kreontas Palast. Nach diversen Komplikationen und dem beherzten Eingreifen verschiedenster Mächte, endet die Geschichte versöhnlich und der genesene und zur Vernunft gekommene Prinz kann seine Angebetete doch heiraten.

 

Opernhaus Stuttgart
Opernhaus Stuttgart (Foto: F. Visarius)

Das Ensemble war vom Schneewetter der letzten Tage leicht gebeutelt. Flugausfälle und eine Erkältung haben den Akteuren an diesem ausverkauften Spielabend zugesetzt. Aber mit Engagement und externer Unterstützung des Ensembles ging es fürs Publikum ins Vergnügen und in zwei unterhaltsame Stunden mit 4 Akten und 10 Bildern. Die Stimmung, etwas bewegen zu wollen, erlebt man so nur live auf der Bühne – nicht aus der Konserve. Hut ab. Die Lücken in den Reihen der Besucher zeigte übrigens, das auch das Publikum vom Wetter nicht verschont blieb.
„Die Liebe zu drei Orangen“ richtet sich thematisch, aber auch in der Inszenierung an die ganze Familie. Heiter, albern und grotesk beschreibt „Die Liebe zu drei Orangen“ wohl am trefflichsten. Und steht damit diametral der Wagner Inszenierung „Siegfried“ gegenüber, die wir letztes Jahr am Bolschoi-Theater in Moskau erleben durften, gegenüber 😉 Der Opernbesucher muss natürlich bereit sein, sich auf diese Albernheit ein zu lassen. Und die Oper nicht zu ernst zu nehmen. Er sollte aber die musikalische Qualität Prokofjews nicht unterschätzen, die präzise und wohl überlegt das ausgelassene Treiben auf der Bühne untermalt und voranbringt, aber gleichzeitig auch kontrastiert. Meines Erachtens eine Klasse für sich – hervorragend vom Stuttgarter Orchester vorgetragen.

 

Szenenfoto (Quelle: Oper Stuttgart)
Szenenfoto (Quelle: Oper Stuttgart)

Besonders für „Die Liebe zu drei Orangen“ sind auch die zwei Handlungsebenen, in denen sich die Handlung bewegt. Die eigentliche Geschichte des Prinzen ist eine Geschichte in der Geschichte, in der auch die körperlich gewordenen Elemente Tragik, Komödie und Drama ihr aktives Mitspracherecht fordern. In der Stuttgarter Inszenierung bildet den Rahmen ein Adventure-Rollen-Computerspiel im Stil der 90er Jahre. Gelenkt von einem jungen Computerspieler, der sich mit der Handlung des Spiels vermischt.

Szenenfoto (Quelle: Oper Stuttgart)

Das aufwändige Bühnenbild ist grob verpixelt und die Laufwege einiger Charaktere auffällig geradlinig und rechtwinklig. ATARI und Commodore C64 lassen grüßen. Meiner Generation hat dies sicherlich ein breites Grinsen aufs Gesicht gezaubert, erkennt man sich doch wieder. Auch gut für einen Schmunzler: Der Schurke Leander erinnerte verdächtig an den – in Gaultier gewandeten – Bösewicht Jean-Baptiste Emanuel Zorg aus dem Kult-Film „Das fünfte Element“. Großartig. Für jugendliche Besucher wohl eher ein Anachronismus, aber ich fühle mich sehr wohl in dieser Welt und lasse mich durch die Geschichte treiben. Die Anspielungen der 90er sind wohl eher ein Bonbon für die heutigen Operngänger. Die Jugend darf sich mitreißen lassen durch die respektlos albern heitere Annäherung an das Thema Oper.

 

Ihr ward noch nie in der Oper – oder möchtet mal wieder? Aber es sollte nicht zu schwer sein?! „Die Liebe zu drei Orangen“ in der Stuttgarter Inszenierung bietet meiner Meinung nach hierzu eine gute Gelegenheit. Die Oper nimmt sich selbst nicht zu ernst. Unterhält alle Altersgruppen (empfohlen ab Klasse 5). Gleichzeitig bietet, neben dem oberflächlichen Spaß, das Libretto und die Musik genug Anlass zum tiefer gründigen Genuss.

Danke für den schönen Abend, Staatsoper Stuttgart!

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Falk Visarius
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Vom HiFi-Virus als Jugendlicher infiziert ist HiFi + HighEnd seither Teil meines Lebens. Forenerprobt, als freier Autor und bei den HiFi-IFAs ist mein Motto: Alles kann nichts muss. Die Freude am HiFi und der Musik zählt.

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